Warum bewirkt das Evangelium oft so wenig?

Das Thema dieses Gleichnisses ist:

Warum bewirkt das Evangelium oft so wenig?

Woran liegt das?

Und was muss ich tun, damit sich das Evangelium in meinem Leben positiv auswirken kann?

 

Jesus spricht in seinem Gleichnis über vier verschiedene Böden, die für vier verschiedene Personengruppen stehen.

Diese vier Gruppen sind:

Bewusste Skeptiker und Ablehner des Glaubens.

Nominelle Christen, deren Engagement oberflächlich ist.

Christen, die in ihrer Loyalität geteilt sind und in ihren Prioritäten auf den Kopf gestellt sind und reife, engagierte Christen. (Tim Keller, Preaching, S.183)

 

Eine große Falle, die dieser Text bietet ist diese:

Dass wir denken:

Na ja, die ersten drei dieser Personengruppen sind ja gar nicht da, also gehören wir, die da sind, eindeutig zur vierten Personengruppe.

Ich glaube, dass das nicht so einfach ist.

Ich glaube, dass das die Einladung zu einer großen Selbsttäuschung ist.

Denn das sind nicht nur unterschiedliche Menschen, sondern das sind auch Haltungen und Einstellungen, die bei uns auch vorkommen.

Ohne weiteres alle vier an einem Nachmittag.

Manchmal sogar gleichzeitig.

 

Um das besser zu verstehen, schauen wir einmal auf das Ende des Gleichnisses.

Was soll denn eigentlich am Ende passieren, was soll am Ende herauskommen?

 

Jesus sagt: Frucht.

Hundertfache Frucht.

 

Was ist hier mit Frucht gemeint?

Das Evangelium hat immer Auswirkungen – Früchte – nach innen und nach außen.

Nach innen und nach außen.

Nach innen: Veränderung und Heilung

Nach außen: Ausstrahlung und Ansteckung

 

Nach innen: Veränderung und Heilung.

Paulus schreibt im Galaterbrief darüber

Wenn ein Mensch vom Evangelium erfasst worden ist, wenn es in ihm gesät worden ist und gekeimt hat und gewachsen ist und mächtig geworden ist

Wenn der Geist Gottes so in ihm wohnt und Raum bekommen hat und wirken darf, dann hat das unweigerlich Auswirkungen.

Paulus zählt sie auf:

Liebe. Und zwar: die Fähigkeit, selbstlos zu lieben. Und zwar auch schwierige Typen, die das a) nicht verdienen und b) von denen man dafür nichts zurückbekommt.

Freude. Und zwar Freude, die auch in schwierigen Zeiten Bestand hat.

Geduld. Die Fähigkeit, drunter zu bleiben.

Freundlichkeit. Auch wenn ich angebrüllt und beleidigt werde.

Paulus nennt außerdem noch:

Güte

Treue

Sanftmut und Selbstbeherrschung.

 

Und eine weitere Auswirkung, eine weitere Frucht des Evangeliums ist:

Überwindung von Angst

Beschenkt werden mit Hoffnung

Und Heilung

Heilung von seelischen und auch von körperlichen Verletzungen.

Das sind alles Auswirkungen, Früchte des Evangeliums nach innen hin.

 

Und aus ihnen erwachsen dann auch Auswirkungen und Früchte nach außen hin.

Ausstrahlung und Ansteckung.

Wer diesen Frieden in sich hat, wer von Hoffnung erfüllt ist – der strahlt das aus.

Zum Glück, ohne dass wir das merken, denn das wäre wahrscheinlich gar nicht gut für uns.

Und wer so eine Ausstrahlung hat, der macht neugierig, und der bringt so auch andere in Berührung mit dem Evangelium und sagt es weiter.

 

Jetzt bitte ich einmal alle:

Schaut einmal auf euch selber.

Wie zufrieden seid ihr mit den Früchten des Evangeliums in Eurem Leben?

Wie viel von dem, was ich da gerade beschrieben habe, ist da bei Euch da?

 

Und alle, die wie ich selber sagen: Da ist noch viel Luft nach oben!

Die lade ich jetzt ein, mit mir hinzuschauen, woran das liegt und wie das anders werden kann.

Jesus nennt hier 3 Problemfelder und ein Idealfeld.

Alle haben gemeinsam: Der Sämann streut seinen Samen auf sie aus.

Der Samen ist das Wort Gottes, das Evangelium, die Verkündigung von Jesus.

Es gibt Menschen, die damit überhaupt nicht in Berührung kommen.

Entweder, weil dort, wo sie leben und sind das Evangelium überhaupt nie vorkommt oder weil sie sich überhaupt nicht dafür interessieren und sie nicht hinhören.

Diese Menschen sind hier also überhaupt nicht im Blick!

Das ist ein ganz anderes Thema.

 

Es geht hier nur um Menschen, die mit dem Evangelium in Berührung kommen.

Es geht hier also nur um Bibelleser, Kirchgänger, Religionsunterrichts-teilnehmer und ähnliche Menschen.

 

Schauen wir uns zuerst die drei Problemfelder an.

