Weitere Mitarbeiter: Gott (1. Petr 2,9)

1. Petr 2,9
[9] „Ihr aber seid die königliche Priesterschaft, das heilige Volk dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“

Liebe Gemeinde und heute auch ausdrücklich und besonders: liebe Konfirmandinnen und
Konfirmanden,

wir hören das Predigtwort für den heutigen Konfirmationssonntag aus dem
ersten Petrusbrief im zweiten Kapitel, aus dem neunten Vers:

[TEXT]

Eine Krone haben wir besorgt und eine andere, imposante Krone haben wir auf eurem Liedblatt abgedruckt. Eine Krone ist Ausdruck der Macht und der Würde desjenigen, der sie trägt. Macht und Würde wird also in dem Predigtwort einer Gruppe von Menschen zugesprochen – sie sind dort genannt: das heilige Volk, die Priesterschaft. Und die Priesterschaft ist näher beschrieben mit der Zugehörigkeit zu dem, der sie berufen hat aus der Finsternis hin zu seinem wunderbaren Licht. Es ist Christus Jesus, von dem hier die Rede ist: er ist es, der ruft und beruft und der denjenigen, die ihm folgen sein wunderbares Licht des Lebens schenkt.

Die Wahl des neuen Papstes haben wir wohl alle ausführlich mitbekommen, den Pomp und den Glanz, mit dem die römische Kirche aufwarten kann. Eindrucksvoll ist es auf jeden Fall, meine ich und bei der römisch-katholischen Kirche auch in sich logisch, weil sich dort alles auf dieses eine Amt des Priesters und im Falle des Papstes auf den Priester als Stellvertreter Christi auf Erden konzentriert.

Bei uns Evangelischen kann das so nicht sein, denn wir kennen keinen Menschen, der über anderen stehen würde, weil er besonders ausgezeichnet ist. Kein Pfarrer, kein Bischof steht über der Gemeinde, sondern er gehört zur Gemeinde und allein Christus selbst steht über dieser. Wir Evangelischen verstehen mit Luther also Priesterschaft als eine allgemeine Priesterschaft: jeder, der getauft ist und sich zu seinem Glauben bekennt, ist vor Gott angesehen wie ein königlicher Priester, der Macht und Würde bekommen hat. Ihr, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, tut das heute: euch zu eurem Glauben bekennen.

Ihr bestätigt eure Taufe und sagt öffentlich Ja zu dem, was euch die Gemeinde gelehrt hat. Ihr werdet heute zu diesen königlichen Priestern und Priesterinnen – ihr macht euch heute fest an diesem heiligen Volk, zu dem ihr durch die Taufe zugehörig seid.

Ist das denn so, liebe Gemeinde? Kann ich wirklich so etwas über diese jungen Menschen sagen? Mit einigen von ihnen, die hier sitzen habe ich gekämpft: um mehr Aufmerksamkeit, mehr Engagement; dass sie sich mehr Mühe geben sollten: etwa beim Lernen, beim Gottesdienstbesuch – überhaupt in dem, wie sie sich am Gemeindeleben beteiligen. Zwei Jugendliche habe ich von der Konfirmation zurückgestellt, weil sie sich gar nicht eingliedern konnten. Ginge es strikt nach den Regeln, die wir am Anfang gemeinsam vereinbart hatten, hätten es noch ein paar mehr sein müssen, die einen zweiten Durchlauf vertragen könnten. Nun aber, liebe Gemeinde, liegt das alles zurück. Diese jungen Männer und Frauen sprechen heute ihr Ja vor den Augen der Gemeinde: das ist unbedingt ernst zu nehmen. Sie gehören zu diesem königlichen und heiligem Volk, weil Jesus Christus selber sie dazu eingeladen hat – und das: Gott-sei-Dank unabhängig von den Vorstellungen, die der einzelne Pfarrer von seinem Konfirmandenunterricht haben mag. Alles Lernen und alle Mühe ist heute hinten angestellt: Christus hat sein Ja zu diesen Menschen gesprochen, und sie geben ihm heute selber Antwort. Und so bekommen sie diese Macht und diese Würde, die jedem Christen von Gott versprochen ist. Macht, weil sie ihr Leben im Glauben, d.h. im Vertrauen auf Gott leben können. Diese Macht – auf Gott vertrauen – ist größer als alle andere Macht, die ich kenne. Würde bekommen sie, weil sie ernst zu nehmen sind als evangelische Christen: sie sind ansprechbar auf ihren Glauben und sie übernehmen Verantwortung für ihr Leben.

Darin möchte ich sie heute ernst nehmen und ich empfehle der Gemeinde, das ebenfalls zu tun: sie ernst zu nehmen als vollwertige Gemeindeglieder, die für ihr Leben den Weg mit Christus gewählt haben. Nehmt sie auf als Gemeindeglieder mit allen Rechten und lebt ihnen vor, was es heißen kann, Christ zu sein.

