Vergiss nicht …

Liebe Konfis! Liebe Eltern und Paten! Liebe Gemeinde!

Am Anfang unserer gemeinsamen Zeit stand ein Bild. Es zeigte einen Jungen in einem recht dunklen Raum, der seine Spielsachen hinter sich und neben sich fallen lässt. In der Hand hält er seine Schultasche, vor ihm auf den Treppenstufen liegen ein paar Schulbücher. Die Treppe führt ins Freie. Da muss endlich die Freiheit sein, das ersehnte Glück, so habt Ihr es gedeutet.

Am Ende unserer gemeinsamen Zeit haltet Ihr wieder ein Bild in der Hand. Ein junger Mensch hält eine Bibel in der Hand und vor ihm liegt der Weg, der weiterführt und sich alsbald mehrfach verzweigt. Unendliche Möglichkeiten tun sich ihm auf? Welchen Weg soll er gehen? scheint er sich zu fragen. Ob die Bibel als Wegweiser da helfen kann – dieses alte Buch, das viel zu schwer ist, um es stets bei sich zu tragen?

Da steht der junge Mensch also – neugierig, wohin ihn der Weg führt. Doch wohin nun mit der Bibel? Immer in den Händen halten – das kann nicht sinnvoll sein? Meine Hände haben doch noch anderes zu tun! Zur Seite legen? Also ins Regal stellen zu den anderen Büchern! Dem Mülleimer übergeben? Denn mit dem heutigen Tag ist die Konfizeit entgültig vorbei! Das – so denke ich – ist ja Euer augenblicklicher Stand. Ihr habt im Konfiunterricht nach Gott gefragt, nach Maßstäben für Euer Leben gesucht, Ihr habt miteinander gelernt durch Spiel und im Gespräch, im Hören auf biblische Geschichten. Ihr habt im Vorstellungsgottesdienst ein wenig davon erzählt, was Euch dabei für Euer Leben wichtig geworden ist. Was mir aus der Bibel wichtig ist, Euch heute am Konfirmationstag mit auf den Weg zu geben sind drei Sätze.

1. Vergiss nicht: Du bist ein von Gott geliebtes Kind! Seit Wochen verfolgen Millionen von Menschen die Sendung Big Brother. Sie nehmen keinen Anstoß daran, dass die Privatsphäre derart eingeschränkt ist, jede(r) MitspielerIn ständig auf Schritt und Tritt von der Videokamera überwacht wird. Sie fiebern regelrecht von einem Tag zum anderen mit ihren Fans. Sie gefallen sich darin, Richter zu spielen, wer nun von den zwei Personen, die die Gruppe vorgeschlagen hat, den Container zu verlassen hat. Viele verspüren regelrecht einen Kick in sich, berauschen sich geradezu daran. Was läuft da eigentlich ab? Bei einer Umfrage unter Jugendlichen hörte ich immer wieder. „Das würde ich sofort machen!“ – „Weil das Geld lockt, auch wenn Du vorher rausfliegst!“, fragte ich zurück. – „Nein, weil ich dann spüren würde, hier bin ich anerkannt.“ Darin ist diese reality show wirklich realistisch, zeigt sie doch die große Sehnsucht der Menschen, anerkannt und geliebt zu sein, zeigt sie doch, wie Menschen dafür bereit sind, Unmögliches in Kauf zunehmen. Wichtig ist mir euch noch mal zu sagen, Du bist schon längst anerkannt und geliebt. Darum musst Du Dir keine Sorgen machen. In der biblischen Geschichten, die wir mit einander besprochen haben, wollte ich Euch immer wieder darauf hinweisen, dass Jesus für den Einzelnen ein Blick hat, keinen kalten unbarmherzigen Kamerablick, der keine Peinlichkeit auslässt, sondern einen Blick der Liebe, die aufhilft. Erinnert euch an die Geschichte mit dem Gelähmten, der 38 Jahre krank ans sein Bett gefesselt war. Ihn spricht Jesus an. „Willst du gesund werden!“ und enttäuscht ihn nicht. Wohin Euch der Weg durchs Leben auch führen wird, in welche Sackgassen Ihr auch geraten werdet, vor welchen unüberwindlichen Hindernisse Ihr kapitulieren werdet, wo Menschen Euch verlassen oder sogar verachten werden, eins dürft Ihr festhalten, was in der Taufe Euch zugesprochen und heute bei der Konfirmation erneuert wird: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

