Was Gott gibt, können Menschen nicht wegnehmen (Ps 118,13-21)

Ps 118,13-21
[13] Man stößt mich, dass ich fallen soll;
aber der HERR hilft mir. [14] Der HERR ist meine Macht und mein Psalm
und ist mein Heil. [15] Man singt mit Freuden vom Sieg / in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg! [16] Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg! [17] Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen. [18] Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis. [19] Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem HERRN danke. [20] Das ist das Tor des HERRN;
die Gerechten werden dort einziehen. [21] Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.

[Tod eines 49jährigen Familienvaters nach schwerer Krankheit]

Liebe Trauergemeinde!

Sie sind ratlos und traurig und ich bin es mit Ihnen. Denn die letzten Monate waren für Sie alle nicht leicht. Sie haben wohl eine der schwierigsten Zeiten Ihres Lebens durchgemacht, denn es war immer wieder ein stetiges Auf und ab, Sie haben sich immer wieder zwischen Hoffen und Bangen befunden und sicherlich ist es auch für Sie im Augenblick so, dass Sie ratlos sind. Und das kann ich gut nachempfinden. Denn zum einen ist es so, dass Sie, liebe Ehefrau unseres Verstorbenen und Sie, liebe Kinder einfach auch keine Kraft mehr haben, um auf diese Situation zu reagieren.

Es ist allenthalben schwierig, in solchen Zusammenhängen noch klare Gedanken zu fassen, denn immer wieder werden Sie von dem Unfassbaren des Sterbens und des Todes eingeholt. Zum anderen: Das sind nun Eindrücke, denen man sich nicht erwehren kann, es sind Eindrücke, die immer wieder Ihr Leben bestimmen von den großen Fragen und Entscheidungen, die Sie jetzt alleine treffen müssen, bis hin zu den ganz kleinen Dingen, die früher selbstverständlicherweise zusammen mit N. N. getroffen wurden. Aber früher war es ja auch noch anders, denn da war N. N. noch am Leben. In kurzer Zeit hat sich sehr vieles grundlegend geändert.

Ich kann mich noch gut an Ihre Silberhochzeit erinnern. Mir kamen diese Bilder noch einmal, wie das war, als wir zusammen saßen und Sie mir über sich und Ihre Ehe erzählten. Und ich weiß noch, wie es war als Ihr Mann und Sie den Segen für kommende Ehejahre zugesprochen bekommen haben. N. N. hat sich damals gefreut, er hatte so ein Leuchten in den Augen, das man sonst bei anderen Jubilaren bei solchen Anlässen seltener sieht. Lassen Sie uns noch einen Augenblick da verweilen: Da empfängt ein Silberpaar den Segen Gottes und ist voller Vorfreude und voller Erwartung für sich und für die ganze Familie. Und dieser Segen, der Ihnen beiden damals galt, ist mitgegangen, auch wenn die Krankheit und der Krankheitsverlauf dagegen spricht. Dieser Segen ist mitgegangen, denn Sie, liebe R., haben das Wertvollste, das ein Mensch überhaupt kriegen kann, bekommen: Ihnen wurde die Liebe eines Menschen zuteil, wie sie wahrhaftiger und tiefer wohl kaum sein kann. Und diese Liebe hat sich wertvoll und gut erwiesen, denn diese Liebe hat Ihnen beiden in diesen letzten Monaten ganz viel Hoffnung und Mut gegeben. Diese Erfahrung wird Ihnen keiner nehmen können, denn diese Liebe und Fürsorge, die sie einander auch in dieser schweren Zeit geben konnten, ist ein Geschenk Gottes. Und was Gott gibt, können Menschen nicht wegnehmen.

