Unbeschreibliche Zuversicht

iebe Gemeinde,

so einfach und so seltsam. So simple Bilder und so tiefgründig. So verständlich und doch auch sehr fremd. Wer sich mit dem Johannesevangelium beschäftigt, spürt diese besondere Art. Der nachdenkliche Evangelist, der emotionale, der Künstler, der, der von Jesus manches weiß, was die anderen drei nicht so wissen und der ihn dann so ganz andres reden lässt. Bei ihm ist alles bereits von Anfang an klar. Hier ist der Sohn schon präexistent, schon vor allem anderen da. Er wird nicht erst gezeugt, durch den heiligen Geist, wie in der Weihnachtsgeschichte des Lukas.
Hier geht der Gehorsame seinen Weg, vollbringt den Willen des Vaters. Die, die ihn so annehmen, die an ihn glauben, werden Gottes Kinder. Sie haben die Fülle. Sie sind schon vom Tod zum Leben. Sie sind nicht mehr „von der Welt“, auch, wenn sie noch „in der Welt“ sind. Noch ist ihnen Angst und bange, aber sie haben erkannt und geglaubt. In Christus liegt dies alles gegründet. Sie finden in ihm alles. Darum ist er auch alles: Brot des Lebens, Licht der Welt, die Tür, der gute Hirte, die Auferstehung und das Leben, Weg, Wahrheit und Leben, der wahre Weinstock. Siebenfach beschreibt Johannes, wie er Christus sieht. Das alles stellt er den neuen und alten Jüngern vor Augen, damit sie sehen, damit sie glauben, damit sie einander lieben.
Hier bei Johannes ist Jesus so ganz nahe bei Gott, ja manchmal schon mit ihm identisch (Thomas sagt: „Mein Herr und mein Gott“). Die menschliche Seite Jesu ist kaum mehr zu sehen, hier ist Gott, der Vater, selbst nahe. „Wer den Sohn sieht, sieht den Vater“, so heißt es. Und dieser Herr stellt sich mit den verschiedenen Bildern, Gleichnissen vor Augen.

Heute ist es das vom guten Hirten.
Wir kennen dieses Bild, selbst wenn wir wenig Ahnung haben von der Schafzucht. Es ist ein altes biblisches Bild.
Der bekannte Psalm, „der Herr ist mein Hirte“, ist bestens vertraut. Auch die Hirtenrede beim Propheten Hesekiel, Kapitel 34 ist nicht unbekannt. Dort heißt es schon Jahrhunderte vor Christus:
Denn so spricht Gott der HERR: “Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der HERR. 16 Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist.“

Alle irdischen „Hirten“ haben sich als nicht tauglich erwiesen. Sie sind „Mietlinge“, angemietet, nicht wirklich belastbar im Extrem. So viele Gründe gab es und gibt es, dass irdische „Hirten“ versagen, sich versagen, fliehen.
Das war zur Zeit des alten Israel der Fall, das erlebten die Jünger Jesus in ihrer Zeit, das geht bis in unsere Tage. Ob es politische oder kirchliche Hirten, Verantwortliche, sind, auf sie ist nicht wirklich der Verlass, der nur in Gott selbst zu finden ist.
Aber wie soll der Mensch Gott finden. Wie soll das kleine Geschöpflein Mensch etwas erahnen von dem, der alles erfüllt und umfasst, wie soll der Zeitgebundene den Ewigen erahnen können. Das ist schier unmöglich.
Deshalb ist das Christusgeschehen die Brücke, über die das Geschöpf dem Schöpfer nahe kommen soll. Gott ahne ich, wenn ich mich dem Evangelium aussetze. Und das Evangelium ist vielfältig, nicht einfältig. Es ist transparent. Besonders kunstvoll ist es bei Johannes. Aber das Kreuz ist die Mitte, der Angelpunkt, der Wendepunkt. Der Glaube, die Erkenntnis des tiefen Sinngehaltes bringt den Menschen auf die Spur des Himmel.
Johannes sagt: Er lässt sein Leben für die Schafe. Er ist autorisiert für diesen Weg, den er vollbringt. Dieser Jesus Christus ist darum „der Sohn“ und das ist nicht biologisch zu verstehen..

Es ist schon atemberaubend. Hier scheiden sich die Geister. Nicht jeder kann dem Evangelium des Johannes so folgen. Es gibt offenbar auch andere Zugänge, für die Nüchterneren, für die nicht so Emotionalen, für die Pragmatiker.
Dennoch ist es eine Stimme im Chor derer, die uns zum Glauben führen wollen, zur Hoffnung, zum Leben, zur Liebe.

Aus ganz unterschiedlichen „Ställen“ kommen die „Schafe“, so heißt es hier. Auch sie sollen hinzu kommen. Vieles schwingt dort hinein. Der Blick beginnt sich zu weiten. Die Jünger aus dem Volk Gottes waren der Anfang. Aber es kommen neue Jünger hinzu, die nicht Augenzeugen waren des Geschehens zwischen Nazareth und Jerusalem. Sie werden auch nicht dem Auferstandenen begegnen. Sie werden vieles nicht wissen, was für die Alten selbstverständlich und in Fleisch und Blut über gegangen war. Bis hin zu uns kommt das Evangelium. Und es soll den Weg zu Gott selbst öffnen, in Christus.

Es ist sehr tröstlich eine solche Zusage zu hören: „Meine Schafe hören meine Stimme und sie folgen mir.“ Es ist eine Aussage die es fast unbefangen so beschreibt. Es ist so. Es ist auch deswegen so, weil er dieses Eigentumsverhältnis als Gottes Wirken beschreibt. Es kommt nicht immer alles aus unserer eigenen Kraft und Wassersuppe. Das tut gut.

Es ist schon eine unbeschreibliche Zuversicht. Der Evangelist Johannes will seine Leser und Hörer in eine weltüberwindende Zuversicht hineinführen. In aller bedrängenden Angst -dennoch getrost. In Unglauben und Zweifel angesprochen und in die Gemeinschaft der Glaubenden eingefügt. Im Nichtsehen dennoch nicht Blind sein für die Liebe Gottes, des Vaters. Vom Gestank des Todes und des Sterbens angegriffen, von Tränen und Trauer umhüllt, fast zornig zum Leben geführt. In aller Angst, weggerissen zu werden, dennoch gehalten, weil Gott größer ist als alles.
Das Christusgeschehen ist Gottes Tat und Weg zum Heil für die Menschen. Johannes drückt es mit den Worten aus, die er Marta, die Schwester des noch toten Lazarus sprechen lässt:
„Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist“.
Noch ist alles im Übergang. Noch ist auch Marta noch nicht gefestigt genug, dass sie nicht wenig später auch wieder zweifelt.
Johannes beschreibt einen Weg, Christ zu werden und Christ zu sein. Das Neue Testament hat noch andere Beschreibungen des Unbeschreiblichen. Wie sollen auch menschliche Worte vollkommen das Ewige umschreiben. Es sind immer nur tastende Versuche.
Glaube steht mit dem Persönlichen. Letztlich findet sich jeder dann selbst vor seinem Herrn, ist auf ihn gewiesen, spürt sein Geschöpfsein, braucht die liebende Hand, den guten Hirten.

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