Rut hat Mut

  1. Rut hat Mut

Rut hat Mut.
Vielleicht ist es der Mut der Verzweiflung.
Vielleicht der Mut wirklich Neues zu Wagen.
Vielleicht ist es der Mut, den der Glauben erwecken kann.
Vielleicht erwächst der Mut der Liebe und Zuneigung zu ihrer Schwiegermutter.
Vielleicht alles zusammen und von allem ein bisschen.
Aber es ist auf jeden Fall klar: Rut hat Mut.

a) Alles wegen Noomi

Sonst könnte sie nicht tun, was sie tut: Sie verlässt ihre Heimat und geht in ein fremdes Land, wo fremde Menschen leben und eine fremde Sprache sprechen, andere Sitten und Gebräuche haben und auch einen anderen Glauben.

Und sie tut das wegen Noomi! Denn Noomi ist die einzige, die ihr noch bleibt: Mitleidende in ihrem Schmerz, Kristallisationspunkt ihrer Erinnerng, Hoffnungsanker für die Zukunft. Alles zugleich ist Noomi – ihre Schwiegermutter.

Ruts Ehemann ist tot. Ihr Vater ist tot. Ihr Schwager ist tot. Nur die Frauen sind noch übrig und das zählt in der orientalischen Welt der damaligen Zeit nicht viel.

b) Fluchten

Und dann will auch noch Noomi weg. Will zurück in ihre alte Heimat aus der sie einst geflüchtet war – nicht vor politischer Verfolgung oder Krieg, sondern einfach vor Hunger und Not mit der Hoffnung, dass es im Lande Moab besser ist und dort ein besseres Lebens möglich ist.

Und es war möglich. Die Söhne sind dort groß geworden und haben sich integriert und haben geheiratet – Moabiterinnen, klar, was sonst. Sie waren angekommen.

Und jetzt, jetzt, da Ehemann und Söhne tot sind, spürt Noomi den Wunsch, nein, den Drang wieder nach Hause zu kommen. Da soll es ja auch wieder besser geworden sein. Es soll wieder genug zu essen geben und da sind schließlich immer noch die Menschen, die ihr früher wichtig waren: Familie, Verwandte, Freunde – alle, die sie so lange nicht mehr sehen hat. Nach all dem Schmerz und all dem Abschied will Noomi jetzt doch endlich wieder in das Land, von dem Sie sich doch eigentlich innerlich verabschiedet hatte. Zurück zur vertrauten Sprache, zu altbekannten Sitten und dahin, wo der eigene Glaube von allen gelebt wird und einfach irgendwie normal ist.

Und Rut? Rut hat Mut!

Denn sie will mit. Will den gleichen Schritt wagen wie die Schwiegermutter – nur in die umgekehrte Richtung. Will bei der vertrauten und geliebten Frau bleiben, auch wenn das bedeutet unter Fremden zu leben: Für sie fremde Menschen, Sprache, Sitten und ein fremder Glaube.

c) Ruts Opfer

Aber während Noomi in Moab ihren Glauben mit nach Moab genommen hat, will Rut sogar auf diesem Feld Neues wagen: Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. (Rut 116b)

Rut hat Mut.

Denn wer sich auf Gott neu einlassen will, der braucht Mut. Denn Glauben ist keine Nebensächlichkeit. Der Glaube kann einem ganz schön das Leben durcheinander bringen – vor allem, wenn man’s nicht gewohnt ist. Gott und Glauben fordern einen Menschen mit unter ganz schön heraus.

(Kein Wunder, dass so viele heute nichts mehr damit zu tun haben wollen. Sie scheuen wahrscheinlich einfach die Herausforderung!)
Nein, Glauben ist keine Nebensächlichkeit.

  1. Glaube ist Beziehung

a) Gott – Mensch

Glaube ist Beziehung. Dass es beim Glauben um die Beziehung zwischen Gott und Mensch geht, ist eigentlich klar. „Ich glaube an Gott“ – das heißt, dass ich eine Beziehung zu Gott habe: eine vertrauensvolle Beziehung.

Und Beziehungen beruhen auf Gegenseitigkeit. Jede Beziehung! Auch eine Liebesbeziehung ist erst dann eine Liebesbeziehung, wenn zwei sich lieben. Wenn nur einer den anderen liebt, dann ist es tragisch, traurig, manchmal aber auch komisch (für die anderen!). Aber eine Beziehung ist es nicht.

