Weil ich dich lieb habe (Jes 43,1-7)

Jes 43,1-7
[1] Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! [2] Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen. [3] Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland. Ich habe Ägypten für dich als Lösegeld gegeben, Kusch und Seba an deiner statt, [4] weil du in meinen Augen so wert geachtet und auch herrlich bist und weil ich dich lieb habe. Ich gebe Menschen an deiner statt und Völker für dein Leben. [5] So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir. Ich will vom Osten deine Kinder bringen und dich vom Westen her sammeln, [6] ich will sagen zum Norden: Gib her!, und zum Süden: Halte nicht zurück! Bring her meine Söhne von ferne und meine Töchter vom Ende der Erde, [7] alle, die mit meinem Namen genannt sind, die ich zu meiner Ehre geschaffen und zubereitet und gemacht habe.

Liebe Eltern, liebe Paten, liebe Gemeinde,

„fürchte dich nicht, du gehörst mir“ – so sagt Gott. Wenn ein Mensch zu einem anderen sagen würde, dann wäre das mit Vorsicht zu genießen. Denn das möchte man ja niemandem wünschen, dass ein anderer die Macht über ihn hat. Die Sklaverei und Leibeigenschaft ist ja zum Glück hier in Europa seit geraumer Zeit abgeschafft. Zu Zeiten, als N.N.s Taufspruch in Israel niedergeschrieben wurde, war das anders. Ein ganzes Volk, das Volk Israel, war verschleppt worden in die Sklaverei. Gott hat zu seinem Volk gestanden und es befreit. In diesem Zusammenhang steht das Bibelwort Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir. „Ausgelöst“, „erlöst“, das bedeutet freigekauft.

Und selbst wenn Sie als Eltern und Paten den kleinen N.N. nun hier auf dem Arm tragen, so ist er doch schon ein eigenständiges Wesen und wird als Erwachsener selbst entscheiden können, wem er sich zugehörig fühlt. Er wird später bei der Konfirmation selbst „ja“ zu seiner Taufe und ja zum Glauben an den dreieinigen Gott sagen können. Und es liegt mit an Ihnen, ob er das dann tun möchte.

Sie haben sich dafür entschieden, N.N. schon als kleines Kind taufen zu lassen und ihn damit Gott besonders ans Herz zu legen. Ich will nicht sagen, dass das überflüssig war, weil Gottes Liebe so groß ist, dass sie jedes Kind umfasst, auch Kinder, deren Eltern diesen Schritt nicht für sie gehen. So kleinkariert ist Gott nicht. Er wird niemanden als „verloren“ aufgeben, der noch gar nicht die Chance hatte, ihn kennenzulernen. Sie verpflichten sich ja beim Taufversprechen, David nach bestem Gewissen christlich zu erziehen, ihm also von Gottes Liebe zu erzählen. Durch Sie wird er in seinen ersten Lebensjahren also erfahren, wie Gott ist. So großzügig, wie Menschen es gar nicht sein können. Weil du in meinen Augen teuer und wertvoll bist und weil ich dich liebe, gebe ich für dich ganze Länder und für dein Leben ganze Völker. So spricht Gott im Alten Testament durch den Propheten Jesaja zum Volk Israel, das ihm eigentlich immer wieder genug Anlass gegeben hätte, zu sagen: „Jetzt reicht es mir doch mit diesen unvernünftigen, halsstarrigen Leuten“. Und wir wissen, dass Gott dann noch weiter gegangen ist. Er hat seinen Sohn zu den Menschen geschickt, um ihnen ein Beispiel zu geben, wie man leben kann. Sich an Jesus zu orientieren, das ist zwar nicht immer leicht, aber es ist anschaulich. Und es ist zumindest für ein Kind leichter, Gottes Liebe zu verstehen als ihm vielleicht damit zu drohen: „Wenn du das tust, dann ist Gott böse auf dich“.

Ich unterrichte ja das Fach evangelische Religion in der Grundschule. Und wenn mir da etwas deutlich geworden ist, dann dies: Kinder brauchen manchmal jemanden, bei dem sie ihr Herz ausschütten können, ohne dabei fürchten zu müssen, sie werden bestraft, ausgeschimpft, ausgelacht oder missverstanden. Egal, wie lieb sie ihre Mutter, ihren Vater oder auch die Geschwister und Freunde haben, dieses Risiko besteht überall. Und mein Anliegen ist, den Kindern deutlich zu machen: Gott ist diese Adresse, dieser sichere Ort. Zu ihm könnt ihr mit allem kommen, er hört euch zu, er ist auf eurer Seite – und er hilft. Manchmal merkt man diese Hilfe zwar nicht sofort, aber sie kommt bestimmt.

Warum ich Ihnen das erzähle? Ich kenne viele Erwachsene, die sich von Gott abgewendet haben, weil ihnen Menschen ein Gottesbild vermittelt haben, das alles andere als vertrauenerweckend ist. „Gott fürchten“, das bedeutet ja nicht, dass wir Angst vor Gott haben müssen. Es bedeutet, dass er Respekt verdient. Und Respekt verdient jeder Mensch, auch ein Kind. „Fürchtet euch nicht“, das sagen immer wieder Engel, wenn sie Menschen darauf hinweisen, dass Gott nahe ist. Fürchte dich nicht, das ist eine der wichtigsten Botschaften, die Gott uns zukommen lässt. Bei ihm sind wir geborgen, wir sind ihm ans Herz gewachsen. Er hat uns unendlich lieb und er kennt jeden von uns ganz genau.

Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, das heißt, bei Gott geht kein Name verloren. Auch dann, wenn wir uns das fast gar nicht vorstellen können. Gottes Gedächtnis ist größer als jeder Datenspeicher, den Menschen konstruieren können. Und anders als so ein Datenspeicher ist Gottes Gedächtnis etwas sehr persönliches. Ich weiß nicht, ob Sie die Geschichte des jungen Samuel kennen, der in einer Naht dreimal von Gott ganz persönlich angesprochen wird, mit seinem Namen. Samuel wird später der sein, der Israels Könige salbt. Er überbringt dem Hirtenjungen David die Nachricht, dass Gott ihn zum König ausersehen hat. So ist Gott. Er verliert niemanden aus dem Blick. Er wird vielleicht dem kleinen N.N. im Lauf seines Lebens nicht immer das geben, was er sich gewünscht hat – aber alles, was er braucht.

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