Seine Vision lebt weiter (1. Petr 2,2-9)

1.Petr 2,2-9
[2] und seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, damit ihr durch sie zunehmt zu eurem Heil, [3] da ihr ja geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist. [4] Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar. [5] Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus. [6] Darum steht in der Schrift (Jesaja 28,16): »Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.« [7] Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar; für die Ungläubigen aber ist »der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein geworden ist, [8] ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses« (Psalm 118,22; Jesaja 8,14); sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind. [9] Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht …

Liebe Gemeinde, liebe Eltern und Paten,

die Milch der Mutter ist Nahrung für Leib und Seele gleichermaßen. Alles, was der junge Körper braucht, ist in der Muttermilch enthalten. Alles, was das Kind braucht an Wärme, Nähe, Geborgenheit, Liebe und Zärtlichkeit, bekommt es, wenn es angelegt wird. Ps 22.10: „Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen; du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter.“

So erfährt das Kind, dass die Eltern und damit auch die Welt freundlich ihm gut gesonnen sind. Es erhält durch diese guten Erfahrungen ein festes Fundament des Vertrauens und der Liebe für sein ganzes späteres Leben bis ins höchste Alter hinein. Gottes Liebe und Zuwendung ist so wie die Muttermilch. Er nährt uns. Er baut uns auf. Er gibt uns die Nahrung und Kraft für die Seele und unseren Glauben in der Welt. Er ist ein mütterlicher Gott, der sich um uns sorgt. Jes 66.13: „Wie einen, den seine Mutter tröstet, so will ich euch trösten.“

Von Gott wird sonst wenig als Mutter gesprochen. Die mütterliche Seite Gottes kommt allenfalls zur Sprache über Maria, die Mutter Jesu. Durch sie bringt sich Gott in Jesus Christus zur Welt. Jesus lebt und erzählt Gottes Mütterlichkeit. Jesus lebt die Liebe Gottes als Mutter und Vater. Wir sollen uns niemals fürchten, weil er uns nahe ist, wie Vater und Mutter uns nahe sind. Er hält uns in dieser Welt mit allen schrecklichen Ereignisse dennoch geborgen. Nichts kann uns aus seiner Hand reißen. (Röm 8.38-39) Auch in den schweren Dingen und Ereignissen des Lebens erfahren wir Gottes Fürsorge und Freundlichkeit. Er ist dennoch da und hält uns fest. Wir können ihm vertrauen in dunkelster Nacht, wenn alles verloren erscheint. Er liebt uns, auch wenn wir ihm Kummer gemacht haben. Er ist uns näher, als wir je meinen. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 618)

Leiden und Sterben sehen wir nicht als Gottes Strafe. Sie gehören zu unserem Leben wie die Freude und das Fest. In allen Lebenssituationen erfahren wir Gottes Fürsorge und Liebe. Darum sind wir zu ihm eingeladen. Darum bringen wir heute morgen unsere Kinder zu ihm. Sie gehören ihm und wir legen sie ihm in seine Hände. Er hat sie uns anvertraut, damit wir sie in das Leben hinein begleiten und sie mit unserer Fürsorge und Liebe ausstatten und befähigen, ihr Leben selbst zu verantworten und Gott über alles zu lieben und zu vertrauen. Er will mit ihnen als lebendige Steine des Glaubens an seinem Haus, diese Welt arbeiten. Er braucht sie für den Frieden, die Gerechtigkeit und Liebe.

Jesus Christus ist der entscheidende Stein, der den ganzen Bau dieser Welt zusammen hält. Zu ihm sollen wir kommen und uns selbst als lebendige Steine mit einfügen. Das Bild der lebendigen Steine ist uns wenig vertraut. Steine betrachten wir als totes Material. Doch sie sind viel älter, als alles Leben auf der Welt. Sie haben sich in tausenden von Jahren gebildet. In ihnen entstanden kostbare Edelsteine. Sie umschlossen das Leben, wie die Farne oder Muscheln. Sie erzählen eine lebendige Geschichte dieser Erde und der Lebewesen auf ihr.

Wir sollen lebendige Steine sein als Christinnen und Christen, als Gemeinde und Kirche sein. Nicht von einander isoliert, versteinert; nicht allein, nicht tot. Zusammengefügt, einander ergänzend und stützend, aufbauend: eine lebendige Gemeinschaft. Kein privates Christentum. Die Steine sollen sich nun selber zusammenfügen, nicht passiv abwarten, bis jemand etwas mit ihnen und aus ihnen macht. Lebendige Steine sollen sich als das Haus Gottes in dieser Welt, die Gottes Welt ist, zusammenfügen. (Ps 24.1)

Des HERRN ist die Erde und ihre Fülle, die Welt und die darauf wohnen. Das Haus ist offen und für jeden Menschen zugänglich. In diesem Haus Gottes, zu dem jeder von uns ein lebendiger Stein ist, waltet ein besonderer Geist. Niemand lebt abgesondert von den anderen. Eine einmütige Gemeinschaft ist angestrebt. Die Heiligkeit des Hauses erweist sich darin, dass niemand ausgeschlossen wird, nicht Frau oder Mann, schwarz oder weiß, jung oder alt, fremd oder einheimisch. Was dieses Haus im Innersten zusammenhält, sind die Weisungen und Versprechen, die Gott uns Menschen gegeben hat. Wir sollen in gerechter, richtiger Beziehung zu Gott leben können und in gerechten und richtigen Beziehungen untereinander.

Das ist eine große Aufgabe die Gott uns stellt. Sie umfasst die ganze Welt. Wir aber möchten gern nur für unseren kleinen überschaubaren Lebensbereich da und nicht für die ganze Welt verantwortlich sein. Jesus war als Eckstein für diesen Haus gemeint. Aber die Welt hat es abgelehnt. Sie hat ihn verworfen. Er ist zum Stein des Anstoßes geworden, weil er die Vision einer großen einmütigen Gemeinschaft der Menschheitsfamilie hatte, die im Glauben miteinander verbunden ist.

Seine Vision lebt weiter in und durch uns in dieser Welt. Es ist die Vision einer Welt, wo wir Menschen alles miteinander teilen, was wir zu unserem Leben brauchen. Wir teilen Essen und Trinken, Arbeit und Freizeit, Gedanken und Träume, Gefühle und Erfahrungen, Glauben und Zweifel, Länder und Meere, Frieden und Gerechtigkeit. Das sind keine frommen Wünsche, weil es immer schon Menschen gegeben hat, gibt und geben wird, die damit ernst machen. Gott selbst aber wird uns dazu seine Kraft geben.

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