Zwei Arten, Konfirmation zu buchstabieren

[Darstellung: Wäscheleine durch die Kirche gespannt, große Buchstaben mit Wäscheklammern aufgehängt, zweimal also KONFIRMATION, werden im Zuge der Predigt umgedreht: auf der Rückseite Großer Buchstabe + zugehöriges Wort, evtl. + Clipart)

Predigt hat ca. 1600 Worte, unterbrochen durch ein Lied einer Konfirmandin.

Für Auswärtige: unsere Situation: Zwei klassische kleine Dorfgemeinden, zwei halbe Stellen, ländlich geprägt, wenig sogenanntes Bildungsbürgertum. Klassische Volkskirche: man ist drin, weiß aber oft nicht warum, macht viele Sachen, weil man sie halt so macht und das dazugehört. Motto: Wi bruuk keen Pastor aber wi wütt een hebben. Missionsgebiet wie überall.]

Liebe KonfirmandInnen, liebe Konfirmationsgemeinde,

grauenvoll, was wir da lesen mussten in den Zeitungen. Angeblich könnt ihr alle nicht mehr ordentlich lesen und schreiben. Und nicht nur nicht lesen, sondern nicht verstehen, was ihr lest. Pisa heißt das Gruselwort der Kultusminister und alle überlegen, was man tun kann. Da dachte ich: fang ich doch mal heute an mit einem einzigen Wort: Konfirmation. Wie schreibt man das? Und was bedeutet das?

K – ohle, Kapital
ganz ehrlich: heute fließt viel Geld, ds ist ein alter Brauch, der wohl auch etwas mit dem Übergang in Erwachsenenwelt zu tun hat. Ganz schlaue rechnen sich dann ihren Stundenlohn aus/Konferstunde oder sind so gemein, wie Börsenkurse ihre Zuwendungen zu vergleichen. Was hast du bekommen? Ich habe … Eben: Erwachsensenwelt.

O – rdentlich aussehen
Kleidungsfragen ganz oben: was ziehe ich an? Anzüge, Kleider, alte Fotos: man erkennt sofort von wann die sind, selbst die im Alltag flodderigsten: heute Haare gekämmt und ordentlich aussehen.

N – ie wieder
sagte mir einer: endlich brauche ich nie wieder zur Kirche. Geschafft, Ende, game over, endlich Ruhe (wozu eigentlich?)

F – amilie
Pflichtprogramm: Omas, Opas, Patentanten- und -onkels, Neffen, Nichten, Cousinen, etc. alle mal wieder zusammen, da heißt es Nerven bewahren.

I – nitiation
Oha, ein Fremdwort. Das heißt soviel wir Einweihung. Übergang zur Erwachsenenwelt. Ganz oft zu lesen: Konfirmation als Initiationsritual: Übergang von einer Rolle in die nächste, soll dabei helfen, seinen Weg zu finden, tut es wohl auch manchmal. Der nächste Buchstabe passt auch dazu.

R – ealität
Nun beginnt das wahre Leben, das ist kein Spiel. Ellenbogen und Rücksichtslosigkeit, Egoismus und Mobbing sind heute oft genug angesagt. Konfirmation als Übergang in die Realität. Tolle Realität, aber: was soll man daran ändern?

M – enue
ein gutes Essen gehört natürlich dazu. Oft platzt man aus allen Nähten.

A – ustritt
Ja, mit Gottes Hilfe, sagt ihr heute. Aber wenn das Haus gebaut wird oder richtig gut Geld verdient wird Steuerklasse 1 und Lohnsteuerkarte kommt: nicht selten: ade Kirche, ist ja nur wegen des Geldes, außerdem ärgere ich mich über … (was weiß ich), ich kann auch ohne Kirche glauben, und zur nichtsteuerzahlenden Frau: du bleibst ja drin.

T – abak
endlich darf ich rauchen, Papa spendiert eine Zigarre. So war es früher. Heute auch noch? Ich bin nicht so sicher, heute oft eher: Führerschein, wenn bis 18 nicht geschmökt wird.

I – ntus, einiges
bei einigen am abend desselben Tages schon zu beobachten: Übergang in die Erwachsenenwelt, soll wohl dazu gehören.

