Sein Dabeisein

<center><img src="http://www.kanzelgruss.de/gifs&jpgs/pfingstbild2002.jpg" border="0" vspace="10" hspace="10"></center>Pfingsten, fünfzig Tage nach Ostern – er ist gekom­men, der Verheißene, der Angesagte, der Tröster, der Heilige Geist! Geist des Vaters, Geist des Sohnes, Liebe des Vaters uns ganz nah.

Tröster, Retter, Freund, Mahner, der uns beten lehrt wie es dem Vater gefällt, Geist der Freude. Er kommt vom Vater. Er weist auf den Sohn. Der verherrlicht den Vater, sitzt zu seiner Rechten, tritt für uns ein.

Und wir sind in den Kreislauf der Liebe und des Geistes Gottes eingeschlossen: Der Geist Gottes ist ausgeschüttet in unsere Herzen, in unsere Freude, in unsere Trauer, in unsere Angst! Lob sei Gott im höchsten Thron – und uns gesegnete Pfingsten!

Wir am Puls Gottes. Und nun muss ich genauer sein: Wir am Puls Gottes, soweit wir uns dem Kreislauf der Liebe Gottes nicht verschließen: Der Heilige Geist ist kein Einbrecher – er ist kein Vergewaltiger – er steht nicht mit dem Brecheisen an der Tür unserer Leben: Er will erbeten sein. Hm will geöffnet sein. Er hilft dann schon, die Hindernisse zu beseitigen, die er in den Fluren und Zimmer unserer Lebenshäuser in der Gemeinde, in einzelnen Menschenleben findet. Aber nur da ist er, wo er erbeten ist. Sonst unser Geist – sonst unsere Geistlosigkeit und alles beim Alten und die Sehnsucht nach Gottes "Mehr" bleibt unerfüllt.

Wo aber erbeten tritt er ein – in den Palast ebenso wie in die Mörderhöhle und in all das dazwischen.

Das Bild will etwas vom Pfingsten zeigen – von dem Pfingsten, dass Gott und uns gelingt; sicher ist das ja von vorneherein nicht, eben weil der Heilige Geist in aller Regel eine offene Tür sucht.

Eine Spirale sehe ich – sie dreht sich, bewegt sich. Sie dreht, bewegt sich, auch wenn das Bild nur den Augenblick einfängt. Woher und wohin die Bewegung? Von innen nach außen, von außen nach innen – jede, jeder mag es sehen, wie sie, er will – oder auch so: sie dreht sich, pulsiert von innen nach außen und von außen nach innen.

Innen – das Kreuz. Und das Kreuz, erdbraun und der Erde verhaftet hat ein Herz, rot im braun des Holzes. Es durchkreuzt Leben – nicht wie das Andreaskreuz, das Jüngerkreuz, diagonal, dass horizontal wie vertikal. Das Kreuz durchkreuzt Leben. Seines? Unseres? Beide! Im Kreuz ist sein Leben mit unserem verbunden. Aus dem Kreuz verströmt sich sein Leben in unsere, durch unsere – und wie!

Als ob die Flut von Lebendigem auf unsere Leben reagiert – das Rot flammt auf, immer neu auf, wenn es in den Bereich des Elends der Gottesferne, der Angst, der Schuld, der Krankheit und der Tränen eintritt: Er, seine Kraft, sein Geist, sein Dabeisein – es ist so, wie wir es brauchen, wirklich brauchen. Gottes Geist verströmt sich: Warm, lebensspendend da, wo Leben arm, eng, klein und traurig ist. "Fürwahr: Er nahm auf sich unsere Schuld, trug unsere Krankheit …" – und tuts immer noch, stützt, hebt, trägt bis wir grau werden. Das lässt er sich nicht nehmen, uns nah zu sein, dabei zu sein, zu helfen, zu bergen, zu retten zu lieben, unsere Leben zu erwärmen: Der Vater durch den Sohn und nun im gegenwärtigen Heiligen Geist.

"Wenn der Herr die Gefangnen Zions erlösen wird …" Worte aus dem 126. Psalm fallen mir ein – und er hat schon begonnen. Die Augen des Glaubens nehmen es wahr und danken und jubeln auf. Er befreit die Gefangenen. Und Hoffnung greift Raum: Gott sei Lob!

Nicht nur das Elend: Unterschiedliches Leben berührt die Spirale: Die Welt meiner Arbeit in der Tiefe. Die lebendige Spirale des Geistes berührt den Acker Kains und Abel, Ihren und meinen, oft mühsam und wie verflucht. Er ist sich nicht zu schade, Gott, tritt ein und noch immer das Rot der Liebe und der Wärme – damals, auf dem Weg nach "Jenseits von Eden" waren es die Kleider, die Gott – Zeichen Seiner liebenden Fürsorge – Adam und Eva mitgab, nun er selbst, der über sich hinausgeht, sein Geist, sich in die Tiefe unseres Alltags aufmacht. berührt der da: Herzblut für das Leben derer in der Tiefe des Alltags.

Sein Dabeisein auch in der Zeit der Ernte, der Reife, des Betrachtens, Abwägens. Ich lebe auf – die Welt der Arbeit hinter mir, schaue unsicher in den neuen Lebensraum, wissend: der Letzte wir es sein – nur die Tapeten werden vielleicht da und dort noch gewechselt, sehe die Frucht meines Lebens und wie?: Was war, das war und kommt nicht wieder – nur im Traum. Ich höre Lachen im Raum, Seufzen manchmal, und Stille. Ich höre Stille, höre die Stille, wenn ich hinhöre. Stille: ruhig, zufrieden oder wortlos, sprachlos. In der Zeit der Ernte und der Bilanzen Er, wieder Er: Geist Gottes. "Ich will Euch heben und tragen, bis Ihr grau werdet …" Sein Wort – und Er ist da. Streicht mit sanfter Wärme die Hand auf, über die Wange, das Haupt, um das Herz, entkrampft, bahnt Weg, löst vom Alten, löst aus dem Gericht, das ich mir selbst bin, lehrt das "Ja" sagen, bereitet für den Weg – auch den letzten. Er, Geist der Zärtlichkeit Gottes.

Sein Dabeisein auch im Raum des Jubels, in der Freude, im Erfolg, im Gelingen, umfasst mich sanft. Wie gut, wenn sein Strom mir nah ist, dort, im Raum im Jubels – damit im Jubel mein Ich nicht ins Nichts abstürzt.

Und dann?

Doch, ja – die Spirale wendet sich zurück, verbindet, was getrennt ist. Und der Strom der Liebe Gottes, der Geist der Kraft, der Liebe, der Besonnenheit, verbindet was getrennt ist, macht Leben heil und eins, fügt die Mosaikstückchen zusammen, setzt sie in den Rahmen, in den sie gehören: von Gott, zu Gott. Er, der Tröster, der Heil macht und Leben zu Leben erweckt. Dort, wo Leben ihm offen ist.

Gelobt sei Gott.

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