2. Vergiss nicht: Du bist niemals allein auf deinem Weg! Ihr erinnert Euch noch an die Geschichte von dem Finanzbeamten der Kandake aus Äthiopien. Er war auf der Suche nach Lebenssinn. Er unternahm deshalb eine große Reise, auf dessen Weg er auch nach Jerusalem gekommen war. Dort hatte er sich eine Schriftrolle des Jesaja gekauft, die er mit Interesse las, aber nicht verstand. Da begegnete ihm Philippus. Das war nicht nur Zufall, nicht nur Glück. Das war Gott gewollt. Und ich erinnere Euch deshalb daran, dass auch Ihr keine Angst haben müsst, allein, unverstanden, zu bleiben auf der Suche nach Eurem Lebenssinn und Lebensaufgabe. Gott begleitet Euch. Er sorgt für Euch – oftmals werdet Ihr im Rückblick sagen können: Da hat Gott mir geholfen. In einem modernen Kirchenlied lese: Es heißt, dass einer mit mir geht, der’s Leben kennt, der mich versteht, der mich zu allen Zeiten kann geleiten. Es heißt, dass einer mit mir geht. Sie nennen ihn den Herren Christ, der durch den Tod gegangen ist; er will durch Leid und Freuden mich geleiten. Ich möcht‘, dass er auch mit mir geht. (Text und Melodie: Hanns Köbler 1964) Ich wünsche Euch solche guten hilfreichen Begegnungen mit anderen Menschen auf Eurem Lebensweg.

3. Vergiss nicht: Alles wird gut! Freundlich lächelt mich Nina Ruge aus dem Fernseher an. Nachdem sie mir von den kleinen Katastrophen und Peinlichkeiten der Leute von heute erzählt hat, beteuert die blonde Frau mit festen Blick: „Alles wird gut!“ – Wie schön. Das lasse ich mir gern versprechen. Vor allem dann, wenn ich die großen Katastrophen in der Welt und die kleinen bei mir selbst sehe. Es bedeutet mir viel, wenn jemand zu mir sagt: „Alles wird gut, denn Gott sitzt im Regiment.“ Ich merke allerdings, die Begründung brauche ich, um den ersten Satz überhaupt glauben zu können. Ohne Begründung wird ein solcher Trost platt. Wenn meine Träume platzen, wenn Misserfolge sich häufen, dann zucke ich zusammen bei dem Satz: „Alles wird gut!“ Und Ihr erinnert Euch sicherlich an die Freizeit im Januar, wo wir über Zukunft gesprochen haben. Im Mittelpunkt stand der Text von dem neuen Himmel und der neuen Erde, in dem es u.a. heißt: „und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein….“ So tröstet ein biblischer Spruch. Typisch, diese christliche Vertröstung auf die Ewigkeit, höre ich schon den unausgesprochenen Vorwurf. Zu Unrecht, wie ich finde. Erstens sagt das jemand, der Macht hat, Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde. Somit ist er auch für die Zukunft zuständig und weiß, was auf uns zukommt. Zweitens sagt das jemand, der das Leid kennt. Jesus, der Mensch gewordene Gott, hat mit den Trauernden geweint, er weiß: Nicht alles wird gut, im Gegenteil, vieles wird schlechter. Er tröstet nicht einfach: „Kopf hoch, das wird schon wieder!“ Manches wird eben einfach nicht wieder. Jesus hat es am eigenen Leib erfahren. Unschuldig hingerichtet am Kreuz. Seine Träume von einem Leben ohne Hass und Schmerz waren mit ihm vernichtet. Auch für seine Freunde war das eine Katastrophe. Dann passierte Ostern. Jesus ist auferstanden und zerbricht damit die Macht des Todes. Er sagt: „Es gibt einen neuen Himmel und eine neue Erde, und du sollst dazu gehören. Bis dahin bin ich bei euch und werde auf euch aufpassen. Ihr werdet zwar nicht vom Leid verschont, aber was auch passiert: Ich bin bei euch und ich habe mehr Macht als der Tod.“ Daraus entspringt dann eine Lebenshaltung, die der Beter des 73. Psalmes im Vers 28 so beschreibt: Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott, den HERRN, dass ich verkündige all dein Tun.

Noch einmal diese drei Sätze wollte ich Euch sagen: 1. Vergiss nicht: Du bist ein von Gott geliebtes Kind! 2. Vergiss nicht: Du bist niemals allein auf deinem Weg! 3. Vergiss nicht: Alles wird gut!

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