Muss ein Christ an die Auferstehung glauben?

Was kommt nach dem Tod? Kommt da noch was?

Meistens lässt uns diese Frage kalt.

Außer, wenn ein Mensch gestorben ist, der uns nahe gestanden ist, der uns viel bedeutet hat und der uns jetzt fehlt.

Und jedes Jahr an Ostern wird diese Frage auch gerne gestellt.

Denn Weihnachten und Ostern ist Hochsaison für Glaubensthemen in den Medien.

Da werden oft auch Umfragen und Untersuchungen ausgewertet über die Frage:

Was glauben die Deutschen?

Und dabei ist auch oft interessant zu schauen, wie sich das im Lauf der Zeit verändert.

Was ich total interessant finde:

Es gibt Glaubensbereiche, in denen wächst der Glaube der Deutschen.

Ein paar Beispiele:

Es gibt irgendeine überirdische Macht

Es gibt Schutzengel

Es gibt Wunder

Bei diesen drei Themen liegt inzwischen der Anteil der Deutschen, die das glauben, je nach Umfrage zwischen 50 und 60 % – also eine Mehrheit.

Tendenz steigend.

Unter den Glaubensinhalten, die an Gläubigen verloren haben, ist der Glaube an die Auferstehung der Toten (30 zu 38)

Und bemerkenswert ist: Die Zahlen sind bei Christen (Kirchenmitgliedern) nicht höher!

Also:

Es gibt viele Menschen, die sich als Christen bezeichnen, die einer Kirche angehören, aber die bekennen: Ich glaube nicht an die Auferstehung der Toten.

Christen, die nicht an die Auferstehung glauben.

Aber wie ist das überhaupt? Muss man als Christ an die Auferstehung glauben?

Das wird jetzt vielleicht viele überraschen, aber die ersten Christen haben alle nicht an die Auferstehung geglaubt!

Christ ist, wer Jesus Christus nachfolgt.

Die ersten Nachfolger, die Jesus hatte, also die ersten Christen sozusagen, das waren seine Jünger.

Die 12 Apostel. Petrus und Andreas. Johannes und Jakobus, Thomas und wie sie noch alle hießen. Und dazu auch noch eine Menge anderer. Darunter waren übrigens auch eine Menge Frauen.

Das war damals echt schockierend. Ein Rabbi, der mit Frauen redet, ja sie sogar als Jüngerinnen unterrichtet und mitnimmt – unglaublich. Geht gar nicht.

Bei Jesus geht vieles, was gar nicht geht. Er hat sich sogar von Frauen finanzieren lassen. Unglaublich.

Diesen Jüngern hat er immer wieder gesagt:

Leute, ich werde sterben, und nach 3 Tagen werde ich auferstehen. Wieder lebendig sein.

Und die Jünger – haben es nicht geglaubt.

Das haben sie sich einfach nicht vorstellen können.

Denn es hat allem widersprochen, was sie als fromme Juden geglaubt haben.

Eine Auferstehung am Ende der Welt, wenn der Messias wiederkommt – ja, darauf haben sie gehofft.

Aber dass das schon jetzt, sofort und nicht allgemein, sondern in einem einmaligen Spezialfall geschehen soll – das konnten sie sich nicht vorstellen.

Das hat ihre Vorstellungskraft gesprengt.

Und als dann der Ernstfall eingetreten ist, am Karfreitag, als Jesus amtlich bestätigt mausetot war, haben da die Jünger gesagt:

Na ja, macht nix. In drei Tagen ist er ja wieder lebendig. Und solange machen wir halt Party.

Nein. Haben sie nicht. Sie waren am Boden zerstört. Völlig verzweifelt. Denn jetzt ist alles aus. Tot ist tot. Aus und vorbei. Ihr einziger Gedanke war: Wie können wir uns unauffällig aus dem Staub machen und ungeschoren aus der ganzen Affäre herausmogeln?

Am besten, indem wir erstmal untertauchen. Uns verstecken. Uns einsperren.

Und dann kam der Ostersonntag.

Und auf einmal stand Jesus bei ihnen. Obwohl die Türen und Fenster zugesperrt waren. Auf einmal war er da.

Haben sie dann an die Auferstehung geglaubt?

Nein.

Haben sie nicht.

Sie haben geglaubt, dass sie ein Gespenst sehen.

Es ist richtig komisch nachzulesen, welche Mühe Jesus hatte, seine Jünger davon zu überzeugen, dass er kein Gespenst ist, sondern – eben – auferstanden ist.

Er hat sich anfassen lassen. Er hat ein Stück Fisch vor ihren Augen gegessen.

Dann ist es seinen Jüngern so langsam gedämmert.

Das hat sich mehrmals so ereignet:

Auferstehung – das kann ich nicht glauben.

Bis sie dem Auferstandenen begegnet sind.

Thomas.

Die Emmaus Jünger.

Petrus.

Jakobus – der Bruder von Jesus – einmal über 500 Menschen auf einmal, und schließlich auch Paulus, dem Christenverfolger.

Was heißt das für uns und unsere Frage: Muss man als Christ an die Auferstehung glauben?

