Korruption und Erlösung

Liebe Schwestern und Brüder!

„Ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist“ (1.Mose 3,4) spricht die Schlange in der biblischen Geschichte vom Sündenfall zu Eva.

Ja, sein wie Gott. Göttlich sein. Die Größe und die Allmacht Gottes zu besitzen. Das ist das Bestreben der Menschen von Anfang an. Das ist die Versuchung dieser Geschichte. Und wahrscheinlich besteht darin die zeitlose Versuchung der Menschheit. Göttlich und unsterblich zu werden, ist das Ziel vieler menschlicher Bemühungen und Anstrengungen. Und die uralte Schöpfungserzählung vom Sündenfall und der Vertreibung Adam und Evas aus dem Paradies unterstreicht diese Gier nach Göttlichkeit und grenzenloser Allmacht des Menschen von Anfang an. Die Sünde des Menschen besteht nach biblischer und  religiöser Tradition darin, sich in die Sphäre des Göttlichen zu erheben.

Zu sein wie Gott: unsterblich, ewig  und allmächtig! Davon träumt die Menschheit von Beginn an. Sein wie Gott!! Da ist das Ziel der menschlichen Natur. Der GRÖSSTE und Beste und Tollste zu sein ist wichtig.

„Make mankind great again!“ Größe, Stärke, Macht, Sieg, Wahn, Kampf, notfalls Krieg und Hass,  und die eigene Nation und das eigene Volk zuerst, so heißen die großen Sünden unserer Zeit.

America first, la France d’abord, Great Britain and Brexit .Es stellt sich die Frage, ob sich die Situation seit der Versuchungsgeschichte von Adam, Eva und der Schlange, ob sich die Hintergründe seit dem so genannten Sündenfall geändert haben?

1.Warum will der Mensch wie Gott sein,

  1. warum legt er so einen großen Wert auf einen freien und unabhängigen Willen und
  2. warum sind immer die anderen am eigenen Fehlverhalten Schuld?
  1. Warum will der Mensch göttlich sein?

Nun ich denke es liegt in unserem Wesen mehr gelten und können zu wollen, als in unseren Genen oder unserer Natur angelegt ist!

Diese psychologische Binsenweisheit ist nicht nur bei kleinen Kindern, meistens Jungs, zu beobachten, wenn sie sich hinstellen und im Anfall von kindlichem Größenwahn herum fabulieren, dass sie sehr stark und mächtig seien oder zumindest ihr Papa oder Bruder stärker sei als der Papa bzw. Bruder vom Nachbarn. Diese leicht kindliche Stufe des Größenwahns setzt sich dann im pubertierenden Alter und als junger Erwachsener fort. Mein Auto ist schneller als dein Auto und mein Auspuff ist dicker als deiner.

Auch, wenn ich bei Rennen andere töte –wie wir diesen Woche aus den Nachrichten hörten.

Auch weit verbreitet ist der Wahn unter uns Erwachsenen mehr zu scheinen als wirklich zu sein. Da braucht es dann nur den modernen Einflüsterungen der Schlangen aus dem Fernsehen, die einem suggerieren, man sei ein Superstar und auch wenn das Talent noch so bescheiden sei, man könne ein Star werden.

Und wer jetzt denkt dieses Geprotze und die maßlose Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, auch der Drang nach Selbstoptimierung sei nur ein Problem von irgendwelchen bildungsfernen Proleten oder sozial Schwachen, der irrt sich.

Auch in den besseren Kreisen oder in der Politik neigt man dazu, seinen Luxus, seine Macht oder seine Bildung zur Schau zu stellen. Da ist man natürlich besser als der politische Gegner, macht nie Fehler, ist niemals korrupt und lässt sich nicht bestechen. Nur ein bisschen beeinflussen oder manipulieren…

An all diesen Beispielen können sie sehen, dass unser menschliches Verhalten, uns chronisch selbst zu überschätzen und uns größer zu dünken als wir wirklich sind von Anfang in uns ist. Die Bibel nennt das Sünde. Die Sünde wie Gott sein zu wollen und nicht mit den eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten fertig zu werden. Eben damit zu leben, dass wir hier zeitlich und begrenzt leben müssen.

  1. Haben wir einen freien Willen?!

Dagegen stemmt sich der Mensch mit aller Gewalt und mit all seinen Gedanken und deswegen legen so viele Menschen so großen Wert auf ihren freien Willen, auf ihre Unabhängigkeit und ihr eigenes Können.

Doch wir wissen auch, dass nicht nur in den kleinen Kindern der freie Wille schon unbändig und trotzig angelegt ist, auch wir Erwachsenen setzten auf unseren freien Willen. Wir wollen unabhängig sein von den Entscheidungen anderer und wir wollen auch unabhängig sein von Gott. Der liebe Gott soll ein guter Mann sein, der uns, wenn es uns gut geht, am besten in Ruhe lässt. Und wenn es uns schlecht geht, dann soll er sich selbstverständlich um uns kümmern. Ansonsten verdrängen viele Gottes Allmacht und Gottes Anwesenheit. Manche machen sich selbst zu kleinen oder großen Göttern, in dem sie sich über andere erheben und diese gnadenlos ausbeuten. Sie setzen ihren Willen und ihre Interessen als Maßstab an und vergessen, dass sie sterblich sind und auch dereinst zu Staub werden. Unser freier Wille, unser grenzenloser und auch zügelloser Egoismus ist aus biblischer Sicht eine große Sünde. Sünde, weil wir Gott und unsere Mitmenschen aus unserem Leben ausblenden. Wer Gott aus seinem Leben ausklammert und sich nur auf sich selbst verlässt, der wird in den entscheidenden Situationen des Lebens verlassen sein. Und wer sich selbst zum Gott macht, der wird für gottlose Verhältnisse verantwortlich sein. Niemand hat einen freien Willen vor Gott, sondern nur der findet Gnade vor Gott, der sich seinem Willen beugt. Unser Wille ist unfrei gegenüber Gott.

