Woran glauben Christen seit Ostern?

Liebe Gemeinde!

Woran denken Sie an Ostern? – so fragt eine großangelegte 1,5 Millionen teure Plakataktion der Evangelischen Kirche in Deutschland, die sich an Kirchendistanzierte wendet. Sie gibt vier mögliche Antwortmöglichkeiten vor:
· Ferien
· Cholesterin
· Jesu Auferstehung
· Langeweile mit der Familie.

Ich halte diese Aktion schlicht weg für überflüssig. Sie weiß zwar medienwirksam sich in Szene zu setzen, aber bringt sie wirklich das Evangelium unter die Leute, wie die EKD-Synode 1999 ihre Zukunftsaufgabe betitelt hat? Ich bezweifle es. Hier wird sich in Allgemeinheiten geflüchtet, aber nicht Rede und Antwort gestanden. Gerade dazu lädt Ostern wie kein anderes Weltereignis ein, Rede und Antwort zu stehen. Allerdings geht es nicht um die Frage: Woran denken Sie an Ostern, sondern um die Frage: Woran glauben Christen seit Ostern? Eine Antwort gibt der Apostel Paulus in seinem ersten Korintherbiref.

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Hoffen heißt sein Stichwort. Auferstehung bringt Hoffnung für unser Leben. Wie steht es um unsere Hoffnung? Brauchen wir Hoffnung für unser Leben oder geht es auch ohne sie? Vor allem aber: Welche Hoffnung bewegt uns? Man kann ja auch so vieles im Leben hoffen: auf einen Lottogewinn, um sich einen großen Wunsch zu erfüllen, die langersehnte Weltreise oder das Häuschen im Grünen. Man hofft, gesund zu bleiben oder nach schwerer Krankheit wieder gesund zu werden. Man hofft, dass man vor Unglück verschont bleibe oder auf eine gesunde Rückkehr nach einer Reise. Es gibt natürlich auch Hoffnungen, die sich nicht so sehr auf das eigene Leben beziehen, sondern auf das anderer Menschen, z.B. der Kinder, dass sie eine gute Ausbildung erhalten und später eine gute Anstellung finden, dass sie glücklich mit ihrem Lebenspartner werden. Es gibt Hoffnungen, die noch weiter gespannt sind, dass Menschen lernen mögen, mitmenschlich umzugehen, dass Frieden möglich werde, wo Krieg herrscht, ja dass die Menschheit alle ihre Sinne darauf ausrichtet, der Umweltzerstörung Einhalt zu bieten. Aber auch das Gegenteil gibt es wie das Sprichwort lehrt: Hoffen und Harren macht manche zum Narren!

"Das ist doch nur eine Droge! Du hoffst und hoffst, und wirst doch immer wieder nur enttäuscht. Da habe ich mich engagiert in der Arbeitsgruppe Bewahrung der Schöpfung. Doch nichts verändert sich. Ist wegen uns auch nur ein Baum weniger gefällt worden?" resigniert ein engagierter Christ. Hoffnung, sagt mir eine Frau, ist nur eine leeres Versprechen. Sie steht nun allein da. Ihr Ehemann hat sie ohne ein Wort nach fünfzehn Jahren verlassen. Er hat sie alleingelassen mit Kindern und Haus. Das darf doch nicht wahr sein. Zunächst hat sie immer noch gehofft, er werde zurückkommen. Nun steht sie allein inmitten des Scherbenhaufens. Hoffnung ist doch nur Illusion, sagt ein dritter. Damit kann ich nichts mehr anfangen. Ja früher, da habe ich gedacht: Später willst du einmal dieses oder jenes machen. Aber da kam soviel dazwischen, eine Krankheit, ein Unfall. Heute nehem ich mir nur, was ich brauche. Ich lebe doch jetzt. Leben nach dem Tode? – Das interessiert mich nicht. Ich will heute was erleben!

Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen, schreibt Paulus und erinnert an den entscheidenden Grund, warum Hoffnungen zerplatzen können wie Seifenblasen, weil sie es nicht mit dem Tod aufnehmen konnten. Ostern ist mehr als die Hoffnung auf ein Leben, das ein bißchen besser als das gegenwärtige, ein bisschen friedlicher, ein bisschen gerechter sein soll. Ostern ist Hoffnung, die dem Tod standhält. In einem seiner Gleichnisse hat Jesus einmal die Hoffnung mit einem Weizenkorn verglichen: "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht." (Joh.12,24) So ist das mit der Hoffnung. Klein und unscheinbar wie ein Weizenkorn ist sie. Und dennoch besitzt es genug Sprengkraft, um die Ackerkrume zu durchbrechen und ans Licht zu drängen. In einem Weizenkorn ist gleichsam als Miniatur schon die ganze Pflanze angelegt. Das ganze Wunder eines reifen Kornfeldes ist in ihm verborgen. So soll eure Hoffnung sein, sagt Paulus. In jedem Hoffnungskörnchen, das euch bewegt, sollt ihr das Bild der Ernte vor Augen haben:
· ja auch dann, wenn das Körnchen Hoffnung im Alltag zu Boden fällt oder auf ihm herumgetrampelt wird
· auch dann wenn es begraben wird unter den Alltagssorgen und Schicksalsschlägen, wenn es den Anschein hat, als wäre alles endgültig aus.

Die Hoffnung, von der Paulus spricht, reicht durch alle Enttäuschungen, denen Menschen ausgesetzt sind, hindurch. Sie lebt vom Bild der Ernte, die so sicher kommt, wie aus einem Weizenkorn eine herrliche Ähre wird. Sie lebt von Christus, der selbst zum Weizenkorn wurde, der den Weg des Weizenkorns ging, im Dunkel des Todesackers versank und am dritten Tag zu neuem Leben auferstand. Solche Hoffnung macht lebendig. Sie weckt die Lebensgeister. Das Versprechen auf Leben ist größer als das, was vor Augen ist. Es gibt eine Erfüllung über das hinaus, was ich mir wünschen und vorstellen kann. Eine Erfüllung, die sich nicht kaufen läßt und die mir darum niemand abkaufen kann, weil Gott selbst dafür einsteht. Woran glauben Christen seit Ostern? Helmut Gollwitzer schreibt von dieser Hoffnung:

"Das Licht ist nicht tot.
Gott ist nicht tot.
Die Hoffnung ist nicht unbegründet.
Jesus nicht ein leerer,
toter, vergangener Name,
nicht der Gekommene,
sondern der Kommende,
das Licht der Welt, die im Dunkel liegt,
das Licht auf dem Wege,
das Licht der Heimat,
auf die wir zugehen.
Sollten wir nicht neu unsere Hoffnung
daran festmachen?"

Daran glauben Christen seit Ostern!

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