Lebendige Steine – es kommt auf euch an (Joh 6,66-69)

Joh 6,66-69
[66] Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm. [67] Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt ihr auch weggehen? [68] Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; [69] und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

Liebe Gemeinde,

lebendige Steine ist das Thema unserer heutigen Konfirmation. Und wenn wir so einen gewöhnlichen Stein in die Hand nehmen, dann merken wir ziemlich schnell, dass er ganz schön tot ist. Es ist ein Wunder, wenn so ein toter Stein lebendig wird. Das ist ein Bild für das Wunder, das ein Mensch zu einem lebendigen Glauben an Gott findet. Und um dieses Wunder geht es im Konfirmandenunterricht und bei der Konfirmation.

Glaube ist mehr als ein fürwahr halten von Dingen. Ich glaube das das Wetter morgen gut wird, reicht nicht aus. Erst wenn ich das T-Shirt einpacke und den Schirm daheim lasse, hat dieser Glaube folgen. Christlicher Glaube hängt nicht nur an den Worten, die ihr heute sagt, sondern auch an dem ob ihr euch nach der Konfirmation zu Jesus haltet. Jesus fragt unsere neue Konfirmanden heute: «Wollt ihr auch weggehen und mich verlassen?» Tote Steine können nicht weglaufen, lebendige Sehr wohl. Ihr werdet bei der Konfirmation heute nicht gefesselt und geknebelt. Nein ihr werdet gefragt: «Wollt ihr auch weggehen und mich verlassen?» Ich will heute keine Antwort auf diese Frage. Sie wird nicht durch eure Worte, sondern durch eure Taten beantwortet werden. Die Antwort liegt ganz einfach in der Tatsache, ob ihr weiter in unserer Evangelischen Kirchengemeinde blicken lassen werdet oder nicht.

Wir Menschen sind recht eigentümlich, wenn es darum geht unser Verhalten zu begründen. In vielen Fällen nennen wir nicht die wirklichen Gründe, die dahinter stecken. Es ist doch viel einfacher zu sagen, die Predigt sei zu lang, als zu sagen, mit dem Glauben kann ich nicht anfangen. Es ist viel einfacher zu sagen, der Gottesdienst am Sonntagmorgen ist mir zu früh, als zu sagen das Ausgehen am Samstagabend ist mir wichtiger.

Es kommt ganz darauf an, dass euch Jesus und der christliche Glaube wichtig wird. Wenn ihr mit ihm etwas anfangen könnt, dann wollt ihr auch zeit mit ihm verbringen.

Wir haben letzen Mittwoch eine Geschichte im Konfirmandenunterricht gelesen, die sehr schön zeigt, ob ihr lebendige Steine werdet, aus der unsere Kirche besteht. Kirche ist nicht dieses Gebäude. Kirche seid ihr als lebendige Steine, wenn ihr euch zu Jesus haltet:

Es war an einem Freitagmorgen vor Pfingsten. Die Kirchenglocken läuteten. „Wer ist denn gestorben?“, fragten die Leute. War jemand schwerkrank? Dr. Seitz und Dr. Fleck werden von Neugierigen angerufen. Aber sie wissen von nichts. Gegen 12 Uhr kommt ein Leichenwagen, hält vor der Kirche, und vier schwarze Männer, tragen einen schweren Sarg hinein. Was soll denn das, so setzt die Fragerei wieder ein. Wir haben doch die Leichenhalle auf dem Friedhof. Weiß denn auch die Kirchendienerin nichts?“ Nein, der weiß auch nichts. Der Pfarrer hat die Kirche abgeschlossen. Wenn man ihn anruft, geht er nicht ans Telefon. Alles sonderbar! Ein Grab wird auch nicht ausgehoben. Der Freitag vergeht. Die Frage „Was ist eigentlich los?“ wird an den Stammtischen und Familien gestellt, jedoch ohne Ergebnis.
Am nächsten Morgen steht in der Lokalzeitung dick und fett gedruckt eine riesige Todesanzeige. Die Zeitung, die sonst oft unbeachtet herumliegt, wird förmlich verschlungen. Hier steht es nun schwarz auf weiß: „Liebe Gemeinde, nach langem Leiden starb, von vielen vergessen, fast in Einsamkeit, die für uns alle unersetzliche Kirche. Die Trauerfeier findet morgen, am Pfingstsonntag, um 9 Uhr in unserer Kirche statt. Euer Pfarrer XY“ „Was ist denn das schon wieder, ist denn der Pfarrer völlig verrückt?“, so hört man fragen. Andere meinen: „Nun hat’s unseren Pfarrer erwischt, nun spinnt er richtig.“ Aber weil man ja wissen kann, ob an der Geschichte nicht doch etwas dran ist, beschließen viele Gemeindeglieder, am nächsten Tag zur Trauerfeier zu gehen.

