Mir gehört doch alles (1. Kor 3,18-23)

1. Kor 3,18-23
[18] Niemand betrüge sich selbst. Wer unter euch meint, weise zu sein in dieser Welt, der werde ein Narr, daß er weise werde. [19] Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott. Denn es steht geschrieben (Hiob 5,13): »Die Weisen fängt er in ihrer Klugheit«, [20] und wiederum (Psalm 94,11): »Der Herr kennt die Gedanken der Weisen, daß sie nichtig sind.« [21] Darum rühme sich niemand eines Menschen; denn alles ist euer: [22] es sei Paulus oder Apollos oder Kephas, es sei Welt oder Leben oder Tod, es sei Gegenwärtiges oder Zukünftiges, alles ist euer, [23] ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde,

beginnen möchte ich mit zwei Worten aus dem Predigttext, die vielen Jugendlichen Mühe beim Verständnis gemacht haben. Als ich gefragt habe, was versteht ihr nicht, dann wurden die Wörter töricht bzw. Torheit genannt. Schaut man im Duden nach, dann findet sich unter Torheit die Erklärung Dummheit, Unvernunft. Ein Tor ist also einer, der dumm und unvernünftig ist.

Ihr kennt ihn doch alle, liebe Konfirmandinnen, liebe Konfirmanden: den Streber in euerer Klasse. Wenn ich euch frage, dann könnt ihr mir sofort den Namen nennen. Die meisten Streber sind uns nicht sympathisch, weil sie ihr wissen an die große Glocke hängen und für besonders schlau gelten wollen. Solche Streber gibt es nicht nur in der Schule, die gibt es leider auch im christlichen Glauben: „Macht euch doch nichts vor! Wenn sich jemand einbildet, in dieser Welt besonders klug und weise zu sein, der muss den Mut aufbringen, als töricht zu gelten. Nur dann wird er wirklich weise.“ „Wenn sich jemand einbildet“, im Glauben schlau zu sein, dann wäre es besser für ihn er würde dumm und unverständig. Dummheit ist also immer noch besser als eingebildete Schlauheit. Zwei heutige Einbildungen des Glaubens will ich nennen: Wenn ich sage: „Ich tue recht und scheue niemand“, das reicht um Gott zu gefallen, dann mache ich mir was vor. Wer sich für so schlau hält, dass Gott mit dem, was wir für gut halten zufrieden gibt, der steht am Ende dumm da. Eine zweite Einbildung ist zu sagen: „Ich gehe doch in den Gottesdienst“, was ist denn mit der Zeit von Montag bis Samstag. Wer meint, dass Gott der Sonntag reicht, der steht am Ende dumm da.

Nach diesen beiden aktuellen Beispielen schauen wir uns an, worauf sich die Leute in Korinth sich damals etwas eingebildet haben: „Merkt ihr, wie unsinnig es ist, sich auf Menschen etwas einzubilden? Euch gehört doch alles: Paulus, Apollos und Petrus“. Drei Personen spielen hier eine Rolle, ich will sie euch kurz vorstellen: Gestatten, Paulus (Bild), ich habe in Jerusalem bei Professor Gamaliel Theologie studiert. Was mich damals wirklich aufgeregt hat war, dass sie die neue Sekte der Christen so locker genommen haben. So habe ich mir auf die Fahnen geschrieben, diese Sekte zu verfolgen. Das tat ich, bis der mir der Begründer der Sekte in einem eindrücklichen Erlebnis erschien und mir deutlich machte, dass er wirklich Gottes Sohn ist. Nach längeren persönlichen Studien der Bibel wurde ich von der Gemeinde in Antiochia als Missionar ausgesandt. Im Rahmen dieser Tätigkeit habe ich die Gemeinde in Korinth gegründet.

Darf ich mich vorstellen, Apollos (Bild). Meine Ausbildung war erste Sahne an der ägyptischen Universität Alexandria. Meine Bewerbungsunterlagen 1a, mich würde jede Firma im Umkreis sofort einstellen. Meinen christlichen Glauben, vor nicht so langer Zeit habe ich mich für Jesus entschieden, gebe ich gerne und mit viel Schwung weiter. Vor allem die jungen Leute in Korinth sind mir wichtig. Mit Paulus habe ich eine hervorragende Zusammenarbeit.

Ich bin Petrus (Bild), der Sprecher der Menschen um Jesus und Leiter der Gemeinde in Jerusalem. Auf meinen vielen Reisen, habe ich immer darauf geachtet, dass sich die Christen nicht zu weit von ihrer jüdischen Wurzel entfernen. Der Paulus und der Apollos erlauben den Leuten viel zu viele Freiheiten, dann wird doch das ganze mit dem Glauben verwässert.

