Mit Abraham und Sara ins Unbekannte. Schulanfangsgottesdienst im Corona-Jahr

In einer fernen Zeit. In einem fernen Land. In Ur in Chaldäa. Eine große Familie stammte von dort. Zwei von ihnen: Abraham und Sara. Hier seht ihr sie. Sie hatten viele Tiere: Ziegen, Schafe. Und sie hatten sich. Es ging ihnen gut. Bis eines Tages
Abraham! Sara!
Sie blickten umher. Hat uns jemand gerufen, fragten sie. Aber niemand war zu sehen. Wir werden es uns eingebildet haben, zuckten sie mit den Schultern und lachten.
Abraham! Sara!
Wieder die Stimme. Diesmal schüttelten sie verwundert den Kopf. Erst als sie ihre Namen zum dritten Mal hörten, fragten sie sich, ob wohl Gottes Stimme zu ihnen redete. Und diesmal sprach sie weiter.
Abraham! Sara! Geht weg von hier! Abraham und Sara sahen sich ratlos an. Wohin sollen wir denn gehen?
Geht in ein anderes Land.
Ein anderes Land? Alle ihre Verwandten wohnten hier. Sie hatten es hier so gut. Und überhaupt: Wo sollte dieses Land denn liegen?
Geht in ein Land, das ich euch zeigen werde.
Abraham und Sara konnten es kaum fassen. Sie sollten ihre Zelte abbrechen, ihre Sachen zusammenpacken und mit Sack und Pack losgehen, zu Fuß in ein fernes Land, von dem sie nicht einmal wussten, wo es lag?! Ist das nicht doch ein Hirngespinst, fragten sie sich, bis die Stimme noch einmal zu ihnen sprach:
Ich will euch segnen. Und ihr sollt ein Segen sein, für euch und für alle, die nach euch kommen.

Gott geht mit uns, fassten sie sich ein Herz. Sie begannen zu packen. Der Abschied fiel ihnen schwer. Manche Träne lief. Sie winkten zum Abschied.   [gemeinsam: winken]
Aber manche zeigten ihnen auch einen Vogel. Weggehen und nicht wissen wohin – sie sind völlig übergeschnappt! [gemeinsam: Vogel zeigen]

Weggehen und nicht wissen wohin – vielleicht kennen einige von euch das auch? Ihr kommt in die Schule. Vorher habt ihr euch vielleicht gefragt:  Wie wird die Lehrerin sein, der Lehrer? Neben wem werde ich sitzen? Werde ich alles verstehen? Inzwischen geht ihr schon zwei Wochen zur Schule und wisst besser Bescheid. Doch dieses Schuljahr ist für alle ungewohnt und neu: Unterricht mit Maske, Abstandhalten, Desinfektionsmitteln. Werden alle gesund bleiben, Kinder, Eltern, Lehrer*innen? Wie lange werden wir zur Schule gehen können? Müssen wir wieder zuhause lernen, wie im Frühjahr? Wie geht es weiter mit den Abstandsregeln? Das alles kann niemand voraussagen. Es ist ein bisschen wie bei Abraham und Sara: weggehen und nicht wissen, wo sie ankommen. Und tatsächlich, für Abraham und Sara wurde es ein weiter Weg.

Es ist alles so unbekannt und neu, wo wir langkommen, brach es eines Tages aus Sara heraus. Früher war mir alles vertraut und ich kannte mich aus. Aber nun – jeden Tag Neues und Unbekanntes, klagte sie.
Kennt ihr dieses Gefühl auch? Wenn ihr noch nicht alle Ecken in eurer Schule kennt? Viele neue Gesichter. Es dauert Zeit, sich da zurechtzufinden. Und auch die Erwachsenen murren manchmal: Andauernd neue Regeln, immer müssen wir uns umstellen!

Nach ein paar Wochen plagte Abraham das Heimweh besonders schlimm. Ich sehne mich so nach meiner Familie, vertraute er Sara an. Da nahm sie ihn ganz lieb in den Arm und streichelte ihn lange. So wurde es besser. [gemeinsam für Familienangehörige: in den Arm nehmen und streicheln]
Eines Mittags hatten sie sich verirrt. Sie waren in einer Sackgasse gelandet und kamen nicht weiter. Dabei war ihnen der Weg so aussichtsreich erschienen. Nun mussten sie umkehren, noch dazu in der größten Hitze. Sie machten eine Pause, wischten sich den Schweiß von der Stirn und suchten einen anderen Weg. Nach einer Weile merkten sie, dass sie hier tatsächlich besser vorankamen. [gemeinsam: Schweiß von der Stirn wischen]

Abraham und Sara wussten nicht, dass sie sich noch oft verirren würden. Einmal bekam Abraham so große Angst, dass er Sara im Stich ließ und schwindelte. Ich bin nicht mit ihr zusammen, behauptete er, sie ist nur meine Schwester, nicht meine Frau. Zum Glück ging alles gut aus.
Fehler machen und sich irren, das passiert allen Erwachsenen und allen Kindern. Selbst Wissenschaftler*innen können sich irren, etwa welche Maßnahmen wirksamer gegen Corona sind als andere. Doch Fehler können sehr wichtig sein, weil wir aus ihnen manchmal mehr lernen, als wenn alles klappt. So stapften Abraham und Sara tapfer voran, über zahllose Wege und eben auch Umwege.

Und irgendwann waren sie endlich da.
Das ist das Land.
Verwundert blickten sie sich um. Das sollte das Land sein? Warum sind wir hierher losgegangen, fragten sie. Und Gott antwortete ihnen:
Ich will euch segnen.   {Pause}
Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.
So kam es auch. Gott hat Abraham und Sara gesegnet. Sie bekamen zwei Söhne, Ismael und Isaak. Und die bekamen wieder Kinder und Kinder, ein ganzes Volk. Abraham und Sara wurden zu Stammeltern des jüdischen Volkes.

Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein, das sagt Gott auch zu uns. Ihr geht in die Schule, und das neues Schuljahr ist diesmal für alle so unbekannt wie das ferne Land, in das Abraham und Sara ziehen sollten. Es wird spannend, es wird anstrengend, manchmal geht alles durcheinander, vielleicht auch zurück, hoffentlich macht es immer wieder Spaß. Gott ist bei euch und begleitet euch, was immer geschieht. [gemeinsam: sich gegenseitig segnen] Amen.

Lied: Geh, Abraham, geh, mach dich auf den Weg

Geschichte zum Vorlesen und Mitmachen  beim Familiengottesdienst zum Schuljahresbeginn im Corona-Jahr.

Andere gespielte Predigten: hier
Mehr Predigten von Margot Runge: www.queerpredigen.com

Zur Durchführung:
Gottes Stimme ist kursiv gesetzt und ist natürlich nur zu hören.
Mitmach-Aktionen sind in eckigen Klammern vorgeschlagen.
Abraham und Sara können von 2 Personen pantomimisch dargestellt werden; sie stellen jeweils dar, was erzählt wird (umherblicken, sich fragen, mit den Schultern zucken usw.)
Die Erzähl-Stimme kann auch geteilt werden: eine Person liest die Handlung, eine andere die Reflexion.

An Geschichte und Lied kann sich unmittelbar die Segnung der Schulanfänger*innen anschließen.
Um den Hygiene-Vorschriften zu genügen, könnten die Familien sich mit Abstand im Altarraum hinstellen. Dort segnen die Eltern ihre Kinder, während der Segen abschnittweise vorgesprochen wird.

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