Der Pfingstmorgen kommt. Zahlreiche Menschen haben sich aufgemacht, um zur Kirche zu gehen. Sie Ist dieses Mal so voll, dass viele Menschen draußen vor der Kirchentür stehen müssen. Es wird neun Uhr. Mit ernstem Gesicht kommt der Pfarrer. Er muss sich richtig durch die Menschenmenge hindurch kämpfen, bis er vorne am Altar am offenen Sarg steht. Nach dem Eingangslied hört man Ihn mit ruhiger Stimme sagen: „Liebe Schwestern und Bruder, zunächst danke ich euch, dass ihr so zahlreich gekommen seid. Leider habe ich eine traurige Nachricht. Nachdem wir alle uns sowenig um sie gekümmert haben und vieles andere für wichtiger hielten, ist unsere Kirche sanft entschlafen. Wer noch einmal sehen möchte, der möge nach vor sie – ne kommen und einen Blick in den Sarg werfen. Wer hier vorbeigekommen ist und in den Sarg geschaut hat, der verlasse die Kirche bitte durch den Nebeneingang. Wer dann noch mehr hören möchte, den lade ich anschließend wieder durch den Haupteingang in die Kirche zu kommen.“

Eisiges Schweigen. Doch dann fasst eine ältere, aber resolute Dame sich ein Herz, tritt vor, blickt in
den Sarg, erbleicht und verlässt durch den Nebeneingang mit sehr ernstem Gesicht die Kirche. Erstzögern noch einige aber dann treten in langer Schlage alle Kirchenbesucher vor, blicken in den Sarg und erschrecken. Nach etwa 20 Minuten ist das Vorbeigehen zu Ende. Doch keiner ist nach Hause gegangen. Alle sitzen wieder mit ernsten und nachdenklichen Gesichtern in der Kirche. Was ist da im Sarg gewesen? Was hatte sie so verändert?

Im Sarg war ein großer Spiegel! Und jeder, der in den Sarg geschaut hatte, hatte sein eigenes Gesicht erblickt. Und alle hatten auf diese Weise erfahren und begriffen: Die Kirche, die so altmodisch oder modern ist, die so vieles falsch macht, von der so oft gesagt wird, dass in ihr kein Leben mehr ist, diese Kirche – das sind ja wir, das bin ja ich selbst! Wie lebendig es in unserer
Gemeinde ist, hängt ganz entscheidend auch von uns selber ab! Kirche ist nicht dieses Gebäude. Kirche, das seid auch ihr – die Konfirmanden, wenn ihr euch zu Jesus haltet.

«Herr, zu wem sollen wir denn gehen?» fragt Petrus. Welche Alternativen habt ihr, die ein ganzes Leben tragen. Andere Angebote, die im Moment interessanter scheinen, könnt ihr zuhauf aufzählen, z.B. Freund/Freundin, Sport usw. Aber ziehen sie auch noch in zehn oder zwanzig Jahren. Das ist eines der Probleme der heutigen Zeit. Wir schauen was die nächsten zehn oder zwanzig Tagen trägt, aber nicht was ein Leben trägt. Ich garantiere euch dass Jesus und der christliche Glaube euer ganzes Leben tragen kann. Überprüft die anderen Alternativen auch auf diese Tragfähigkeit.

«Nur deine Worte bringen ewiges Leben. Wir glauben und haben erkannt, dass du Christus, der Sohn Gottes, bist.» sagt Petrus. Wir können auch so formulieren: nur Jesus kann aus toten Steinen lebendige Steine machen. Andere können die Steine auch zum Zappeln bringe, aber irgendwann liegen sie wieder tot da. Es kommt darauf an, dass das Ziel, das ihr mit eurem Leben ansteuert, auch erreichbar und lohnenswert ist. Für mich gibt zu demjenigen, der totes in lebendes verwandeln kann, Jesus, keine andere Alternative.

Und noch etwas andere kommt dazu: Ihr werdet gebraucht. Der Teeniekreis wartet und freut sich darauf, dass ihr kommt. Ihr habt Gaben und Fähigkeiten, von denen Gott möchte, dass ihr sie für ihn einsetzt. Das können ganz praktische Dinge wie im Internetcafe oder beim Arbeitseinsatz sein, oder die Mitarbeit in Kindergottesdienst und Jungschar.

Ich hoffe ihr habe den Mut, dieselbe Frage wie Petrus zu stellen und dieselbe Antwort wie er zu geben: «Herr, zu wem sollen wir denn gehen?» antwortete Simon Petrus. «Nur deine Worte bringen ewiges Leben. Wir glauben und haben erkannt, dass du Christus, der Sohn Gottes, bist.»

Und ich sehe euch bald wieder. Denn es kommt in unserer Kirchengemeinde auf euch Konfirmanden an.

print

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen