Weise mir, Herr, deinen Weg

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde.

Ich hoffe, Ihr vergesst ihn nie. Den Weg, den wir vorhin gegangen sind. Vom Lutherhof zur Kirche. Dieser Weg ist ein Zeichen für das Leben eines Christen. Das ist bei uns so Sitte, sagen wir. Aber Sitten sind entweder überholter Unsinn – oder haben einen Sinn. Dieser kleine Umzug hat sogar einen wichtigen Sinn.

Die meisten von Euch sind ja wohl, 8 Jahre im Lutherhof aus und ein gegangen, zur Christenlehre, zum Konfirmandenunterricht, manche zur Kurrende, zu den Bläsern und mit mehr oder weniger großer Lust zum Gottesdienst. Lange Jahre, in denen Ihr etwas gelernt und erlebt habt. Und dann sind wir vorhin auf die Straße gegangen. Ein kurzes Stück durch euren Heimatort Neugersdorf. Und schließlich sind wir in die Kirche gezogen, an den Ort, an dem Euch heute etwas Gutes passiert ist.

Es kann ja gar nicht besser kommen, als dass man gesegnet wird. Und wenn alle Menschen wüssten, was das bedeutet, könnten wir uns vor lauter segnen gar nicht mehr retten. Der vierte Schritt kommt noch, Ihr geht ja dann auch wieder aus der Kirche raus in Eure Familien und feiert. Und das alles ist ein Bild für das Leben von Christen.

Es soll Leute geben, die sagen an so einem Tag, jetzt hab ichs geschafft und es gibt hoffentlich niemanden, der Euch so gratuliert: Na, da hast du es auch geschafft. Weil Ihr nämlich gar nichts geschafft habt. Wenn Ihr nicht weiterhin Euch sozusagen weiterbildet, auf dem Laufenden bleibt, bleibt Ihr stehen.

Manche Leute haben die modernsten Computer, aber wenns um den Glauben geht, sind sie im 14. Lebensjahr stehen geblieben. Das kann nichts bringen. Aber Ihr seid ja moderne Menschen und darum bleibt der Lutherhof ein Zeichen dafür, dass es im Glauben ein Leben lang Neues gibt. Für jeden Menschen, auch für den Pfarrer. Gott hat mir manchmal gesagt: du kennst mich noch lange nicht.

Die zweite Station – dieser kurze Weg durch Neugersdorf. Das wird das Meiste Eures Lebens ausmachen. Ihr geht viele Straßen, ob nun hier oder später woanders. So wie alle anderen Menschen auch. Schulwege, Wege zum Arzt, zur Disco oder zu Freunden, Einkaufswege, das ist das Leben. Leichte Wege und schwere Wege. Manchmal sehen euch andere und schauen, wie Ihr es macht.

Woher nehmen die ihren Trost, wie finden die ihren Weg, worüber lachen die und was für Freunde haben sie? Und nicht immer ist es dabei so feierlich und Ihr seid so toll angezogen. Vielleicht schiebt Ihr mal einen Kinderwagen und irgendwann schmiert Ihr Euch mit Antifaltencreme ein. Ihr bleibt nicht wie Ihr seid und Euer Weg wird Euch verändern. Aber was bleibt, das ist der, der euch heute sagt: ich meine es gut mit dir. Du kannst mich bitten: Gott, zeige mir doch einen, deinen Weg. Ich weiß keinen Beruf für mich, ich habe Angst vor einer Krankheit, ich brauche Freunde, ich bin so allein.

Wir sind heute einen Weg gemeinsam gegangen. Ihr habt es vielleicht nicht gemerkt, aber Gott war dabei. Ihr seid gemeinsam gegangen, weil Euch etwas verbindet. Ein Termin, vergesst den nicht. Eine meiner Konfigruppen hat mal ein Jahresfest gefeiert und sich am 1. Jahrestag wieder getroffen. Ein wichtiger Tag, an dem Ihr natürlich nicht erwachsen werdet und Ihr könnt es selber testen, ob man Euch morgen anders behandelt als gestern, ein Tag auch nicht, wo Ihr nun richtige fertige Christen seid, eine Zwischenstation nur, aber eine wichtige. Denn auf Eurem Weg durch den Ort seid Ihr in der Kirche angekommen.

Das ist das dritte Zeichen fürs Leben. Kirchen sind keine Museen und die damals hier gebaut haben, die wollten nichts anderes als einen Ort schaffen, an dem Gott Euch Gutes tut. Hier kann ich einfach mal durchatmen, hier kann ich feiern, in der Bibel steht von Tanzen und Singen und Jubeln, hier kann ich auch mal still sein. Das alles brauchen wir auch, genauso wie Lärm und action auf der Straße.

Aber man kann nicht nur von Lärm und action leben. Da geht man kaputt. Kirche brauchen wir, um nicht kaputt zu gehen. Und dann kommt das letzte, wir gehen wieder hinaus. Natürlich, kein Mensch lebt nur in der Kirche. Aber das, was hier passiert, geht mit. Und Ihr feiert heute aus einem einzigen Grund: dass Ihr, so hoffe ich, selber eine Ahnung bekommen habt, dass es sich lohnt zu glauben.

Und das dürft Ihr nicht vergessen. Auch dann nicht, wenn es nachher wieder hinaus geht. Auf den Weg ins alltägliche Leben, heute mit Feiern, morgen mit ausschlafen und vielleicht aufräumen und übermorgen wieder Schule. Dann schaut mal über die Schulter und denkt an diesen Tag. Was war das denn nun – meine Konfirmation. Und vielleicht fällt euch das kurze Gebet ein, das ich Euch sagen möchte, es stammt aus der Bibel und ist uralt: Weise mir Herr, deinen Weg.

Ob nun bei der Weiterbildung im Glauben – Stichwort Lutherhof, oder auf Neugersdorfs Straßen – Stichwort Umzug – oder auf der Suche nach Kraft und Stärke – Stichwort Kirche – Gott zeige mir, wie es gut für mich ist. Und darum wünschen wir Euch, dass Ihr weitermacht und auf dem Laufenden bleibt, weil es um Euren Lebensweg geht.

Ich habe vor zwei Tagen ein Ehepaar besucht, beide kurz vor der 90, sie haben bald Goldene Hochzeit und wollen sich einsegnen lassen. Und sie haben mir erzählt: es war ein schönes Leben. Es gab Schlimmes und fröhliches, aber es hat sich gelohnt. Und wir haben es gespürt, wie es Gott immer wieder gut macht. Und euch soll es nicht anders gehen. Ob Ihr mal 90 werdet, wir wissen es nicht. Aber dass Ihr mit 20, 30, 40, 50 und so weiter sagen könnt, es ist ein schönes Leben, dazu hilft euch Gott. Bleibt dran, dann werdet Ihr es erleben.

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