Nehmt einander an wie Christus euch angenommen hat

Text-Jahreslosung 2015:
Nehmet einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob. (Römer 15,7)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!
Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!
Haben Sie auch schon am heutigen Tag oder an den letzten Tagen des alten Jahres 2014 Ihre innere Jahresbilanz gemacht?
Sozusagen kurzfristig geschlossen und Inventur im eigenen Innenleben gemacht, ähnlich wie es die Geschäftsleute machen, wenn sie ihre Warenbestände durchzählen, um einen genaueren Überblick über ihr betriebliches Innenleben zu bekommen?
Rückschau, Rückblick, Retrospektive, Erinnerung an das Jahr 2014 oder "Das war das Jahr 2014", Menschen ‚2014, Bilder und Ereignisse, die die Welt bewegten usw. so heißen die Fernsehsendungen in diesen Tagen, die uns daran erinnern sollen, was alles in diesem Jahr wichtig oder vermeintlich wichtig gewesen ist für den Fortbestand der Menschheit. Diesen Sendungen kann man dann eher innerlich zustimmen, sie manchmal auch als übertrieben empfinden und auch gänzlich ablehnen. Sie provozieren aber unweigerlich dazu und führen einem vor das eigene geistige Auge über das vergangene Jahr nachzudenken.
Und zwangsläufig bilanziert man auch seine Jahreserlebnisse, die positiven und negativen gleichermaßen?!

Was hat Ihnen das fast vergangene Jahr 2014 persönlich und ganz individuell gebracht?

Wo ist in Ihnen in diesem Jahr etwas ganz besonderes gut gelungen?
Worüber habe sie sich gefreut und sind dankbar?
Wo ist das Leben gelungen und war wunderschön?

Wo habe ich Schuld und Versäumnisse auf mich geladen?
Wo und wann habe ich Trauer, Sorge, Angst und Enttäuschung erlebt?

Wo hatte ich mehr Glück als Verstand?
Wo wurde mir einiges nachgesehen?
Fragen über Fragen, auf die jeder und jede selbst sich die besten Antworten geben kann.

Gleichzeitig spekulieren wir über und hoffen natürlich auf das Beste für das neue Jahr 2015. Manchmal ist dies eine sehr begründete und realistische Hoffnung, gelegentlich aber auch purer Zweckoptimismus oder Einbildung. Das nächste Jahr wird wirtschaftlich gesehen wahrscheinlich nicht schlechter werden als das fast vergangene Jahr. Unserem Land, unserer Volkswirtschaft und uns als Bürgern geht es ja schon seit Jahren recht gut im Vergleich zum Rest Europas, von der Welt und deren Problemen ganz zu schweigen.
Wünschenswert, und an die Adresse der Politik gerichtet, wären immer der obligatorische Hinweis auf weniger politisch leere Versprechen für das Jahr 2015 und dem weiterhin bedingungslosen Einsatz der Deutschen Regierung und seiner Bevölkerung für die Erhaltung des Friedens in der ach so kriegerischen Welt

Aber auch privat und persönlich werden heute Nacht wieder viele gute Vorsätze in das neue Jahr hinüber gerettet.
Innere Schwüre und Vorsätze, die im neuen Jahr schnell vergessen sein werden wie z.B. endlich Aufhören zu rauchen, mehr Sport zu treiben oder mehr mit den Kindern und Enkeln zu unternehmen.

Aber auch Vorsätze, die man nicht einhalten kann, weil sie fast nicht einzuhalten sind, wie z.B. die totale und vollständige Veränderung der eigenen Persönlichkeit anderer Menschen zuliebe, werden gefasst. Oder vielleicht hegt mancher auch nur den bescheidenen Wunsch auf ein bisschen mehr Glück, Gesundheit und innerer Zufriedenheit für das kommende Jahr 2015.

Alles ist möglich, vieles erlaubt, aber nicht alles nützt und trägt etwas aus, schreibt schon der Apostel Paulus an die Korinther.

