Wanderer zu Christus führen

Liebe Gemeinde,

ich war in den letzten Tagen auf einer sehr interessanten volksmissionarischen Tagung in Rummelsberg zum Thema: Religion ja – Kirche nein! Vertreter aus ganz Bayern sind zusammengekommen um sich zu beraten und zu informieren, wie es mit der Vermittlung unseres Glaubens steht, eine der Fragen lautete: – wo habe ich in letzter Zeit Erfahrungen mit meinem Glauben gemacht? Wenn sie einfach jetzt dazu einmal nachdenken, auf welchen Gedanken würden sie kommen?
Einige Äußerungen dazu:

– "Deutschland ist Missionsland"
– "Glauben im Puzzle /Patchworkstil"
– "Kirche bei Gelegenheit"
– "Der Mensch ist unheilbar religiös"

Welche Aussage würde für uns, für sie und euch zutreffen?

Eine andere Frage lautete: An was denke ich, wenn ich mir eine Kirche wünsche, die rundum das tut, was sie tun sollte? Welche Gedanken tauchen bei Ihnen auf?

– Enttäuschung , Ärger, Spannungen , Trauer, Angst, Hilflosigkeit, Zorn, Aggression gg Fehlhaltungen der Kirche oder gar ein positives Echo, eine Begeisterung , eine Sehnsucht nach einer lebendigen Gemeinde , ja vielleicht sogar eine Leidenschaft für die Kirche zu werben?

In der Auseinandersetzung zu diesen Fragen kam uns folgendes in den Sinn: Wir bieten als Hauptamtliche in unserer Kirche eine gute Qualität, kommen aber nicht an mehrere Leute ran, wir haben einen großen kreativen Spielraum, Verständnis für Distanzierte, doch unsere Kirche muss glaubwürdig sein, Kirche soll einladend sein, Neugierige sollen einen Platz finden können. Vielfältige Verkündungs-Formen sind möglich (Das Evangelium kann sich nicht nur im Wort uns eröffnen). Wir müssen lernen die vorhandene Religiosität wahrzunehmen und würdigen und mit diese vorhandene Religiosität mit der Christusbotschaft zusammenbringen. Ein schöner Satz, der hier gefallen ist war: "Wanderer zu Christus führen".

Stellen wir uns vor, wir alle sind diese Wanderer – unterwegs auf der Suche nach tragfähigen Werten für unser Leben. Woran können wir uns halten? Was gibt es denn schon, woran wir uns orientieren können?

Fangen wir mit dem größten Schatz an, den wir haben – das Wort Gottes, die Bibel. Heute ist der Evangelist Johannes mit einem seiner schönsten Gottesbilder als Predigtwort vorgeschlagen. Johannes ist ein mutmachendes Vorbild, ihm gelingt es Menschen in ganz unterschiedlichen Situationen auf Jesus hinzuweisen.

Er redet von der Gemeinschaft der Kinder Gottes, die mit Jesus verbunden sind. Er spricht von den Verirrten und den Ausgesetzten, er ist damit ganz aktuell. – Hören wir das Wort für diesen Sonntag, es steht bei Johannes im 10. Kapitel. Ich lese ab Vers 11:

[TEXT]

»Ich bin der gute Hirte.« Das Wort »gut« ist im griechischen Text betont. Es unterscheidet Jesus von den falschen und bösen Hirten. »Ich bin der gute Hirte« heißt: Ich bin der richtige, Gott wohlgefällige »Hirte«, der Hirte, den das AT ersehnt und angekündigt hat Bis in die apostolischen Schriften hinein ist Jesus als der »gute Hirte« wichtig.

In den frühchristlichen Darstellungen – etwa der Katakomben – begegnet uns ebenfalls das Motiv des guten Hirten, das allerdings durch antike Herrscherdarstellungen vorbereitet war. Alle Erwartungen, die sich mit dem »guten Hirten« verbinden – Fürsorge, Weide, Wasser, Sammlung, Führung, Schutz, Vertrautheit erfüllen sich in Jesus. Wie der Beruf des Schäfers in der heutigen Zeit tatsächlich aussieht und welche Anforderungen ihm oder ihr tatsächlich abverlangt werden, das wusste wohl kaum einer dieser Bewerber und Bewerberinnen.

In biblischer Zeit sah dieses ganz anders aus. Die Vorfahren des jüdischen Volkes waren Nomaden, sie waren Hirten von Schafen und Ziegen. Der Beruf des Hirten war in dieser Zeit ein harter und auch sehr gefährlicher Beruf. Seuchen konnten die Herden befallen und vermindern. Dadurch wurde sehr oft die Lebensgrundlage der Menschen in Frage gestellt. Nicht selten kam es vor, dass Hirten mit ihrer Herde von Räubern überfallen wurden und ausgeplündert wurden. Wassermangel in der Wüste war eine ständige Bedrohung. Und wenn wilde Tiere in die Herde einfielen, dann musste der Hirte unter dem Einsatz seines Lebens die Herde verteidigen.

