Thank you for the music

Bestimmt ist ähnliches manchem von uns schon einmal passiert. Du sitzt im Auto, drehst deinen Lieblingssender an. Man erwartet nichts Aufregendes, weder aus den Nachrichten, noch von der Musikberieselung. Und dann dieses phantastische Stück. Du drehst an den Reglern. Versuchst es schärfer reinzukriegen, klarer, vielleicht noch mehr Bässe dazu. Hoffentlich brabbelt der Moderator nicht rein oder der Verkehrsfunk, so ein schönes Stück. Diese Stimme! Diese Klavierbegleitung. Einfach super. Noch Stunden später geht die die Melodie nicht aus dem Kopf.

Und du fragst dich vielleicht: Ach, wenn am Sonntagmorgen in der Kirche auch etwas vergleichbar schönes dran käme. Der heutige Tag ist wie geschaffen dafür. Sonntag Kantate, der Musiksonntag. Bei uns ein Gottesdienst mit Kinderchor und vielen neuen Liedern, heute Nachmittag ein Konzert, von Gospel bis Pop. Aber die Aufforderung "Singet dem Herrn ein neues Lied" gilt nicht nur für Chöre oder Profis oder gar für Leute, deren Lieder ins Radio kommen. Sie gilt uns allen.

Wir machen jetzt ein wenig Musikunterricht. Keine Angst, es wird nicht schwer, es muss auch keiner vorsingen. Wir gehen einfach die Buchstaben des Wortes Cantate durch. Dabei beziehen wir sie auf die eben gehörten Stellen der Heiligen Schrift.

Es geht los mit dem Buchstaben C. C wie Christus. Lasset das Wort Christi reichlich unter euch wohnen. Die ersten Gemeinden hatten noch keine Bibeln. Die Jesusworte wurden einfach gelernt. Man hörte das und wiederholte das. Jedem von uns sind Worte von Prominenten geläufig, die wir einmal gehört und nicht vergessen haben. Helmut Kohl sprach von blühenden Landschaften, der ExBundespräsident von dem Ruck, der durch Deutschland gehen müsse, Trainer Trappatoni von der leeren Flasche. Noch leichter merkt man sich Worte, die gesungen werden. Wenn einer "Yesterday" anstimmt, oder "We are the champions my friend", können ganz viele die Fortsetzung singen. Worte Jesu kann man sich auf die gleiche Weise einprägen. Durch Singen. Manche Alten verdrehen jetzt sehnsüchtig die Augen und sagen: Genau. Wir mussten die Verse von Paul Gerhardt lernen und ich kann sie jetzt noch, Befiehl du deine Wege Str. 1-13. Andere verdrehen auch die Augen, denken aber mit Grausen an solche Lernmethoden zurück Sie sind froh, dass die Konfirmation des Enkels nicht gefährdet ist, nur weil er ein feste Burg nicht aufsagen kann. Trotzdem ist Singen ein wunderbares Lernmittel. Wir Mitarbeiter auf den Konfirmandenfreizeiten kennen die Verse vom Wecklied so gut wie auswendig. Das Lied heißt Heinos Morgengruß und hat sich seit den Konfirmandenzeiten der jetzigen Mitglieder im Kreis junger Erwachsener kaum geändert. Was von Spaßliedern gilt, gilt auch von geistlichen Liedern. Gesungenes prägt sich leicht ein. Darum sollten wir viel singen von vertonten Jesusworten. Von klein auf. Unsere Sekretärin bekam zum Geburtstag eine CD mit Kinderliedern geschenkt. Nach wenigen Wochen trällerte ihre Enkelin die Melodien. Eines der Lieder hieß: Ich bin sicher, sicher sicher sicher sicher. Bei meinem Gott. Die kleine rief dauernd. Ich will auch sicher sein. Ich will auch Jesus haben. Darum geht es. So kommt das Wort Jesu in unsere Herzen und übt Einfluss aus.

