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<b>Ansprache zum Volkstrauertag 2001</b>

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!
Es ist gut, dass Sie alle mithelfen, am Volkstrauertag 2001 sich der Erinnerung und Mahnung der beiden Weltkriege zu stellen. Die gefallenen und vermissten Soldaten aus Messel sind auf dem Kriegerdenkmal namentlich aufgeführt und mit jedem Namen sind Erinnerungen und Schmerz einer Familie verbunden.

Kriegerdenkmal nennen wir diesen steinernen Ort der Erinnerung und Mahnung. Deutschland und Krieg – das war ein wichtiges Thema der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Es waren große gesellschaftliche Umbrüche, die dazu führten, dass aus dem Heldengedenktag ein Volkstrauertag wurde. Deutschland und Krieg – das ist in diesem Jahr ein ganz besonders heikles Thema, Zeitungen, Fernsehen und Radio sind voll davon. An der Debatte wird deutlich, dass wir tatsächlich in einem neuen Jahrtausend angekommen sind. Der Nationalsozialismus als Schreckensherrschaft und als grober Missbrauch kriegerischer Mittel hat in der Debatte kaum noch eine Rolle gespielt. Trotzdem bleibt uns in Deutschland ein besonderer Verhältnis zum Krieg und das ist ein wichtiger Beitrag, den wir leisten können.

Wir erinnern uns, wenn wir uns an den Krieg erinnern, v.a. an die Opfer, an den Schmerz, an die Trauer. Wir erinnern uns an den Missbrauch der Macht im Nationalsozialismus und an die Opfer unter Juden und Behinderten. Wir erinnern uns, wie sehr es die Trauer um die Soldaten erschwert hat, weil es nicht einfach eine gute Sache war, für die sie sterben mussten.

So geht von unserem Erinnern in Deutschland eine Ermahnung zum Frieden aus. Wie das verbunden werden kann mit einem Eindämmen des Terrorismus und was am besten langfristig dem Frieden dient, das ist Sache der politischen Entscheidung jedes einzelnen mündigen Bürgers und jeder mündigen Bürgerin. Nur soviel: am wichtigsten scheint mir – und das sage ich bewusst als Pfarrer – dass es Brücken der Verständigung zwischen islamischer und westlich-christlicher Kultur gibt. Dazu ist es hilfreich, wenn wir uns der Grundlagen, der Fundamente unserer Kultur und unserer Werte bewusst und sicher sind.

Es bleibt uns heute der Rückblick auf das erste Jahr des neuen Jahrtausend. Wir gedenken der Opfer der Anschläge in den USA und auch der Opfer in Afghanistan. Uns bleibt, mit allem was wir sind und haben, einzutreten für einen gerechten und stabilen Frieden in unserer Welt. Dazu erinnern wir uns der Toten – dann wird ihr Opfer nicht vergeblich sein.

Albrecht Burkholz

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