So können wir auch verstehen, dass im alten Orient die Herrscher von Völkern und auch die Priester sich gerne den Beinamen: „Hirte“ geben ließen. Dies alles war den Menschen zu Lebzeiten Jesu und auch noch in späteren Jahrhunderten wohl bekannt. Und auf diesem Hintergrund können wir das Wort Jesu: „Ich bin der gute Hirte“ auch verstehen. Jesu hat die Worte: „Ich bin“ bewusst gewählt und auch stark betont. Jesus sagt: „Ich bin der einzige Hirt! Keiner sonst!“ Nur Christus kennt den Weg, der uns zum Heil führt. Alle Vorherrschaft von Menschen ist ein Fehlschluss; den diese kann das Heil für nicht vermitteln. Der Vergleich vom Hirten und seiner Herde war im Nahen Osten eine gebräuchliche Metapher. Könige und Priester bezeichneten sich als "Hirten" und ihre Untertanen als "Schafe", ein Bild, das die Bibel häufig verwendet. Viele der großen Männer im Alten Testament waren tatsächlich Hirten (z. B. Abraham, Isaak, Jakob und zeitweise auch David). Mose und David wurden in einem übetragenen Sinn als "Hirten" Israels bezeichnet. Einigen der berühmtesten Passagen in der Bibel liegt das Motiv des Hirten zugrunde (vgl. Ps 23; Jes 53,6; Lk 15,1 – 7). In scharfen Gegensatz zum guten Hirten tritt »der Mietling, der nicht Hirte ist«. »Mietling« heißt. : bezahlter Hüter oder noch gröber: Schäferknecht. Aus dieser Gegenüberstellung ergibt sich, dass der »Hirte« zugleich der Eigentümer der Schafe sein muss. Der bezahlte »Mietling« riskiert nicht sein Leben für Schafe, die ihm nicht gehören. Vielmehr »verlässt er die Schafe und flieht«, wenn »er den Wolf kommen sieht«. Schutzlos preisgegeben, raubt sie der Wolf und »zerstreut er« den Rest, der panikartig auseinanderstiebt. Was bedeutet das?

1. Ohne Jesus als den wahren Hirten ist die Herde – das Volk Gottes – schutzlos den Feinden preisgegeben. Die Gemeinde lebt im Bereich des »Wolfes«. Der »Wolf« ist in der Bibel ein gefürchtetes Raubtier und zugleich ein Bild für blutsaugende Fürsten und Herren sowie für Verfolger und Irrlehrer. Dass Wolf und Schaf friedlich zusammen weiden, ist ein unübertrefflicher Ausdruck für die versöhnte Schöpfung am Ende der Zeit.

2. Die Bereitschaft des guten Hirten ist ohne Grenzen, sie nimmt sogar den Verlust des Lebens in Kauf. In den Versen 14 und 15 bekennt Jesus:»Ich bin der gute Hirte« – »ich lasse mein Leben für die Schafe«. Er weiß also, wie wir in Wirklichkeit sind, und er lebt und stirbt dennoch für uns. Aber nun geht es nicht nur um die Gemeinschaft zwischen Jesus und seinen Jüngern, sondern es geht auch darum, dass wir durch Jesus in die Gemeinschaft mit dem Vater hineingenommen werden, in der er selbst lebt Halten wir fest: Der gute Hirte erlöst uns nicht nur durch seinen Sühnetod, sondern führt uns auch in die Gemeinschaft mit dem Vater.
Jesus gab sein Leben stellvertretend für die Schafe hin. Und deshalb hat Gott eingegriffen und Jesus nicht im Tode gelassen, nein, Gott hat ihn vom Tode auferweckt und mit einem Leben beschenkt, welches vom Tod nicht mehr angegriffen werden kann.

Diese Frohe Botschaft Jesu werden wir nur dann weitergeben können, wenn wir als seine Gemeinde unter seinem Hut stehen. Und deshalb ist es so wichtig, liebe Gemeinde, dass wir uns um ihn sammeln und uns von ihm führen lassen.
Führen lassen in die nächste Umgebung und ebenso in die weiteste Ferne mit der großen Freude im Herzen, im tiefen Wissen, dass Jesus unser Herr und Hirte ist. Wo nicht nur Christen, sondern die ganze Menschheit nach Weisung und Sicherheit fragt und kein Mensch sagen kann, wie diese zu erreichen sind, da gibt uns Jesus Antwort: „Ich bin der gute Hirte.“ Dies gilt zu allen Zeiten und an dieser Tatsache hat kein Ereignis in der Geschichte unserer Welt etwas geändert.

Ich erlebe im Moment, dass es Zeiten der Unsicherheit gibt, ich weiß heute nicht, wo ich als Diakon nach den Sommerferien arbeiten werde. Werde ich überhaupt noch als Diakon eine für mich geeignete Stelle finden ? Das Beste, was mir blühen kann ist die einjährige Ausbildungszeit in der Augustana-Hochschule Neuendettelsau zum Pfarrverwalter. Zur Zeit spüre ich und viele Weggefährten, das dies ein guter Weg wäre. Doch wie es aussieht hat die Kirchenleitung eine andere Meinung, die endgültige Entscheidung fällt am Dienstag im Landeskirchenamt, meine Chancen sind nicht gut. Als Alternative gibt es im Moment nur eine Stelle für mich: Die pflegerische Arbeit mit psychisch kranken und alkoholabhängigen alten Menschen, die nicht mehr therapiert werden können, ja nur noch versorgt werden wollen. Ich stehe oft am Grab meiner Kinder und denke mir: Was will Gott von dir in dieser Zeit ? In dieser ungewissen Zeit fällt mir dann der Psalm 23 ein. Ich spreche und bete ihn laut und werde berührt von einer Stärke, von einem Trost, von einer neuen Hoffnung in der Gewissheit des Glaubens, dass ich beschützt, getragen und gehalten bin von dem besten Hirten, den die Welt je gesehen hat.

Ist das nicht in Zeiten des Kummers und der Sorge eine wunderbare Vorstellung, dass der sich gute Hirte JESUS CHRISTUS auf den Weg macht um mich zu finden, wieder zu finden und mir einen Platz geben möchte, wo ich vergnügt und glücklich sein kann? Nicht nur in Zeiten der Anfechtung ist es seit Menschen Gedenken immer ein guter Rat gewesen die Hände zu falten und zu Gott zu beten. Ich lade sie ein am Schluss meiner Ausführungen mit mir den Psalm 23 zu beten:

Der Herr ist mein Hirte…

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