Damit sind wir beim zweiten Buchstaben. A wie alle. Wer soll singen? Alle. Alles was Odem hat, lobe den Herrn, heißt es in einem Psalm. Es heißt nicht, jeder, der die Tonleiter sauber rauf und runter kommt, sondern jeder der atmen kann. Also alle. Leider geschieht das immer seltener. Es braucht jemanden, der anfängt, der mitzieht. Die Leute sind daran gewöhnt, dass Musik aus der Konserve kommt, aber nicht aus der Kehle. Man sitzt da und hört Musik. In der christlichen Gemeinde ist das anders. Da singen wir auf alle Fälle. Ist der Organist nicht auf Zack, singt die Gemeinde trotzdem. Besser noch geht es, wenn ein Zugpferd dabei ist. So wie Altküster Urban: Der dröhnte ein Achtelpause nach dem Der Herr sei mit euch los: Und mit deinem Geist! Ob mit oder ohne Orgelbegleitung. Bei Konfirmationen ist die Gemeinde oft in der Minderzahl. Die Mehrheit stellen die Gäste der Konfirmanden. Die sind das selber Singen nicht gewohnt. Das zeigte sich vor zwei Wochen bei der Übertragung in den kleinen Saal. Da hatten wir ein Problem. Ich meine jetzt nicht die Technik, das war auch ein Problem, aber das wurde dann gelöst nach einiger Zeit Sendepause kam Bild und Ton wieder. Aber auch als Bild und Ton da war und der kräftige Gesang aus der Kirche übertragen wurde, sangen vor der Videowand im Gemeindesaal nur wenige mit. Es fehlte die Gemeinde, die mitzieht. Aus diesem Grund möchte ich solche Übertragungen ungern wiederholen. Nicht wegen der Technik, das kriegen wir in den Griff. Aber nur wenn man zusammen sitzt, werden die Ungläubigen angesteckt vom Gesang der Gemeinde.

Hier ist die Gemeinde gegenüber der Welt im Vorteil. Auf einem Gebiet ist es aber umgekehrt. Darauf weist der nächste Buchstabe: N wie Neu. Singet dem Herrn ein Neues Lied. In der Welt ist man daran gewohnt, dass immer etwas Neues kommt. Gerade auf musikalischem Gebiet. Die Hitparaden ändern sich ständig, dauernd kommen neue Künstler mit neuen Songs, das ist für die jungen Leute aber kein Problem. Sie kennen die Künstler und sie können die Lieder. In der Gemeinde dagegen schätzen wir die Traditionen. Das macht bequem und misstrauisch gegenüber neuem. Die Bibel geht dagegen an auf vielen Gebieten. Davids Liederbuch, die Psalmen, waren lauter neue Lieder. Die Offenbarung, das letzte Buch der Bibel, enthält lauter neue Lieder. Das Motto von Cantate ist singet dem Herrn ein neues Lied. Ich wünsche mir, dass unsere Gemeinden sich mehr darauf einlassen. Dass die Freude mehr um sich greift, die landauf landab bei vielen Chören zu spüren ist, vor einem Kirchentag oder bei den Chören vor Großveranstaltungen wie ProChrist, endlich kommen wieder schöne neue Lieder. Neue Lieder singen ist ein Kennzeichen von lebendigen Gemeinden. Zu Lebendigkeit gehört, dass die Jugend mit der Musik der Alten in Kontakt kommt und die für sie neuen Choräle lernt. Und dass umgekehrt die Alten mit der Musik der Jungen in Kontakt kommt und Feiert Jesus Lieder lernt.

Der nächste Buchstabe ist T wie Technik. Du meinst, das darf keine Rolle spielen, gute geistliche Musik bedarf keiner Technik? Gewiss, wenn alle so singen wie Laurel und Graham Sanders. (zwei Musiker aus unserer Gemeinde, inzwischen verzogen) Die können mit ihrer geschulten Stimme einen großen Saal beschallen. Aber wenn der Kinderchor singt, sind die Mikrofone eine große Hilfe. Selbst unsere Orgel hier würde ohne Technik keinen Ton hervor bringen. Sie ist ein Blasin-strument und das Gebläse ist elektrisch.

Bei Technik denke ich aber nicht nur an eine Gesangsanlage, an EPiano und elektrische Gitarren. Es geht auch um Technik im weiteren Sinne: Atemtechnik, Spieltechnik. Wo das geübt und gepflegt wird, hört man den Unterschied. Ich muss dabei an die Silber-hochzeit meiner Schwägerin denken am Tag vor Palmsonntag. Fotos davon sind auf der Titelseite des Gottesdienstblattes. Hausmusik sozusagen im Haus Gottes. Auf dem oberen Bild Ute Rapsch, Gitarre und ihre Tochter Christiane am Keyboard, die Geschwister Anne Kathrin Gesang und Magdalena am Saxofon, deren Cousine Anna Lena mit Gitarre. Oben auf der Empore Vater und Sohn an Trompete und Pauke, dazu die schon erwähnte Saxofonistin, diesmal mit Posaune. Blechbläser und Pauke. Ein musi-kalisches Familientreffen. Bei der Feier hinterher wieder gabs wieder viel Musik. Bei den Proben schaute ich meinem Schwager über die Schulter, er hatte den Trompeten-satz zu einem Lied von Hella Heizmann selbst geschrieben und spielte erstklassig mit weichen, satten Tönen. Der Refrain hab ich noch immer im Ohr: Da kann man nur staunen über Gott, und über die Wunder, die er tut, da kann man nur staunen, einfach nur staunen. Ein gut vorgetragenes, gekonnt einstudiertes Stück verfehlt seine Wirkung nicht.

