Mit Liebe umfangen (Joh 3,16)

Joh 3,16
[16] Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Liebe Familie Xxx, liebe Familie Xxx, liebe Angehörigen und Freunde, liebe Trauergemeinde.

Diesen Freitag wurde unser Bruder in Christo Xxx vor seinen Schöpfer gerufen. Mit 60 Jahren ist der Tod zu ihm gekommen, ein zu junges Alter und für seine Familie schmerzlich genug, v.a., weil sein Sterben so überraschend kam. Unser Bruder in Christo verschied in einem Krankenhaus in Nürnberg, in welches er eingeliefert worden ist wegen einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Die Angelegenheit wurde so ernst, dass man ihn in ein künstliches Koma versetzen musste. Knapp vier Wochen später starb er unter den Augen seiner Familie.

Umso wichtiger, ja umso kräftiger ist angesichts dieses Unglücks der Konfirmationsspruch unseres Bruders in Christo, der ihm seinerzeit als Bibelwort mit auf den Lebensweg gegeben worden ist. Ich möchte das Andenken an Herrn Xxx unter dieses Wort stellen. Wir lesen es im Evangelium nach Johannes im dritten Kapitel, den 16. Vers: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

Gott hat die Welt geliebt, liebe Gemeinde, und liebt sie bis heute so sehr, dass er selbst sich in Jesus Christus zu uns begeben hat. In unsere Leid hinein, in unseren Tod hinein. So sehr, dass er einen demütigen menschlichen Tod am Kreuz gestorben ist und dort das erfahren hat, woran wir alle im Leben immer wieder zu schlucken haben: die Gottesferne am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“ So sehr hat er die Welt geliebt und liebt sie noch bis heute. Aber der Tod hat nicht das letzte Wort behalten. In der Begegnung mit Christus Jesus wurde ihm die Macht genommen. Christus ist auferstanden, er ist zum Erstling dieser neuen Welt geworden. Und wir, liebe Gemeinde, folgen ihm nach in unserem Tod, in unserem Sterben. Wer an Christus glaubt, so sagt es der Konfirmationsspruch unseres Bruders in Christo, der wird dieses ewige Leben haben. Etwas Unverbrüchlicheres, etwas Gewisseres werden wir in diesem Leben nicht bekommen, als diese Aussage, diese Zusage, diesen Bund, den Gott mit uns geschlossen hat. Wenn wir heute Herrn Xxx beerdigen und Abschied nehmen müssen von seinem Dasein hier auf Erden, dann dürfen wir doch gleichzeitig uns auf diesen Glauben berufen, den Herr Xxx in seiner Konfirmation bekräftigt hat: wer an Christus glaubt, kommt zum neuen Leben. Heute dürfen wir Xxx in diesem neuen Leben glauben.

An dieser Stelle leihen wir unserem Bruder in Christo diese Sprache des Glaubens. Er hätte sich selber wahrscheinlich so nicht ausgedrückt. Mehr noch: es ist ihm wohl schwer gefallen seinen Gefühlen überhaupt Ausdruck zu verleihen. Das war seine Art nicht. Nicht mit der Sprache, nicht mit dem Wort. Seine Art war eine andere, nach all dem, was mir von ihm berichtet worden ist. Seine Art war die Arbeit – sein Leben lang. Hat er den Tag über ordentlich geschafft, so war er zufrieden. Dort hat er dann auch mal kräftige Gefühls-Worte zur Arbeit hin gesprochen, v.a., wenn etwas nicht funktioniert hat. Alles war dann geordnet und gerechtfertigt. Herr Xxx hat ja hier in Xxx seine Lehre begonnen und war bis vor vier Jahren auch noch in demselben Betrieb, freilich unter einem neuen Chef, hier in Xxx beschäftigt. Überhaupt: sein Xxx – davon hat er nicht gelassen. Obwohl die Heirat und dann die Familie ihn nach Xxx verschlug, ist er doch nie ein richtiger Xxxer geworden. So habe ich es gehört: „zum Übernachten ist er dann wieder nach Xxx gefahren!“ Seine Heimat blieb unser Ort hier – deswegen wird er auch heute hier beerdigt. Es wäre wohl sein Wunsch gewesen. Hier war er verbunden über die vielen Jahre mit seiner Arbeit und seinen Freunden und dem worin er sich engagiert hat: die Feuerwehr bei uns, lange Jahre war er als Aktiver dabei. Der Schützenverein hier bei uns, lange hat er dort die Kasse geführt. Die Geselligkeit hat ihm und ich denke, auch vielen von uns, große Freude bereitet. Manch einer weiß auch noch, wie er eine zeitlang eine bestimmte Sonntagszeitung hier am Ort ausgetragen hat.