Auch wenn das alles plausibel und nachvollziehbar klingt, haben Sie die Erfahrung machen müssen, dass Gott Ihnen den Menschen, den Sie alle geliebt haben, weggenommen hat aus Ihrem Leben und aus dieser Zeit. N. N. ist tot, er ist nach unserem Ermessen zu früh gestorben, denn nach unserer Ansicht ist man im Alter von 49 Jahren zu jung zum Sterben. Das ist eine ganz bittere Erfahrung, die Sie machen müssen, das ist – wenn man so will – die schwierigste Lektion, die Sie und wir alle lernen müssen: Gott nimmt das weg, was uns so gut tut, Gott nimmt den Menschen weg, auf den er selber eine Verheißung gelegt hatte und Gott ist es, der Ihnen diese Erfahrung des Alleingelassenseins beibringt. Warum tut Gott das? Was ist das für ein Gott, der sich anscheinend in solchen Handlungen gefällt? Warum konnte er N. N. nicht am Leben lassen? Liebe Familie N.N. es kann sein, dass Sie sich diese oder ähnliche Fragen stellen und es ist denkbar, dass sich solche oder ähnliche Fragen in der Zukunft einstellen werden. Die Frage „Warum“ wird immer dann von uns gestellt, wenn wir etwas ganz und gar nicht verstehen, wenn wir nicht weiterwissen und wenn wir dringend eine Antwort brauchen. Und dann muss die Erfahrung gemacht werden, dass Gott schweigt. Gott schweigt und für uns, die wir diese Frage nach dem Warum stellen, wird die Situation immer schwieriger. Gott schweigt und uns muss einmal mehr deutlich werden, dass er der Herr über Leben und Tod ist. Wir alle sind seine Geschöpfe, geschaffen, damit er jemanden hat, an dem er seine Liebe erzeigen kann. Mir wird in diesem Zusammenhang immer wieder eines deutlich: Gott lässt sich nicht in die Karten schauen, er wird uns das Warum seines Handelns nicht preisgeben und wir werden in dieser Zeit und in dieser Welt nicht erfahren, warum Gott dieses und jenes tut und warum er es mit ansieht, das Menschen leiden und warum andere mit ansehen müssen, wie Menschen, die wir lieb gehabt haben und die wir weiter lieben werden, sterben müssen. Und noch eines ist mir deutlich: Wir Menschen werden die Krankheiten nicht abschaffen, ärztliche Kunst und ärztliches Können werden immer wieder in ihre Schranken gewiesen, weil wir, Gottes Geschöpfe, aber eben nicht Herr über Leben und Tod sind. Warum, diese Frage wird weiter in uns geistern und es gibt eine Möglichkeit mit dieser Frage umzugehen.

Wir müssen diese Frage ummünzen. Die Frage, die wir nicht beantwortet bekommen, muss neu benannt werden: Wozu tut Gott das? Wozu lässt Gott das zu? Eine Antwort haben Sie selber durch die Todesanzeige in der CZ gegeben, denn als erste Aussage lese ich dort: Erlöst von allen Schmerzen! ozu, um alles in der Welt, so viel Leid des Herzens und der Seele? Wenn wir die Frage so beschreiben, dann kann es passieren, dass wir merken, wie sehr wir selber, ja, Sie als Hinterbliebene in der Geschichte Gottes vorkommen. Denn die Frage Wozu zielt immer auch ab auf Sie, die sie mit diesem Verlust fertig werden müssen. Dieses Wozu zeigt mit dem Finger in die Zukunft. Es wird mit Ihnen als Familie weiter gehen, aber anders als Sie es sich gedacht haben. Sie, liebe N.N. , werden jetzt als Mutter Ihrer Kinder gebraucht. Gott legt Ihnen Tobias und Regina und auch Dierk ans Herz und sagt Ihnen: Diese drei brauchen Dich. Ich traue Dir zu, dass Du ihnen eine gute Mutter bist und bleibst und ihnen zur Seite stehst. Und genau das gleiche gilt für Euch: Nehmt diese Trauer und alle die Fragen, die mit der Trauer verbunden sind, an. Diese Fragen gehören zu Euch so, wie N.N. zu Euch gehört. In der Trauer – und wer kann das im Augenblick begreifen – liegt eine Chance: Sich selber und auch Gott neuen kennen zu lernen. N.N. war ein tüchtiger Mensch, der durch seine Kompetenz und durch seine handwerkliche Versiertheit nicht nur in seiner Lehrfirma, sondern auch bei Frido Anders ein sehr sehr hohes Ansehen genoss. Und diese Beliebtheit ging weiter über die Grenzen des Firmengeländes hinaus. In D. wurde er von vielen um Rat angegangen und er hat sehr vielen geholfen nicht nur bei technischen Fragen und Problemen Lösungen zu finden. Suchte jemand bei ihm Hilfe, dann hat er geholfen. Er hat nie nein gesagt. Man kann sich nur schwer vorstellen, dass das nun alles vorbei ist. Und wenn die Dorfgemeinschaft in der Traueranzeige von Montag verspricht: Siggi, wir werden Dich nie vergessen, dann haben Sie doch dabei bitte auch seine Familie mit ihm Blick. N. N. hat Spuren hinterlassen, nicht nur bei Ihnen zu Hause, sondern auch in D. Und Sie alle tun gut daran, das Gute, das Sie durch N. N. erfahren haben, weiterzugeben.