Drei Personen, drei unterschiedliche Programme vom Glauben. Und jeder der drei hat etwas wichtiges erkannt: Fangen wir mit Petrus an, Petrus ist ein Verfechter der Tradition. Er bewahrt die Dinge die sich als gut erwiesen haben. Das Problem bei ihm ist, dass er für das neue zu wenig offen ist. Das dann auch die Frage an unsere Gemeinde: sind wir offen für das neue und bereit zusammen mit euch Konfirmandinnen und Konfirmanden neue Wege zu gehen.

Machen wir mit Apollos weiter, der sich am Neuen orientiert. Euch Konfirmandinnen und Konfirmanden wäre Apollos der Sympathischste gewesen, weil er mit euch auch mal einen Jugendgottesdienst mit Rockband in unserer Kirche organisiert hätte. Das Problem dabei ist, dass das Bewährte nicht zugunsten des neuen über Bord geworfen werden kann. Die Frage an euch Konfirmandinnen und Konfirmanden ist hier, ob ihr bereit seid, den bewährten Weg des christlichen Glaubens mitzugehen.

Der dritte im Bund ist Paulus, der das alte und neue verbinden möchte. Paulus ergreift nicht für eine Meinung Partei, nicht einmal für seine eigene, sondern er lenkt den Blick von allen menschlichen Meinungen weg auf das Wesentliche: auf Gott und auf Jesus Christus. Wenn wir den Blick auf Gott richten, dann kommen wir wieder zu der Frage, wie wir im Gottes Augen klug werden. Paulus erklärt das an zwei Beispielen aus dem Alten Testament: „Denn alle Weisheit dieser Welt ist in den Augen Gottes nichts als Torheit. So heißt es schon in der Heiligen Schrift: «Er fängt die Klugen mit ihrer eigenen Klugheit.»“ „Mit Speck fängt man Mäuse“ sagt ein bekanntes Sprichwort. Und so habe ich euch eine Mausefalle mitgebracht, da steck ich jetzt ein Stück Speck rein, spanne die Falle und leg sie hin. Wenn nun eine Maus vorbeikommt, denn Speck riecht und ihn fressen will, dann schnappt die Falle zu. Tot ist sie. Gott „fängt die Klugen mit ihrer eigenen Klugheit“ bedeutet also, dass Gott die Intelligenz der Leute benützt, um auf sich aufmerksam zu machen. Der Titel eines Buches auf unserem Büchertisch fasst das in Worte: „Wer denkt muss glauben.“ Der Unterschied zur Mausefalle ist, dass Gottes Falle zum ewigen Leben führt. Ob ihr euch von Gott habt fangen lassen, kann ich nicht beurteilen. Denn ich kann nicht in euch hineinschauen und eure Gedanken lesen. Doch Gott kann das, so wie es hier heißt: „Und in den Psalmen steht: «Der Herr durchschaut die menschlichen Gedanken in all ihrer Sinnlosigkeit.»“

Wenn ein Arzt feststellen will, ob etwas gebrochen ist, dann durchleucht er das ganze mit einem Röntgengerät. So wie er dann die Sache sieht, so blickt Gott auf unserer Gedanken. Ihm können wir nicht verbergen, was uns wichtig ist und er sieht auch, ob wir Sinn für unser Leben gefunden haben oder nicht. Gott durchleuchtet unser Leben, darum brauchen wir uns nicht von Menschen abhängig machen. „Merkt ihr, wie unsinnig es ist, sich auf Menschen etwas einzubilden? Euch gehört doch alles:“ heute gehören euch Konfirmandinnen und Konfirmanden die ganze Geschenke, die ihr bekommt. Alles was nachher auf einem Tisch aufgebaut wird oder ihr an Umschlägen in die Hand gedrückt bekommt, gehört euch. Weiter bekommt ihr nachher den Segen Gottes mit auf den Weg. Wenn ihr noch vorne kommt und niederkniet, dann wird es euch zugesprochen, dass Gott euch Gutes tun möchte. Und drittens könnt ihr durch den glauben an Jesus Christus das ewige Leben bekommen. In diesem Dreischritte geht es auch weiter: „Euch gehört doch alles: …, ja die ganze Welt, das Leben wie der Tod, die Gegenwart wie die Zukunft – alles gehört euch!“ Die ganze Welt: ein Teil davon, das sind die Geschenke, die ihr heute bekommt.

Leben und Gegenwart: das ist der Segen, den ihr bei eurer Konfirmation mit auf den Weg bekommt. Tod und Zukunft: das ist die Verheißung des ewigen Lebens durch den Glauben an Jesus Christus. Gerade beim dritten ist es unheimlich wichtig, darauf zu achten, dass ihr euch von Gott ergreifen lasst, so wie es hier heißt: „Ihr selbst aber gehört Christus, und Christus gehört Gott.“ Ich wünsche dir, dass du sagen kannst: „Ich gehöre nicht mir selber, sondern Jesus Christus.“ Denn dann kannst du auch sagen: „Mir gehört doch alles“, auch der Himmel.

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