 

Das erste: Der Same fällt auf den Weg, wird zertreten und von den Vögeln gefressen.

Manche denken sich: Wie kann man nur so blöd sein auf den Weg zu säen. Das sieht man doch im Voraus, dass das wahrscheinlich nichts wird.

Das ist sehr menschlich gedacht.

Jesus denkt eher: Warum soll der Weg nicht auch eine Chance bekommen?

Und bei den Felsen und den Disteln ist es dasselbe.

Der menschliche Verstand sagt: Was ist das für ein dummer Bauer?

Jesus sagt: Ich probiere es überall.

 

Diese Weg-Leute sind Leute voller Ablehnung.

Sie haben sich hart gemacht.

Ihr wichtigstes Wort heißt:

Nein.

Glaube ich nicht.

Will ich nicht.

Und dahinter steckt meistens eines von zwei Sachen:

Entweder das Leben hat sie hart gemacht.

Sie sind voller Enttäuschungen und Verletzungen und haben jetzt tief in sich beschlossen: Ich mache zu. Ich lasse nichts mehr an mich heran.

Und mit Gott bin ich auch fertig.

 

Solchen Menschen möchte ich sagen:

Jesus bringt Dir nicht neue Verletzungen, sondern Heilung.

Trau Dich, öffne Dich, probiere es aus mit ihm.

 

Oder es sind Menschen, die Angst um ihre Autonomie haben, die genau wissen: Wenn ich mich für dieses Evangelium öffne, dann bedeutet das Veränderung, dann bedeutet das, dass ich mir was sagen lassen muss.

Und das will ich nicht.

Und darum mache ich zu.

 

Und solchen möchte ich sagen:

Ihr habt Recht und täuscht Euch trotzdem vollkommen.

 

Ihr habt recht: Das Evangelium bringt Veränderung und Herrschaftswechsel.

 

Ihr täuscht euch: Das ist kein Verlust, sondern ein Gewinn für Euch.

 

Was sind die beiden anderen Problemfelder?

 

Als nächstes nennt Jesus die Felsen-Leute.

Das sind nominelle Christen, deren Engagement oberflächlich ist.

 

Das sind Menschen, die das Evangelium hören:

Vergebung der Sünden.

Wunderbar

Der Tod ist besiegt.

Super.

Du bist von Gott unendlich geliebt.

Ausgezeichnet!

 

Das finden sie gut.

Aber dann finden sie heraus, dass auch Christen krank werden und Pech haben und leiden.

Und dann erleben sie, dass man als Christ auch mal gerne als von vorgestern belächelt wird.

Und dann merken sie, dass zum Christsein auch gehören könnte, sich um die einsame alte Frau im Nachbarhaus zu kümmern, bei der es so unangenehm riecht.

Oder aufzustehen und zu protestieren, wenn der Kollege wieder einmal über Menschen herzieht, die anders aussehen als er.

 

Am Verhalten im Leiden, angesichts von Schwierigkeiten, da wird erkennbar – für uns und für andere – wie tief das Evangelium in einen Menschen eingedrungen ist, wie tief es da verwurzelt ist.

 

Und dann kommen sie gerne zu dem Schluss:

Also das mit dem Glauben und der Religion – man kann es auch übertreiben.

 

Sie wollen die Vorteile des Christseins – aber nicht die Nachteile.

Sie wollen schon Christ sein – aber es darf nichts kosten.

 

Und Jesus sagt: Mit dieser Einstellung wächst da leider nichts.

 

Das nächste Problemfeld nennt Jesus die Dornen-Leute.

Das sind Christen, die in ihrer Loyalität geteilt sind und in ihren Prioritäten auf den Kopf gestellt sind.

 

Das sind Menschen, die sagen:

Mir ist wichtig, Jesus nachzufolgen UND alles mitzunehmen, was diese Welt so bietet.

Ich will Jesus nachfolgen UND Karriere machen.

Ich will für Jesus eintreten UND alle Freiheiten behalten

Ich will auf Jesus hören UND selber das letzte Wort haben.

 

Ich gebe mal ein Beispiel.

In einer Runde Bibel-Teilen ging es darum, wo Jesus sagt:

Wer seinen Vater oder seine Mutter, seinen Sohn oder seine Tochter mehr liebt als mich, der ist es nicht wert, mein Jünger zu sein.

Wo er also sagt: Die Beziehung zu mir ist wichtiger und entscheidender als alle anderen Beziehungen, auch und sogar in der Familie.

Und dann hat jemand, der sich selber ohne Zweifel für einen engagierten Christen hält, dazu gesagt:

Na, da sagt Jesus aber einen ganz schönen Quatsch.

 

Dornen-Leute sind Menschen, die ihre eigene Meinung über die Meinung von Jesus stellen.

Wenn Jesus sagt: Niemand kann zwei Herren dienen. Du kannst nicht Gott lieben und gleichzeitig das Geld lieben.

Dann sagen sie: Ich schon. Muss man halt Kompromisse machen.

Wenn Jesus sagt:

Gebt alle Eure Sorgen bei mir ab, lasst sie los, überlasst sie mir.

