Vergiss es nie: Du bist gewollt!

Liebe Konfirmandinnen, liebe Konfirmanden!

Was für ein Bild haben wir von Gott, wie stellen wir ihn uns vor, welche Bilder und Vorstellungen gibt es in den Schriften unseres Glaubens über Gott? – das war das Thema, mit dem Ihr Euch vorgestellt habt, hier im Gottesdienst am vergangenen Sonntag. Heute möchte ich die Frage umdrehen. Welches Bild hat Gott von Euch?

[Bild an]

Welches Bild hat er von I (Ina und Michael, von Kerstin und Mario), II (Mara und Martin, von Joachim und Thorsten) und den anderen von Euch?

Peinlich, so werdet Ihr jetzt im Geheimen denken, peinlich unser Bild da an der Wand. Ich weiß ja, dass es in Eurem Alter – mir ist das genauso gegangen damals – ich weiß, dass man sich gar nicht so gerne sieht. Mit dem eigenen Bild in Übereinstimmung zu sein und seinen Frieden damit zu machen, das fällt schwer. Der eine würde gerne ein wenig erwachsener schon aussehen, die andere fühlt sich nicht hübsch genug, nicht so wie die umschwärmten Stars der Vorabendserien. Und dann – in diesem Alter eigentlich natürlich -, aber für jeden immer wieder ätzend: dieser Kampf gegen die Pickel. Es gibt Unzufriedenheit mit der Größe, der Haarfarbe, dem Gewicht. Nein – so ganz gelassen könnt Ihr Euch oft nicht ins Gesicht sehen – und deshalb mache ich das Bild lieber wieder aus.

[Bild aus]

Und Eure Eltern? In der Zeitung habe ich diese Tage gelesen, das 55 % der Deutschen gerne an ihren gerade entstehenden Kindern gentechnische Verbesserungen vornehmen lassen würden, wenn dies möglich wäre. Verständlich, wenn es um die Gesundheit geht, aber einige würden auch gerne auf diese Weise der Intelligenz ein wenig auf die Sprünge helfen. Ich weiß nicht, was für Genveränderungen Eure Eltern gerne bei Euch machen ließen?

Vielleicht ein Ordnungsgen, damit man nicht mehr über das Chaos in manchen Zimmern stolpert. Oder ein Wahrheitsgen, oder eines, das auf die Eltern hören lässt. Es würde da sicher für jede und jeden von Euch einen Verbesserungswunsch geben. Ach ich denke – so sind Eure Eltern nicht. Ich glaube schon, dass sie Euch das Gefühl gegeben haben, dass sie Euch mögen, so, wie Ihr seid. Das ist wohl das Schönste und das Wichtigste, das Sie Euch mitgeben konnten und können!

Kinder, die das nicht erfahren, die immer nur spüren: die mögen mich nicht so, wie ich bin, die mögen mich nur dann, wenn ich dem entspreche, was sie von mir wollen, die haben eine Vorstellung von mir, wie sie mich gerne hätten, die ich nie erreichen kann; Kinder die das erfahren, können für ihr Leben Schaden nehmen. Und auch an sich selber. Wenn ich nie an den Punkt des Lebens komme, an dem ich so halbwegs mit mir einverstanden bin, wo ich meinen Frieden mit mir selber gemacht habe. Was sind wir da manchmal unbarmherzig mit uns selbst, auch wir Erwachsenen.

Gott ist anders. Er sieht uns so, wie wir sind, er nimmt uns so an, wie wir sind, er mag uns, auch wenn wir selber uns nicht mögen – denn wir sind ja, so sagt es unser Glaube, wir sind ja seine Geschöpfe, jeder, jede von uns: seine Schöpfung. „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?“ so heißt es staunend im Psalm 8. – Staunen darüber, dass Gott uns Menschen, so wie wir sind, in sein Herz geschlossen hat, ohne Einschränkungen, ohne Abstriche.

Unser Gitarrenchor hat ab und zu ein Lied hier gespielt, das das sehr schön in Worte fasst. Und zu dem Text schauen wir uns die Fotos von Euch dann doch noch einmal voller Freude an:

[Bild an]

Vergiss es nie: Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur,
ganz egal, ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur.
Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu.
Du bist du, das ist der Clou.
Vergiss es nie, niemand denkt und fühlt und handelt so wie du,
und niemand lächelt, so wie du´s grad tust.
Vergiss es nie, niemand sieht den Himmel ganz genau wie du,
und niemand hat je, was du weißt gewusst.
Vergiss es nie, dein Gesicht hat niemand sonst auf dieser Welt,
und solche Augen hast alleine du.
Vergiss es nie, du bist reich, egal ob mit, ob ohne Geld,
denn du kannst leben! Niemand lebt wie du!

[Bild aus]

Um deutlich zu machen, dass Ihr vor Gott einmalig und wichtig seid, ist in Eurer Taufe Euer Name vor Gott genannt worden. Und eine alte Vorstellung unseres Glaubens ist, dass er, Gott, diesen Namen bei sich aufgeschrieben hat, dass er ihm nie verloren geht, selbst dann, wenn wir unser Leben verloren geben oder verlieren werden. Wer das weiß, wer dem in seinem Leben vertraut, dass Gott zu ihm steht, egal was geschieht, der hat gute Möglichkeiten zu einem Leben, in dem die Hoffnung nie untergeht und nicht die Freude und nicht die Liebe. Das ist so wichtig auch für Euch in einer Zeit, in der der Mensch immer mehr beurteilt und gemessen wird.

„Welchen Schulabschluss hast Du?“, so wird man Euch schon bald fragen – „und welche Zensuren?“. „Was haben Sie auf dem Bankkonto?“, so geht es weiter. Später fragt man: „wie alt sind sie – was, schon 42?“- das ist uns zu alt. Und irgendwann kommt der Medizinische Dienst der Krankenkassen und stuft Dich ein nach Pflegeklassen. So werden wir Menschen gemessen, bewertet, in Klassen eingeteilt. Und mancher, der schon als Jugendlicher aussortiert wird.

Gott sieht Euch nicht abschätzend an – er blickt auf Euch liebevoll – in der Sprach der Bibel: voller Gnade – und Ihr könnt spüren, wenn Ihr ein Gespür dafür habt, wie wertvoll Ihr für ihn seid. Im Kindergarten erzählte ich vor zwei Wochen, wie David im Auftrage Gottes mit kostbarem Öl zum König gesalbt wurde. Das mit dem Öl habe ich erklärt: das ist kein Rasenmäheröl, das ist Duftöl von Blumen und Pflanzen, so, wie Oil of Olas – nur viel wertvoller. Darauf hielt ein Kind mit seiner Meinung über Gott nicht hinter dem Berg: „der kann sich das ja auch leisten“. Ja – Gott kann sich das leisten, Euch zu zeigen, wie wertvoll Ihr für ihn seid, er kann es sich leisten seine Liebe auszuschütten auf uns Menschen, reich, verschwenderisch.

Ich sehe das an Jesus Christus. Gott leistet es sich, ihn mitten unter uns Menschen zu schicken. Mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Mit der Gefahr, dass wir Menschen sein Geschenk zerstören. Und Jesus lebt hier unter uns Gottes Liebe, er nimmt die Menschen so, wie sie sind; er zeigt ihnen, welchen Wert sie für Gott haben, gerade auch die, die für manch andere keinen Wert hatten und haben: die Kranken, die Behinderten, die Kinder. Und die Menschen danken es Gott nicht, sie schlagen Jesus ans Kreuz. Doch Gott – so groß ist seine Liebe zu uns – er kann es sich leisten, und er leistet es sich um unsertwillen, die Geschichte des Jesus Christus weitergehen zu lassen; ihm Leben zu geben so, dass er bis heute keine Gestalt der Vergangenheit ist, sondern für viele lebendige Gegenwart.

Wo in Eurem Leben, liebe Konfirmanden, dieser Jesus Christus lebendig wird, da blicken Euch aus seinen Augen die liebenden Augen Gottes an; da spürt ihr, wie wertvoll Euer Leben für ihn ist; da erfahrt Ihr, wie gut es ist, ihn an der Seite zu haben, damit Eure Freude Tiefe bekommt an den frohen Tagen und Euer Schmerz Heilung erfährt an den verzweifelten Tagen Eures Lebens. Jesus, der uns gelehrt hat – daran sei an dem heutigen Sonntag mit dem Namen Rogate – betet – erinnert, der uns das Vaterunser gelehrt hat.

Einen als Vater anzurufen – wo die Väter dieser Welt in den Familien auswechselbar geworden sind und die Mütter auch, – da jemand zu glauben und zu wissen, der konstant und verlässlich mein Vater ist.

Unser: Einen zu haben, der Menschen immer wieder in eine Gemeinschaft stellt, der will, dass Menschen aufeinander achten, sich nicht allein lassen, füreinander eintreten.

Im Himmel: also nicht von dieser Welt – und das ist man gut. Wie unsere Welt ist, das lesen wir jeden Tag in der Zeitung. Wer Hoffnung hat auf Gottes Himmel, wer weiß, – und das ist ja auch ein Teil unseres Glaubens – dass dieser Himmel hier und da die Erde berührt und vielleicht sogar in unserem Leben – der gibt die Hoffnung für diese Welt nie auf.