Und an anderer Stelle schreibt der Apostel Paulus an die römische Gemeinde (Römer 15,7):
1 Wir aber, die wir stark sind, sollen das Unvermögen der Schwachen tragen und nicht Gefallen an uns selber haben.
2 Jeder von uns lebe so, dass er seinem Nächsten gefalle zum Guten und zur Erbauung.
3 Denn auch Christus hatte nicht an sich selbst Gefallen, sondern wie geschrieben steht (Psalm 69,10): »Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen. «
4 Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben.
5 Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, Christus Jesus gemäß,
6 damit ihr einmütig mit "einem" Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus.
7 Darum:
NEHMT EINANDER AN, WIE CHRISTUS EUCH ANGENOMMEN HAT ZUM LOBE GOTTES.

Der Apostel mahnt die damalige römische Gemeinde unter- einander und miteinander Solidarität und Nächstenliebe zu üben.
Und gleichzeitig beschreibt er auch, was die Menschen zur damaligen Zeit -ähnlich wie auch heute- in das persönliche und kollektive Unglück trieb.
Die Gier und Unersättlichkeit nach Leben und vermeintlichem Lebenssinn, die in der totalen Niederlage der eigenen chronischen Selbstüberschätzung untergeht. Die Unersättlichkeit nach mehr Besitz, noch mehr ewiger Jugend und noch mehr Wohlstand ohne überhaupt einen Gedanken über Nachhaltigkeit oder gar Generationengerechtigkeit zu verschwenden.
Auch die unbändige Verlustangst und der aufgebrachte Wutbürger-Protest vom eigenen Wohlstand an arme geschundene Flüchtlinge etwas abgeben zu müssen, wo doch teilen auch Freude machen kann. Und Solidarität und Mitgefühl ein Zeichen einer humanen Gesellschaft sind. Und immer hoch zu Ross sitzen und der Logik des ewigen Höher, Schneller und Weiter zu frönen und nur an sich oder seine Sippe zu denken führen in die gesellschaftliche und persönliche Sackgasse.
Burnout, ausgebrannte Seelen, der permanente Selbstoptimierungswahn, die ewige Monstranz der Jugend und Gesundheit und die gnadenlose Leistungsgesellschaft scheinen dies von uns zu fordern. Viele wissen das, kommen aber aus diesem Teufelskreis der modernen Leistungsgesellschaft und der Orientierungslosigkeit im Leben nicht heraus

Und so stellen sich die Fragen:
Wo im Rückblick und im Vorblick auf unser Leben geben wir Gott mit unseren Sehnsüchten, Wünschen, Handlungen und Ideen genügend Raum?

Wo lassen wir uns in Frage stellen und wo lassen wir uns durch andere aus unseren inneren Zwängen befreien?

Wo geben wir der Hoffnung auf ein gutes Miteinander und Solidarität aller miteinander, genügend Raum?

Liebe Schwestern und Brüder,
konzentrieren bei den nun folgenden Überlegungen wollen wir uns auf das brüderliche Miteinander, die Eintracht, die Annhame durch Gott, das Teilen und die Nächstenliebe.
Doch davor braucht es Glaube, Liebe und Hoffnung, die uns als Handlungsmaxime unsere Gesellschaft voranbringen.
Hoffnung und Wille, dass wir etwas voranbringen und mit Freude in die Zukunft schauen.
Hoffnung, die nicht zuschanden wird. Hoffnung, die noch als Licht flackert, wenn alles Dunkel und finster scheint. Hoffnung, die als gewaltige Auferstehungshoffnung davon verkündet, dass der Tod nicht das Ende aller Dinge ist, sondern vom Sieg der Liebe Gottes in der dann anbrechenden Ewigkeit verheißt.
Hoffnung darauf, dass das Leben auch dann weitergeht, wenn es momentan an einen End- oder Wendepunkt angelangt ist.

