Vom Guten zum Bösen

(Die Predigt enthält Gedanken von Pastor Walter Faerber, Groß Ilsede, 2008, und Johannes Taig, Hof, 2011.)

Wunderbar ist diese Jahreslosung. Zum einen leicht zu merken. Zum anderen einsichtig: Das Böse in Schach halten, wer wollte das nicht. Dem Guten mehr Raum geben, wer wollte das nicht. Auch zum Zeitpunkt Jahresanfang passt die Losung bestens. Wir werden aufgefordert, zu überwinden.

Was kostet dich Überwindung? Morgens aus dem Bett steigen, wo es gerade noch so kuschlig warm war. Zu verzichten auf das zweite Stück Torte, das zweite Glas Wein, die nächste Runde beim Spiel, das du gerade verloren hast? Dir einen freundlichen Gruß abzuringen für den Kollegen, den du nicht ausstehen kannst.

Der gute Vorsatz reicht dafür nicht aus. Wir brauchen Beistand. In unserem Tun. Was sehr schwer ist. Ein Kampf ist es. Da braucht man Mitstreiter.

Wenn wir den Kampf mit dem Bösen aufnehmen wollen, geht es im Kopf los. Da lauern nämlich zuerst die Fallen. Eine solche Falle sagt: Gut und Böse sind ganz leicht zu unterscheiden. In den alten Western war das wirklich so. Die Guten, die sahen auch richtig gut aus. Gut rasiert, gute Manieren. Die Bösen hatten Stoppelbart. Einen stechenden Klaus Kinski Blick. Buschige Augenbrauen. Oder, wenn der Böse im Theater spielte, die Brauen schräg hochgezogen wie Mephisto.

Leicht zu erkennen. Leicht zu unterscheiden. Von der Achse des Bösen sprach vor einigen Jahren ein amerikanischer Präsident. Und schickte im Jahr darauf Truppen los, das Böse zu beseitigen. Sein Gegenspieler in Bagdad wurde ausgeschaltet, das Böse nicht. Es ist nicht so einfach. Vor allem dann, wenn wir meinen: Die Bösen sind die anderen. Wir sind natürlich die Guten.

Da ist es eine Hilfe, die Jahreslosung gerade an Neujahr zu bedenken. Wo man noch die Vorsätze hat. Gute natürlich. Die aber nicht gegen die bösen Anderen gerichtet sind, sondern gegen einen selbst. Wo wir genau wissen: Da ist ungutes. Bei mir selbst. Die unguten Gewohnheiten, die wir kennen. Unter denen wir leiden. Die uns anhängen. Die uns binden. Die uns vielleicht im alten Jahr richtig zugesetzt haben. Nun soll es aber endlich besser werden.

Was hilft uns dabei? Als erstes müssen uns die Augen geöffnet werden. Wir müssen erkennen, dass hinter dem Guten wie hinter dem Bösen letztlich Mächte stehen. Fantasyfilme wie Harry Potter oder Herr der Ringe oder die Narnia Geschichten sind voll davon. Da kämpfen die Mächte der Finsternis gegen das die Mächte des Lichts. Das mag unterhaltsam und spannend sein. Aber dennoch wissen wir: So einfach wie in den Filmen mit Tricks oder Zaubersprüchen lässt sich das Böse nicht bezwingen.

Hier hilft uns die Heilige Schrift. Sie kennt auch diese Art Zusammenhänge. Sie weiß: Hinter dem Bösen steckt der Böse. Der Durcheinanderbringer, der Versucher, der Satan. Der stärker ist als wir. Aber Christus wiederum ist stärker als er.

Der Böse ist bezwungen. Er hat keine Chance, solange wir uns zu Jesus flüchten. Solange wir in seiner Nähe bleiben.

In diesem Zusammenhang müssen wir die Jahreslosung immer sehen. Sonst wird sie verkürzt auf Moral.