O – ops
Entschuldigung, mir fällt nichts mehr ein. Doch:

N – ettigkeit
alle sind nett zueinander, Geschenke, Fotos, ist ja auch alles gut und schön, „war das wieder ein Tag, oh bin ich satt, mein Kopf“, war das alles?

[Lied]

Die 2. Buchstabierweise

K – irche
Jawohl, Kirche, denn es gibt nicht DIE böse oder gute Kirche. Es gibt nur dich und dich und dich und dich und wir alle sind Gemeinde und Gemeinden sind Kirche. Als lutherische Christen brauchen wir einander, wir sind keine Monarchie oder Diktatur. Durch die Taufe wirst du Teil unserer Kirche, bei der Konfirmation stehst du selbst dazu, egal, was deine Altern meinen oder sagen. Und damit wird die Kirche auch nicht anders aussehen als du selbst als ihr Teil.

O – rientierung
Unser Glaube ist nichts für den staubigen Bücherschrank oder für das Museum. Unser Glaube will uns Orientierung für den Alltag geben. Frag dich doch einfach mal bei schwierigen Entscheidungen: Was würde Jesus tun? Oder bete zu Gott, dass er dir hilft, den richtigen Weg zu gehen. Er wird es tun.

N – eugier
Lass dich nicht einfach immer abspeisen mit dem, was dir vorgesetzt wird. Sei nicht so satt und selbstzufrieden und glaube erst recht nicht, du weißt schon alles. Konfirmation bedeutet auch Neugier auf ein eigenes Leben, hinaus in die Welt, aber genau diesesselbe Leben mit Gott an der Seite und darüber und darunter.

F – amilie Gottes
Es gibt noch größere und andere Familie als nur die Hansens, Petersen, Nissens usw. Es gibt eine sehr große Familie, die sich oft untereinander gar nicht so gut kennt. Ich meine die Familie der Kinder Gottes. Wir sind Gottes Kinder, er ist unser Vater. Ich bin froh, so einen guten Vater zu haben.

I – esus
An Jesus hängt alles. An ihm kommen wir nicht vorbei, obwohl wir es versuchen. Zu Weihnachten soll ihm der Weihnachtsmann die Show stehlen, zu Karfreitag wollen wir von seinem Tod nichts wissen und zu Ostern – , der Auferstehung, DEM Ereignis -macht sich der Osterhase immer breiter und Pfingsten ist dann nur noch unbekannt. Aber an Jesus kommen wir nicht vorbei, wenn wir etwas von Gott wissen wollen. Da kannst du 1000 km am Deich spazieren, du wirst Gott nicht finden, sondern nur um dich selbst kreisen. Weil du Jesus nicht kennenlernst. Lies die Bibel, lies das Neue Testament. Das ist sein Buch. Aber richtig erfahren kannst du ihn erst, wenn er in Form des Heiligen Geistes in dein Herz kommt. Sei dafür offen. Dieser Spruch: soll niemand drin wohnen als Jesus allein, ist kein dummer Spruch. Er ist der Schlüssel zum wahren Leben. Und auch zum

R – eichtum, echter
Der besteht nämlich gerade NICHT darin, Geldscheine zu türmen und Häuser aneinanderzureihen, sondern der besteht darin, von genau diesem gierigen Denken frei zu werden. Jesus sagt in der Bergpredigt: Sorgt euch nicht um diesen ganzen Kram, baut euer Haus auf den Fels Gottes und nicht auf den Sand reiner Selbstsucht. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und alles andere wird euch dazugetan. Das tut man am besten:
M – iteinander
Oh ich weiß, ich las in einem Buch, jeder Friese würde am liebsten auf seiner eigenen Hallig leben, die nächsten Nachbarn mindestens 5 km entfernt. Und über Probleme und Gefühle wird nicht gesprochen, sondern da werden die Zähne zusammengebissen und durchgehalten. Ich muss gestehen, dieses Denken des einsamen Wolfes hat ja auch was, keine Probleme mit anderen, weil keinen wirklichen Kontakt mit anderen. Aber ich glaube, letztlich macht es kaputt. Denn wir sind als Menschen aufeinander angewiesen und brauchen einander.Und besonders in Fragen des Glaubens ist das so. Wir brauchen Bestärkung und Vergewisserung. Wenn ich immer nur alleine in meiner inneren Bude sitze, kann es ganz schön schnell miefig werden. Und auch der Geist braucht Gemeinschaft. Also findet euch nicht nur zusammen zu Party und Saufen, sondern kommt auch mal in den Gottesdienst. Das ist nicht peinlich. Auch nicht peinlich ist die Gemeinschaft beim

A – bendmahl
früher immer ein Ritual, schwer von der Sündenlehre geprägt. Friedhofsatmosphäre. Jesus hat das eigentlich anders verstanden, nämlich als ein Mahl, wo er mitten dabei ist. Und das ist doch ein Grund zur Freude, oder? Und Ausdruck unserer Gemeinschaft als Christen ist es auch noch. Also, ihr seid alle herzlich eingeladen, und eure kleinen Geschwister auch.

