Profil gewinnen – Spuren Hinterlassen

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde!

Wir haben gerade Worte von Jesus gehört, aufgeschrieben vom Evangelisten Matthäus. Jesus hat häufig Erfahrungen oder Gegenstände aus dem alltäglichen Leben genutzt, um den Menschen davon zu erzählen, dass Gott bei den Menschen ist. Oder davon, wie Christen ihr Leben gestalten können und sollen.

„Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ sollen die Freunde und Freundinnen von Jesus sein; das haben wir gerade gehört. Das haben die Leute verstanden. Salz hatten sie alle im Haus. Das brauchten sie jeden Tag und es liegt auf der Hand: Salz ist lebensnotwendig und ohne Salz ist das Essen labberig und geschmacklos.

Und dass in jedem Haus eine Kerze bereit liegt und dass diese Kerze auf einen Leuchter gehört und nicht unter einen Eimer – das weiß bereits jedes Kind. Die Leute haben Jesus verstanden und sie haben ihm aufmerksam zugehört.

Mit einem Gegenstand aus der Arbeitswelt wollen wir das heute auch versuchen: über unser Leben als Christen nachzudenken.

[Reifen hereinrollen]

Ihr erkennt alle, um welchen Gegenstand es sich hier handelt. Dieser Treckerreifen soll uns helfen, einige für unser Leben als Christen wichtige Dinge zu erkennen. Zuerst das dicke Profil. Ein Treckerreifen ohne Profil, wäre kein Treckerreifen. Ohne Profil wäre er nicht zu gebrauchen, das leuchtet jedem/jeder ein. Auch Christen brauchen Profil: Die anderen sollen erkennen können, was das für einer oder für eine ist. Was ist das: christliches Profil? Ich denke, Ihr habt in Eurer Konfirmandenzeit einiges davon gehört.

In der Bibel gibt es eine ganze Menge Aussagen über Menschen, die sich auf Gott verlassen und versuchen, nach Gottes Willen zu leben. Vertrauen gehört dazu; der Mut, sich von Gott in Bewegung bringen zu lassen und etwas Neues zu wagen. Liebe gehört dazu; der freundliche Blick auf die Mitmenschen – das Gespür für Unrecht. Und Hoffnung gehört dazu. Hoffnung als Gegengewicht gegen unsere Sorgen – Angst – Trauer, gegen das, was uns zu Boden drückt. Habt Ihr Profil gewonnen in den zurückliegenden Jahren unseres gemeinsamen Unterrichts? Habt Ihr etwas dazu gewonnen an Vertrauen – Mut – Liebe und Hoffnung? Ich kann das nicht beurteilen. Das müsst Ihr für Euch selbst bewerten. Aber, ich denke – auf zum Beispiel an unsere Konfifreizeit: freundlich miteinander umgehen – jemanden trösten, wenn er/sie traurig ist…mit jemanden etwas erarbeiten in einer kleinen Gruppe, mit dem/der man nicht unbedingt freiwillig etwas zusammen machen würde….

Das zweite gehört eng mit dem ersten zusammen. Mit seinem deutlichen Profil hinterlässt der Treckerreifen Spuren. Natürlich nur, wenn er aus seiner Scheune herausrollt dorthin, wo er gebraucht wird. Auf dem Weg und bei seiner Arbeit drückt er seine Spuren in den Boden. Ein deutliches Zeichen: ich war an der Arbeit! Wo hinterlassen wir Christen Spuren? Klar, gibt es die großen Beispiele: Martin Luther King – Dietrich Bonhoeffer – Desmond Tutu…aber, wie das mit uns – in unserem überschaubaren Lebensbereich?

Vielleicht sind unsere Spuren eher unscheinbar, aber es gibt sie: Freundlichkeit im Umgang mit anderen in der Schule – am Arbeitsplatz – in unseren Familien – in einer Gemeindegruppe; manchmal entdecken wir diese Spuren nicht so leicht – manchmal verwischen sie auch schnell wieder. Aber ohne unsere Spuren wäre unsere Welt ärmer und viel kälter. Das ist wie mit dem Salz und dem Licht in dem Wort von Jesus. Vielleicht kann ich das so sagen: Christen und Christinnen hinterlassen überall da Spuren, wo die „Suppe“ unseres Zusammenlebens „schmackhafter“ – menschlicher wird.; überall da, wo ein bisschen Licht in die Dunkelheiten des Lebens kommt.

Das dritte: ein Treckerreifen braucht Luft, viel Luft – mehr als ein Fahrradreifen oder Autoreifen. Er könnte sonst das Gewicht, das auf ihm lastet, gar nicht tragen. Ein Reifen, dem die Luft ausgeht, kommt nicht weit. Ich glaube, das ist heute ein besonders schwieriger Punkt. Viele Menschen haben nicht die nötige Luft, um ein weiter vor ihnen liegendes Ziel zu erreichen. Sie haben nicht die Ausdauer, die Geduld auf etwas zu warten, etwas wachsen und sich entwickeln zu lassen. Es muss möglichst alles gleich passieren, es muss alles fertig sein, sonst taugt das alles nichts.

Nicht zufällig sagen wir ja auch: unsere Zeit ist kurzatmig geworden. Die Gefahr ist groß, dass unsere Seele dabei nicht mitkommt. Wir brauchen neue Luft, damit wir geduldiger und gelassener leben können – und sein können mit uns und mit den anderen. Einen mit Luft gefüllten Reifen nennt man auch PNEU. Das kommt vom griech. Wort Pneuma und die Bibel versteht darunter : Geist Gottes. Gottes Geist ist die Luft, die uns leben lässt, die uns auch den nötigen langen Atem gibt. Euch Konfirmanden und Konfirmandinnen möchte ich bitten: euch daran zu erinnern, wenn ihr kurzatmig werdet auf eurem Lebensweg. Gottes Geist können wir auftanken: im Gottesdienst – in der Gemeinschaft von Christen, die uns guttut. Kirchengemeinde als Auftankstation!

Und zum Schluss noch ein vierter Anstoß, den mir dieser Reifen gibt. Dieser Treckerreifen ist nur ein Teil vom ganzen Trecker. Ein wichtiger, denn auf drei Rädern wäre das Fahren irgendwie mühsam und ginge auch nicht. Allein kann er auch nichts bewegen und ausrichten. Sinnvoll und nützlich ist der Trecker nur im Zusammenspiel aller Teile. Die Übertragung auf uns Christen und Christinnen liegt auf der Hand: allein sind wir als Christen auf verlorenem Posten. Erst in der Gemeinschaft mit anderen, in der Gemeinde – und in der ökumenischen Gemeinde der Christen können wir etwas bewegen – andere davon etwas erleben lassen, dass die Sache von Jesus auch heute weitergeht.

Ich hoffe, Ihr habt davon in Eurer Konfirmandenzeit eine Ahnung davon bekommen. Konfirmiert werden heißt nicht: aus der Gemeinde und der Gemeinschaft entlassen werden. Ihr – wir – alle haben nichts verstanden, wenn wir als Christen nur im Ersatzteillager vor uns hinschlummern. Jesus hat gesagt: „Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt“! Dann seid Ihr – dann sind wir die Treckerreifen, die Spuren hinterlassen können und sollen, die Gott braucht.

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