Das Gegenteil von Böse ist nämlich nicht die Tugend oder das Gute, wahre und Schöne. Sondern der Glaube. Darum ist das Böse nicht in ein ethisches System zu fassen. Paulus bietet im 12. Kapitel seines Römerbriefs keine Ethik, sondern Ermutigung, Ermahnung und Tröstung. Getröstet werden die, die Herz und Sinn bereits im Glauben auf Christus ausgerichtet haben. Nur die vom Heiligen Geist bereits Angewehten können so ermahnt werden. Nur die, die schon bei Trost sind, können durch die Erinnerung an die Barmherzigkeit Gottes auch getröstet werden. Für die Trostlosen, weil Geistlosen, bringt die Ermahnung nicht den Trost. Sie wird vielmehr wieder zur trostlosen Moral. Die sich die einen verbitten. Und durch die sich die anderen zum Richter bestellen lassen.

Lasst uns darauf achten, dass wir nicht in diese Falle tappen. Dazu müssen wir die Jahreslosung genau betrachten. Sie lautet nicht etwa: „Meide das Böse, tue das Gute.“ Oder: Wenn es sich schon nicht vermeiden lässt, dass wir Fehler machen und schlechtes Tun. Lasst uns mehr Gutes tun. Wie bei so einer Waage. Die guten Taten sollten überwiegen. Das wird Gott dann hoffentlich am Ende belohnen.

Die Jahreslosung heißt vielmehr: Überwinde das Böse mit Gutem. Schau auf Jesus. Wie hat er es gemacht. Er war gut. Er tat Gutes. Genauer: Er war ohne Sünde. Nur deshalb konnte er dem Satan Paroli bieten. Das Entscheidende aber war. Er hat den Bösen gestellt, bekämpft. Das Motiv dieses Kampfes ist an der Altarwand dargestellt. Der Erzengel Michael bezwingt den Drachen. Er nimmt den Kampf auf. Der Böse ist besiegt. Er kann sich nicht mehr erheben. Wann ist das geschehen? Am Kreuz. Da hat Jesus alle Mächte des Todes und des Bösen besiegt.

Im Wissen darum kann ich jetzt angehen gegen das Böse. Auch da schaue ich wieder auf Jesus. Wie ist es ihm ergangen? Das Böse hat ihn bedroht von Anfang an. Da ist Herodes, wir sagen: der böse König Herodes. Da zeigt sich das Böse ungeschminkt. Wie bleibt Jesus bewahrt? Die heilige Familie flieht nach Ägypten. Manchmal kann man dem Bösen einfach nur ausweichen.

Dann die Versuchung in der Wüste. Jesus tritt dem Satan entgegen mit Worten der Heiligen Schrift. Wir müssen die Bibel kennen und lesen. Das wäre wirklich ein guter Vorsatz fürs neue Jahr: Täglich in die Heilige Schrift schauen. Oder sich ein Losungsbuch besorgen, wenn du noch keines hast. Sich so impfen mit Gutem. Täglich.

Später tritt das Böse dem Heiland entgegen durch die Pharisäer. Kirchliche, fromme Leute sind das. Sie meinen es gut. Aber sie liegen falsch. Und sie greifen zu fiesen Mitteln.

Hat Jesus versucht, sie umzustimmen? Nein, er ist ihnen entgegen getreten in manchen Streitgesprächen. Er wusste, da wird sich nichts ändern. Jesus wusste, wo sein Weg enden würde und wer daran mitwirken würde.

