Lass dich nicht bange machen – und handle

Gnade sei mit euch und Friede

Von dem der da ist

und der da war

und der da kommen wird,

Christus, unserm Herrn. Amen

         Off 1,4

 

Liebe Gemeinde,

mit dem heutigen Sonntag endet die Weihnachtszeit. Die meisten haben ihren Weihnachtsbaum längst aus der Stube entfernt. Der Weihnachtsschmuck wurde schon vor Wochen wieder in Kisten verstaut und weggepackt fürs nächste Jahr.

In meiner Wohnung hängen noch ein paar beleuchtete Sterne, die an das Licht der Weihnacht erinnern. Heute werde ich auch sie dann abhängen.

 

Licht, Helligkeit, Leuchten – die Lieder und Texte dieses Sonntags singen und sprechen davon. Von Christus, dem Licht der Welt.

 

In der Lesung (Mt 17,1-9) haben wir gehört, wie Jesus vor seinen Jüngern verklärt wird, wie er zu leuchten beginnt auf dem Berg, den sie zusammen bestiegen haben. Und wie noch einmal die Worte erklingen: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!“ (V 5b) Worte, die bereits bei Jesu Taufe im Jordan erklungen sind. (Mt, 2,17)

Die Jünger reagieren darauf mit Furcht. Sie fallen zu Boden. Jesus richtet sie auf mit den Worten: „Steht auf und fürchtet euch nicht!“ (Mt 17, 7)

Jesus, das Licht der Welt. Sein Licht ist nicht heimelig. Die Jünger sind zunächst verstört und fürchten sich.

 

Eine leuchtende Gestalt, die Furcht erweckt.

Sie begegnet uns auch in unserm heutigen Predigttext aus der Offenbarung des Johannes, Kapitel 1. Der Text beschreibt die Berufung des Sehers:

Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen.

10 Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune,

11 die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea.

12 Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter

13 und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, der war angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel.

14 Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme

15 und seine Füße gleich Golderz, wie im Ofen durch Feuer gehärtet, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen;

16 und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht.

17 Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte

18 und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

 

Johannes schreibt an sieben Gemeinden in Kleinasien, die unter Verfolgung durch das römische Reich leiden. Der Staatskult, der den römischen Kaiser als Gottheit verehrt, ist unvereinbar mit dem Glauben an Jesus Christus. Die Gemeinden stehen in der Anfechtung: Sollen sie den Glauben an Jesus Christus aufgeben – oder daran festhalten und bittere Konsequenzen erleiden? Sollen sie zum Schein einlenken – oder offen Widerstand leisten?

Auch Johannes ist Opfer der Verfolgung und wurde auf die Insel Patmos verbannt. Dort beginnt an einem Sonntag die Vision, die ihn zum Propheten für die sieben Gemeinden macht.

Zuerst hört er eine große Stimme, die ihm den Auftrag erteilt, aufzuschreiben, was er sieht und hört. Johannes dreht sich um zu dem Sprecher – und erblickt eine glänzende, leuchtende Gestalt, mächtig und erschreckend. Detailreich beschreibt er, was er da sieht. Sein langes Gewand kennzeichnet den Menschen-ähnlichen als Priester, der goldene Gürtel als König, das Schwert als Richter.[1]

Johannes fällt wie tot zu Boden. Die Gestalt aber rührt ihn an und sagt: Fürchte dich nicht!

Welch ein Gegensatz zu dem gewaltigen Auftritt, der Johannes zu Boden warf! Zart berührt ihn eine Hand. Ermutigend spricht die Stimme: Fürchte dich nicht!

Wir kennen dieses „Fürchte dich nicht!“ aus der Weihnachtsgeschichte und aus den Ostererzählungen.

Und so wird spätestens bei den nächsten Worten klar, wer da spricht: Ich bin der Erste und der Letzte 18 und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

 

Johannes ist Christus begegnet – doch nicht als dem guten Hirten, als dem Menschenfreund, als dem Leidensmann. Sondern mit Attributen der Autorität: dem priesterlichen Gewand, dem königlichen Schmuck, dem richterlichen Schwert. Christus hat Autorität, die sich gegen die Mächtigen dieser Welt behauptet, ja, sie in den Schatten stellt und auf ein gesundes Maß schrumpft.

 

Uns mag dieses Christusbild befremden und unsympathisch sein. Doch der fürsorgliche, sich zuwendende Christus begegnet ja auch in diesem Abschnitt: in der Hand, die den aufrichtet, der am Boden liegt; in der Stimme, die sagt: Fürchte dich nicht!

Immer dort, wo Menschen unterdrückt werden von den Mächten der Welt – seien es römische Kaiser, orientalische Potentaten, totalitäre Parteien oder von Staatslenkern, die nur Profit und den Vorteil ihres eigenen Landes – und mehr noch ihren eigenen! – vertreten – überall dort empfinden Christen diesen mit Autorität auftretenden Christus als tröstlich und ermutigend.

 

Vor vielen Jahren hörte ich in Heidelberg eine Vorlesung des Neutestamentlers Klaus Berger zur Johannesoffenbarung. Wieder und wieder faßte er die Aussage dieses Buches zusammen in dem einen Satz: Wer zuletzt lacht, lacht am besten!

Und wer zuletzt lacht, wird in diesem Eingangskapitel der Offenbarung bereits klar: Christus, der sagt: Ich bin der Erste und der Letzte 18 und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Auch Johannes, den er anrührt und zu dem er sagt: „Fürchte dich nicht!“, kann zuletzt lachen.

 

Und auch wir, wenn wir uns an Jesus halten, können zuletzt lachen – trotz allem, was uns heute Angst machen mag.

Das ist jedoch kein „Weiter so“ oder „Augen zu und durch“.

Sondern ein: „Lasst euch nicht bange machen!“ – Und handelt – im Sinne Jesu.

Amen

 

Und der Friede Gottes,

der höher ist als unsere Vernunft,

bewahre unsere Herzen und Sinnen

in Christus Jesus.

Amen

         Phil 4, 7

[1] E. Lohse, NTD, Bd 11, S. 21 f

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