Wie der Tannenbaum zum Weihnachtsbaum wurde

Liebe Gemeinde, liebe Großen und besonders die Kleinen,

die Geschichte, die Sie und Ihr heute hören werdet, ist nicht neu. Aber es ist wichtig, dass wir sie nicht vergessen.

Dabei sollen wenigstens die Kleinen heute nicht nur hören, sie sollen auch sehen und vielleicht sogar anfassen können. Deshalb lade ich euch ein, nach vorn zu kommen, und euch um den Weihnachtsbaum herum zu versammeln.

<i>Kinder kommen nach vorn</i>

Wisst Ihr: nicht ich werde euch heute eine Geschichte erzählen, ich leihe nämlich nur meine Stimme dem Weihnachtsbaum, weil er mich so sehr gebeten hat, am Heilig Abend nicht nur hier herumzustehen, sondern sich euch allen einmal ausführlich vorzustellen.

Aber lasst uns den Weihnachtsbaum erst einmal herzlich begrüßen, uns freuen, dass er hier ist und uns sogar etwas sagen will:

<i>Lied: O Tannenbaum V.1</i>

Also hört nun, was er euch erzählen will:

Wisst ihr, ich gehöre noch gar nicht so lange zu dem großen Fest von Weihnachten. Viele Jahrhunderte haben Menschen Weihnachten ohne mich gefeiert. Bis dahin war ich ein ganz normaler Tannenbaum. Aber dann, Anfang des 16. Jahrhunderts ging es eigentlich ganz schnell. Es begann hier in Deutschland, die Menschen fingen an, mich an Weihnachten mit allen möglichen Dingen zu schmücken und von hier nahmen mich Menschen mit nach Frankreich und England und sogar nach Amerika.

1. Die Farbe Grün

Vielleicht fragen sich einige, „warum gerade ein Tannenbaum – und nicht z.B. ein so richtig schön blühender Magnolienbaum?“ Ganz einfach: die Menschen haben gerade mich gewählt, weil ich immer grün bin; nicht nur im Sommer, wenn es hell und warm ist, sondern gerade auch im Winter, wenn’s dunkel und kalt ist. So kann ich die Menschen anstiften, ihre Hoffnung auf Leben nicht aufzugeben, auch wenn alles erstarrt und dunkel ist.

<i>Lied: O Tannenbaum, V.2+3</i>

2. Äpfel (= rote Kugeln):

Doch schaut hin, an mir hängen ja auch noch rote Äpfel, manchmal auch rote Kugeln. Die Äpfel und Kugeln erinnern an meinen alten Vorfahren, den Paradiesbaum.

Adam und Eva ließen sich verführen, von den Früchten dieses Baumes zu essen. Und so gab es eine lange lange Zeit, da war die Tür verschlossen zum Paradies. Aber seit Weihnachten,

seit Jesus geboren ist, ist das wieder anders geworden. Und so ist auch der Heilige Abend der Namenstag für Adam und Eva geworden.

Ist es bei Euch zuhause vielleicht auch so, wie bei eurer Pfarrerin in ihrer Kindheit? Sie hat mir nämlich erzählt, dass einige Tage vor Weihnachten ihre Mutter das Wohnzimmer zuschloss und die Kinder nicht mehr hinein durften. Und da drinnen hat die Mutter dann alles mögliche vorbereitet. Das war aufregend, immer wieder versuchten sie durchs Schlüsselloch zu schauen, haben aber nur einen ganz kleinen Blick erhascht. Doch dann am Heilig Abend, nach dem Gottesdienst, standen sie alle vor der Tür,

aufgeregt, angespannt, mit ganz roten Backen, und dann ging die Tür von innen auf! Das war der große Augenblick. Der Weihnachtsbaum leuchtete ihnen in voller Pracht entgegen, all die Geschenkte darunter, der Geruch der Lebkuchen, die schöne Musik …

Wisst ihr, das kann euch daran erinnern, dass es eine Zeit gab, da konnten die Menschen nicht immer zu Gott kommen. Aber seit Weihnachten ist der Himmel wieder offen, jeder hat Zutritt zum Paradies. Jeder kann zu jeder Zeit mit Gott reden, zu ihm kommen.

Seht mich an: Ich bin ein Stück Paradies. Und jeder darf hinein! Denkt daran, wenn ihr singt: „Heut schließt er wieder auf das Tor zum schönen Paradeis.“

<i>Lied: Lobt Gott ihr Christen alle gleich, V.1+6</i>

3. Stern und Kerzen:

Und dann – sind die nicht wunderschön, all die Kerzen in meinen Zweigen? Und wenn dann noch drum herum alle Lichter ausgehen, gell da wird’s euch irgendwie ganz warm im Herzen. Habt ihr auch in den letzten Wochen, immer wieder die Kerzen am Adventskranz angezündet? Erst eine, dann zwei, dann drei, und heute morgen die vierte. Die Kerzen wollten euch sagen: Vergesst es nicht: die Tage sind oft dunkel, ihr seid vielleicht auch immer wieder traurig, aber wartet nur – es kommt, es kommt ganz sicher – das große Fest, wo es wieder ganz hell wird! Es ist ja schon schön, nur eine solche Kerze anzuzünden, aber ihr müsst doch zugeben: es ist nichts gegen meine Lichterpracht! Meine Lichter sie verkünden euch allen: Und wenn’s noch so dunkel ist in eurem Leben, Gott kommt hinein, und wo er ist, da wird es hell.