Hoffnung ist eines der stärksten Elemente des Lebens, ein gewaltiger Verkündigungsinhalt des Christentums, die Einbeziehung der je eigenen Zukunft unter der Obhut und Liebe Gottes. Gott schenkt uns im Glauben immer wieder neue Hoffnung. Hoffnung auf eine persönliche Veränderung, Hoffnung auf die notwendige Umkehr, Hoffnung auf eine Zukunft mit Gottes Anwesenheit.
Der atheistische Philosoph Ernst Bloch hat über die Hoffnung ein dreibändiges Werk geschrieben, das den Titel: "Das Prinzip Hoffnung" hat und dabei die hoffnungsspendende Dimension des Christentums gelobt, vor allem die großen Hoffnungsbegriffe "Auferstehung" und Erlösung.
Vom Prinzip Hoffnung, von der Hoffnung auf bessere Lebensverhältnisse leben viele Menschen. Das Prinzip Hoffnung war und bleibt ein ewigwährender Antrieb für die menschliche Existenz. Hoffnung ist lebensnotwendig.

Die Bibel erzählt immer wieder neu von dieser Hoffnung, von der Geschichte Gottes mit uns Menschen, und wie Gott die Hoffnung der Menschen nicht nur nährt, sondern durch seine Gegenwart immer wieder stillt und erfüllt. Und wie aus der Hoffnung neue Taten und d neues Leben wurde.
Dies ist bei den Erzvätern Abraham, Isaak und Jakob zu sehen, bei Josef, dem Volk Israel und seinem Auszug mit Mose aus Ägypten, der Einwanderung ins gelobte Land, im Königtum, bei den Heil und Frieden verkündenden Propheten oder im Dank oder der Klage der Psalmen; überall schimmert die lebensnotwendige Hoffnung durch. Teils als große leuchtende Feuersäule, teils als bittende Klage im Psalm.
Gott schenkt uns seine Hoffnung.
Im Neuen Testament ist die Hoffnung im Glauben menschlich geworden. Gottes Hoffnung für uns Menschen wurde zum Mensch, um uns nahe zu kommen.
Jesus Christus verkündet uns selbst:
"Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“
( Matthäus 28, 20) "Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“
Das bedeutet, auch Sinn der Jahreslosung: ich habe die Hoffnung und den festen Glauben, dass Gott mich angenommen hat, so wie ich bin.
Nicht nur heute, sondern auch morgen.
Da ist einer, der mich führt, leitet und so nimmt wie ich bin.
Das ist die Verkündigung der immerwährenden Hoffnung Gottes an uns. Die Hoffnung auf seine Anwesenheit in guten und schlechten Tagen wie es im Trauversprechen heißt. Durch dieses Wort können wir getrost ins neue Jahr gegen, immer mit der Hoffnung auf Gottes Anwesenheit,
immer mit der Zusage seiner leuchtenden Nähe und Freundlichkeit,
immer mit der Nähe seiner Liebe und liebenden Zuwendung auch im Leid und beim Leid,
immer mit der Verheißung Jesu im Rücken, die neuen Mut zum Leben gibt.
Da ist einer, der war, ehe du zu leben begannst, und sein wird, wenn du längst nicht mehr atmest. Alle Tage.
Spüren Sie die tiefe Hoffnung, die aus diesem Jesus Wort heraus schimmert!
Für diese in Hoffnung verheißene Nähe und Freundlichkeit können wir dankbar sein, so wie wir dankbar sind für alle Menschen die uns durch das alte Jahr begleitet haben und uns auch im neuen Jahr zur Seite stehen werden.
Von dieser Hoffnung, dem Angenommen Sein durch Gott und von diesem festen Vertrauen in die Zukunft an Gottes Hand wünsche ich uns allen ganz viel für das bald beginnende neue Jahr 2015.

Dietrich Bonhoeffer hat diese Hoffnung und diese Annahme durch Jesus Christus in ein Gebet gefasst:
Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Amen.

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