Von Gottes Verheißung getragen

[Anmerkung: Die Predigt arbeitet mit folgendem Bild zur Jahreslosung (Link öffnet in einem neuen Fenster): <a href="http://www.3×16.de/catalog/images/13014.jpg" target="_blank">http://www.3×16.de/catalog/images/13014.jpg</a>]

„Gast frei zu sein vergesse nicht, denn dadurch haben einige von euch ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Euer Lebenswandel sei ohne Geiz; und lasst euch genügen an dem, was da ist. Der Herr ist mein Helfer, ich will mich nicht fürchten: was sollten wir Menschen tun? Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Einander wohl zu tun und einander zu helfen vergesse nicht, denn solche Lebensweisen gefallen Gott wohl.“

Diese Sprüche stammen aus dem Umfeld der diesjährigen oder besser nächstjährigen Jahreslosung. Der Verfasser des Hebräerbriefes möchte die Gemeinde stärken und sie ermutigen, ihr gegenwärtiges Leben, ihre alltäglichen Aufgaben und Verpflichtungen, ihre Beschwernisse so anzunehmen, wie Gott selbst die Welt angenommen hat. Für die christliche Gemeinde ist ein Lebenswandel mit ihrem Herrn Jesus Christus von ganz entscheidender Bedeutung. In dem Verständnis Hebräer-Christen ist Jesus der Vermittler zwischen Menschen und Gott. Jesus Christus ist der Heiland, der die gebrochenen Herzen versöhnt und den Menschen Lebensmut schenkt. Zugleich ist Jesus aber auch derjenige, der die Verderbtheit und die Schuld der Menschen auf sich genommen hat, der aus der Stadt (Jerusalem) hinausgegangen ist auf die Schädelhöhe und dort sein Leben für die Menschen gegeben hat. Wir dürfen dies nicht als Opferung in altertümlichem Sinne verstehen, sondern als konsequente Lebensführung und ein konsequentes Eintreten für die Botschaft, die Jesus von Gott zu den Menschen gebracht hat. Die Folge von Jesu Wundertaten, seiner Lehren, dieses völligen neue Verständnis wie Gott zu begreifen ist: nämlich als gütiger und liebevoller und den Menschen zugewandter Gottvater, der war den alten religiösen Eliten ein Gräuel. Die Priesterschaft mit ihrem Tempel und Opferkult konnte überhaupt nicht verstehen, was Jesus an Neuem in die Welt gebracht hat. Es war nur eine bedrohliche Ahnung davon, daß die Lehren Jesu das autoritäre Verhältnis zwischen Priesterschaft und den Gläubigen völlig auf den Kopf stellen sollte. Denn auf einmal konnte jeder mit Gott selber ins Gespräch kommen, zum Beispiel in dem Gebet des Jesus den Gemeinden gelehrt hat: dem Vater Unser.

Wenn in der Jahreslosung nun davon die Rede ist, daß wir hier keine bleibende Stadt haben, sondern die zukünftige suchen, dann ist das nur ein Teil der Wahrheit. Dieses Bild ist zu verstehen vor dem Hintergrund, daß Jesus aus Jerusalem hinausgegangen ist auf den Berg Golgatha, um dort durch die Kreuzigung hindurch in ein neues Leben zu gehen. Die Christen der damaligen Zeit wurden aufgefordert, es Jesus nach zu tun, und ihren Lebenswandel nicht den Gesetzen und den Lebensgewohnheiten der römischen Gesellschaft gleich zu tun, sondern beharrlich an dem Glauben an Jesus Christus als ihren Herrn festzuhalten – auch wenn es ihnen Not und Entbehrung abverlangte. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, daß die Christen sich nicht als diejenigen gesehen haben, die hier auf Erden eine dauernde Heimstätte haben und sich in der Welt vor den Tempeln ihre Denkmäler setzen würden, sondern Christen waren immer ein wanderndes Gottesvolk; sie haben sich bemüht Gott entgegenzugehen, um in dem verheißenen zukünftigen Jerusalem zu leben. Ich weiß, daß ich hier jetzt Begriffe verwende, die in dem modernen Sprachraum sehr ungewohnt sind. Die wenigsten sind noch so mit den biblischen Sprachbildern und theologischen Überlegungen vertraut, als daß wir hier diesen Vorstellungen vom hohen Priesteramt Jesu und von den Opferkult-Gedanken etwas abgewinnen könnten.

