Mein Freund Rolf

[Konfirmandenabendmahl am Vorabend der Konfirmation 2005 (Die Idee hab ich von irgendwoher noch vage in Erinnerung – woher? Theo Lehmann? Ich weiss es nicht. Deshalb: Keine Quelle. Wenn ich aber wirklich zu sehr plagiiert haben sollte, bitte ich um Quellenhinweis. Danke.]

Mein Freund Rolf – nicht der von der DLRG in Horn, der andere: aber Ihr kennt ja beide nicht – also: Mein Freund Rolf ist ein Spitzensportler in vielen Disziplinen: Als es darum ging zu wetten, wer denn nun in der Bundesliga Herbstmeister wird, da hat er doch im vergangenen Jahr glatte 50 Euro eingesteckt. Und beim Daviscup ist er auch immer dabei. Neuerdings auch beim Segeln. Und Golf und Fechten, Säbel insbesondere … – aber was erzähl ich da: Es ist erstaunlich, was der alles weiß und kann und wovon er redet.

Nur: Ob Rolf je einmal Kickschlappen angehabt hat, ein Tennisrack in der Hand hielt oder tatsächlich die Planken von einem Segler unter den Sohlen hatte: Das wage ich zu bezweifeln. Rolf kennt seine Sportarten, kennt die Regeln – aber nur aus der Fernsehperspektive. Selber dabei sein? Ich doch nicht – das sollen die andern machen. Lieber noch ne Tüte Chips und ne Cola und zwischendrin im Fernsehsessel von rechts nach links umlagern. Rolf eben – aber Ahnung hat er, keine Frage! Letztens habe ich Rolf schwer beleidigt, unabsichtlich eigentlich. Da saß er wieder, kommentierte irgendein Sportereignis – besser als Rolf Töpperwien – und ich wollte ihn zum Paddeln einladen: Nichts Tolles, nichts Anstrengendes – so ne kleine Abendfahrt eben. Rolf: „Ich? Aufs Wasser? Mit nem Boot? Sach mal: Spinnst Du?!“ Und dann der Blick dazu: 2 mm am Herzen vorbei und zum Rücken wieder raus – weia. Das ging knapp am Ende der Freundschaft vorbei.

Rolf also – aber verlass ich mal lieber, den Rolf. Weshalb ich das alles erzähle? Weil’s bei Christens und in der Gemeinde oft ganz, ganz ähnlich ist: Alles wissen, alles können, voll informiert, alles kommentieren – aber keinen Millimeter aus dem Sessel raus. Bloß nicht! Könnte ja in Arbeit ausarten – oder in eine Verpflichtung – oder … nicht auszudenken! Jugendarbeit? Klar, ganz wichtig. Brauchen wir. Die Jugend ist unsere Zukunft! (Habt Ihr gehört: Ihr seid unsere Zukunft. Dann bin ich also Vergangenheit J) – Mitmachen? Ich … das kann doch nicht Ihr Ernst sein. Besuche machen: Klar. Wichtig. So hält man die Gemeinde zusammen – aber das machen doch Sie so gut, Herr Pfarrer! Christen als Sesselpupser, Christsein als Zuschauersport – Ihr ahnt: Das haut einfach nicht hin.

Stellt Euch vor, Jesus hätte sich damals hingestellt – ach was: hingesetzt – und seinen Jüngern die Gebrauchsanleitung für Christsein vorgelesen und gesagt: „So – nun macht mal …“ Ich bin überzeugt, dass es heute kein Konfirmandenabendmahl, morgen keine Konfirmation gäbe – und überhaupt: keine Gemeinde, die nicht, keine sonst, keine Kirche, keine Kirchen. Oder stellt Euch vor den Abend damals in Gethsemaneh, kurz vor Jesu Festnahme. Er im Garten, betet: „Vater – wenn’s geht, dann lass den Kelch an mir vorübergehen. Aber nicht mein, sondern Dein Wille geschehe …“ –
Und dann geht er hin, sieht seine Freunde schlafen, überlegt kurz: „Ich für die ans Kreuz – mein Leben … mein kostbares Leben … für die Penner?! Nee, das Drehbuch wird umgeschrieben. Und das mit dem Abendmahl – … mein Leib, für Euch gegeben, mein Blut, für Euch vergossen … – das streichen wir mal ganz schnell aus dem Protokoll.“ Und macht sich vom Acker, stirbt irgendwann zwanzig, dreißig Jahre später in Nazaret als Zimmermann im Ruhestand an Altersschwäche – wäre ja auch möglich. Hm – und dann?

Ihr – und Sie, die Eltern und die Paten, und wir alle stehen jetzt an einer Weiche. Mitmacher oder nicht? Jede, jeder entscheidet für sich. Jede, jeder entscheidet, wie ernst sie oder er sein eigenes „Ja“ aus der Konfirmation, wie ernst sie oder er sich selbst, wie ernst sie oder er Gott nimmt. Jede, jeder entscheidet, was mit dem Leben in der Gemeinde, mit der je eigenen Gemeinde als Lebensraum werden soll – war ja Teil des Versprechens in der Konfirmation, weil wir seit Pfingsten damals in die Gemeinde berufen sind –, wie viel Attraktivität, wie viel christliche wie soziale Schlagkraft sie haben darf, wie sehr Gottes Reich mit Ihnen, Euch, mir wachsen darf. Rolf oder nicht Rolf – das ist hier die Frage. Sozusagen. Oder: Ich oder nicht ich …

Aber egal, wie die gelebte Antwort aussieht: Darüber bin ich froh, dass Gott sich damals entscheiden hat: Sein Sohn wird Mensch. Und dass Jesus sich entschieden hat: Ich geb mich ganz her für Euch. Mein Leben für Eure Leben und der Kelch, der neue Bund mein Blut für Euch vergossen zur Vergebung der Sünden. Ich bleib Euch treu. Und das feiern wir – da haben wir Grund zu beidem – zum Innehalten und zu Feiern: Gott sei Dank.

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