von viererlei Acker (Gleichnisse Jesu) Sexagesimae 2016

Von dem Wort, das erzählt und gehört wird …

Die christliche Theologie nennt Jesus das lebendige Wort Gottes. Eine sehr schöne Theorie: Gott lässt sich von Jesus erzählen. Jesus erzählt und wird im Vorgang des Erzählens selber zum Erzählten. Mit Beobachtungen aus der Natur und mit Geschichten aus dem Leben der Menschen konstruiert Jesus Ereignishintergründe. Schöpfungen im Wort – sozusagen fast aus dem Nichts. Die Menschen hören zu und haben vermittels ihres Lauschens Anteil an diesen Schöpfungen. Denn beim Zuhören wird im Rauschen der Laute etwas Bleibendes erkennbar. Das ist Gnade. Das Ewige filtert sich. Solche Augenblicke hat man gern Offenbarung genannt. Gib der Offenbarung eine Chance. Höre zu. Etwas wird durch Zuhören und Nachdenken im Wort klar.

Die meisten Geschichten des erzählenden Jesus sind Gleichnisse. Auch Satire ist mit dabei – aber immer wird Sympathie spürbar, die den Erzähler Jesus beim Erzählen führt. Das Matthäusevangelium wartet heute mit dem Gleichnis vom viererlei Acker auf (Mt.13,1-9/18-23). Es ist (auch bei Markus) das allererste Gleichnis, das Jesus  überhaupt erzählt. Und nur dieses erste Gleichnis wird erklärt. In solcher Erklärung bekommen wir Hinweise dafür geschenkt, wie man später selber Gleichnisse findet, erfindet und anwendet. Vor dem Finden der verbindenden Analogie zwischen weltlichen und göttlichen Dingen steht immer das Einkehren in eine bestimmte innere Haltung. Das ist der Lobpreis dem Ewigen gegenüber, von dem ja erzählt werden soll. „Ich preise Dich …“ (Mt.11,25f). Der nächste Schritt ist, dass Jesus aus dem Haus heraus geht, und sich an das Meer setzt (Mt.13,1). Der Blick geht nun von dem begrenzten Standpunkt hinaus in die Weite, wo Höhe des Himmels und Tiefe des Abgrunds sich mit der schimmernden Oberfläche des Sees kreuzen. Dann erst schenken sich Finden, Erzählen und Hören. Sie sind  Anwendungen des ewigen Wortes. Und alle gleichberechtigt. Denn das Hören ist genauso wichtig wie das Erzählen. „Wenn ihr diese eine Stimme hören werdet, verschließt eure Herzen nicht!“ (Hebr.3,15).

Matthias Schollmeyer (Pfarrer in Zahna)

print

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen