Wir wollen eins sein

Liebe Gemeinde,

leider können wir heute nicht auf dem Heimkehrerplatz ökumenisch zusammen sein wie sonst. Ich soll Ihnen aber die herzlichen Grüße von Pfarrer Zepezauer ausrichten und Ihnen sagen, dass wir im Geist vereint sind und heute evangelisch und katholisch aneinander denken und füreinander beten werden. Genau so wie es der heutige Predigttext uns anrät.

Ich lese Johannes 17,20-26

20 »Ich bete nicht nur für die Jünger, die hier anwesend sind. Ich bete auch für alle, die durch ihr Wort zum Glauben an mich kommen. 21 Der Glaube soll sie zusammenhalten – so wie du, Vater, in mir gegenwärtig bist, und ich in dir. Der Glaube fügt sie zusammen. Dann kann diese Welt zum Glauben kommen, dass du mich gesandt hast. 22 Ich habe ihnen die Herrlichkeit verliehen, die du mir geschenkt hast. Die Herrlichkeit soll sie zusammenhalten, so wie auch wir untrennbar eins sind. 23 Ich bin in ihnen gegenwärtig und du in mir. Sie sollen untrennbar zusammengehören. Daran soll diese Welt erkennen: Du hast mich gesandt, und du liebst sie, so wie du mich liebst. 24 Vater, du hast sie mir anvertraut. Ich will, dass sie mit mir dort sein können, wo ich dann bin. Sie sollen mich in meiner Herrlichkeit sehen, die du mir geschenkt hast. Denn du hast mich schon geliebt, bevor diese Welt geschaffen wurde. 25 Gerechter Vater, diese Welt hat dich nicht erkannt. Aber ich kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. 26 Ich habe dich ihnen verkündet und werde es weiter tun. Die Liebe, die du mir geschenkt hast, soll auch sie erfüllen. So werde ich in ihnen gegenwärtig sein.«

Unsere ökumenischer Verbundenheit als katholische und evangelische Christinnen und Christen ist wichtig. Denn Jesus sagt: Wir sollen alle eins sein. Wenn wir mit ihm verbunden sind, dann sind wir auch mit Gott verbunden und miteinander. Das schließt Christinnen und Christen verschiedener Konfessionen ein aber auch Menschen weltweit. Wir dürfen uns nicht voneinander trennen, damit wir unserem Glauben treu bleiben. Wir gehören zusammen und müssen aufeinander achten.

Und gerade jetzt sieht man, was passiert, wenn man sich nicht umeinander kümmert und es zulässt, dass Menschen ausgeschlossen und an den Rand gedrängt werden.

Wo gab es am Anfang der Pandemie kaum Schutzkleidung? In den Altenheimen. Der Schutz der alten Menschen in den Heimen wurde vernachlässigt. Und damit wurden viele davon Ansteckungsherde. Besonders schutzbedürftige Menschen starben, weil niemand an sie gedacht hat.

Wo gibt es jetzt die meisten neuen Fälle? In den Schlachthöfen. Dort wurden ausländische Arbeiter in zu engen Unterkünftigen zusammengedrängt. An die Menschen hat niemand gedacht und nichts gegen die schlimmen Arbeitsbedingungen dort unternommen.  So wurden viele infiziert und die Landkreise mit den Schlachthöfen müssen Lockerungen zurückfahren.

Wenn wir uns nicht umeinander kümmern und Gruppen in der Gesellschaft, denen es schlechter geht als uns, nicht im Blick haben, schlägt das auf uns alle zurück.

Die Pandemie zeigt. Wir sind international stark vernetzt und wir können nicht mehr so tun als gingen uns die anderen weit weg nichts an. Wenn Menschen schlecht behandelt werden, schlägt das irgendwann auf uns zurück.

Wir als Menschheit sind eins, weil Gott unser aller Vater ist und wir durch Jesus Christus mit ihm verbunden sind.