Daher möchte ich den Blick gerne auf den Spruch lenken, den wir als Jahreslosung vor uns haben: die Karte zeigt Steine die in einem See in das Unendliche gehen… In der Ferne leuchtet strahlend die Sonne, ein Symbol für die Herrlichkeit Gottes. Aber: wenn Gott in die irdische Wirklichkeit gekommen ist, um den Menschen in deren Alltag nahe zu sein und ihnen dort zu helfen, dann findet der Spruch bei mir keine ganz ungeteilte Zustimmung. Wir haben hier eine bleibende Stätte, wir haben hier unsere Heimat, wir haben hier unsere Freunde und Geschäftskollegen, unsere Familien; wir haben hier oft ehrenamtlich bei Aufgaben mitgeholfen im Dorf/Stadtteil, in der Kirchengemeinde. Gemeinde ist nicht nur Gemeinde auf Durchzug. Gemeinde ist auch etwas Bleibendes und Bestehendes und Bewährtes. Und in dieses Bestehende kommt Gott hinein und zeigt uns wie wir es noch verbessern können. Insofern kann man vielleicht davon reden, daß dieser Spruch ein Spruch für Städteplaner innerhalb der Gemeindearbeit Gültigkeit hat; natürlich sind wir aufgefordert immer wieder danach zu sehen, wie wir die Arbeit in unseren Gemeinden verbessern können und damit zukunftsfähig halten. Vielleicht sagt der Spruch auch, daß es wichtig ist nicht nur im Vergangenen zu beharren, sondern sich auch dem Zukünftigen zu öffnen. Vermutlich muss man manche Traditionen nach einer gewissen Zeit überdenken, sie modifizieren und vielleicht austauschen oder weiter entwickeln oder gar ganz neue Traditionen begründen. Nur so wird eine Kirche eine dauernd sich reformierende Kirche bleiben. Aber eine bleibende Stätte aufzugeben, nur um loszulaufen wie bei einem Shopping-Bummel um etwas Zukünftiges zu suchen, von dem wir gar nicht wissen wie es aussehen soll? Das halte ich für wenig angebracht und wenig hilfreich. Nicht umsonst schreibt der Verfasser des Hebräerbriefes in den gleichen Briefabschnitt Eigenschaften für die Gemeinde, die von sehr konkreter Alltagsethik sprechen; die wichtig sind um den Menschen in dem tagtäglichen Geschäft den richtigen Weg weisen.

Wer gastfrei ist, wer für andere Leute da ist, wer nicht geizig ist, wer bereit ist anderen zu geben, wer anderen etwas wohl tut, wer für andere betet – der tut so viel, daß es für die Gemeinschaft hilfreich und eine ausgezeichnete bleibende Stätte ist

Im Hebräerbrief heißt es in dieser Stelle auch: „Der Gott des Friedens, unser Herr Jesus Christus, der mache euch bereit in allen guten Werken, zu tun seinen Willen, und schaffe in euch, was vor ihm wohlgefällig ist, durch Jesus Christus, welcher sei von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ Wer so von der Gemeinde redet, der lässt eine Gemeinde nicht blauäugig und unversorgt und ziellos in eine Zukunft stapfen, von der niemand weiß in welche Richtung sie geht oder aus welcher Richtung sie kommt. Insofern möchte ich diesen Spruch gern dahin interpretiert wissen, dass wir uns eine gute christliche bleibende Stadt bauen, in der wir offen sind für Neuankömmlinge und neue Ideen, in der wir wissen, dass die Zukunft auf uns zukommt, die von Gottes Verheißungen getragen ist.

Ein Satz habe ich bisher aus diesem Abschnitt noch nicht vorgelesen; den würde ich gerne ‚augenzwinkernd‘ mit in das neue Jahr nehmen. „Gehorchet euren Lehrern und folget Ihnen. Denn Sie wachen über eure Seelen, als sie Rechenschaft dafür geben sollen auf dass sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen, denn das tut euch nicht gut.“ Ich möchte diesen Satz für mich als Euer Pfarrer dahingehend interpretieren, daß trotz allen Fragen und trotz allen Schwierigkeiten und trotz allen Wünschen nach mehr Beteiligung in der Gemeinde und was man nicht alles machen könnte und was wir letztes Jahr nicht geschafft haben – daß dieses Seufzen für mich nicht im Vordergrund stehen soll. Sondern umgekehrt: ich möchte mich für Euren Einsatz bedanken für all die Mitarbeit und alles mittragen und mithelfen im vergangenen Jahr! Ich möchte diese Dankbarkeit und Freude ins neue Jahr mitnehmen und weitergeben und sehen was ich für Euch in vielfältiger Weise tun kann. Es würde mich freuen, wenn Ihr mir dafür euren Segen gebt und mich in der Arbeit weiterhin unterstützt; so wird es ein schönes und freudvolles Miteinander im neuen Jahr werden. Gott wird an unserer Seite sein und wird uns helfen, das zu suchen was für unsere Gemeinde das Beste ist. Gott behüte Euch und das Leben Eurer Lieben. Er lege seinen Segen auf uns in der Gemeinschaft mit Jesus Christus, unserem Herrn.

Amen.

print

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen