Unsträflich gehen (Ps 119,9)

Ps 119,9
Wie wird ein junger Mann seinen Weg unsträflich gehen? Wenn er sich hält an deine Worte.

Vergangenen xxx wurde unser Bruder in Christo Xxx vor seinen Schöpfer gerufen. Er verstarb in seinem Geburtshaus in xxx, unerwartet und plötzlich. Den Nachbarn ist es zu verdanken, dass er zeitig gefunden wurde.

Seiner Familie ist es wichtig, dass Herr Xxx, der ja schon seit geraumer Zeit nicht mehr in unserer Gemeinde gelebt hat, sein Grab hier bekommt, damit die, die ihm zugehören, es pflegen und bewahren können.

Ich stelle das Gedenken an unseren Bruder in Christo unter ein Schriftwort aus dem 119. Psalm, den Vers neun, welches zugleich sein Konfirmationsspruch aus dem Jahre 1955 gewesen ist. Wir lesen: „Wie wird ein junger Mann seinen Weg unsträflich gehen? Wenn er sich hält an deine Worte.“

Es ist, liebe Gemeinde, ein ungewöhnliches Wort für einen ungewöhnlichen Menschen, welches wir heute in der Stunde des Abschieds hier hören. Wusste der Konfirmator in xxx damals schon, was aus unserem Bruder in Christo werden würde? Es ist freilich müßig darüber zu spekulieren. Wichtig ist aber, sich an die Aussagen der Heiligen Schrift zu halten, die auch in dem Konfirmationsspruch unseres Bruders in Christo vom Weg des Lebens reden. Denn wir wissen nicht, was Herrn Xxx in der Tiefe seines Herzens berührt hat. Wir haben keine Ahnung von dem, welchem er nachgefolgt ist in seinem Leben. Vielleicht sind es ja Worte des Glaubens gewesen in seiner Konfirmationszeit oder in seinem Gottesdienst, den er mitgefeiert hat, um sein Bekenntnis abzulegen. Worte, die ihn berührt haben, dessen er aber nicht fähig war, sie mitzuteilen. Denn das, liebe Gemeinde, ist wohl eine der Hauptschwierigkeiten gewesen: das Reden mit ihm, das Leben mit ihm, war nicht immer einfach. Und obwohl er vier Kinder mit seiner Frau in diese Welt gesetzt hat und seine Kinder heute erwachsen sind und ebenfalls wieder eigene Kinder haben, so muss man doch nüchternen Auges sehen, dass seine Kinder ihn zum Teil nicht kennen lernen konnten und er von seinen Enkeln bis auf den Tag des Todes eigentlich auch nichts wahrgenommen hat.

Als junger Mann lernte Herr Xxx das Metzgerhandwerk, arbeitete dann aber schnell in der Landwirtschaft mit bis er schließlich nach auswärts fuhr, um dort in einer Fabrik in Schichtarbeit Maschinen zu führen. xxx heiratete er nach xxx, wo seine Frau und ein Teil der Kinder heute noch leben. Aber weniger als zwanzig Jahre blieb er Teil der Dorfgemeinschaft. Es zog ihn zurück in sein Elternhaus, hin zur Mutter und zum Bruder, welche beide mit der Zeit starben, so dass er allein zurück blieb im xxx Anwesen. Die letzten Jahre zog er sich immer mehr zurück, die Nachbar wussten schon, dass es Tage dauern konnte, bis sie ihn wieder zu Gesicht bekamen. Warum dies alles? Wir wissen es nicht. Und wir stehen hier am Grabe mit den vielen offenen Fragen. Es sind zum Teil verbitterte Fragen. Fragen nach Lebensqualität, nach Lebenssinn. Und dennoch: wir bekommen hier keine Antwort außer das biblische Wort seines Konfirmationsspruches. Und darin ist auch enthalten die Zusage und die Entlastung: wir müssen nicht richten, wir müssen nicht beurteilen. Der Herr selbst ist es, der einst befinden wird, ob der Weg so gegangen wurde, dass er vor Gott selbst Bestand hat. Deswegen sind wir heute hier versammelt. Um ein letztes Geleit zu geben einem Menschen, der gerade darin große Schwierigkeiten hatte. Wir tun es daher stellvertretend. Wir tun es aus unserem Glauben heraus, der doch besagt, dass Gott will, dass alle Menschen gerettet werden. Der Glaube, der doch besagt, dass Gott ein Gott der Liebe ist und vor seinem Angesicht andere Maßstäbe gelten, als alle, die wir uns ausdenken könnten.

Deswegen können wir hier in Frieden stehen und unseren Glauben bekennen, gerade weil wir wissen, dass Gott aus krummen Wegen gerade machen kann.

„Wie wird ein junger Mann seinen Weg unsträflich gehen? Wenn er sich hält an deine Worte.“

Dieses Wort ist daher heute auch uns gesagt, die wir uns am Grabe versammeln. Auf Gottes Worte achten, seinem Heiligen Namen vertrauen. Fest halten an der Verheißung, die er uns gegeben hat. Das sind die Dinge, die uns Lebenden angesichts des offenen Grabes als Weisung zugerufen werden.

Herr Xxx hat nun alle Begrenzungen hinter sich gelassen. Das ist ein großer Trost, denn es verspricht einen echten und wahren Neuanfang. Alles, was ihn hier auf Erden gehindert hat, sein zu dürfen, das ist nun endgültig abgestreift. Wir haben es am Sonntag gehört: wir alle müssen offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi und es wird manches Schmerzliche geben, das uns da aus unserem eigenen Leben gezeigt wird. Aber dennoch gelten Gottes Worte der Zusage und der Verheißung. Xxx wird schon erleben dürfen, was es bedeutet jenseits der Schwelle des Todes zu stehen und das Leben bei Gott kennen zu lernen, so wie es ursprünglich gedacht war.

Deswegen finden wir ihn hier auch nicht mehr – nicht mehr, wie wir ihn gekannt haben. Auch nicht mehr in all dem, was Trauer und Schmerzen bereitet hat und noch bereitet. Der Grabstein und das Grab, darin wir den Verstorbenen bald betten werden, ist uns zur Erinnerung gegeben, dass die Toten bei Gott leben werden. Zur Mahnung, dass mit dem Tod nicht alles aus ist. Und zur Hoffnung, dass es neues Leben ohne Begrenzungen dort geben wird.

In diesem Sinne feiern wir diese Beerdigung, gedenken der Trauernden und halten uns selbst die Wort von Herr Xxxs Konfirmation vor Augen: „Wie wird ein Mensch seinen Weg unsträflich gehen? Wenn er sich hält an deine Worte.“

Und der Friede Gottes, der weiter reicht, als wir es erahnen können, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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