Ich muss an dieser Stelle das unfassbare Geschehen in Erfurt ansprechen. Ein junger Mensch, der so viele Leben und am Ende seins zerstört. Die Kommentare in Presse und Fernsehen waren sich einig: strengere Gesetze werden nicht verhindern, dass sowas wieder geschehen kann. Immer wieder wurde angemahnt, es müssten wieder Werte an die Jugend vermittelt werden. Gut! Wir als Kirche haben da einiges zu bieten.

Ich glaube aber, das Problem liegt tiefer. Liegt darin, dass hier ein junger Mensch völlig alleingelassen war, allein fertig werden musste, vielleicht das auch wollte, allein mit seinen Problemen, mit seinem Frust, mit seiner Aggression. Losgelöst von anderen Menschen, eingesponnen in seine eigene Gedankenwelt, die sich Nahrung holte in den Horrorbildern von Videos und Computerspielmülls. Und es ist so viel Müll in so manchen Köpfen – nicht nur junger Menschen! Ich spüre daraus: nicht nur Werte braucht unsere Jugend – sie braucht Gott.

Losgelöst, eingesponnen – wo Gott in Jesus Christus einem Leben nahe kommt und nahe ist, wo der Himmel die Erde berührt, da öffnet er den Blick der Menschen, öffnet sie für die anderen Menschen, öffnet sie, um Auswege zu sehen, wo sich Leben verfahren hat, öffnet sie, um Wege ins Leben zu gehen und nicht in den Tod. Die Bibel ist voll von Geschichten, die alle dies erzählen: wie Gott, wie Jesus das Leben von Menschen öffnet. Wie es Menschen gelingt, an der Hand Jesu neue Wege ins Leben zu gehen, das hinter sich zu lassen, was das Leben beschmutzte, belastete, in Sackgassen führte.

Und am Ende lädt dieser Jesus im Namen Gottes ein zu einem Fest. Wo der Himmel die Erde berührt, da ist das Grund zur Freude, Grund für Lieder und Musik, Grund für ein Fest. In der Mitte unserer Kirche steht ein Festtisch, an ihm wollen wir mit Euch und Euren Familien Pfingsten Abendmahl, feiern, das Festmahl der Nähe und der Freude Gottes. Unser Glaube hat so viele gute Bilder, Worte, Rituale, die, wo sie von uns erinnert werden, die helfen können gute Wege durch das Leben zu gehen, selbst an schwierigen Tagen.

Wo Sie, liebe Eltern das begriffen haben und das Ihre dazu getan haben christlichen Glauben nahe zu bringen, vielleicht indem Sie Euch gezeigt haben, wie das geht: beten; vielleicht indem sie Euch gezeigt haben, dass dieser Gott Ihnen selber auch wichtig ist; vielleicht in so äußeren Dingen wie einer Begleitung während der Konfirmandenzeit zum Gottesdienst – da haben Sie geholfen, gute Grundlagen zu legen. Ihre Kinder – Ihr, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, ihr geht nun Stück um Stück aus Euren Elternhäusern heraus, innerlich und später auch räumlich, geht in ein eigen gestaltetes und verantwortetes Leben.

Kann das gelingen, ganz auf sich allein gestellt? Ich glaube, es ist sehr schwer, so ganz für sich allein. Ihr hofft auf andere Menschen, die irgendwann zu Eurem Leben dazustoßen, den einen Menschen, den man liebt, mit dem man das Leben teilt. Auch später wisst ihr Eure Eltern noch in Eurem Rücken, das alles wünsche ich Euch. Aber es ist immer auch die Gefahr des Scheiterns da, die Gefahr, der Einsamkeit und Verlassenheit. Da sei Gott vor!

Eine Gruppe von Euch hat beim Vorstellungsgottesdienst ein Bild gemalt, von dem ich wünschte, es würde sich auf dem tiefsten Grund Eurer Seele festsetzen. Ich zeige es noch einmal:

[Bild 2]

Das Bild vom Haus Gottes, das immer offen steht für Euch. Das Bild eines Herzens, das für die überschwängliche Liebe Gottes zu Euch steht. Wo Ihr dies Bild nicht verliert, wo Ihr Gott nicht verliert, wo Ihr ihn nicht abtut, jetzt nach der Konfirmandenzeit, sondern offen bleibt für Begegnungen mit ihm in Eurem Leben – wo es Euch gelingt, ihn im Leben auf Eurer Seite zu behalten, da könnt Ihr voller Hoffnung in Euer Leben gehen. Da gilt für Euer Leben:

Keinen Tag soll es geben, an dem ich sagen muss: Niemand ist da, der mich hört.
Keinen Tag soll es geben, an dem ich sagen muss: Niemand ist da, der mit mir spricht.
Keinen Tag soll es geben, an dem ich sagen muss: Niemand ist da, der mit mir spricht.
Keinen Tag soll es geben, an dem ich sagen muss: Ich halte es nicht mehr aus.

Das sind gute Aussichten für Euch! Ergreift sie!

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