Sehnsucht nach Gott

Liebe Gemeinde

Der Heilige Abend liegt hinter uns, es ist wieder Licht geworden in unseren Häusern, die Kinder spielen schon mit ihren Neuen Spielsachen, der eine oder die andere hat sich schon mit dem neuen Buch in den Sessel verzogen und ist in eine andere Welt eingetaucht. Heute trifft man sich gemütlich zum guten Essen und zum Austauschen; die großen Erwartungen oder auch Enttäuschungen dieses Festes liegen oft schon hinter uns.

Der erste Weihnachtsfeiertag hat bei uns ein bisschen etwas Abgeklärtes und Ruhiges, schenkt uns aber auch Vergewisserung, dass die Sache mit Weihnachten, das Kommen Gottes hier zu uns in Gestalt eines kleinen Kindes kein Traum war, der mit dem einen Tag verpufft ist. Sondern dass heute am eigentlichen Weihnachtstag die Botschaft von Weihnachten noch ebenso gültig ist, wie sie es gestern war. Und wir brauchen diese Sicherheit, denn dass Gott zu uns gekommen ist, dass wir Gott so wichtig sind, dass er dafür selbst Mensch geworden ist, ist eine Konstante, die unserem Leben einen Halt gibt. Denn an Weihnachten selbst erleben wir nicht nur die schönen Familienfeiern, wie wir sie auch in jeder Werbung gezeigt bekommen, die Feiern mit dem strahlenden Kindergesicht, dem Glitter, dem Luxus, sondern unser Weihnachten ist viel menschlicher.

Es ist gerade dieses Jahr geprägt auch von der Bedrohung des Arbeitsplatzes, der Streichung von Weihnachtsgeld oder sogar der eigenen Arbeitslosigkeit und die Angst vor dem, wie es weiter gehen soll, sitzt so manchen von uns im Nacken.; andere unter uns haben gerade dieses Weihnachten das erste Mal begangen ohne geliebte Menschen, die uns im vergangenen Jahr auf die eine oder andere Weise verlassen haben; die Leere war und ist schwer auszuhalten gerade an diesem Fest, das wir in der Regel immer noch in der Familie feiern und bei dem wir uns schwer tun neue Formen zu finden. An Weihnachten erfahren wir Mangel und Not noch deutlicher als an anderen Tagen im Jahr, tut sich die Schere zwischen arm und reich gerade auch in unserem reichen Land noch deutlicher auf als sonst und doch sind wir gerade auch an Weihnachten gefangen in unseren eigenen Erwartungen, Erwartungen nach einem harmonischen Fest, nach einem liebevollem Miteinander und besonderen Geschenken.

Zwei Welten prallen da aufeinander, die wir jedes Jahr neu zusammen zu bringen versuchen. Und meistens schaffen wir es auch, die einen besser, die anderen haben mehr Schwierigkeiten damit. Denn wir wollen ja, dass dieser Tag ein schöner Tag wird, dass dieses Fest gelungen ist. Wir ersehnen uns die Lichter, die Wärme, den Duft nach Plätzchen und die Gewissheit, dass wir in all dem, was uns umgibt, nicht alleine sind, dass wir geborgen sind, in den großen Unsicherheiten, die uns im täglichen Leben umgeben. Wir brauchen dieses Wissen, dass es über unserer Unbeständigkeit etwas gibt, dass immer da ist, egal wo wir sind und wie es uns geht.

Und diese Gewissheit wird uns in der Kirche zugesprochen. Hier in der Kirche hören wir von Gott, reden wir über Gott und über Gottes Geschichte mit den Menschen. Hier erwarten wir Gottes Anwesenheit, erhoffen uns Gottes aufmerksames Ohr, wenn wir mit unserem Dank für ein frohes Fest, aber auch mit unseren Klagen zu ihm kommen. Hier kann uns Gott nicht übersehen, denn wir sind ja zu ihm in sein Haus gekommen; denn die Kirche ist das Haus Gottes, hier meinen wir, wohne Gott.