Ich weiß, dass dies gefühlsmäßig schwer zu begreifen ist. Denn unsere Familie ist uns näher. Unsere Nachbarn haben wir besser im Blick. Was in Darmstadt passiert, interessiert uns mehr als das, was in Nairobi geschieht. Aber die Welt ist eben komplizierter geworden. Und was woanders stattfindet, beeinflusst unser Leben, ob es und gefällt oder nicht. Viele hier haben Verwandte und Kinder und Enkel in anderen Gegenden der Welt. So ist es und so wird es auch bleiben. Wenn wir versuchen uns heute abzuschotten, dann funktioniert das nicht mehr. Auch unsere Wirtschaft ist auf die ganze Welt angewiesen. Wir können nicht alles vor Ort produzieren und vor Ort alles da haben.

Deshalb finde ich es wichtig, uns mit dem wie es ist zu versöhnen und zu versuchen unsere Welt für alle so gut wie möglich zu gestalten.

Jesus sagt: Die Liebe, die Gott ihm geschenkt hat, soll auch uns erfüllen. Und er wird in uns gegenwärtig sein. Wenn wir uns also nicht von den anderen abschotten können, dann sollten wir uns bewusst für die anderen öffnen. Wir können uns darum kümmern, wie es ihnen geht. Wir können mit Menschen reden, die uns fremd sind und die anders sind als wir. (Das sage ich zuerst mir selbst, denn mir fällt das besonders schwer.) Und wir können neugierig darauf sein, wie andere die Welt sehen.

Ich lerne immer noch jedes Jahr etwas dazu, was die katholischen Bräuche angeht und was Katholiken wichtig ist. Und genau das ist auch nötig, denn wir haben eine Geschichte der gegenseitigen Verletzungen zwischen Evangelischen und Katholischen in Deutschland. Lassen Sie sich mal die Geschichten erzählen wie es nach dem Krieg war in ein Dorf zu kommen, wo die große Mehrheit eine andere Konfession hatte als man selbst. Als Flüchtling hat man sowieso jede Menge Ablehnung erfahren. Und wenn man dann noch katholisch in einem evangelischen Mehrheitsort oder evangelisch in einem katholischen Mehrheitsort war, wurde es noch schlimmer.

Und genauso schwierig wenn nicht noch schwerer ist es, irgendwo zu leben, wo die Sprache nicht die eigene Muttersprache ist. Man kann sich nicht so genau ausdrücken wie man es gewohnt ist. Und wenn nicht nur die Konfession sondern auch die Religion anders ist und ganz und gar die Kultur. Dann sind Missverständnisse auf beiden Seiten das Normale.

Aber stellen Sie sich einmal vor wie das für die ersten Christinnen und Christen war, die über die ganzen Mittemeerraum verteilt lebten. Manche waren Juden andere hatten vorher eine ganz andere Religion gehabt. Manche waren Sklavinnen, die mit jedem schlafen mussten, wo der Herr es ihnen befohlen hat. Andere waren reiche Frauen, die in relativer Sicherheit gelebt haben. In der Antike waren Religionen oft nach Schicht und Herkunft und Geschlecht sortiert. Nur das Christentum hat alle eingeschlossen. Stellen Sie sich vor wie schwer das Leben in einer Gemeinde war, wo die Menschen aus so unterschiedlichen Gruppen kamen. Und diese Menschen haben auf Jesus gehört, der ihnen gesagt hat, sie sollen alle eins sein. Im Vergleich dazu haben wir es heute leicht. Nehmen wir die Herausforderung an.

Wir sollen alle eins sein, denn Gott ist unser aller Vater. Wir können damit anfangen, indem wir aufmerksam für die Menschen werden, die uns begegnen und uns dafür interessieren, wie es ihnen geht. Zuhören, Zuhören, Zuhören. Und dann werden wir spannende Geschichten zu hören bekommen, die uns auch selbst bereichern werden.

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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