Konfirmation ist Anpfiff

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde,
Kurz vor der Fußball-WM möchte ich euch heute einen Anpfiff erteilen.
– Trillerpfeife –
Der Anpfiff ist ein mehrdeutiges Wort. Und wenn ich jetzt in eure Gesichter sehe, dann steht da außer der Nervosität, die euch schon durch die letzen Tage begleitet hat, auch ein wenig Furcht.
Ein Anpfiff – das könnte jetzt eine Generalabrechnung werden oder gar eine detaillierte Aufzählung all der kleinen und manchmal größeren Auseinandersetzungen, die wir während der vergangenen zwei Jahre miteinander auszufechten hatten. Auch auf euren Auswertungsbögen stand ja noch mehrfach das Bedauern, dass es in den Stunden so unruhig war.
– pfeifen –
Und den Anpfiff könnte ich fortsetzen mit einem Rundumschlag gegen alles, was in unserer Gesellschaft nicht gut ist. Ungerechte Löhne, Umweltverschmutzung, Ausbeutung von Entwicklungsländern. Da könnte jede und jeder hier in der Kirche seinen Teil abbekommen. Darum ging es ja auch schon gestern Abend im Beichtgottesdienst. Und viele der Älteen haben Kirche genau so kennen und fürchten gelernt. Als Moralinstanz, die einem ständig vor Augen führt, was man alles falsch macht.
Doch Stopp! Der Anpfiff hat noch eine weitere Bedeutung. Ihr kennt das vom Fußballspielen. Erst beim Anpfiff geht es los. Ein Pfiff und das Spiel beginnt. Auch nach jeder Unterbrechung durch Foul oder Tor wird der Ball durch einen Anpfiff wieder freigegeben.
– pfeifen –
So ein Anpfiff ist auch die Konfirmation. Das Trainingslager ist nun vorbei. Trainingslager, das waren die beiden Jahre Unterricht. Mit der Freizeit in Bad Münder ging es so richtig los. Da haben wir miteinander ausprobiert, was gemeinsames Leben als Christinnen und Christen bedeuten kann. Ihr habt junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen gelernt, die sich in unserer Gemeinde engagieren. Ich habe versucht euch zu zeigen, dass es bei unserem Glauben nicht um trockene Morallehre geht, sondern um einen Lebensstil, der das Miteinander in den Vordergrund stellt. Gott selber bezeichnet sich als Liebe. Nur da wo von dieser Liebe etwas in unserer Gesellschaft ankommt, wird christliche Gemeinde erkennbar.
In vielen Trainingseinheiten haben wir das miteinander durchgespielt. Ihr habt unser Taktikhandbuch kennen gelernt. In der Bibel haben wir Verhaltensregeln für ganz unterschiedliche Lebenssituationen gefunden. Und wenn ihr es später einmal mit anderen Gegnern zu tun bekommt, werdet ihr hier drin auch gute Anregungen finden!
Mit euren Praktika in verschiedenen Gruppen der Gemeinde habt ihr spielerisch ausprobiert, wie es sich im Trikot der christlichen Gemeinde läuft. Auch dort sind euch Menschen begegnet, die sich für das Wohl dieser Gemeinde einsetzen. Wie im Fußball funktioniert eine Kirchengemeinde nur, wenn die ganze Mannschaft zusammenhält. Wenn jede und jeder seine Aufgaben erfüllt. Wenn nur der Trainer alleine auf dem Platz steht, passiert gar nichts. Jede und jeder von euch hat unterschiedliche Fähigkeiten. Als Gemeinde brauchen wir euch alle. Nur wenn alle ihren Teil dazu beitragen können wir als Kirchengemeinde in Wunstorf und Klein Heidorn etwas erreichen.
Vor einigen Wochen habt ihr dann zum Abschluss des Trainingslagers euren Vorstellungsgottesdienst gestaltet. Dabei habt ihr euch noch einmal ausführlich mit der Passionsgeschichte befasst. Ihr habt euch in einige der Beteiligten hineinversetzt und eindrucksvoll ihre Wahrnehmungen und Gefühle nacherzählt. Auch die Jünger, die Championsleague der Christenheit, so habt ihr erfahren, war nicht fehlerfrei. Sie alle sind schwach geworden als es ernst wurde.
Trotzdem hat Jesus sie weiter als Freunde behandelt. sie als seine Startelf aufgestellt. Schnell haben sie mit ihrer Nächstenliebe das römische Weltreich erobert. In das Bild vom Fußball übertragen, ist das ungefähr so, als wenn der FC Wunstorf Weltmeister wird. Das was in den Augen der Welt unmöglich ist, ist bei Gott möglich.
-pfeifen-
Gestern Abend hatten wir dann die letzte Kabinenansprache vor dem Anpfiff. In der Beichte konnte ihr Vergangenes ablegen, um den Kopf frei zu bekommen, für das was euch heute erwartet. Gott bietet uns seine Vergebung an, damit alte Fehler hinter uns lassen können. Wenn ich beim Fußball nur an die verheerende Niederlage im letzten Spiel denke, werde ich mit ziemlicher Sicherheit auch das nächste Spiel verlieren. Das gilt erst recht für das Leben. Es ist gut nach vorne zu sehen. Das Potential wahrzunehmen, das in euch steckt. Zu erkennen, dass ihr nicht alleine seid. In der Gemeinde könnt ihr euch auf die Unterstützung durch viele andere verlassen, die mit euch bemüht sind, das Leben besser in den Griff zu bekommen.
Und wenn mal etwas schief geht, dann steht da am Spielfeldrand nicht ein Trainer mit vor Wut rotem Kopf sondern Jesus, der sagt: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erfrischen. Für diese Zusage steht das Abendmahl.
Heute nun werdet ihr konfirmiert. Ihr werdet aus dem Trainingslager in die erste Mannschaft übernommen. Ab jetzt sollt ihr durch eure Mitarbeit dazu beitragen, dass der christliche Glaube in Wunstorf und Klein Heidorn weiter getragen wird. Ihr dürft ab jetzt Paten werden. Ihr werdet überwiegend bei der nächsten Kirchenvorstandswahl wahlberechtigt sein. Es ist an euch – zusammen mit allen, die vor euch konfirmiert wurden – von Gottes Liebe zu erzählen und diese in eurem Umfeld umzusetzen. Jetzt seid ihr dran!
– pfeifen –
Eins noch zum Schluss: Ein Kollege von mir hat einen Apfelbaum in seinem Garten. Und weil der Garten direkt neben dem Gemeindehaus liegt und nicht so schön versteckt ist wie bei mir, haben seinen Konfirmanden sich im Herbst da vor dem Unterricht immer munter an den Äpfeln bedient. Er ahnte zwar dass es die Konfirmanden waren, aber er hat sie nie erwischt. so hängte er zur Abschreckung ein Schild in den Baum: Darauf stand: „Gott sieht alles!“ Am nächsten Tag war der Baum komplett abgeerntet und auf dem Schild fand mein Kollege einen Zusatz: „Aber er verpfeift uns nicht!“
So wünsche ich euch, dass euch dieser Tag Kraft und Halt gibt und hoffe, dass ich euch bald in unserer Stammmannschaft begrüßen kann. Amen.

print

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen