Wenn’s eng wird … (Mt 7,13-16)

Mt 7,13-16
[13] Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind’s, die auf ihm hineingehen. [14] Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind’s, die ihn finden! [15] Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. [16] An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

Liebe Konfirmandinnen, liebe Konfirmanden, liebe Festgemeinde,

im vergangenen Jahr war ich für einige Tage im Elbsandsteingebirge – wer das nicht kennt – das ist in der Nähe von Dresden. Auf einer Wanderung fand ich dort ein Hinweisschild mit der Aufschrift: zur Himmelsleiter.
Klar, dass ich die sehen wollte. Als ich dann vor der besagten Himmelsleiter stand, wurde mir aber doch ein bisschen mulmig zumute. Da war eine steile Eisentreppe – viel breiter als ich und mein Rucksack war sie nicht und man sah nach einigen Stufen nur noch Dunkelheit. Ich muss gestehen, ich habe ein bisschen gezögert, bevor ich die Leiter betrat. Dann fasste ich mir doch ein Herz und stieg hinauf. Auf halben Weg dachte ich, ob das so ganz schlau von mir gewesen war, die Himmelsleiter erklimmen zu wollen. Doch zurück ging auch nicht, ich hörte bereits Schritte hinter mir. So ging es weiter steil auf der Leiter nach oben. Da endlich kam wirklich, was ich still gehofft hatte: Licht war zu sehen und bald öffnete sich der dunkle schmale Gang und endlich war auch der Himmel zu sehen.

Die Lesung des heutigen Tages hat mich an diese Szene erinnert. Jesus erklärt, woran man den richtigen Weg ins Leben erkennen kann und woran den falschen Weg. Er wählt dazu das Bild des Weges und der Pforte. Das Tor, der Weg zu einem Leben, das am Ende scheitert, ist breit, sagt Jesus. Die Pforte, der Weg aber zum gelingenden Leben ist eng. Die Himmelsleiter könnte also gut für den Weg zum sinnvollen Leben stehen.
Daneben sind der richtige und falsche Weg noch an einem anderen Kennzeichen zu erkennen – das allerdings macht mich ein bisschen unruhig. Wo die vielen Leute durchgehen, das soll der falsche Weg sein. Der richtige Weg, so meint Jesus, ist daran zu erkennen, dass er nur von wenigen Menschen betreten wird.

Nun fragt man sich, wer freiwillig, ohne zu zögern, einen schweißtreibenden Weg wählt, wenn es einen einfachen Weg gibt. Wer zwängt sich durch eine enge Pforte, wenn daneben ein breites Tor als Durchgang bereit steht? Es ist doch nahe liegend den breiten Weg zu wählen und das große Tor. Und doch sagt uns Jesus, dass wir dabei falsch liegen. Hat Jesus wirklich Recht?

Manchmal träumen wir von einem Leben, ohne Anstrengung. Manchmal denken wir, da kommen wir auch so durch – ohne Lernen. Manchmal nehmen wir das Auto, um zum Bäcker um die Ecke zu fahren oder wir geben nach, um des lieben Friedens willen, obwohl das gegen unsere Überzeugung ist. Teuflisch anziehend ist dieser breite bequeme Weg – ohne Auseinandersetzung, ohne Stress, ohne Anstrengung, ohne Mühe. Verführerisch ist dieser Hauptsache Ich – Weg, den so viele Leute gehen. Aber ist er wirklich gut für uns. Jesu Antwort ist klar: Nein, so ein Weg ist nicht gut für uns.

Jesus sagt das nicht nur, er geht selber konsequent diesen engen schmalen Weg, diesen oft dunklen, undurchsichtigen, schmerzvollen Weg, weil er weiß, dass er der richtige ist.

Einen Vers, womit Jesus seine Rede damals anfing, haben wir noch nicht gehört. Ich trage ihn hier nach, weil da deutlich wird, wie dieser enge, schmale, schwierige und doch genau richtige Weg gegangen werden kann:
Jesus gibt uns eine Lebensregel mit auf den Weg, die es zu beachten gilt. Simpel und einleuchtend ist, was Jesus sagt: Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch. Das ist die goldene Regel, die Jesus hier ausspricht. Ein berühmter Philosoph wird dieses Wort wieder aufnehmen. Immanuel Kant sagt: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Liebe Konfirmandinnen, liebe Konfirmanden, liebe Festgemeinde, stellt euch nur vor, wir würden damit ernst machen. Schon will ich heftig nicken, da fällt mir auf, dass das ja doch nicht so einfach ist, wie zunächst gedacht. Das klingt alles sogar ziemlich anstrengend. Unsere Welt tickt doch ganz anders: Wir haben bei aller Rede über soziale Kompetenz gelernt, unsere Ellenbogen zu gebrauchen. Aus Angst zu kurz zu kommen, übersehen wir so schnell diejenigen, die wirklich zu kurz kommen. Unsere eigene Verletzlichkeit verdecken wir damit, dass wir unseren Muskeln spielen lassen. Und außerdem, warum soll gerade ich so handeln, wie auch ich behandelt werden möchte, wenn andere nicht daran denken, dies auch zu tun?! Die Verführung ist groß, seinen Vorteil zu suchen, sein scheinbares Recht mit allen Mitteln durchzusetzen, empfangene Verletzungen anderen heimzuzahlen.

Immer so zu leben, dass unser Handeln wirklich gemeinschaftstauglich ist, ist ziemlich anstrengend und anspruchsvoll. Nun wird auch klar, dass auf dem engen Weg zum gelingenden Leben kein Gedrängel herrscht. Diese Enge Pforte ist schwer zu finden. Den richtigen Weg zu finden und zu gehen, den anderen nie aus dem Auge zu verlieren, immer daran zu denken, auch der Mensch neben mir, ist in Gottes Augen unendlich wertvoll wie ich selbst auch, das bedarf großer Aufmerksamkeit und eines wachen Gewissens.

Ich gestehe zu, wir Erwachsenen schaffen das oft nicht, in Achtung und Toleranz miteinander umzugehen, so zu handeln, dass es nicht nur uns, sondern auch anderen gut tut. Aber ich will euch etwas verraten, liebe Konfirmandinnen, liebe Konfirmanden: wir zählen auf euch. Wir trauen euch zu, die ihr noch am Anfang des Lebens steht, die ihr eure Ideale nicht verloren habt, die ihr durch Enttäuschungen noch nicht so sehr gebeutelt seid, dass ihr einen neuen Versuch wagt, eingefahrene Bahnen zu verlassen und wirklich damit ernst zu machen, dass wir Menschen auf der ganzen Erde Kinder eines Vaters im Himmel sind, dass unser Nachbar in erster Linie unser Freund ist und nicht unser Konkurrent, dass ihr für das Glück aller Menschen einsteht, für Gerechtigkeit und Frieden, die es doch nur mit- und nicht gegeneinander geben kann. Deshalb nehmt den Segen heute mit euch und probiert den engen Weg, den ungewissen Pfad aus, die riskante Treppe, die Himmelsleiter – schaut euch dabei nicht zu viel um. Wenn wenige mit euch gehen, so wisst ihr: ihr seid auf dem richtigen Weg. Lasst euch nicht verunsichern. Ihr könnt euch darauf verlassen, wenn ihr die letzte Stufe auf eurem schmalen Weg hinter euch habt, wird das Licht da sein, ihr werdet den Himmel sehen, ein Stück Himmel schon hier auf dieser Erde. Das wünschen wir euch und auch uns.

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