Freilich findet heute kein Wunder statt: der Segen, den wir unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden zusprechen wird sie nicht verwandeln, so dass wir es sehen könnten. Aus dem einen oder anderen Quälgeist (ich schaue jetzt bewusst niemanden an) wird über Nacht kein Musterknabe werden. Aus dem einen oder anderen obercoolen „Mir-ist-alles-wurscht“-Girlie wird auch nicht über Nacht eine interessierte und offene junge Frau werden. Und aus dem einen oder der anderen trägen Gottesdienstbesucherin (gerade jetzt schaue ich noch bewusster niemanden an) wird auch nicht über Nacht eine wirklich fleißige Gottesdienstbesucherin werden.

Aber auch für die anderen lässt sich die Zukunft nicht vorhersagen: Engagierte, auf die ich mich immer verlassen konnte, Interessierte, die auf mich mit echten Fragen zugekommen sind; junge Männer und Frauen, auf deren Mitarbeit hier in der Gemeinde ich mich sehr freue.

Mit allen war ich sehr gerne zusammen – ich bin dankbar für die Zeit, die ich mit euch verbringen durfte. Gerne denke ich zurück z.B. an die Freizeiten: an das gemütliche Aufstehen morgens, freundlich geweckt durch die sanfte Stimme eines Mitarbeiters oder das leise Säuseln einer Glocke. Ich denke zurück, wie gerne ihr zu Fuß unterwegs wart, sei es ins Kloster oder auch nur abends in die Kapelle. Ich denke an die Ruhe der Nacht und an die ausgeschlafenen und aufgeweckten Gesichter, die mir morgens freundlich entgegenstrahlten.

Heute liegt auf unserem Altar zusätzlich der Stapel der Gottesdienstprotokolle nur von dieser Konfirmandengruppe. Sie zeigen mir unsere Konfirmanden bereits als vergleichbare Gemeindeglieder. Das eine oder andere von diesen Zetteln darf ich Ihnen kurz vortragen.

„Heute fand ich schön: es wurde nicht so viel geschwätzt – nicht so schön: es waren wenig Konfirmanden da“. Wie da wohl der Zusammenhang ist? Oder: „Mir ist heute besonders aufgefallen: es waren viele nervöse Leute anwesend.“ Treffend auch: „Was ist die Hauptaussage der Predigt in einem Satz: Luft, die uns umgibt.“ Auch nett: „Mir ist heute besonders aufgefallen: Herr Meinhard war sehr gut gelaunt“. Ich lasse es einfach unkommentiert: „Weitere Mitarbeiter im Gottesdienst: der Senioren-Chor.“ Ziemlich kryptische Dinge gibt es auch: „Heute fand ich schön: Epistel; heute fand ich nicht schön: Epistel-Apostel.“ Schließlich mündet alles aber in eines, welches schön den Gottesdienst zusammenfasst: „Name des Pfarrers: Herr Pfarrer – weitere Mitarbeiter: Gott“

Wer das von euch begriffen hat und es mit dem Herzen lebt: „weitere Mitarbeiter: Gott“, der gehört wirklich zu der königlichen Priesterschaft, zum heiligen Volk. Der hat verstanden und setzt sein Vertrauen für sein Leben darauf, dass Gott bei ihm sein möchte, dass er selbst in unser Leben eingreift und es begleitet. Wenn ich für euch bete, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, dann bitte ich Gott darum, dass er diesen Funken in euch wach hält, dass ihr euch immer begreifen könnt als diese ausgezeichneten Menschen des heiligen Volkes. Wenn ihr durch euer Leben geht, das immer anders sein wird, als alle anderen Leben, die wir vergleichen könnten, dass ihr darin euch orientieren könnt mit dem Rüstzeug, das euch die Gemeinde bereit gestellt hat. Als Pfarrer einer christlichen Gemeinde freue ich mich über jeden von euch, der bereit ist, weiter dabei zu sein bei diesem heiligen Volk und von der Macht und der Würde, die von der Krone ausgeht, die nun jeder von euch trägt, ein Stück wieder einfließen zu lassen in das Gesamtgebilde, das wir bekennen als die Gemeinschaft der Heiligen – nämlich die Gemeinde. Ein wunderbares Licht geht von diesem Volk Gottes aus, ein Licht, das in den Menschen brennt eine Gabe Gottes, um das Finstere, das Abgründige und das, was uns Angst macht in dieser Welt, zu vertreiben. Ihr habt dieses Licht empfangen bei eurer Taufe und es brennt in euch, selbst, wenn ihr es manchmal nicht merken könnt, weil zu viel anderes sich darüber gelagert hat. Aber eines soll euch gewiss bleiben: Gott hat sein Ja zu euch schon gesprochen und er wartet auf eure Antwort in eurem Leben und in eurem Tun. So braucht ihr die Krone, die euch versprochen ist, nur noch aufsetzen und ihr dürft euch erfreuen an der Macht und der Würde, die mit dieser Krone euch verliehen wird.

Und der Friede Gottes, der seinem heiligen Volk in wunderbarem Licht versprochen ist, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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