Den Weg in die Kirche hat er nicht sehr häufig gefunden, vielleicht hing es mit eben jener Art zusammen, die ihm die Tat und die Arbeit so vorrangig erschienen ließen. Vielleicht hat er das, was er im Herzen glaubte, so versucht umzusetzen: hilfsbereit, so habe ich es mir sagen lassen, sei er gewesen: ein „Nein“ hat er eigentlich nicht sagen können. Manchmal hat er die Dinge der Arbeit benutzt, um seine Gefühle den Menschen gegenüber zeigen zu können: die Erträge der Bienenvölker und des Gartens, die er hier noch über sein Elternhaus hatte, hat er mit Freude verschenkt, wie um auszudrücken: „du bist mir sehr wichtig.“

Wir glauben unseren Bruder in Christo deshalb in Christus aufgehoben und wiederum mit seiner Liebe umfangen. Wir glauben auch, dass Christus bei ihm war in der folgenden Zeit, nach der Beendigung seiner Arbeitstelle, in der Zeit, die ihm zunehmend schwerer gefallen ist. Ein Schlaganfall und der Zucker machten ihm zu schaffen. Sie hinderten ihn daran, so zu arbeiten, wie er wollte. Er war gezwungen, mehr Zeit verbringen, die in seinen Augen untätig war und die Frage stiegen in ihm auf, wozu er denn noch gut sei auf dieser Welt. Vielleicht sehen einige in seinem frühen Sterben auch den Trost, dass er keine langen Jahre ohne seine Arbeit bleiben musste.

Gott hat die Welt geliebt, liebe Gemeinde, so sehr, dass er seinen eingeborenen Sohn gab. Wenn Gott die Welt liebt, so schafft er auch Möglichkeiten in ihr zu leben. Martin Luther hat darauf hingewiesen, wenn er davon spricht, dass jeder Christ seinen guten Gottesdienst in dem tun soll, was ihm zugewiesen ist. Dort zählt die Arbeit des Gelehrten genauso wie die Arbeit mit der Körperkraft. Ein jeder in seinem Stand. Wir sind gewiss, dass unser Bruder in Christo in seinem Stand dieses Wort erfüllt hat. Wir sind gewiss, dass er von der Liebe Gottes zu seiner Welt und zu ihm selbst gewusst hat und es in sich auch fühlen durfte.

So bleiben wir auch gewiss, dass auch der zweite Teil seines Konfirmationsspruches ihm gelten darf: Christus hat ihn in sein neues, ewiges Leben gezogen.
Wir bleiben zurück, diesseits der Schwelle und sprechen mit Hoffnung die Worte des Konfirmationsspruches von Herr Xxx nach: „Alle, die an Christus glauben werden das ewige Leben haben.“

Er ist bereits dort, wo kein Leid und kein Schmerz, keine Beeinträchtigung und kein Tod mehr Macht haben. Der Grabstein, zu dem wir gleich gehen werden ist für uns gedacht: als Ort der Erinnerung, als Ort der Sammlung. Herr Xxx aber ist uns schon voraus.
Uns bleibt, dem zu entsprechen, woraufhin sich unser Bruder in Christo hat konfirmieren lassen: selber Zeugnis zu sein von dieser Liebe Gottes an der Welt. Selber Zeugnis zu sein von dieser Gewissheit der Erettung in Christus Jesus und darin die Familie unseres Toten – soweit wir es vermögen – zu stärken und ihr beizustehen.

„Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

Und der Friede Gottes, der euch die Gewissheit des neuen Lebens bringen möchte, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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