Diese Truppe kannte sich, man war ja verwandt, man spielte einfach los. Meist muss aber jemand da sein, der voran geht. Das ist der nächste Buchstabe: A wie Anleitung. Das Volk Israel war sicher durch das Schilfmeer gezogen. Die Wasser hatte sich hinter ihnen geschlossen, die Feinde blieben zurück. Grund zum Danken. Wie oft haben wir Gottes Hilfe erlebt und haben uns nicht die Zeit genommen, ihm zu danken. Miriam damals forderte alle auf zum Danken, zum musikalischen Dank. Sie griff zur Pauke und ab gings: "Da nahm Mirjam, die Prophetin Aarons Schwester eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem Herrn singen, denn er hat eine herrliche Tat getan." Wir brauchen Leute, die anleiten, die vorangehen, die sagen, wie es geht. Singet dem Herrn ein neues Lied, schön und gut, es muss aber jemand da sein, der anleitet, wie es geht. Man hört manche Klage über den Niedergang der Kirchenmusik, über Chöre, die überaltern oder einge-hen. Wir sollten im Gebet hinter den Leitern stehen, die sich viel Mühe geben, die improvisieren müssen, wenn tragende Stimmen auf einmal fehlen, und die können das angekündigte Konzert ja nicht absagen oder den vorgesehenen Beitrag in einem Festgottesdienst. Dünnt der Chor aus, sind diese Leiter oft in der Zwickmühle, sie wagen sich an neues Liedgut nicht heran, greifen lieber zu den bekannten Stücken, und mangels Herausforderung verlieren die besseren Chormitglieder die Lust. Da sollten Chorleiter wissen und merken, die Gemeinde steht hinter mir. Sie sollten merken: Aus der Gemeinde kommt Gebet und nicht nur die Kritik, heute war der Chor mal wieder schwach. Gibt es mehrere Leiter, kann es auch zu Rivalitäten kommen, welcher Chor darf im Festgottesdienst zu Wort kommen. Oder wenn jemand einen neuen Chor beginnt, wird das als Konkurrenz empfunden zum bisherigen Angebot. Nehmen wir aber das Motto von Cantate ernst, lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen, mit Psalmen Lobgesängen und geistlichen Liedern aller Art, dann ist jedes neue Ange-bot eine Bereicherung!

Beim Thema Anleitung stellt sich auch die Frage: Wie perfekt muss jemand musika-lisch sein, bevor er als Leiter in Frage kommt? In unserer Zeit sind viele Leute ver-wöhnt von Musik in CD-Qualität. Die Landeskirche ist seit vielen Jahrzehnten gewöhnt und verwöhnt von Kantoren, die Musik studiert haben. Sie setzen auch die Maßstäbe fürs Ehrenamt. In unserem Pauluswort aus dem Kolosserbrief ist aber keine Rede davon, dass Perfektion und musikalische Spitzenqualität Voraussetzung ist. Die Auf-forderung, Gott mit Psalmen und Lobgesängen zu ehren geht an die ganze Gemeinde.

Ein Pastor einer kleinen Gemeinde in den USA erinnert sich: "Ich denke an einen jungen Mann, der seine musikalischen Fähigkeiten in der Gemeinde einbringen wollte. Ich entschloss mich, es ihm zu erlauben. Es erwies sich als schmerzhafte Erfahrung für alle Beteiligten. Er war so nervös, dass er zitterte. Sein Stil entsprach nicht ganz dem, was die Gemeinde gewohnt war. Seine Stimme brach, manche würden sagen, sie überschlug sich, wenn er versuchte, die hohen Töne zu singen. Dennoch gelang es ihm schließlich, in einer anderen Gemeinde die Musikarbeit zu leiten. In einer Mega-Gemeinde hätte man ihn kein zweites Mal angeschaut. Entweder wäre er beim Vorsin-gen vor dem Talent-Koordinator durchgefallen. Oder man hätte ihm gesagt, dass die Lücken im Anbetungs und Lobpreisteam bereits gefüllt seien. Eine kleine Gemeinde lässt aus reiner Notwendigkeit Menschen mit ihren Fähigkeiten experimentieren. Sie entdecken dabei geistliche Gaben, von deren Vorhandensein sie keine Ahnung hatten. In der kleinen Gemeinde mag es sein, dass wir mit dem auskommen müssen, was wir haben. Aber wir stellen oft fest, dass wir mehr haben, als wir dachten" (Aus: Steve Bierly, Hilfe, ich bin Pastor einer kleinen Gemeinde, Gerth Verlag 2001)