Es heißt: Nein.

Es ist normal für einen Christen, nicht an die Auferstehung zu glauben, solange er dem Auferstandenen nicht begegnet ist.

Solange er ihn noch nicht erlebt hat.

Umgekehrt heißt das auch:

Es ist normal für einen Christen, sich danach zu sehnen, sich danach auszustrecken, dem Auferstandenen zu begegnen.

Um es den ersten Jüngern nachzumachen.

Und um Gewissheit zu bekommen.

Und wie geht das?

Indem man darum bittet:

Jesus, mach dich in meinem Leben bemerkbar.

Zeig dich mir.

Begegne mir.

Zwei wichtige Bedingungen müssen dabei beachtet werden:

  1. Aufrichtigkeit.

Das muss ein ehrlicher Wunsch sein. Verbunden mit der Bereitschaft, wenn er sich bemerkbar macht, ihm auch das Ruder zu überlassen. Nicht so nach dem Motto:

Komm Herr Jesus, sei du unser Gast,

und lass mal unverbindlich hören, was du uns vorzuschlagen hast.

Nein, so geht das nicht. Es geht auch nicht einfach so Neugierde halber.

Da, wo ein Mensch tief in seinem Herzen die Sehnsucht hat, Jesus zu erfahren, ihn im seinen Leben zu erleben, um Gewissheit zu bekommen, um Frieden und Erlösung zu bekommen, da wird Jesus reagieren. Früher oder später. Totsicher. Garantiert.

Und wo jemand einfach so spaßeshalber mal sagt: na, wollen wir doch mal sehen, ob es dich gibt. Nur so interessehalber.

Da wird nix passieren.

Das ist die erste Bedingung.

Und die zweite Bedingung ist:

Augen auf und sei bereit für das Unerwartete.

Ich bin mir sicher: Jesus ist schon vielen Leuten begegnet, und sie haben es verpennt. Sie haben es gar nicht gemerkt. Weil sie nicht damit gerechnet haben. Oder weil sie nicht SO damit gerechnet haben. Weil sie bestimmte Erwartungen hatten und es dann anders war.

So wie es den Jüngern gegangen ist, die nach Emmaus unterwegs waren. Jesus ist mit ihnen gegangen – und sie haben es nicht gemerkt.

Jesus ist sehr kreativ und sehr vielseitig. Und er liebt das Unerwartete. Er liebt Überraschungen.

Also: Augen auf und weg mit fixen Vorstellungen, wie das sein müsste.

Ich gebe hier mal ein Beispiel, wie das sein kann, wie man diese Begegnung erleben kann: Martin Luther King, der Baptistenprediger und Bürgerrechtler hat es so erzählt:

Eines Abends Ende Januar 1956 – zwei Monate nach Beginn des Busboykotts in Montgomery – ging ich nach einem anstrengenden Tag erst spät zu Bett. Coretta – meine Frau – schlief schon. Als ich gerade am Einschlafen war, läutete das Telefon. Eine wütende Stimme rief: Hör mal, Nigger, wir werden uns an dir rächen. Noch in dieser Woche wirst du es bereuen, dass du nach Montgomery gekommen bist. Ich legte auf, aber ich konnte nicht schlafen. Es war mir, als würde alle Angst und Not der letzten Wochen auf einmal über mich hereinbrechen. Ich war am Ende meiner Kraft.

Ich stand wieder auf und lief im Korridor auf und ab. Schließlich ging ich in die Küche und machte mir eine Tasse Kaffee. Ich wollte den Kampf aufgeben. Ohne den Kaffee anzurühren, saß ich am Küchentisch und grübelte darüber nach, wie ich von der Bildfläche verschwinden könnte, ohne als Feigling zu erscheinen. In diesem Zustand äußerster Erschöpfung und völliger Mutlosigkeit legte ich Gott meine Not hin. Den Kopf in den Händen betete ich laut. Die Worte dieser mitternächtlichen Stunde sind mir noch in lebendiger Erinnerung: Herr, ich glaube, dass ich für eine gerechte Sache kämpfe. Aber jetzt habe ich Angst. Die Leute sehen auf mich als ihren Führer, und wenn ich ohne Kraft und Mut vor ihnen stehe, werden sie auch wankend werden. Ich kann nicht mehr weiter. Ich habe den Punkt erreicht, wo ich es allein nicht mehr schaffe.

In diesem Augenblick erlebte ich die Gegenwart Gottes wie nie zuvor. Mir war, als hörte ich eine innere Stimme, die mir Mut zusprach:

Steh auf für die Gerechtigkeit! Stehe auf für die Wahrheit! Und Gott wird immer an deiner Seite sein.

Fast augenblicklich waren meine Ängste dahin. Meine Unsicherheit verschwand. Ich war bereit, allem ins Auge zu sehen.

 

Ein Mensch voller Angst und Verzweiflung ruft Gott um Hilfe.

Und er erlebt:

Gott ist da.

Gott gibt es echt.

Und diese Erfahrung verändert ihn.