Es ist gut, wenn auch wir uns auf diesem Gebiet keine falschen Hoffnungen machen. Nach dem Motto: Zu den Bösen immer freundlich sein, nett sein, das wird am Ende Wirkung zeigen. Lange bevor Heinrich Kemner das Rüstzentrum Krelingen gründete, war er Pastor in Ahlden. Da gab es zur Zeit des dritten Reiches eine starke Gegnerschaft. Leute aus dem Dorf. Aus dem Kirchenvorstand. Sie schwärzten ihn beim Sup an. Sie intrigierten. Sie machten ihm das Leben schwer. Ein Jugendlicher zeigte ihn bald nach der Konfirmation bei der Gestapo an. Auf dem Heimweg vom Frauenkreis wurde Heinrich Kemner dann überfallen. Nur knapp entging er dem Tod. Nach dem Krieg aus der Gefangenschaft heimgekehrt, trat er wieder seine Pfarrstelle an. Die früheren Feinde tarnten sich nun als Freunde. Sie brauchten die Hilfe des Pastors für die Entnazifizierung. Heinrich Kemner erinnert sich: „Obschon ich nach Möglichkeit dazu bereit war, wandelte das keineswegs die Gesinnung. Wenn man glaubt, man könne ein Menschenherz durch Güte und Liebe wandeln, so ist das ein großer Irrtum.“

Schließlich begegnet Jesus dem Bösen in den eigenen Reihen. Der Verräter Judas ist ein Mitglied des engsten Kreises. Wie schlimm. Auch darum müssen wir wissen. Das Böse steckt in jedem von uns, die Bösen sind auch unter uns in der Gemeinde. Traurig, aber wahr.

David beklagt das im 55. Psalm: „Wenn mein Feind mich schmähte, wollte ich es ertragen. Wenn einer der mich hasst, groß tut wider mich. Wollte ich mich vor ihm verbergen. Aber nun bist du es, mein Gefährte, mein Freund und mein Vertrauter. Die wir freundlich miteinander waren, die wir in Gottes Haus gingen inmitten der Menge. Der Tod ereile sie, das sie lebendig zu den Toten fahren, es ist lauter Bosheit bei ihnen.“

Tja, da ist dem David der Kragen geplatzt. Aber er wusste, es geht auch anders. Wie zu der Zeit, als er sich in Höhlen versteckt hat vor den Nachstellungen König Sauls. Saul verdächtigte David eines Putschversuches, zu Unrecht. Als Saul ahnungslos gerade durch diese Höhle spaziert, noch dazu unbewaffnet, drängen Davids Gefährten: „Mach ihn kalt, dann hast du Ruhe!“. Aber David verzichtet auf Rache. Als Saul draußen ist im Kreis seiner Soldaten zeigt sich David. Er präsentiert Saul einen Mantelzipfel, den er heimlich abgeschnitten hat.

Er ruft ihm zu: „Daß ich den Zipfel von deinem Rock schnitt und dich nicht tötete, daran erkenne und sieh: Meine Hände sind rein von Bosheit und Empörung.“ Saul ist wie vom Donner gerührt. „Wo ist jemand, der seinen Feind findet und läßt ihn mit Frieden seinen Weg gehen? Der Herr vergelte dir Gutes für das, was du heute an mir getan hast.“ Vielleicht hat auch mancher von uns hier schon erfahren, wie sich in seinem Leben der Bibelspruch erfüllt hat: „Wenn eines Mannes Wege dem Herrn wohlgefallen, so läßt er auch seine Feinde mit ihm Frieden machen!“

Aber nicht immer wird man das Böse so leicht los. Für Saul war diese Szene ein sentimentaler Moment, kurz darauf macht er David wieder das Leben schwer. Aufs ganze gesehen hatte Jesus, hatte der Apostel Paulus lebenslang starke Feinde. Jesus musste eine Antwort darauf finden, die nicht seine Sendung zerstörte. Denn Menschen, die uns Unrecht tun. Die uns angreifen und schaden. Sie gehören zu denen, die uns am meisten beeinflussen. Wir denken viel an sie. Wir haben intensive Begegnungen mit ihnen. Jesus musste darauf so reagieren, dass dieser Einfluss ihn nicht abbrachte von seinem Auftrag. Sondern im Gegenteil, er wollte weiterhin die anderen beeinflussen und nicht umgekehrt.

Wir müssen nüchtern anerkennen: Es gibt böse Menschen. Sie sind es vielleicht nicht immer und in allen Beziehungen. Es reicht ja, wenn sie sich zu dir so verhalten. Sie sind natürlich oft arme Menschen. Die nichts Besseres haben. Aber das vermindert nicht den Schaden, den sie anrichten.

