Vertrauen wagen

Jesaja 7,10-14

(Andacht zur Großen Dienstbesprechung in Berlin-Hellersdorf am 23.3.2014, am Tag der Verkündigung der Geburt des Herrn)

Ich grüße Sie mit dem Spruch des heutigen Tages aus Galater 4: „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan.“

Manchmal fällt etwas aus der Zeit. Es wirkt nicht nur so, es ist so. Säßen wir jetzt im Gottesdienstraum, dann müssten die Paramente nicht violett, sondern weiß sein wie zu Ostern oder Weihnachten. Es ist ja auch ein bisschen Weihnachten heute. Wir haben „Mariae Verkündigung“ oder, wie es protestantisch korrekt heißt, den „Tag der Verkündigung der Geburt des Herrn“. Noch neun Monate, dann ist wieder Weihnachten! Und nun verstehen Sie auch, warum hier noch ein wenig restliches Weihnachtsgebäck verteilt wurde.

Im volkstümlichen Katholizismus haben wir heute also ein Marienfest, aber eigentlich, und das würde wohl auch jeder katholische Theologe so sagen, ist heute ein Christusfest (weiß!), geht es doch in erster Linie nicht um Maria, sondern um den, den sie zur Welt bringen soll, nämlich Christus, den Sohn Gottes.

Das ist mit den vergleichbaren Tagen nicht anders, die dann auch – gerade von Nichtkatholiken – gern einmal durcheinander gebracht werden:
Heute am 25.3. also wird Mariae Verkündigung gefeiert, der Tag, an dem nach Lukas 1 der Erzengel Gabriel zu Maria trat und die Geburt Jesu ankündigte.
Und dann gibt es noch Mariae Heimsuchung. Das ist am 2. Juli. Da wird aber nicht Maria von irgendwem oder irgendwas heimgesucht, sondern sie selber „sucht heim“, das heißt, sie macht einen Besuch. Visitatio Mariae heißt es im Lateinischen. Maria besucht ihre Verwandte Elisabeth, die mit Johannes schwanger ist, der später zu Johannes dem Täufer werden wird. In diesen Zusammenhang gehört das Magnificat.
Und dann haben wir noch Mariae Empfängnis am 8.12. Das ist neun Monate vor Marias Geburt am 8.9. Nach katholischer Lehre ist Maria zwar nicht jungfräulich empfangen worden, aber von Gott von Anfang an, also seit ihrer natürlichen Zeugung, von der Erbsünde frei gehalten worden, so dass sie ohne Makel sei (Immaculata!) und auf diese Weise würdig und fähig, dereinst den Sohn Gottes zu gebären.

Ein Christusfest haben wir heute also, ein Marienfest auch, ein Fest, welches das 40-Tägige Fasten vor Ostern unterbricht, ein Fest auch, das biblisch tief verankert ist. Darum hören wir nun auf die alttestamentliche Lesung für den heutigen Tag aus Jesaja 7, die Verse 10-14.

10 Und der HERR redete abermals zu Ahas und sprach:
11 Fordere dir ein Zeichen vom HERRN, deinem Gott, es sei drunten in der Tiefe oder droben in der Höhe!
12 Aber Ahas sprach: Ich will’s nicht fordern, damit ich den HERRN nicht versuche.
13 Da sprach Jesaja: Wohlan, so hört, ihr vom Hause David: Ist’s euch zu wenig, dass ihr Menschen müde macht? Müsst ihr auch meinen Gott müde machen?
14 Darum wird euch der HERR selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.

Von Ahas ist hier die Rede, dem König in Jerusalem so um 730 v.Chr. Der saß damals in einer rechten Zwickmühle. Sein Land war abhängig vom Großreich der Assyrer, aber nicht nur ihm in Juda ging das so. Für die Nachbarn im Nordreich Israel, für die Aramäer in Damaskus und für viele andere war es ganz genauso. Und weil ihnen das nicht gefiel, schmiedeten sie eine antiassyrische Allianz. Nur Ahas wollte da nicht mitmachen. Er wollte Ruhe für sein kleines Land und deshalb lieber die Tribute zahlen. Aber das ging ja nun gar nicht, dass da einer aus der Freiheitsbewegung ausscherte und sich einer gerechten Sache entzog! Also richtete sich der erste Krieg jener antissyrischen Allianz nicht gegen das mächtige Assyrien, sondern gegen das kleine Juda nach dem Motto: „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag‘ ich dir den Schädel ein.“ Ahas hatte nicht zu Unrecht große Angst.

Und da tritt nun Jesaja auf. Er macht Ahas Mut. Zunächst mahnt er ihn: „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.“ Und dann weist er den König auf Gottes Zeichen hin, wo der König selbst schon den Glauben verloren zu haben scheint. Der König ist unsicher. Er will kein Zeichen. Nicht, weil er nicht an Zeichen glauben würde, er traut sich das im Moment einfach nicht und versteckt seine Unsicherheit in einer frommen Rede: „Ich will den Herrn doch nicht versuchen.“
Da verweist der Prophet seinerseits auf ein Zeichen: „Siehe da, die junge Frau! Sie ist schwanger. Sie wird ein Kind zur Welt bringen und es voll Vertrauen Immanuel nennen, denn sie weiß, Gott ist mit uns. Und noch ehe der Knabe Gut und Böse zu unterscheiden lernt, da wird von den Herrschern, die dir heute so viel Angst machen, keine Rede mehr sein.“ – So etwa könnte man den kürzeren biblischen Text umschreiben.

Eine junge Frau also ist gemeint, ganz normal schwanger, nichts Außergewöhnliches ist an ihr. Aber genau in diesem Moment wird sie für Ahas, für diesen einen, der da endlich glauben können soll, aus der Normalität herausgerissen. Für ihn wird sie zum Zeichen. Und sie bleibt ein Zeichen für viele weitere Generationen, die mit ihr immer neu die Hoffnung verbinden, dass Gott den einen, den wahren Immanuel, senden wird.
Das Bild wird immer umfassender. Es wird, ja es muss ein ganz Außergewöhnlicher sein, der da von Gott kommt, und es muss demzufolge eine besondere Frau sein, die ihn zur Welt bringt.
Und dabei wird aus der almah des hebräischen Textes, aus der jungen, verheirateten Frau, die parthenos im griechischen Text, die Jungfrau. Denn auch unter den Juden, die einst das Hebräische ins Griechische übertrugen, meinte man, dass nur so, mit der Rede von einer Jungfrau, unter den griechisch sprechenden Juden und Nichtjuden verständlich werden könne, was der Gott Israels da Besonderes tut. In all‘ die vielen Götter und Halbgötter der hellenistischen Welt fügte sich die Vorstellung von einer Jungfrauengeburt ebenso ein wie sie auch herausragte. Über den griechischen Text des Alten Testaments gelangte die Jungfrau dann ins Neue Testament und schließlich ins Glaubensbekenntnis.

Ein Fehler also, den es auszumerzen gilt? Keineswegs! – Die „junge Frau“ bei Ahas und die „Jungfrau“ in der griechischen Übersetzung und von dort aus weiter in der Glaubensgeschichte der Kirche, jede der Formulierungen weist in ihrer Weise auf die unendlichen, unsere Vorstellungen und Erwartungen übersteigenden Möglichkeiten Gottes hin, Möglichkeiten die uns aus Ängstlichkeit und Kleinglauben herausführen wollen, so dass wir am Ende wie Maria „Ja“ sagen zu dem Weg Gottes mit uns. Amen.

Wir singen: EG 12,1-4 (Gott sei Dank durch alle Welt )

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