Er ist dem Auferstandenen begegnet,

und diese Begegnung macht ihm Mut,

nicht zu resignieren,

sie gibt ihm Kraft aufzustehen.

Sie gibt ihm die Kraft,

den Hass auszuhalten und zu überwinden.

Auf dem Weg zur dieser Jesus-Begegnung ist erfahrungsgemäß vielen ihr Intellekt, ihr Verstand im Weg.

Und der sagt: Auferstehung? Das ist doch etwas für ungebildete oder naive Leute!

Wer kann sich denn bei dem heutigen Stand der Wissenschaft noch erlauben, an die Auferstehung zu glauben?

Diese Geschichten von Jesus und seiner Kreuzigung und seiner Auferstehung – das sind doch nur Legenden, schöne Geschichten, die sich irgendwer halt ausgedacht hat.

Wobei genauer betrachtet das Problem bei vielen weniger ihr Verstand als eher ihre Vorurteile und ihr Halbwissen oder Unwissen ist.

Vor fast 100 Jahren hat sich ein junger Rechtsanwalt namens Frank Morison in England über so viel Blödsinn geärgert. Mit Blödsinn meinte er den Auferstehungsglauben. Seiner Ansicht nach gehörte das Leben von Jesus zwar zu den herausragendsten der Menschheit, aber bezüglich der Auferstehung glaubte er, es hätte jemand einen Mythos eingeflickt.

Dabei ging er davon aus, dass eine rationale, intellektuelle Annäherung an Jesus seine Auferstehung fast automatisch widerlegen würde. Und das hat er dann getan.

Als Jurist sicherte er sich alle vorhandenen Schriften und arbeitete ganz präzise nach den Kriterien eines heutigen Gerichts. Aber während der Recherche geschah etwas Erstaunliches – je mehr er sich in die Tatsachen hineinarbeitete, geriet er mit seinen eigenen Überzeugungen ins Wanken. Als Ergebnis schrieb er 1930 ein Buch – „Who moved the Stone“ – wer hat den Stein weggerollt. Er kam zu der Überzeugung: Christus ist auferstanden!

Da Geschichte nicht durch Versuche wiederholbar ist, arbeiten Historiker eben nicht wie Naturwissenschaftler (die auf Wiederholbares ausgerichtet sind), sondern wie Juristen. Sie rekonstruieren vergangene Ereignisse aufgrund von Quellen, Indizien und Zeugenaussagen; sie führen also einen „Indizienprozess“. Und damit kannte er sich als Jurist gut aus.

Die Quellenlage ist übrigens sehr gut. Es gibt kein Buch aus der Antike, das auch nur annähernd so gut und zuverlässig überliefert worden ist wie das Neue Testament.

Und ich bin überzeugt:

Wer unvoreingenommen selber in diesen Quellen nachforscht, wer selber darüber nachdenkt und sich nicht auf Hörensagen verlässt oder hirnlos nachplappert, was irgendein Journalist darüber schreibt, wer sich diese Mühe macht, der wird zu dem gleichen Ergebnis kommen wie Frank Morison.

Jesus war wirklich tot.

Sein Grab war wirklich leer.

Und zwar definitiv nicht, weil jemand die Leiche weggeschafft hat.

Sondern weil etwas Unglaubliches passiert ist.

Das einer, der tot war, wieder lebendig war.

Und vielen Menschen begegnet ist.

Und das hat diese Menschen zuerst erschreckt, dann hat es sie umgehaut und dann ihr Leben total auf den Kopf gestellt.

Aus ängstlichen Feiglingen wurden todesmutige Bekenner.

Aus dem Chef-Christenverfolger wurde mit einem Schlag der fleißigste Missionar.

Das ist keine Einbildung.

Das ist Wirklichkeit.

 

Am Anfang haben wir die Frage gestellt:

Was kommt nach dem Tod? Kommt da noch was?

Die Auferstehung von Jesus sagt uns:

Ja. Dann geht es erst richtig los.

Und wir werden unsere Verstorbenen wiedersehen.

Totsicher.

Denn der Tod ist besiegt.

Und das verändert alles.

So hat es auch Martin Luther King erlebt.

Am Tag vor seiner Ermordung hielt MLK seine letzte Predigt.

Am Ende seiner Predigt sagte er folgendes:

Ich mache mir keine Sorgen mehr, denn ich bin auf dem Gipfel gewesen.

Und ich habe hinüber gesehen, und ich habe das gelobte Land gesehen. Vielleicht komme ich nicht zusammen mit euch dorthin.

Aber ich will, dass ihr heute Abend wisst, dass wir, als ein Volk, in das gelobte Land kommen werden.

Ich bin heute Abend sehr glücklich.

Ich mache mir keine Sorgen um nichts.

Ich habe keine Angst vor niemanden.

Denn meine Augen haben den Glanz des kommenden Herrn gesehen.

Mine eyes have seen the glory of the coming of the lord.

MLK hat den Auferstandenen gesehen.

Und das nahm ihm alle seine Sorgen.

Und das nahm ihm alle Angst.

Die Herren dieser Welt gehen.

Unser Herr kommt.

Denn er ist auferstanden.

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