Und das gilt für Freundschaften, Familienbande, Arbeitsverhältnisse und und und.

Und für den Glauben! Wenn ich meinen Glauben ernst nehme und das tue ich – manchmal mehr und manchmal weniger –, dann heißt das:
Ich vertraue Gott und Gott vertraut auch mir. Jedenfalls hoffe ich darauf.
Ich hoffe auf Gott und Gott wahrscheinlich auch auf mich… O ha!
Ich interessiere mich für Gott und Gott wohl auch für mich.
Und es geht ja auch ums geben und nehmen:
Ich wünsche mir Dinge von Gott… und Gott, fürchte ich, auch von mir.
Ich tue etwas für Gott… Und(!) Gott tut auch etwas für mich.
Beziehungen sind schon was Tolles.
Und ohne Beziehungen wären wir nicht Mensch.

b) Mensch – Mensch

Glaube ist Beziehung. Beziehung zwischen Gott und Mensch und auch zwischen Mensch und Mensch. Ja, das wird oft vergessen.

Hätte Noomi ihren Glauben und ihre Beziehung mit Gott nämlich immer nur mit sich abgemacht, dann wäre Rut nie auf die reichlich wagemutige Idee gekommen, alles zu verlassen. Sie hätte nie Leben, Heimat, Sprache und Kultur aufgegeben. Sie hätte sich nie zu so einer wunderbaren Aussage hinreißen lassen wie: Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott (Rut 116b).

In dieser Beziehung zwischen Noomi und Rut hat Gott schon lange eine ganz entscheidende Rolle gespielt. Vielleicht ohne dass Noomi das auch nur geahnt hat. Aber Rut – die hat es umso mehr gewusst. Es sind nämlich zwei Personen, derentwegen sie sich auf den Weg macht: Noomi und Gott. Und Rut hat Mut!

Nein, weil Noomi ihr Glauben wichtig war. Weil sie ihn gelebt und ihre Familie daran hat teilhaben lassen, deshalb hat Rut Mut.

Und auch obwohl Noomi auch ihren Schmerz mit Gott teilt und Gott klagt, ja sogar auch Gott anklagt und ihm Schuld gibt, an ihrem Leid – trotzdem hat Rut Mut. Oder sogar gerade deswegen, weil sie sieht: Dieser Glaube trägt! Und Gott klagen hilft!

Ohne Beziehung zwischen Menschen, gäbe es diesen Glauben nicht und Rut hätte keinen Mut. Hat sie aber!

  1. Glaube braucht Alltag

Ja, wer glauben will und diesen Schatz den Glaubens im Leben erleben will, muss Beziehungen pflegen. Der muss bereit sein Gott in sein Leben zu lassen und und auch andere Menschen.

Ich kann zwar zuhause in meinem stillen Kämmerlein ab und an mal ganz heimlich darüber nachdenken, ob ich denn vielleicht an Gott glauben könnte. Aber helfen wird mir das im Leben nicht.

Ich muss schon ab und an mal hinaus gehen und mit anderen Menschen meinen Glauben leben. Und dazu braucht es Mut. Denn Glauben ist schon etwas sehr persönliches.

Aber ich möchte nicht immer das Gefühl haben, dass es so persönlich ist, dass andere sich peinlich berührt abwenden. So persönlich ist der Glaube auch nicht. Persönlich, aber kein Geheimnis. Ich bin es leid, dass ich und so viele andere ihren Glauben verstecken.

An Gott zu glauben ist nichts, wofür man sich schämen muss. Wirklich nicht! Und nur wenn ich das Wort Gott in den Mund nehme, versuche ja nicht gleich jemanden etwas überzustülpen. Wirklich nicht!

Rut hat Mut! Ich wünsche mir mehr Mut unter den Glaubenden.

Hohlen wir den Glauben zurück in unseren Alltag. In unseren Alltag. Und lassen wir uns nicht ins Bockshorn jagen, wenn Leute komisch kucken. Wir haben nichts zu verstecken! Wirklich nicht!

Rut hat Mut! Haben wir ihn auch!

Amen.

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