In diese Richtung ging auch das Ansinnen König Davids, der vor ca 3000 Jahren in Israel regierte. Hören sie selbst: Ich lese aus dem 2. Samuelbuch dem 7. Kapitel:

[TEXT]

David ist ein Erfolgsmensch, er würde auch gut in unsere Zeit passen. So einer wie er wird immer gebraucht. Er hat ein Ziel vor Augen gehabt und es, mal mehr, mal weniger rücksichtslos, erreicht: er ist König über Israel geworden und hat sein Land zur Blüte gebracht, es ist größer und einflussreicher denn je.

Und so soll es bleiben. Der Wohlstand und der Erfolg sollen gesichert werden – und Gott soll das garantieren. Darum bekommt er ein Haus, einen festen Wohnsitz in Jerusalem. Dort soll er erreichbar sein und dafür sorgen, dass alles so gut weitergeht wie bisher. David will Gott zu seiner Hausmacht machen, die ihm und auch seinem Volk weiterhin Ruhm und Macht erhalten möge; doch zuerst sträubt sich Gott dagegen und er verweist auf seine lange Geschichte mit seinem Volk. Aus der Sklaverei hat er sie damals befreit, durch die Wüste hat er sie geführt, hinein ins gelobte Land; das ist der Gott des Volkes Israel, keine Hausmacht, sondern einer der mit geht, der eben nicht verfügbar ist, sondern bei denen bleibt, die ihn brauchen. Und so bleibt es David verwehrt, Gott ein Haus zu bauen. Salomo wird das später machen, doch und das erweist sich durch die Geschichte des Volkes, ist dieser Tempelbau nicht das Erfolgsrezept; Israel wird immer wieder angegriffen, verschleppt und geplündert. Das einstige Großreich zerfällt. Und die Erfahrung der Israeliten allerdings bleibt gleich. Gott, ist bei denen die ihn brauchen; er ist eben nicht im Tempel in Jerusalem, sondern er geht mit; Gott ist bei Noomi in der Fremde; er ist bei ihnen in der Babylonischen Gefangenschaft; die Menschen erfreuen sich an seiner segnenden Präsenz oder leiden durch seine scheinbare Abgewandtheit.

Doch immer bleibt die Sehnsucht der Menschen nach Gott und der Wunsch von Gott gesehen und wahrgenommen zu werden. Und Gott bleibt bei den Menschen. Höhepunkt ist die Geburt Jesu in Bethlehem. Hier wurde Gott Mensch, ganz nah und unmittelbar, für die Menschen damals zum Anfassen, zum Staunen und Erschrecken. Er kam dahin, wo er gebraucht wurde; in den armen Stall in Bethlehem, in den Dreck und die Not, die ihm nur eine Futterkrippe als Bett gewährte. Er kam zu den Hirten, den ärmsten der Armen damals, zu den Verachteten, die nur am Randes des Dorfes leben durften, weil sich die Menschen mit ihnen nicht abgeben wollten. Gott kam als Kind, nicht als ein besonderes Kind; selbst die Soldaten des Herodes konnten ihn nicht von anderen unterscheiden, als sie geschickt wurden, den möglichen Konkurrenten auf den Thron Israels zu beseitigen.

Und doch brachte dieses Kind die Hoffnung in die Welt, dass wir, ganz gleich wo wir sind, ganz gleich wer wir sind, von Gott gesehene sind, dass Gott bei uns ist in den Wirren des Lebens; auch heute noch, in den Zeiten offiziellen Wohlstandes, in der die Armen immer ärmer und die Reichen laut dem neuen Armutsbericht immer reicher werden, in denen für die einen Schulbildung dank familiären Rückhaltes zum Erfolg führen kann, während immer mehr Kinder in den Schulen nicht mehr die Bildung bekommen, die sie brauchen, um später erfolgreich sein zu können. In all diesen gesellschaftlichen Umbrüchen kommen wir Weihnachten in die Kirche, um gerade dies zu hören; Gott ist und bleibt bei uns nicht nur heute, sondern an jedem Tag im Jahr, nicht nur hier in der Kirche, sondern an allen Orten, in denen wir spüren, hier ist etwas von der Hoffnung, die wir heute suchen, hier geschieht etwas Göttliches, das uns ein Stück vom Himmel auf die Erde bringt.