Dann sagen sie: Moment. Wo kommen wir denn da hin. Ich muss doch die Kontrolle behalten.

Und so ist ihr Glaubensleben voller Halbheiten und Kompromissen.

 

Tief drin haben diese Menschen das Problem, dass sie letztlich glauben:

Wenn ich mich ganz Jesus hingebe, ganz auf ihn höre, mich ganz auf ihn einlasse – dann werde ich dabei nicht glücklich.

Denn letztlich traue ich ihm nicht über den Weg.

 

Und Jesus sagt auch hier ganz klar:

So wächst da leider nichts. Es geht so nicht.

 

Am Ende nennt Jesus noch das Ideal-Feld.

Das gute Land, wo das Evangelium viel Frucht bringen kann.

 

Die wesentlichen Dinge kannst du nicht machen, sondern nur empfangen.

Aber du kannst dich empfänglich machen. (Martin Schleske)

Und darum geht es hier.

Um das empfänglich machen.

 

Jesus nennt drei Merkmale dieses guten Landes:

1) Nicht nur hören, sondern auch annehmen und bewahren

2) Ein gutes und aufrichtiges Herz (kalos kai agathos)

3) Geduld

 

Hören, das geht meistens so:

Links rein, rechts raus.

Was wissen wir noch von den Nachrichten, die wir in der vorletzten Woche gehört haben?

Richtiges Hören geht anders, intensiver – und langsamer.

Intensiv hinhören, wiederholt zuhören, es verinnerlichen.

Aufschreiben.

Widerkäuen. Durchdenken. Darüber reden und diskutieren.

So geht hören und bewahren.

Und als zweites nennt Jesus ein gutes und aufrichtiges Herz.

Das mit dem Herz ist für uns Europäer etwas irreführend.

Beim Herzen denken wir an Gefühle, an Empfindungen.

 

In der Bibel ist mit Herz – hebräisch Leb – etwas anders gemeint.

Das Herz ist in der Bibel das Zentrum des Menschen.

Der Ort, wo die Entscheidungen fallen.

Wille, Vernunft, Denken, Wünsche, Entscheidungen.

Das alles wohnt im Herzen.

 

Jesus redet von einem Herzen, das kalos kai agathos ist als Voraussetzung dafür, dass da was wachsen kann.

Kalos kai agathos heißt wörtlich: Schön und gut.

Was ist damit gemeint?

Schönheit kommt ja bekanntlich von innen.

Wenn Jesus von einem guten und aufrichtigem Herzen spricht, dann meint er damit einen Menschen, der sich entschieden hat: Ich will Gott gefallen. Das ist für mich das Wichtigste.

 

Er redet von einen Menschen, der klar ist.

Und der sich darauf konzentriert.

Der die Sache mit dem Evangelium nicht so beiläufig betreibt, so nebenbei und zufällig, sondern der das zu einer Priorität macht.

Er ist ganz bei der Sache.

Und er ist ehrlich und macht sich nichts vor.

 

Etwas zu beherzigen ist vielleicht das schönste Wort für glauben.

Denn es bedeutet, dass du den Dingen, die du erkannt hast, in deinem Herzen Raum gibst.

Beherzigen heißt, innere Heimat geben.

Ein Gast, den du aufgenommen hast, wird zu dir sprechen. (Martin Schleske)

 

Aufrichtig ist eine ziemlich gute Übersetzung für kalos kai agathos.

Das Gegenteil wäre ein in sich zerrissenes und unehrliches Herz.

 

Und als drittes nennt Jesus die Geduld.

Nicht gleich aufgeben, wenn sich anscheinend nichts tut.

Nicht gleich hinschmeißen, wenn ich noch so viele Fragen habe und so viel unklar ist.

Geduld.

 

Jesus sagt:

Wer diese Merkmale beachtet, bei dem geschieht etwas.

Da wächst etwas.

Da geschieht Veränderung und Wachstum.

Da entsteht etwas Neues.

Jesus selber hat uns vorgemacht, wie das mit dem guten Land geht und gezeigt, was für Frucht das hervorbringt.

 

Ganz am Anfang seines öffentlichen Lebens fällt auch ein Samenkorn in sein Leben hinein, so ein Wort Gottes.

Bei seiner Taufe da hörte er eine Stimme vom Himmel.

Er hörte das Evangelium für sich:

Du bist mein geliebter Sohn. An dir habe ich Wohlgefallen!

Er hat es gehört und angenommen und in seinem Herzen bewahrt.

Sein Herz war gut und aufrichtig.

Er war durch und durch ehrlich und aufrichtig.

Er war ungeteilt aufmerksam für seinen Vater.

Und er hatte Geduld.

Und die Evangelien erzählen uns von der Frucht, die in seinem Leben gewachsen ist.

Mehr als hundertfach.

 

Und die größte Frucht war die Liebe.

Die ihn dazu gebracht hat, ans Kreuz zu gehen.

Für Menschen, die es nicht wert sind.

Für Menschen, die es ihm im Großen und Ganzen nicht danken.

 

Und wir alle leben von dieser Frucht.

 

Amen.

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