T – reue zur Taufe
Manch einer guckte vorhin vielleicht schon etwas gnitzig, als ich mit dem Zettel Austritt kam. So ungefähr schaue ich auch, wenn mal wieder unsere jährlichen 2-3 Kandidaten in unserem Fach im Rentamt liegen oder ich beim Taufgespräch im Neubaugebiet zum 10.Mal erklärt bekomme, dass man ja nichts gegen „die Kirche“ habe, aber das es eben viel zu teuer ist und man ja auch ohne Kirche usw. Wisst ihr was: Ich selber wüsste noch 10mal bessere Gründe mich zu ärgern über „die Kirche“. Aber darum geht es nicht. Diese Kirche wird nun mal von UNS, von uns als Menschen gebildet und jeder von uns lebt von der Sündenvergebung in Christus. Treue heißt, das auch durch schwierige Zeiten durchzuhalten. Man trennt sich ja auch nicht gleich von seiner Frau beim erstbesten Ärger, oder …

I – nspiration
Fremdwort 2. Teil. Inspiration heißt soviel wie den Geist in sich zu haben. Den brauchen wir immer wieder. Ohne Gottes Geist wäre unsere Kirche ein toter Kasten und das alles hier hohl und leer. Pfingsten ist übrigens das Fest des Heiligen Geistes. Sehen wir uns drüben bei Asmussen? Da könnt ihr mal hören, was ein Mensch durch den Heiligen Geist erlebt hat. Das klingt für viele vielleicht unglaublich und seltsam. Dazu braucht man doch ganz schön viel

O – ffenheit
Der christliche Glaube, hier: unser Glaube, ist keine Ansammlung von netten Lebensweisheiten und moralischen Sprüchen a’la „Esse kein ungewaschenes Obst“ und „Sortiere deinen Müll anständig“. Der Glaube bedeutet offen zu sein für Gottes Botschaften, die er uns immer mal wieder versteckt oder deutlich zukommen lässt. Offenheit bedeutet auch mit Gottes Handeln zu rechnen, wo andere schon längst abwinken und den Konkursverwalter bestellen. Ihr ahnt es schon, es bleibt nur noch ein Buchstabe.

N – eues wagen
Neues wagen heißt nicht unbedingt alles anders zu machen oder gleich „zuhause auszuziehen“ (was in NF ja ohnehin eine Maximalentfernung von 1000 m von der Geburtstätte bedeutet). Neues wagen heißt, sein Leben auf Gott auszurichten und sich immer wieder mit ihm zu beschäftigen. Wie in einer Freundschaft/Partnerschaft/Ehe in einer lebendigen Beziehung zu Gott zu leben. Du kannst mir glauben, dann geschieht viel Neues in deinem Leben.

Ja, das waren die zwei Arten Konfirmation zu buchstabieren. Es liegt an auch, was vom heutigen Tag überbleibt. Die Konfirmation heute ist nur ein kleiner Schritt, du wirst erleben, dass immer wieder in deinem Leben Konfirmation ist, nämlich die Frage: Wie halte ich es mit Gott? Stehe ich noch dazu? Sagt mir das alles überhaupt noch was? Ich wünsche jedem von euch, dass er oder sie Gott dann findet oder wiederfindet. Denn Gott allein ist unsere Hoffnung, ohne ihn nützt uns das auch nichts, wenn wir noch so schlau sind und alles richtig schreiben können oder Pisa mit 1 bestehen. Konfirmation heißt für mich zuerst: Ja, Gott, zu dir gehöre ich und bei dir will bleiben. Das wollte ich euch in unserer gemeinsamen Zeit klarmachen …

So, das langt erstmal für heute. Möge Gott euch begleiten auf euren Wegen.

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