Unbeschreiblich

[Anmerkung: Leitbild ist dabei das Meditationsbild zur Jahreslosung aus dem Kawohl Verlag Nr. 13500.]

Den Weltuntergang haben wir nun verpasst. Nun können wir wieder über die Zukunft nachdenken. Und das bringt fast automatisch die Frage: Was erwarten wir eigentlich wirklich? Gibt es da etwas, das Sinn ergibt – etwas das hinausweist über unser alltägliches Tun und Lassen?

Die Jahreslosung will mir ein Angebot machen, mich diesen Fragen neu zu stellen.

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Wir wissen nicht genau, ob der Hebräerbrief vor oder nach der Zerstörung Jerusalems geschrieben worden ist. Wir wissen aber, dass er eine klare Botschaft verbreitet: Nichts, was Menschen geschaffen haben, ist vor Zerstörung sicher.

Schon in der Antike wusste man von Troja oder Jericho. Man kannte das Lied der kleinen Leute, die von der Politik zerrieben werden. Man wusste sehr genau, wie schnell Wohlstand und Gesundheit zerrinnen können. Das Buch Hiob erzählt wie schnell eine Biographie zerbrechen kann. Und der Hebräerbrief will uns zeigen, dass un diese Tatsache keine Angst machen muss.

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Zerstörte Städte gehören auch zu unserer Geschichte von Kriegen und Katastrophen: Wir erinnern uns an zwei Weltkriege, an Terroranschläge, Wirbelstürme und Erdbeben, Fukushima und die beiden Türme in New York. Wir erinnern uns auch an private Katastrophen: zerbrechende Familien, kaputte Beziehungen, Menschen, die plötzlich erkranken, sterben.

Wir erinnern uns an Leiden, aber auch an unsere Schwierigkeiten mit Leid umzugehen. Wir erinnern uns daran, wie schwer es uns oft gefallen ist, mit Leidenden und Trauernden auszuhalten.

Das Bild unserer Losungskarte weist uns darauf hin: Wir sind auf einem Weg, auf unserem Weg, der uns führt in eine Zukunft, die wir weder sehen noch erkennen können. Aber der Weg ist uns bereitet – gehen müssen wir selber. Und es ist auch nicht gesagt, dass wir ihn allein gehen müssen. Gemeinsam dürfen wir auf die Suche gehen. Auch wenn wir das Ziel nur ahnen und wenig über seine Wirklichkeit wissen. Was wissen wir schon wirklich über uns und unser Leben?

Eine Geschichte aus der Welt der Mönche kann das erläutern: Ein Tourist ist in einem Kloster. Man bietet ihm eine Mönchszelle zum Übernachten an. Darin steht nur ein Bett und ein Stuhl. Erstaunt fragt der Tourist: ‚wo sind denn ihre Möbel?‘ – ‚Wo sind denn Ihre?‘ wird erwidert. ‚Ich bin ja nur auf der Durchreise‘, sagt der Tourist – ‚Wir auch‘, antworten die Mönche.

Auf der Durchreise sein heißt, weder alles zu ignorieren noch sich auf Dauer einzurichten. Es heißt eher deutlich wahrnehmen und immer auf Neues gefasst sein. Es heißt auf keinen Fall, dass mir das, was ich erlebe und erfahre, egal ist und auch nicht, dass ich untätig bleibe. Aber doch, dass ich nicht unter dem Druck stehe alles tun zu müssen. Ich muss nicht die Welt retten und ich muss nicht alles alleine machen. Aber ich darf das Meine tun, dass das Leben auf dieser Erde besser wird. Ich darf schon einmal anfangen, die zukünftige Welt zu suchen in meinem Leben.

Es fällt Menschen immer wieder schwer, damit fertig zu werden, dass ihr Tun keine Folgen von Ewigkeitswert hat. Wir werden dich nie vergessen, heißt es bei einer Beerdigung gerne. Das heißt letztendlich oft auch nur: Wir wollen das jetzt, dich nie vergessen. Was irgendwann ist, wer weiß das schon? Wir müssen mit der Wirklichkeit leben, dass alles, was wir tun nicht ewig haltbar ist, auch wenn wir es noch so wollen.

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In dieser Vergänglichkeit steckt aber auch viel Hoffnung. Nicht alles, was ich denke tu oder rede, muss für die Ewigkeit halten. Ich muss und ich darf lernen zu akzeptieren, dass Vieles, was mir heute wichtig und wertvoll ist, keinen Bestand hat. Bestand hat nur die Zusage Gottes, der in unserem Leben mehr sieht, als wir erkennen können. Er lädt mich ein, mich auf die Suche zu machen nach dem ewigen, auf die Suche nach dem, was seinem Evangelium entspricht.

Die Stadt ist Symbol für das Verlässliche, den Rückzugsort, die Heimat, Stadt ist menschlicher Rückzugsort, Ergebnis von Kultur und Entwicklung. Die Stadt ist Ort von Heimat von Nestbau und zugleich ein hinfälliges Gebilde. Die Stadt ist nicht die Großstadt, sondern der Ort, an dem ich mich wohl fühle. Dieser Ort ist schön, aber begrenzt. Er kann nicht auf Dauer meine Heimat bleiben.

Diese Stadt ist aber auch Symbol für das Drama, die Bedrohung wenn ich an Bombenterror denke oder Sturmflut wie in Hamburg. Und vielleicht hilft uns das, wenn wir an die Katastrophen in den Städten denken, dass es einen Weg gibt, der über Alle Katastrophen hinweg führt in ein neues Leben. Es ist kein Auftrag, dass wir die zukünftige Stadt finden müssen. Es ist eine Einladung, sie zu suchen. Es gibt einen Weg im Gebet, im Gespräch mit Gott mich in dieses unbekannte Gebiet vorzuwagen. Nur gehen muss ich diesen weg selber.

Ich lebe in meiner Welt und meiner Wirklichkeit – und ich muss damit rechnen, dass alles, was mir heute heilig und wichtig ist, morgen zu Staub zerfällt – und das Andere auch. Und ich darf damit rechnen, dass ich nicht allein gelassen werde auf meinem Weg durchs Leben – und darüber hinaus. Wir haben eine Zukunft, die ist wie Gott: unbeschreiblich.

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