Noch einmal der Buchstabe T wie Treue. Die wenigsten Lieder hört man einmal und kann sie gleich. Kein einziges Instrument nimmt man einmal in die Hand und be-herrscht es gleich. Das ist für Kinder und Jugendliche oft eine unerwartete und entmuti-gende Erfahrung. Da bekommen sie eine Flöte oder ein Keyboard zu Weihnachten, mit einem Heft dazu, Instant Kurs für Anfänger, Erfolg garantiert. Und dann merken sie, ich muss ja üben! Bei der Vorführung des ersten mit Mühe erlernten Stücks verzieht die Mama oder der Opa das Gesicht. Die Flöte fliegt in die Ecke. Wie wichtig ist Ausdauer, und wie wichtig ist Ermutigung dazu. Unsere Chöre leben von den Treuen. Aber oft finden sie nur wenig Beachtung, besonders wenn sie in einer Stimmlage spielen oder singen, die stark besetzt ist. Wie kostbar ein Leiter, der die Treuen belohnt. Durch ein Dankeswort. Durch pünktlichen Beginn, das ist wohltuende Anerkennung, für alle, die rechtzeitig gekommen sind. Ein Leiter, dem auffällt, wer fehlt und der sich hinterher erkundigt, woran es gelegen hat. Hier hat Professor Hans Heintze damals Maßstäbe gesetzt. Er begann pünktlich um acht, die Probe war pünktlich um viertel vor 10 zu Ende. Er telefonierte jeden, der fehlte, am nächsten Tag an. Dazu war er noch selber ein Meister am Notenpult und an der Orgel. Ein Glücksfall.

Professor Heintze liefert mir auch den Übergang zum letzten Buchstaben: E wie Ewigkeit. Gott möchte uns durch Musik an die Ewigkeit erinnern. Das kann durch die Texte sein. Das kann durch die Musik an sich sein. Bescheiden, wie er war, gab Prof. Heintze in einem Referat im Gesprächskreis auf die Frage: "Ist Musik Verkündigung?" die Antwort "Nein, sie bereitet die Verkündigung vor." Aber manchmal verkündigt sie selbst, so wie einst Miriam mit ihrem trommelnden Frauenchor. Diesen unerwarteten Eindruck gewann ich vor kurzem in einer sehr anstrengenden Arbeitswoche. Da kam zusammen die bevorstehende Konfirmation, der Technik-Ärger mit der Beamerübertra-gungsvorbereitung und vier Beerdigungen. Für eine der Trauerfeiern wünschte sich die Familie den Schlusschor der Deutschen Messe von Johannes Brahms. Leider konnte der Organist, den ich erwartete, nicht spielen. Für seinen Ersatz waren die Noten zu schwer. Also besorgte ich über das Internet eine Aufnahme mit einem Chor und Klavierbeglei-tung. Nun bin ich kein so Klassikfreak und kannte das Stück nicht. Nach dem Downlo-ad brannte ich das Stück auf CD um es dann probezuhören. Es war hinreißend. Es war anrührend. Dabei enthielt es vom Wortlaut her nichts anderes als die unveränderten Bibelworte aus dem Buch Offenbarung: "Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, dass sie ruhen von ihrer Arbeit. Denn ihre Werke folgen ihnen nach."

Der Grund, warum wir die die Worte Christi reichlich in uns wohnen lassen sollen, ist schlicht dieser: Sie sind in sich klar genug. Man braucht ihnen nichts hinzuzufügen. Musik kann ihnen den passenden Rahmen geben, kann sie transportieren zu unseren Herzen. Kann sie aber nicht übertreffen. Sie sind in sich selbst genug. Und Worte solcher Art zeigen, dass wir selbst in unserem Schmerz, in der Traurigkeit über den Verlust eines lieben Menschen, nicht sprachlos bleiben müssen. Gott will immer zu uns reden. Und wenn wir einmal nicht mehr sind, bleiben diese Worte.

Wann immer wir herrliche Musik gehört haben, wo man wünschte, das Stück möge gar nicht mehr aufhören, klingt das an. Was Gott uns schenken möchte durch Jesus: Ewige Seligkeit. Harmonie, die nicht aufhört und in einem Wohlklang endet. Und das will sich ausprägen, das soll herauszuhören sein, heraus klingen aus deinem Leben. Dazu helfe uns Gott.

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