Wir haben seine Fürbitte

Eine Jahreslosung ist mehr als nur ein Wahlspruch. Es ist ein Vers, der uns durch ein Kirchenjahr begleiten will. Darum versuche ich ihn in den meisten Gottesdiensten als Halleluja-Vers nach der Schriftlesung in Erinnerung zu rufen. Manchmal erlebe ich voll Freude, dass Jahreslosungen auch nach Jahren noch präsent sind. Menschen merken sie sich und machen sie zu ihrem ‚ewigen Schatz’. Ob die Jahreslosung 2005 dazu gehören wird, weiß ich nicht, bin eher unsicher. Aber vielleicht gelingt das – gerade im Zusammenhang mit dem Lesezeichen, das ich Ihnen mitgebracht habe. Darauf lesen Sie die Losung dieses Jahres des Herrn AD 2005:

[TEXT]

Glaube ist ein zerbrechliches Geschehen. Ich erlebe täglich so Vieles, das meinen Glauben kaputt machen kann. Über 45000 Menschen sind am 2. Weihnachtstag einem Seebeben und seine Folgen zum Opfer gefallen. 1 Million Menschen ihres Obdachs beraubt. Wie viele Familien oder Freundschaften zerbrochen sind durch die Folgen dieser Katastrophe lässt sich wahrscheinlich nie ermessen. Unermessliches Leid, das ausstrahlt bis zu und. Das lässt mich verzweifeln. Ohnmächtig muss die Welt zusehen und kann nur etwas tun, die Folgen zu lindern. Und ich weiß, dass es anderen Menschen ähnlich ergeht.

Immer häufiger findet man in Kapellen im Krankenhaus oder in Autobahnkirchen oder in anderen häufiger besuchten Gotteshäusern Bücher, in die Gäste sich eintragen können, manchmal tun sie das auch mit einfachen Gebeten für andere Menschen. In der Hoffnung, dass Gebete keine vergeblichen Worte sind, sondern dass Gott sie erhören will. In diese Situation hinein trifft mich diese Losung für ein neues Jahr.

Der Spruch entstammt einem besonderen Umfeld: das letzte Abendmahl Christi mit den Seinen Ankündigung von Verleugnung. Der Satz ist explizit an Petrus gerichtet. Daran soll Sie dieses Lesezeichen erinnern, dass sie in Händen halten: Der Hahn kräht und signalisiert damit das Versagen des Petrus angesichts seiner großen Herausforderung. Er signalisiert mir gleichzeitig, wie oft ich versage, wenn es darum ginge, Christus zu bekennen. Es geht um die Gefährdung des Glaubens, um Satan als den, der Menschen in ihrem Glauben verunsichert. Davon erzählt der Text um unsere Jahrslosung herum:

Lukas 22,31-34

"31 Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen. 32 Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder. 33 Er aber sprach zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. 34 Er aber sprach: Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst.

Jesus nimmt Abschied von den Seinen. Er feiert mit ihnen das Abendmahl, so wie wir es heute feiern. Er registriert seine eigenen Einsamkeit. Einer, der mit am Tisch sitzt wird ihn verraten, ein anderer ihn verleugnen, sich öffentlich von ihm distanzieren. Ich kenne den überhaupt nicht. Die Anderen werden weglaufen. Das weißt Jesus und darum spricht er einen seiner prominenten Jünger, Petrus direkt an.

Er weiß, wie gefährdet das Pflänzlein Glauben gerade bei denen ist, deren Glauben so gefestigt einher kommt, die wirken, als könnte sie nichts umwerfen. So wie selbstsicheres Auftreten eines Menschen oft nur Zeichen für seine inneren Zweifel und Unsicherheiten ist, so ist auch der selbstbewusst vor sich her getragene Glaube oft Signal dafür, wie angefochten der Glaube in Wirklichkeit doch ist. Nicht umsonst gilt von alters her der Zweifel als steter Wegbegleiter des Glaubens.

Ich glaube auch deswegen gilt Glaube weithin als Sache des stillen Kämmerleins, als eine ganz private Angelegenheit, die niemanden etwas angeht. Weil viele Menschen sich nicht sicher sind und deswegen Angst haben, offen von ihrem Glauben, von ihren Gefühlen zu reden. Auch für sie kräht der Hahn.

Vielleicht ist es gerade heute so wichtig, dass wir wieder neu lernen von unserem Glauben zu reden, uns Mut zu machen angesichts dieser Nachrichten, die jeden Lebensmut im Keim ersticken wollen.

Jesus jedenfalls will uns diesen Mut nicht einfach vermitteln. Er will ihn uns zusprechen, wenn er zu Jesus in dieser bitteren Stunde sagt: Jesus Christus spricht: Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.

Wir haben seine Fürbitte – und im Vertrauen darauf dürfen wir selber Fürbitte tun. Jesus selber, steht für uns und unseren Glauben ein. Und immer wieder ist er bei uns. Gerade dort, wo wir zweifeln sind wir nicht allein, sondern sein Gebet geht mit uns. Und so wie wir im Gottesdienst sein Gebet beten, das Vaterunser, so beten wir nicht nur seine Worte, sondern auch mit seiner Fürbitte für uns, mit der Hoffnung, die er uns schenkt.

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