Zum Glück sind nicht alle Menschen so. Aber es gibt sie: Den Chef, mit dem zusammen zu arbeiten krank macht. Intriganten, um die herum immer nutzloser Ärger und überflüssige Konflikte entstehen. Betrüger, die hilflose Menschen über den Tisch ziehen. Leute, die ihren Spaß daran haben, andere per Telefon zu erschrecken. Karrieristen, die über Leichen gehen. Und vieles mehr. Bosheit beschränkt sich nicht auf Kinderschänder und Serienmörder.

Es hat keinen Zweck, das herunter zu spielen, wie es jahrelang geschehen ist in der Odenwaldschule oder in Jesuitenklöstern. Er erste Schritt, wie man mit bösen Menschen umgehen muss, ist der Sache einen Namen zu geben. Böse Menschen müssen mit ihrem Verhalten konfrontiert werden. Möglichst nicht zänkisch oder verletzend, sondern in der Kraft der Wahrheit. Manchmal gibt es auch eine Gelegenheit, ihnen etwas anderes Gutes zu tun. Manchmal kann man sie damit irritieren und ihr Weltbild durcheinander bringen. Es gibt aber wie schon gesagt keine Garantie, dass sie sich dann ändern. Wir müssen uns nicht die Verantwortung dafür aufbürden, aus bösen Menschen gute zu machen. Sogar Jesus hat das nur selten geschafft. Wichtig ist, dass wir uns nicht durch Feindschaft und Bosheit von unserem Weg abbringen lassen. Dafür haben wir die Verantwortung. Wenn dann Menschen dadurch gebessert werden, um so schöner.

Fassen wir zusammen: Wie wird das Böse überwunden? Bei uns selbst: Zuallererst muss ich mein Leben Jesus ausliefern. Alles Böse, was war, unter seine Vergebung stellen. Einen neuen Anfang suchen. Wir nennen das Bekehrung. Eine Abkehr vom Weg ohne Jesus hin zum Glaubensweg.

Dann, wenn wir mit unguten Angewohnheiten oder Ängsten zu tun haben, ist oft Hilfe von außen wichtig. Eine Beratung und Begleitung durch einen christlichen Seelsorger oder eine solche Einrichtung.

Mit bösen Menschen außerhalb der Gemeinde, manchmal leider auch innerhalb, gilt: Konfrontieren, sagen, das ist nicht in Ordnung. Oder das stimmt ja gar nicht, was du sagst. Des weiteren: Segnen, segnen, segnen. Vergeben, vergeben, vergeben. Das gilt gerade für zurück liegendes. Viele Christen sind gelähmt durch Erinnerung an böse Menschen, die ihnen gar nichts mehr tun, und sie kommen nicht drüber weg.

Und schließlich: Überlass es Gott. So wurde David den Saul los, Daniel die bösen Minister, Mordechai den Haman, und Pastor Heinrich Kemner den Mann, der drohte, ihn aus dem Pfarramt zu kicken.

Im letzten Buch der Bibel gibt es eine Passage, überschrieben: Das Lied der Überwinder. Das ist kein Klagelied über das Böse, über die Bösen.

Da heißt es: Ich sah, die den Sieg die den Sieg behalten hatten über das Tier und sein Bild und über die Zahl seines Namens, die standen an dem gläsernen Meer und hatten Gottes Harfen 3 und sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes:

Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker. Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen? Denn du allein bist heilig! Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir, denn deine gerechten Gerichte sind offenbar geworden.

Lasst uns beten:

Herr Jesus Christus! Du bist der Überwinder. Alle Mächte des Bösen müssen weichen vor dir. Du weißt, wo wir geplagt sind von bösen Gedanken, bösen Gewohnheiten, bösen Menschen. Wir bitten dich: Mach uns froh. Lass uns auf dich schauen. Schenk uns Bestätigung, wenn wir tun, was dein Wort sagt. Bring du uns gut voran in diesem neuen Jahr.

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