Ich weiß , es klingt nach einem Klischee, wenn ich Ihnen jetzt sage: Ihr Leben wird weitergehen, aber es geht anders weiter. Hören wir bitte auf Worte der Heiligen Schrift, wie wir sie finden im 118. Psalm:

[TEXT]

Mit diesen Worten wird das Leiden eines Menschen beschrieben und mögen diese Worte auch alt sein, so sind sie nach wie vor gültig. Solche Not hat unser Verstorbener gekannt. Er hat gerade auch die letzten Monate des Lebens unter Schmerzen leben müssen, Schmerzen, die sich unseren Fähigkeiten des Beschreibens entziehen. Man darf sicherlich von Erlösung sprechen, wenn man das bedenkt. Man stößt mich, dass ich fallen soll; aber der HERR hilft mir. Diese Krankheit war wie eine Falle, aber Gott hat N. N. aus dieser Falle herausgeholfen, weil ihm seine Liebe galt. Gott legt uns Leiden auf und führt uns in Situationen mit fraglichem Ausgang, aber Gott lässt uns in diesen Situationen und in unserem Leiden nicht allein. Manchmal können wir diese Erfahrung selber machen und manchmal nimmt Gott uns zur Hilfe, um Sterbenden seine Huld und Güte mitzuteilen. Bei Ihnen ist das so gewesen. Am Donnerstag waren Sie, seine Kinder, noch bei Ihrem Vater und Sie liebe R. waren dabei, als Ihr Mann nach einer sehr langen Leidenszeit eingeschlafen ist. Das ist tröstlich zu wissen, dass N. N. in den letzten Stunden nicht alleine war, dass er die Menschen, die ihm so viel bedeutet haben, in seiner Nähe wusste. N. N. hat aus seinem Glauben nie viel Aufhebens gemacht, keine große Show, wie es einige doch zu tun pflegen. Der Glaube war für ihn verbunden mit Innerlichkeit mit dem Gefühl: Ich bin mit meinem Gott auf Du und Du und ich verlasse mich einfach darauf, dass er bei mir ist und mich hält. So darf man das sicherlich sehen und interpretieren. N. N. hat seinen Glauben einfach gelebt, indem er niemanden jemals etwas Böses getan hat, indem er geholfen hat, wo es nur ging und indem – das ist nun wichtig zu hören – er die Liebe, die Gott ihm zuwandte an viele Menschen weitergegeben hat. Zuerst an Frau und Kinder und dann aber auch an die Menschen, mit denen er täglich zu tun hatte.

[TEXT V.117-119]

Diese Worte geben das wieder, was wir zwar unter unserer Trauer aber auch mit großer Dankbarkeit hören dürfen. Jeder Mensch muss sterben, da führt nun kein Weg dran vorbei, aber wir werden nicht im Tod bleiben, wenn wir Gott glauben und wenn wir diesen Glauben leben. N. N. hat das getan. Er starb nach unserem Ermessen zu früh, viel zu früh, Gott aber hat offenbar andere Zeitvorstellungen als wir. N. N. ist tot, wird aber nicht im Tod bleiben. Nun höre ich schon wieder die Frage von einigen aus unserer Gedanken: Woher wissen Sie denn das, woher wollen Sie das so genau wissen? Ich kann darauf nur antworten: Wir haben die Zusage Gottes und die Zusage seines Sohnes Jesus Christus, dass wir alle zwar sterben müssen, aber bei Gott sein können und zwar eine liebe lange Ewigkeit bei ihm. Wir werden verwandelt werden, so heißt es im 2. Korintherbrief des Apostels Paulus. Und sicherlich ist es so, dass wir alle durch Gottes Gericht müssen, aber Gott richtet nicht so, wie wir es tun. Er, der Gott der Liebe, wird uns richten. Würden Menschen das jüngste Gericht ausführen, dann würden die allermeisten nicht in den Himmel kommen. Da es aber Gott tut, werden wir mit seiner Güte und Barmherzigkeit rechnen dürfen. Wir lassen N. N. heute los. Sicherlich schweren Herzens, aber in der Hoffnung auf diesen Gott, der die Liebe ist. Gott selber wird zu ihm sprechen: N. N., ich freue mich das Du kommst! Und das ist die Hauptsache!

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