Die Freiheit des menschlichen Willens ist eine philosophische Illusion und eine Form von menschlichem Größenwahn, die schlimme Folgen haben kann.

  1. Schuld sind immer die anderen?! Wir eignen uns diese Verhaltensweise seit frühster Jugend an. Schuld sind die Nachbarkinder. Schuld ist der Bruder (siehe Kain und Abel). Schuld sind die Juden gewesen. Schuld waren die Umstände (das viele angebotene Geld).

Schuld sind die Lehrer, wenn die Schüler heute nichts lernen oder wissen. Schuld an den vielen Neonazis und Nationalisten  sind die vielen Flüchtlinge, Ausländer und  Volksverräter und die Lügenpresse.

Liebe Schwestern und Brüder, schuld sind immer die anderen, wobei jeder, der mit ausgestrecktem Finger auf andere zeigt, vergisst, dass drei Finger auf ihn zurück weisen. Jedoch liegt es in unserem Wesen die Schuld von uns zu wälzen und auf die Anderen zu zeigen. Auch das ist nach biblischer Sicht Sünde. Abkehr von Gott und Abkehr von unseren Mitmenschen um des eigenen Vorteils willen.

Ich bin nicht schuldig, ich bin nur ein Opfer meiner Verhältnisse! Wie häufig wird das erzählt. Und die Schlange ist dann für meine ach so schlimmen Verhältnisse verantwortlich.

Das Ende vom Lied ist, dass in der Erzählung von der Vertreibung aus dem Paradies alle drei Beteiligten bestraft werden.

Die Frau bekommt in dieser mythischen Erzählung von Gott die Geburtsschmerzen. Der Mann muss im Schweiße seines Angesichts sein Brot essen. Er muss schwer arbeiten, um zu überleben. Und die Schlange als Versucherin wird mit ewiger Feindschaft mit den Menschen bestraft. Gott bestraft diesen menschlichen Größenwahn mit der Vertreibung aus dem Paradies. Die paradiesischen Verhältnisse sind vorbei und die menschliche Sünde ist geblieben! Und wir werden alle zu Staub.

So ist der Fakt.

Gibt es dazu alternative Fakten oder eine gute Alternative?

 

Ja es  gibt einen Ausweg aus dieser inneren Korruption, dem allzu menschlichen Größenwahn  und den Alltagsschulden des Lebens.

Und dieser Ausweg ist der Glaube an Jesus Christus, der durch seine Sündlosigkeit und durch seinen unschuldigen Tod uns aus der Sünde rettete. Es ist der Glaube an die Erlösung von der Schuld und die Befreiung aus unserer sündigen Existenz. Unser Herr Jesus ließ sich nicht versuchen, sondern widersetzte sich dem Versucher, wie das Evangelium für den heutigen Sonntag berichtet. Gott nicht zu versuchen und selbst nicht in Versuchung zu geraten, das wäre der Idealzustand für uns Menschen. Doch diesen Idealzustand schaffte nur unser Herr Jesus Christus.

Wir hingegen bleiben von unserem Wesen her sündig und korrupt, aber nicht  hoffnungslos zurück. Wir können uns in und durch unseren Glauben auf Jesus Christus verlassen und berufen. Auch er wurde versucht und lebte gefährdet. Doch ließ er sich von der Macht nicht korrumpieren und vergaß nicht, dass er auch nur ein Mensch wie wir war.

Er war zeit seines Lebens verständnisvoll mit denen, die Sünden begingen. Und er ermahnte seine Zuhörer großzügig mit menschlichen Schwächen umzugehen, wenn die Sünder Reue zeigten.

Reue und die Einsicht zur Umkehr vom Pfad der Sünde auf den Weg der Liebe zurück sind nach christlicher Sicht der Dinge nie zu spät. Denn so wie bei Gott alle Dinge möglich sind, so ist auch der Weg aus den Fallstricken der individuellen Sünde wieder möglich.

Selbsterkenntnis ist in vielen Fällen der Weg zur Besserung.

Empathie, Einfühlungsvermögen und Vergebungsbereitschaft helfen auch mit menschlicher Korruption umzugehen

Darauf können wir hoffen und darauf können wir uns verlassen, wenn uns die Anfechtung und die Versuchung überkommen.

Mit Glauben und ethischen christlichen Prinzipien können wir uns der Macht des Bösen entgegen stellen.

Voraussetzung ist, dass  wir Gott in unser Leben, in unser Denken und Handeln integrieren.

Gott schenke uns im Glauben an JC stets genügend Kraft den Versuchungen standzuhalten, wenn uns Allmachtfantasien und Träume verführen vom Pfad der Liebe auf den Weg der Bosheit, des Neids, Hasses  und der Macht abzukommen.

Gott vergebe uns unsere Schuld wie auch wir vergeben den Menschen, die gegenüber uns schuldig wurden und erlöse uns vom Bösen.                        Amen.

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