Aber, ich gebe auch zu, es ist manchmal gar nicht so leicht, dieses Licht zu finden. Die Weisen aus dem Morgenland sind lange hin und her gereist, um endlich rauszufinden, wo sie den „neugeborenen König“ finden können. Manchmal ist das große Licht ganz seltsam versteckt, wir meinen, Gott nicht sehen, nicht spüren, nicht hören zu können. Und da brauchen wir dann solch einen Stern, der uns den Weg weist. Die Weisen haben ihn gesehen und auch die Hirten, das heißt: die ganz klugen und die ganz einfachen Leute. Mit Hilfe des Sternes haben sie den Weg zum großen hellen Licht gefunden. Schaut nur – dann werdet auch ihr die vielen kleinen Sterne in eurem Leben schon entdecken: Wenn euch einer eine schöne Geschichte von Gott erzählt, oder auch nur ein liebes Wort sagt, wenn da jemand da ist, der euch nach einem festen Streit, die Hand hinstreckt und sagt: komm sind wir wieder Freunde. All das kann so ein Stern sein, an die meine Sterne euch erinnern.

<i>Lied: Stern über Bethlehem, V.1</i>

4. Engel:

Aber da ist ja noch einer bei mir, der Engel, der allen, die es hören wollte, zuruft: „Gott selber ist heute in die Welt gekommen, um euch zu zeigen, wie er sich das Leben gedacht hat. Wer sich an ihn hält, bei dem kann das Leben wieder heil werden. Deshalb nennen die Christen diesen Jesus Heiland.“

<i>Musikstück: Posaunen</i>

5. Vergoldete Nüsse:

Aber schaut, da hängen ja goldene und silberne Nüsse und ganz verschiedene kleine Dinge, ein Pferdchen, ein Schuh, eine kleine Glocke. Das alles sind gar keine besonders wertvollen Dinge, und trotzdem sind sie was ganz besonderes. Sie erinnern uns daran, dass die Hirten lassen alles stehen und liegen gelassen haben und zum Stall gelaufen sind, Und dann stehen sie da in dem Stall, und spüren: hier sind wir richtig, hier haben wir einen Platz, wenn auch viele uns nicht haben wollen, weil wir zu dreckig, zu arm, zu laut sind, Jesus will uns. Das macht sie so froh, dass sie nicht anders können, als ihm all das zu bringen, was sie haben. In den Augen der Menschen, vor allem der Reichen, sieht es nach nichts aus. Ein paar Nüsse, ein paar Strohsterne, vielleicht ein paar geschnitzte Kleinigkeiten. Aber die Freude und die Liebe in ihrem Herzen macht diese Kleinigkeiten zu wahren Kostbarkeiten. Wie durch einen Zauber leuchten sie ganz golden. Jesus will gar keine Schätze von uns, er will unsere Herzen, das sagen uns die Nüsse und gebastelte Kleinigkeiten.

Deshalb singen wir jetzt:

<i>Lied: Ich steh an deiner Krippe hier, V.1</i>

6. Goldketten:

Ein letztes Wort noch zu den Ketten. Wisst ihr, warum ich sie mag? Als die Sklaverei abgeschafft wurde, hängten die Sklavinnen und Sklaven ihre Ketten an die Kirchenwand. Sie wollen euch daran erinnern, dass bei Gott niemand auf seine Fehler, auf seine Vergangenheit festgelegt wird, Jesus hat uns gezeigt, dass niemand im Alten stecken bleiben muss, sondern mit seiner Hilfe immer wieder ganz neu anfangen kann. Das sind die Ketten, ein Symbol, wie alles andere an mir auch. Sogar jeder meiner Zweige endet in einem Kreuz. Darum singe ich mit – auf meine Art und leise, wenn ihr nachher ganz am Schluss singt:

„Christ der Retter ist da! … Welt ging verloren, Christ ist geboren, freue dich, o Christenheit.

Nun habt ihr meine Geschichte gehört und wisst, dass ich mehr bin als ein geschmückter Tannenbaum. Die ganze Weihnachtsgeschichte trage ich in meinen Zeigen. Und dass ihr das auch in den kommenden Tagen nicht vergesst, darf jeder von euch sich eines dieser Zeichen mitnehmen, eine Christbaumkerze, einen Apfel, eine goldene Nuss, einen Stern oder auch einen kleinen Engel. Ihr könnt es an Euren Weihnachtsbaum zuhause hängen, vielleicht wird er dann für euch ja wirklich zu einem Christbaum.

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