Rutschpartie

Liebe Gemeinde,

wenn ich im Trixi-Bad in Großschönau bin, dann gehe ich manchmal auch auf die Rutsche. Und ich gebe zu, gern mache ich das nicht, ich zwinge mich fast zu dem Spaß. Aber wenn andere mich auffordern, mache ich eben doch mit. Zwei Stockwerke geht es aufwärts auf der Treppe, bei viel Betrieb muss ich mich anstellen. Es ist mir unheimlich, nur ein ganz kleiner Streifen Licht, man muss sich drauf verlassen, dass keines der Kinder Unsinn macht und z.B. in der Röhre einfach anhält, ich bin immer froh, wenn ich aus der Öffnung ins Wasser plumpse. Sicherlich haben da Kinder und junge Leute weniger Probleme damit, aber ich würde lieber eine Rutsche haben, die offen ist und wo ich sehe, wo es lang geht. Leichter fällt es mir übrigens, wenn jemand vor und hinter mir ist, den ich kenne. Der sich an die Regeln hält und erst bei grün los rutscht.

In diesen Tagen wünschen wir uns auch einen guten Rutsch. Wir sagen es meist als Kurzform einfach dahin, wenn zu einem längeren Wunsch keine Zeit ist. Die Verkäuferin an der Kasse z.B. hat es jedem Kunden gesagt. Einen guten Rutsch ins neue Jahr. Ist das nicht etwas Ähnliches, wie eine solche Rutschbahn zu betreten? Und ist so eine Rutschpartie nicht so etwas Ähnliches, wie der Lebenslauf durch ein Jahr? Wo zwar auch irgendein Lichtstreif uns schon den Weg zeigt, aber wo wir im allgemeinen Tempo manchmal gar keine Wahl haben, es anders zu machen? Und wo uns so ein Unbehagen ergreift, hoffentlich gehts gut. Wo es vorn knallen kann und hinten uns jemand drauf rutscht und wo wir nur noch durch müssen. Rückwärts rutschen geht ja nicht. Und mitnehmen dürfen wir auch niemanden, die Verbotsschilder zeigen das und wers doch macht, kriegt einen Anpfiff vom Bademeister.

Nun ist natürlich Leben noch ein bissel mehr, aber was meinen wir, wenn wir sagen: guten Rutsch? Man müsste doch eigentlich sagen: hoffentlich keinen Rutsch, hoffentlich bleibst du aufrecht. Aufrecht in diesem Jahr, was ja sicherlich nicht leicht werden wird. Viele neue Ordnungen und Gesetze stehen uns bevor, einiges wird teurer werden, Krankheit und Sorgen werden nciht ausbleiben, einige werden aus unserem Dorf sterben. Alles in allem wirds ein anstrengender Rutsch. Auch in der Kirche bahnen sich weitere Veränderungen an, die Verwaltung wird total neu aufgebaut, zahlenmäßig nehmen wir weiter ab. Wir werden das Kirchendach sanieren und haben das Geld noch nicht beisammen.

Als Mose gestorben war, sollte Josua das Volk weiter führen. Und es mag dem sehr bange gewesen sein, denn es kamen völlig neue Erfahrungen auf das Volk Israel zu. Wie werden diese Nomaden, die 40 Jahre in der Wüste gelebt haben, mit dem Kulturland umgehen, wie wird das Neue die Menschen verändern, werde ich ein guter Anführer sein? So mag Josua gedacht haben. Das war auch so ein Rutsch ins Unbekannte, wo überhaupt nichts sicher war und es niemanden gab, der dem Josua zur Seite gestanden hätte. Außer Gott. Und dieser Gott sagt zu ihm einen ganz berühmten Satz: Josua, geh, denn "Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht". Und dieser Satz ist die neue Jahreslosung für 2006.

Übertragen auf meine Rutschbahn heißt das: du rutschst nicht allein. Da ist einer, der die ganze Zeit guckt, dass die Bahn frei ist und du nicht über andere fällst. Da ist einer, der steigt mit ein, wenn das grüne Lämpchen aufleuchtet und du dich in das Neue schwingst. Da ist einer, der paßt auf, dass du nicht Wasser schluckst, wenn du am Ziel ankommst.

Mit diesem Bild möchte ich heute ins neue Jahr gehen. Und ich möchte dieser Zusage trauen, dass ich nicht verlassen bin, sondern dass Gott auf den unbekannten Wegen mitgeht und dass er mich nicht fallen lässt, mich nicht aufgibt. Das heißt auch, dass er mir Chancen zurechnet, im Kommenden zu bestehen. Die Rutschbahn im Bad ist ja trotz aller Unheimlichkeit auch begrenzt, ich kann nicht rausfallen, auch wenn ich noch so schlingere. Sogar, wenn ich es aus Übermut tue, bin ich vor dem Schlimmsten geschützt. Das kann doch im Leben auch so sein. Weil Gott links und rechts steht, falle ich nicht aus der Bahn, auch wenn ich mir durchaus einen blauen Fleck holen kann.

Die Jahreslosung muss ich mir merken, wenn es ab heute Nacht los geht in die Bahn 2006. Und ich muß sie mir merken, wenn wieder jemand sagt: Guten Rutsch. Dann habe ich gleich meine eigenen Gedanken dazu. In diesem Sinne auch Ihnen einen "guten Rutsch".

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