Deutlich wird das in einer anderen Weihnachtsgeschichte, die ich ihnen erzählen möchte, in der eben nichts so wahr, wie wir es kennen, nichts so, wie es eigentlich geplant war.

Damals hatte Gott den Engeln gesagt, dass er es nicht mehr mit ansehen könne, wie die Menschen miteinander umgehen, wie sie statt in Frieden miteinander zu leben, sich bekriegen, und einander Schaden zufügen, wie sie nach Macht und Geld trachten, und die Liebe vergessen haben. Also hatte Gott beschlossen selbst als Mensch in die Welt zu kommen. Alles war für dieses Kommen vorbereitet, vor neun Monaten war ein Engel zu Maria geflogen, um sie auf ihre Aufgabe vorzubereiten, auch Josef hatte man eingeweiht, und nun stand der große Tag bevor. Gott selbst hatte darauf bestanden, dass er nicht bei Hofe aufwachsen wolle, sondern bei den einfachen Menschen; ihnen wollte er die Botschaft seiner befreienden Liebe bringen. Und so warteten alle gespannt auf das große Ereignis … doch nichts geschah. Die Engel warteten eine ganze Woche, Verunsicherung machte sich breit; einer flog sogar zu Maria; doch diese hatte weder einen dicken Bauch noch ein Kind, das in der Krippe lag. Irgendetwas musste schief gelaufen sein.

Also ging einer der Engel zu Gott, um sich Antwort auf ihre Fragen zu holen; doch war dieser gerade außer Haus. So beschlossen die Engel ihn auf der Erde zu suchen. Fünf Jahre lang flogen sie auf der Erde umher, sahen in alle Winkel der Erde und erfuhren dabei vieles über das menschliche Leben, was sie nicht gewusst hatten, sie sahen Armut und Elend, Not und Kriege, Hunger und Sklaverei …, nicht die Liebe regierte in der Welt, sondern Hass und Neid.

Als sie sich nach fünf Jahren wieder trafen, mussten sie sich eingestehen, dass nach der vermeintlichen Geburt Jesu die Menschen sich nicht näher gekommen waren. Da sprach einer der Engel: Also mir reicht es jetzt mit dem Reden, wenn der Sohn Gottes verloren gegangen ist, dann müssen wir es selber machen.“ Und er nahm ein Stück Himmel und flog zurück auf die Erde, dahin, wo er meinte, dass das Stück Himmel und seine Hilfe am nötigsten gebraucht würde. Als die anderen das sahen, machten sie es ihm gleich. Jeder der Engel nahm sich ein Stück Himmel und flog zu seinem eigenen Platz auf Erden, griff zu, wo es nötig war, tröstete, wo Trost gebraucht wurde, hörte zu, wenn jemand ein offenes Ohr brauchte, kämpfte für Gerechtigkeit, wo die Ungerechtigkeit herrschte.

Und da wo sie waren, wurde das Dunkel ein wenig heller, brannte in der Kälte ein Feuer, waren Einsame nicht mehr allein.

Seit dieser Zeit ist Weihnachten nicht mehr nur ein Tag von 365 Tagen, seitdem wird Gott nicht nur einem Menschen Mensch – seitdem geschieht Weihnachten überall und jederzeit dort, wo Menschen Gott brauchen, dort, wo ein Stück Himmel auf Erden aufblitzt, die Liebe die Oberhand gewinnt, Menschen die kleine und große Not des Menschen sehen und handeln. Gott wird Mensch – jeden Tag und jederzeit und überall.

Und Gottes Sohn selbst; Er ist gerade sechs Jahre alt geworden, lebt in einem Andendorf als teil einer großen Familie und ab und an, wenn er einem der Engel begegnet, ohne von ihm erkannt zu werden, schmunzelt er zufrieden in sich hinein. (Andrea Schwarz)

Liebe Gemeinde, Gott ist Mensch geworden, damals vor 2000 Jahren und wird es auch heute noch, immer wieder da, wo wir seiner heilenden Kraft trauen, wo wir uns einlassen und einander unter die Arme greifen; denn Gott will bei den Menschen sein, die ihn brauchen.

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