Nicht zu klein … (Mk 10,14)

Mk 10,14
[14] Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes.

Liebe Kinder, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen seid Ihr Kleinen hier in unserer Kirche. Hier gilt nicht: „Ihr seid zu klein. Ihr stört.“ Hier gilt ein anderes Motto: „Ihr seid klein. Doch ihr seid ganz wichtig!“ Wir Großen sollen uns nicht so wichtig nehmen, sondern Euch wahrnehmen. Ihr seid ganz wichtig, sagt Jesus, als er ein Kind in die Mitte stellt.

Er sagt: „Lasset die Kinder zu mir kommen. Stört sie nicht. Das Königreich Gottes gehört ihnen. In das Königreich Gottes kommt man nur wie ein Kind.“

Warum Ihr wichtig seid! Weil wir Erwachsenen von Euch lernen können. Etwas, was wir im Laufe unseres Lebens leider verloren haben. Irgendwann auf dem Weg vom Kind zum Jugendlichen hin zum Erwachsenen haben wir dieses Etwas verloren. Was könnte das wohl sein? Dieses „Etwas“, was Kinder haben und Erwachsene fehlt? Ich habe lange nachgedacht, und dann ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen:

1. Kinder hören nicht auf anzufangen. Unter uns ist heute der kleine Simon Alexander. Er ist erst 5 Monate alt. Täglich lernt er Neues zu entdecken. Bald wird er auf allen vieren krabbeln, wenn er ein Jahr alt ist, wird er versuchen, zu laufen. Das klappt beim ersten und zweiten Versuch nicht sogleich. Er muss sich erst einmal festhalten, dann ausprobieren, ob es überhaupt geht. Und siehe, ja es klappt- ein Schritt, zwei Schritt – bautz, da liegt er auf der Nase. Und dann schreit er ordentlich. Die Mama, der Papa sollens hören und kommen. Selbst der Bruder wird angelaufen kommen, um ihn zu helfen. Zunächst gilt es ihn zu trösten, in den Arm zu nehmen, ihn zu loben: „Toll, hast du das gemacht. Prima, die ersten Schritte! So groß bist du schon!“ Und dann: was wird der Kleine machen, ein wenig umherkrabbeln und dann wieder aufstehen, sich festhalten, loslassen und gehen, „Sieh mal, er geht schon 5 Schritte“, lacht seine Mama und ruft: „Komm in meine Arme!“ Doch bautz da liegt er wieder auf dem Boden. Er weint und schreit. Doch nun wird er es immer wieder versuchen, bis es klappt. Das möchte uns Jesus an den Kleinen zeigen. Ihren Mut, immer wieder anzufangen trotz aller Enttäuschung, aller schmerzhaften Erfahrung. So sollten auch wir Erwachsenen sein, Menschen die nicht aufhören anzufangen.

2. Kinder haben ein großes Vertrauen in ihre Eltern. Ein kleine Geschichte möchte ich erzählen: Zwei Lausbuben, vielleicht auch zwei Lausmädchen, spielen draußen im Freien. Die hohe alte Stadtmauer ist sehr verlockend. Und eines Tages haben sie allen Mut zusammengenommen und es geschafft. Sie sind oben und spazieren darauf entlang, als es hinter ihnen kracht. Ein Stück Mauer ist eingesürzt. Ein tiefer breiter Spalt tut sich auf. „Wie kommen wir da runter?“ fragen sie sich. Verzweifelt sitzen sie auf der Mauer und schauen in die Tiefe. Nie und nimmer kommen sie da herunter. Viel zu gefährlich. Da kommt ein Mann vorbei und ruft: „Springt herunter, ich fang euch auf!“ Der eine springt in die Arme des Mannes. Der andere zögert, er will, er kann nicht. „Warum bist Du gesprungen?“ ruft er ängstlich. „Das ist mein Vater. Der ist stark!“ , ruft er lachend zurück.

Seht, liebe Erwachsene, darum sind Kinder so wichtig, sie lehren uns Vertrauen. Jesus erinnert daran, dass Gott nicht nur stark und mächtig ist. Er ist unser Vater. Ihm können wir vertrauen, er enttäuscht nicht. Seht, liebe Kinder, darum seid ihr so wichtig, haltet euer Vertrauen fest. In der Bibel steht das schöne Wort. „Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.“ (Hebräer 10,35)

3. Kinder leben den Tag. Sie sind ganz gegenwärtig. Sie sind auf ständiger Entdeckerreise und sammeln ganz wichtige Eindrücke. Sie entdecken z.B: den ersten Schmetterling auf dem grünenden Zweig. Sie bleiben stehen und können fasziniert zu schauen, beobachten was er macht, sie versuchen ihn zu fangen, ihm nachzujagen. Sie vergessen beim Spielen die Zeit und sie sind enttäuscht, wenn sie gerufen werden: „Es ist Abendzeit. Kommt rein.“ Gewiss kennt Ihr, liebe Kinder, das auch. (Kinder erzählen lassen, was sie Schönes entdeckt haben) Prima. Das finde ich ganz toll. Wir Erwachsene haben das wieder neu zu lernen. Als vor gut zwanzig Jahren Michael Ende das Kinder und Jugendbuch „Momo“ schrieb, habe ich es mit großem Interesse gelesen. An eine Stelle erinnere ich mich noch genau. Da trifft Momo den Besenkehrer Beppo, der nichts anderes tut, als tagaus tagein die Straßen zu kehren. Und er erzählt Momo von seinem Geheimnis: Wenn er immer nur auf das ferne Ende der lange Straße schaue, dann wäre er bald entmutigt, aber er blicke nur einen Besenstrich weit, er setze Besenstrich für Besenstrich und freue sich, wenn er das Ende erreicht hat. Er lebt ganz gegenwärtig. In der Geschichte wird auch er zunächst ein Opfer der grauen Herren, die allen Menschen die Zeit abkaufen. Momo kämpft dagegen mit all ihrer kindlichen Einfalt, die gleichzeitig viel Phantasie gegen den Zeitauskauf entwickelt. Solche Menschen sind gefragt. Von Kindern können wir Erwachsene lernen, wieder ganz gegenwärtig zu leben. Jetzt versteht Ihr vielleicht auch, was Jesus meint: Seid ganz Ohr und Auge für die schönen Dinge, die Gott uns allen geschenkt hat. Da spürt ihr etwas von der Güte und Freundlichkeit, die Gott uns allen schenkt. Da ahnt ihr schon etwas von den tollen Sachen, die Gott uns noch später schenken will. Damit Ihr Kleinen und großen es nicht vergesst, wiederhole ich es noch einmal, warum wir wie Kinder werden sollen: 1. Kinder hören nicht auf anzufangen. 2. Kinder haben ein großes Vertrauen. 3. Kinder leben den Tag.

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