Jetzt ist dunkles Tal

Liebe Gemeinde,

Dieser Sonntag heißt: Barmherzigkeit des Herrn. Misericordias Domini. Es geht um Gott als den Guten Hirten. In Jesus zeigt sich Gott als der gute Hirte: barmherzig, freundlich, den Menschen zugewandt. Gott ist nicht ein dunkles Schicksal, nicht ein mächtiger Gesetzgeber, nicht ein drohender Richter, sondern der Hirte, der sich um seine Schafe kümmert, der sie versorgt, der sie leitet, der dafür sorgt, dass sie keinen Mangel haben. Er führt sie auf dem Weg, der für sie gut ist. Und am Ende werden alle bei ihm sein, weil der gute Hirte den verlorenen Schafen nachgeht und sie findet.

Das ist das grundlegende und wichtigste Bild von Gott.

Wir finden es im letzten Vers unseres Predigttextes: 1. Petrusbrief Kapitel 2, 25.

25 Ihr wart wie Schafe, die sich verirrt hatten. Aber jetzt seid ihr zu eurem Hirten und Beschützer zurückgekehrt.

Der Hirte ist ein Bild für Zuwendung. Körperliche Zuwendung. Aus der Kinderbibel, die ich als Kind gelesen habe, kenne ich das Bild von dem guten Hirten, der das kranke Schaf, das er wiedergefunden hat, zärtlich auf den Schultern trägt und dann seine Wunden verbindet.

Ein guter Hirte für mich. Das heißt: jemand sorgt für mich. Jemand ist mir zugetan. Jemand ist mir sehr nahe. Die Probleme, die ich habe, sind lösbar. Weil der gute Hirte bei mir ist.

Der Hirte war immer ein Bild für die Leitung. In dem Bild vom Guten Hirten steckt der Wunsch nach einer guten Leitung. Danach, dass es Menschen gibt, die sich gut um alles kümmern.

Ich ärgere mich über die Maskenpflicht. Ich finde, es hätte genügt, es in der Verantwortung der Einzelnen zu lassen, ob es jetzt zu eng ist und man eine Maske überzieht. Da sind meines Erachtens die Politiker zu sehr der Stimmung gefolgt und nicht dem, was sachlich dran ist.

Was mache ich mit meinem Ärger? Ich lese über Jesus in Vers 23 unseres Predigttextes:

23 Wenn er beschimpft wurde, gab er es nicht zurück. Wenn er litt, drohte er nicht mit Vergeltung.

Und das heißt für mich: Es ist keine christliche Haltung, im Internet oder sonst wo rumzupöbeln. Meine christliche Aufgabe ist es vielmehr, die Leitung zu unterstützen, die im internationalen Vergleich einen sehr guten Job macht.

Also: ich muss in mir den Ärger überwinden. Ich habe als Dauerallergiker Probleme mit der Maske. Vielleicht muss künftig meine Frau einkaufen gehen. Das ist verkraftbar.

Ich habe große Solidarität erlebt. Ich habe 6 selbstgenähte Masken geschenkt bekommen und eine weiter verschenkt. Die vertrage ich vermutlich besser als die Plexiglasscheibe mit etwas Abstand vom Gesicht, die ich mir besorgt hatte. Ich bin einfach etwas klaustrophobisch – ich fühle mich eingesperrt und unfrei und bekomme Probleme mit der Atmung.

Ich bin gerne einkaufen gegangen. Ich unterhalte mich gerne mit den Menschen – natürlich mit genug Abstand. Das ist ja das Wichtigste. Meine Frau findet zwar manchmal, dass ich nicht genug Abstand halte. Ihre Wahrnehmung ist da einfach anders als meine. Also versuche ich so gut es gut auf sie zu hören.

Ich muss den Ärger in mir überwinden, wenn ich der Spur des Guten Hirten hin zu keine Vergeltung üben,  folgen will. Dazu hilft es mir, wenn ich innerlich die freundliche und sanfte Zuwendung des guten Hirten spüre. Mir hilft dabei, an Klavier oder Orgel die Gesangbuchlieder zu singen. Hier besonders ein alter Liedtext: Psalm 23: Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele.

Mein innerer Raum wird verändert. Der Ort, wo mir Gott als guter Hirte begegnet.

In Psalm 23, dem alten Lied vom guten Hirten, taucht auch das dunkle Tal auf. Finstere Wegstrecken gibt es im Leben. Wir alle erleben jetzt gemeinsam eine schwierige, finstere Zeit. Ein dunkles Tal. Das Covid19-Tal. Hören wir noch einmal die bekannten Worte:

Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

In dem Tal bei mir ist der gute Hirte. Und er ist mächtig. Stecken und Stab sind die Abwehrwaffen des Hirten. Damit wehrt er Räuber und wilde Tiere ab, um seine Schafe zu beschützen. Und da er ein guter Hirte ist, ist er gut darin, Stecken und Stab einzusetzen. Der gute Hirte ist mächtig genug, mir zu helfen.

Mein Weg ist endlich. Am Ende werde ich sterben. Ich habe Angst, obwohl der gute Hirte bei mir ist. Aber es gibt eigentlich keinen Grund für die Angst. Denn am Ende heißt es: Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Was auch immer geschieht. Ich werde immerdar, ewig, beim guten Hirten sein. Und der gute Hirte meint es gut mit mir. Heute schon ist er mir näher als ich mir selbst nahe sein kann. Auch wenn ich es gerade nicht spüre. Auch wenn ich ängstlich bin. Auch wenn ich mich ärgere. Auch wenn ich gerade aus der Spur gerade.

Der gute Hirte bringt mich auf die Spur zurück. Er hilft mir, meine Angst zu begrenzen und zu besiegen. Er hilft mir, meinen Ärger zu überwinden und sogar in die christliche Meisterklasse keine Vergeltung aufzusteigen. Aber vor allem ist er ganz nahe. Zärtlich und freundlich und zugewandt nahe. Voller Liebe. Voller Barmherzigkeit. Und am Ende werde ich ganz bei ihm sein.

Jetzt ist dunkles Tal. Covid19-Tal. Es gilt durchzuhalten. Nicht die Geduld zu verlieren. Mitzuhelfen, dass die Leitung auf verschiedenen Ebenen möglichst gut ist. Also zu unterstützen und mit der Kritik sparsam und vorsichtig zu sein und dabei nicht aus dem grundlegenden Unterstützen rauszufallen. Wir haben die Macht, eine Leitung besser oder schlechter zu machen. Und wo wir selbst leiten, sollten wir gut hinhören und hinsehen und bereit sein, sachliche Kritik wahrzunehmen und anzunehmen.

Jetzt ist dunkles Tal. Aber der gute Hirte ist da. Ganz nah. Freundlich. Voller Barmherzigkeit. Deshalb werden wir auf der Spur des Hirten weitergehen, das Ziel vor Augen: Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen, seligen Leben. Amen.

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