Zurück – erwischt – nicht allein gelassen (Gen 3,1-21)

Zurück

Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. (Gen 28)

Zurück nach Früher – würde ich manchmal schon gerne. Zurück in eine andere Zeit als ich noch jünger war und die Welt noch anders. Manchmal sehne ich mich zurück in eine Zeit, in der die Welt noch anders war. Einfacher, ruhiger, entspannter.
Vielleicht ist es die Sehnsucht nach dem Paradies, das es nie gab. Und wenn doch, dann ganz bestimmt nicht zu meinen Lebenzeiten oder zu den Lebzeiten von irgendjemanden den ich kennen würde.
Ganz bestimmt nicht, denn gerade in der Vergangenheit gab es Zeiten, die finster waren. Sehr finster. Viel finsterer, als sich das heute noch jemand vorstellen kann. Außer vielleicht den Alten. Ich weiß, dass früher nicht alles besser war.

Manchmal war es besser und manchmal schlechter und manchmal war es genauso gut oder schlecht wie heute – mal so, mal so.

Zurück nach Früher – würde ich trotzdem gerne noch mal.

In meine Vergangenheit. In mein ganz persönliches Paradies. Mal sind es diese Erinnerungen, die mich wehmütig werden lassen. Manchmal jene. Wehwut und Sehnsucht steigen dann auf –
damals als unser Sohn noch kleiner war…
damals im Studium…
damals als ich noch kleiner war…
als die Welt groß und unbekannt und aufregend war…
Ich weiß, dass früher nicht alles besser war. Im Gegenteil! Und doch sagt das Gefühl irgendwie schon, dass es früher besser war.
Jedenfalls manchmal.
Jedenfalls an bestimmten Orten zu bestimmten Zeiten.
Da war es gut.

Zurück nach Früher – würde ich schon manchmal ganz gerne.
Aber warum eigentlich?
Was ist denn so verlockend an diesen längst vergangenen Zeiten? Was ist das paradiesische an diesem vermeintlichen verlorenen Paradies? Warum zurück?
Zurück in eine Zeit…
in der ich keinen Stress hatte, sondern alle Zeit der Welt
in der ich noch keine Verantwortung hatte, sondern zumindest dem Gefühl nach alles einfach wunderbar geordnet war – und zwar nicht durch mich.
als alles in der Welt einfach neu und frisch und unbekannt war.
als die Welt selbst noch neu und frisch war.
Irgendwie unschuldig.

Zurück nach Früher – aber letztendlich doch nicht wirklich. Denn ich weiß, dass früher nicht alles besser war. Aber vielleicht wäre das doch auch mal so eine Art interessante Urlaubsreise: „Sieben Tage Vergangenheit all inclusive!“
Sich im Früher wieder treiben lassen. Alte Plätze aufsuchen, aber nicht im heute in der Erinnerung sondern noch richtig ins Früher eintauchen.
Und vielleicht doch ein paar Dinge anders machen.
Einfach mal ausprobieren – was wäre wenn mich damals anders entschieden hätte. Einfach mal ein paar Weichen anders stellen. Nur zum Spaß.
Und vor allem: ohne Konsequenzen für die Gegenwart! Denn eigentlich weiß ich ja, dass früher nicht alles besser war. Und dass es mir heute eigentlich ganz gut geht. Heute ist auch schön. Alles ist heute gut.
Und wenn nicht alles, dann doch vieles.
Jedenfalls etliches.

Zurück nach Früher – würde ich schon ganz gerne mal.
Aber nicht wirklich.
Oder doch?

Erwischt

Und sie hörten Gott den Herrn, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des Herrn zwischen den Bäumen im Garten. Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? (Gen 38-9)

Erwischt.
Ertappt.
Mist!
Er hätte es ahnen können.
Hätte ahnen können, dass das eine blöde Idee war.
Hätte ahnen können,
dass es Konsequenzen haben würde,
dass es Konsequenzen haben musste.
Aber er hatte es nicht geahnt.
Und wollte es wohl auch nicht ahnen.
Und es war doch auch gar nicht so schlimm.
Im Gegenteil: Es war notwendig.
Es war wichtig.
Und es war richtig.
Es konnte so nicht weitergehen.
Die Wahrheit musste schließlich ans Lichts.
Keine Fake-News mehr, keine Täuschungen, sondern Fakten, Fakten, Fakten.
Deshalb hatte er es getan, versuchte er sich einzureden. Nur deshalb.
Da war kein Eigennutz im Spiel. Es ging nicht um ihn selbst oder um die seinen.
Es ging um die anderen – für die hatte er das getan.
Für – die – anderen!
Für die Welt und die Menschheit.
Schließlich konnte es so nicht weitergehen.
Man wollte sie alle für dumm verkaufen. Wollte sie einlullen mit leeren Worten und leeren Versprechungen vom Paradies.
Und deshalb war die Forderung klar:
Wir sind die Menschen!“
Wir sind das Volk!“
Deshalb musste die Wahrheit ans Licht.
Musste dieses Komplott aufgedeckt werden.
Musste die Öffentlichkeit aufgeklärt werden.
Musste dafür gesorgt werden, dass man nicht länger für dumm verkauft wurde.
Musste die Verschwörung beendet werden.
Musste er die Konsequenzen auf sich nehmen.
Und nun ist alles aus.
Jetzt ist das Böse in der Welt.
Und er war’s wohl.
Und das andere, größere „Er“ weiß es.
Erwischt.
Ertappt.
Mist!

Nicht allein gelassen

Und Gott der Herr machte Adam und seiner Frau Röcke von Fellen und zog sie ihnen an. (Gen 321)

Wir leben nicht im Paradies. Die Welt ist kein Paradies. Wirklich nicht.
Aber in der Welt ist immer noch viel Paradiesisches zu finden und zu erleben. Und das wird immer so bleiben.
Trotzdem ist es halt manchmal da, das Gefühl, dass das Leben grausam und schrecklich gemein ist, dass Gefühl vom Paradies und allem paradiesischen ausgeschlossen zu sein. Ausgeschlossen. Abgeschnitten. Abgeschoben.

Wie ist das auszuhalten?
Wie geht’s?
Naja, muss ja, sagen manche.

Nein!
Es geht nicht nur, weil es muss.
Es geht weil ich will.
Und es geht, weil Er will.
Und es geht gar nicht so schlecht.
Nein, sogar manchmal richtig gut.
Weil Er will.

Herausgeworfen? Ausgestoßen? Abgeschoben?
Ja, ……aber nicht allein gelassen.
Nicht nur in den Flieger gesetzt und in der Wüste hinausgeworfen
mit einem „nun sieh mal zu“ auf den Lippen.
Aus den Augen, aus dem Sinn.

Herausgeworfen? Ausgestoßen? Abgeschoben?
Ja, aber nicht allein gelassen,
sondern neu eingekleidet
und perfekt ausgerüstet und zugerüstet.
Nicht allein gelassen,
sondern auf einen neuen Weg geschickt
und einen neuen Weg gezeigt.
Nicht allein gelassen,
sondern bestärkt mit neuer Hoffnung.
Nicht dem Leid überlassen,
sondern bestärkt um gemeinsam Leid tragen.
Nicht dem Tod überlassen,
sondern mit einem auf dem Weg
um den Tod zu überwinden.

Amen.

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