Tut, was euer Herz sagt! (1. Joh 3,18)

1. Joh 3,18
[18] Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit.

[L. ist sechs Jahre alt und geht ins erste Schuljahr.]

Liebe L., liebe Eltern, liebe Paten, liebe Taufgemeinde,

der Taufspruch, den Ihr ausgesucht habt, stammt aus einem Brief, der vor beinahe 2000 Jahre geschrieben wurde. „Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit.“ So schreibt ein Mann namens Johannes an eine christliche Gemeinde. „Kinder“, sagt er zu erwachsenen Menschen, und das hat einen Grund.

„Lasst uns nicht lieben mit Worten“ – für Erwachsene klingt das schwierig, denn die meisten Liebeserklärungen, die sie einander machen, bestehen ja aus Worten. Für Kinder ist das anders. Wenn Kinder jemanden liebhaben, dann zeigen sie das ohne große Worte. Ich erinnere mich, dass es mir als kleines Mädchen sehr schwer gefallen ist, immer wieder sagen zu sollen: „Ich hab dich lieb“, zu meinem Patenonkel, zu meiner Mutter, zu irgendwelchen Tanten. Ich habe immer gedacht: „Die müssen doch merken, dass ich sie lieb habe, sonst würde ich ihnen doch nicht so ein tolles Bild malen oder Blumen suchen gehen. Und wenn ich jemanden irgendwie nicht so richtig mochte, die Tante, die mich immer so fest gedrückt hat, dass mir die Luft wegblieb zum Beispiel, dann wollte ich auch zu der gar nicht sagen, dass ich sie lieb hätte. Weil es eben nicht so ganz gestimmt hat.

Erwachsenen fallen solche Sachen leichter. „Ich freue mich, dass Sie da sind“, dass so eine Begrüßung wirklich immer aufrichtig gemeint ist, das merkt man manchmal nur daran, wie die Begegnung sich weiter entwickelt. Wir Erwachsenen, das ist nun mal so, aber es ist schade, wir sind manchmal nicht ganz ehrlich, wenn wir das Wort „Liebe“ gebrauchen. Manchmal bleibt es eben einfach nur ein Wort und die Taten der Liebe lassen auf sich warten.

Jesus aber war da ganz anders. Er hat getan, was er gesagt hat. Das ist eine sehr schöne Geschichte aus der Bibel: Die Erwachsenen, die Freunde von Jesus, waren ganz entsetzt, als nach einem langen Tag, an dem Jesus viel mit Menschen gesprochen hatte und schon ganz müde aussah, nun auch noch eine Gruppe mit Müttern ankam, die ihm ihre Kinder hinbrachten. „Jesus braucht auch mal ne Pause“, dachten sie und waren total unfreundlich zu den Müttern, wollten sie sogar wegschicken. Aber Jesus gefiel das nicht. „Lasst die Kinder zu mir kommen und schickt sie nicht weg, denn ihnen gehört das Himmelreich“, hat er gesagt, und er hat die Kinder umarmt und ihnen gezeigt, wie sehr sie ihm am Herzen liegen.

„Tut, was euer Herz euch sagt“, meint Jesus, „hört genau hin, denn dann merkt ihr, ob ihr noch bei dem seid, was Gott gefällt und für euch und die anderen gut ist.“ Und wenn das mal nicht so klappt, wenn ihr wegen irgendwas ein schlechtes Gewissen habt, dann könnt ihr, dann kannst du, liebe L., damit zu Gott kommen. Seine Liebe ist so groß, dass er Dinge verzeiht, die wir uns selbst nicht richtig verzeihen können. Manchmal passiert es ja, dass wir jemanden weh tun, manchmal geht das gar nicht anders – und meist sind wir nachher ganz unglücklich und traurig über uns selbst. Vielleicht ist das dir auch schon so gegangen. Aber sogar dann, wenn andere Menschen dann immer noch gekränkt sind, auch wenn wir uns längst entschuldigt haben, dann können wir sicher sein, Gott hat uns immer noch lieb.

Das ist doch ein wunderbares Gefühl, dass da einer ist, der mich immer lieb hat. Das macht mich stark und froh. Und dann kann ich es auch wegstecken, wenn mich nicht alle Menschen immerzu mögen. Ich kann ihnen trotzdem voll Liebe entgegengehen, weil mir Gott genug Liebe mitgegeben hat, dass sie locker ausreicht, sie mit anderen zu teilen.

L., wenn Du jetzt getauft wirst, dann frage ich Dich zuerst, ob Du das willst. Wenn Du sagst, „ja, ich will“, sagst Du gleichzeitig „ja“ zu Gott, Du sagst: „Ich bin einverstanden damit, dass Gott mich sehr lieb hat, mein bester Freund ist und Jesus mein Bruder. Und dass ich mit seiner Hilfe auch anderen helfen kann. Ich freue mich darüber. Vielleicht fragst Du Dich, warum dazu auch noch Wasser über Deinen Kopf gegossen wird. Wenn man sich gewaschen und geduscht hat, dann fühlt man sich ja ganz frisch und neu, und das Wasser ist ein Zeichen dafür, dass für Dich etwas ganz neues beginnt, wenn Du „ja“ zu Gottes Liebe gesagt hast.

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