Nicht nur Elisabeth und Zacharias: Elternschaft mit Hindernissen

Kinder haben macht sich für’s Image gut. Bei Vorstellungsrunden heißt es oft: Ich bin verheiratet, habe  … Kinder und … Enkel, auch wenn das für die Qualifikation oder Aufgabe keinerlei Rolle spielt.. Leute punkten mit der Anzahl ihrer Kinder, selbst wenn das Verhältnis seit Jahren zerrüttet ist. Alleinerziehende müssen sich viel genauer überlegen, was sie sagen, wenn sie an der Reihe sind. Wer keine Kinder hat, bleibt stumm, so wie Zacharias, der erst bei der Beschneidung seines Sohnes seine Sprache wieder fand.
Keine Kinder haben oder nicht auf dem üblichen Weg Kinder bekommen, das ist kein Thema für die Öffentlichkeit. Oft wissen nur die nächsten Angehörigen oder Befreundeten Bescheid. Es wird nicht an die große Glocke gehängt. Es ist eher ein Nicht-Thema, auch in der Kirche.

Als Elisabeth schwanger wurde, hatten Zacharias und Elisabeth die Hoffnung auf ein Kind schon lange aufgegeben. Bestimmt haben sie vieles versucht. Doch irgendwann waren sie zu alt dafür.  Dazu kam sicher der Druck aus der Umgebung. Die Verwandtschaft erkundigt sich, wann es wohl endlich etwas wird. Hinter ihrem Rücken wird in der Nachbarschaft getuschelt, ob wohl mit den beiden etwas nicht stimmt. Heute hätten Zacharias und Elisabeth wahrscheinlich mehrere Fruchtbarkeitsbehandlungen hinter sich. Sie wären von Fachklinik zu Fachklinik gewandert. Sie hätten sich einer Hormontherapie unterzogen, es mit Invitro-Fertilisation versucht, all das, was der modernen Medizin möglich ist. Elisabeth und Zacharias gehören zu den Paaren, für die das Kinderkriegen eine Hürde darstellt.

Dabei sind es gar nicht so wenige. Immerhin jedes 10. Paar in Deutschland hat gar keine Kinder, aus welchen Gründen auch immer. Zwei Prozent der deutschen Kinder kommen durch künstliche Befruchtung auf die Welt. Für Alleinstehende war das lange auch nicht möglich. Da sind Frauen, die auf Samenspende ausgewiesen sind. Da sind Adoptiv- und Pflegeeltern.

Für gleichgeschlechtliche Paare ist es nach wie vor nicht selbstverständlich, daß beide das Sorgerecht bekommen. Sie müssen darum kämpfen, daß  die Ehepartnerin oder der Ehepartner als nicht-biologischer Elternteil in die Geburtsurkunde eingetragen wird. Da sind neue Modelle von Familien wie Co-Elternschaft, die sich die Verantwortung für Kinder teilen. Sie alle haben immer wieder mit Ablehnung oder abschätzigen Blicken zu kämpfen. Oder ihre Kinder müssen sich in der Schule naseweise Bemerkungen gefallen lassen.

Elisabeth und Zacharias stehen für Menschen, deren Kinderwunsch sich nicht so einfach verwirklichen läßt wie für die meisten. Die Herausforderungen für diese Eltern stehen nicht im Rampenlicht, medizinisch, juristisch oder was die soziale Akzeptanz und das Image betrifft . In der Kirche bleiben sie meist unsichtbar. In Predigten kommen sie schon gar nicht vor.

Mit Elisabeth und Zacharias rückt die Bibel alle Eltern in den Mittelpunkt, für die Kinderkriegen nicht so selbstverständlich ist wie für die Mehrheit. Ihre Elternschaft ist genauso angesehen und wertvoll wie die anderer Leute. Beide werden von Gottes Geistkraft ergriffen und erfüllt. Aus beiden spricht Gott. Aus Elisabeth, als die schwangere Maria sie besucht. Aus Zacharias, als er nach der Geburt und Beschneidung von Johannes Gott ein Loblied singt. Und mit diesem Lied hat er sicher auch beschrieben, was er selbst erlebt hat: Den Menschen, die in Finsternis und Schatten des Todes sitzen, erscheint ein Licht aus der Höhe. Amen.

Andere Predigten von Margot Runge: www.queerpredigen.com
Hier: andere Predigten in der Advents- und Weihnachtszeit
Predigt zu Johannes der Täufer und 70 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

Vorschlag für eine Hinführung zur Lesung Lukas 1, 67 – 79:
In der Adventszeit erinnern wir uns daran, was sich schon vor der Geburt von Jesus ereignete und wie es zu dieser Geburt kam. Vorher wurde ein anderes Baby geboren, in dem sich vieles abzeichnete, was Jesus später selbst erlebte und ausstrahlte: Johannes. Johannes, der Erfinder der Taufe. Performer, politischer Gefangener, Vordenker, Impulsgeber und Lehrer von Jesus.
Die Geburt beider Kinder war wundersam und wurde von einem Engel angekündigt. Johannes‘ Eltern waren alt, zu alt. Sie hatten die Hoffnung auf ein Kind schon begraben. Doch dann wurde Elisabeth doch noch schwanger. Der werdende Vater, Zacharias, konnte es kaum glauben und verstummte bis zur Geburt. Erst als das Baby geboren und beschnitten war und den Namen bekam, den der Engel genannt hatte, öffnete sich sein Mund. Seine ersten Worte nach neun langen Monaten sind in der Bibel festgehalten als „Lobgesang des Zacharias“.
[Der Lobgesang des Zacharias könnte auch (vor)gesungen werden.]

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