Jesus – Fantasie oder Ende der Welt oder Rettung?

Liebe Gemeinde,
hören wir den Predigttext aus der Offenbarung im 1. Kapitel (9-18).

Liebe Gemeinde,
wir haben eine Zeit von Fantasy-Filmen, -Büchern und -Spielen. Dort halten seltsamen Wesen die Menschen in Atem. Wir Älteren kommen da nicht mehr mit. Der Jugend allerdings, ist das vertraut.

Uns Ältere haben schon die Bilder und Gestalten der Offenbarung ganz schön verstört. Zu abstrakt war das Dargestellte.

Der Jugend sind in ihren Fantasy-Büchern und -Filmen sicher schon ganz ähnliche Gestalten, wie im Predigttext beschriebenen, begegnet.

Druide, Magier, Weiser, Priester oder König. Mit langem, weißem Haar, durchdringendem Blick und wallendem Gewand. Um die Brust vielleicht auch mit einem goldenen Gürtel geziert.

Sie strahlen Souveränität und eine alles durchschauende Macht aus. Sie sind in der Lage, allen möglichen finsteren Mächten entgegenzutreten und sie am Ende erfolgreich zu überwinden.

Filmemacher und Buchautoren bedienen sich gern solcher Bilder. Nur ahnen die Leser und Zuschauer nicht, dass sie oft ihren Ursprung in einem Buch der Bibel haben.

Das Wort „Apokalypse“, das zurzeit gern großrahmig benutzt wird, stammt ursprünglich aus der Offenbarung des Johannes.

Die Frage ist, geht es hier um bloße Grusel-Unterhaltung oder um die ernste Befürchtung das unsere schöne Erde immer mehr Opfer zerstörerischer Mächte wird. Aber diese Frage ist heute nicht das Thema.

Der Seher Johannes wird beauftragt, den sieben Gemeinden in Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea tröstende, mahnende und ermutigende Botschaften zu senden.

Die beschriebene Gestalt des „Menschensohnes“, hat für uns durchaus erschreckende Züge. „Rex tremendum – König des Schreckens“ ist eine Formulierung aus einem Requiem. Wenn der Tag des Jüngsten Gerichts beschrieben wird.

Auch in der christlichen Verkündigung – speziell bei sich überschätzenden Sekten und Vereinigungen – wird bei den Bildern des Offenbarungsbuches reichlich Anleihe genommen. Diese dienen hier dazu, die Zuhörer einzuschüchtern und die Verkündigenden mit einer „Glorie des Wissenden“ zu umgeben.

Diesen Gedanken wollen wir nicht folgen! Allerdings fragen, welchen Gewinn können wir für unseren Glauben aus den Texten und Bildern der Offenbarung ziehen?

Der Seher Johannes agierte etwa in der Zeit 70 bis 100 nach Christus. Er wandte sich an Gemeinden, die damals vermutlich schon sehr schlimme Zeiten der Verfolgung und Bedrohung hinter sich hatten, vielleicht aber auch noch vor sich.

Johannes brachte Ihnen den Menschensohn nahe. Ihm war er in einer Vision erschienen. Er hatte Macht und Schrecken ausgestrahlt, ihm aber auch tröstend die Hand auf die Schulter gelegt: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.

Im Text heißt es: „Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes.“

Ab hier beginnen wir zu ahnen, dass es wohl Jesus war, der in Gestalt des Menschensohns dem Seher Johannes erschien. Er beauftragte Johannes zu trösten, zu mahnen, zu ermutigen.

Die Bilder und Symbole der Offenbarung übersteigen unser mentales Fassungsvermögen bis heute. Wir können es nicht verhehlen, sie sind uns immer noch nicht restlos zugänglich.

Hoffnung und Vergewisserung verfasste, 1800 Jahre später, der Liederdichter Friedrich Spitta in den Zeilen des Liedes EG 259 2b: „Wie Gott zu unsern Vätern trat / auf ihr Gebet und Klagen, / wird er, zu Spott dem feigen Rat, / uns durch die Fluten tragen. / Mit ihm wir wollens wagen.“

Und nochmal 120 Jahre später? In Deutschland müssen wir keine Angst haben, wie die Schwestern und Brüder vor 1900 Jahren, um unseres Glaubens willen verfolgt zu werden.

Dennoch jeder denkende Mensch, gläubig oder ungläubig, blickt mit zunehmender Angst in die Zukunft. Unsre Zukunft, vor allem die Zukunft unsrer Kinder und Enkel. Dies ist spürbar in Gesprächen, Zeitungskommentaren, TV-Beiträgen und Buchveröffentlichungen. Eines dieser Bücher heißt treffend: „Das Ende der Welt wie wir sie kannten“.

Die Gründe für solche Zukunftsängste sind inzwischen allen geläufig. Und auch täglich in den Medien präsent. Rücksichtsloser Gebrauch von Kraftfahrzeugen, Flugzeugen, Schiffen. Verantwortungsloser Gebrauch von Chemikalien zu Land, zu Wasser und in der Luft, etc.

Alles Punkte die langfristig zu Erkrankung von Menschen und Aussterben von Insekten und Tierarten führen. Dazu noch die Überfischung der Meere, die Flut von Plastik- und anderem Müll in Gewässern und auf dem Lande.

Die Konsequenz des Egoismus und der Rücksichtslosigkeit, gepaart mit der Unvernunft des Menschen wurde in einer Karikatur dargestellt. Die Kreativen zeichneten eine große Müllflut. Von der Sardinenbüchse bis zum Autowrack ist so ziemlich alles enthalten, was Menschen täglich an „Müll“ erzeugen. Obenauf schwimmt eine Arche, mit Tieren jeglicher Art paarweise bestückt. Als aber zwei Menschen die Klappe betreten wollen kommt eine große Hand aus der Wolke und verwehrt den Eintritt. „Nein! Ihr nicht! Ihr bleibt in der Welt, die ihr euch selbst geschaffen habt!“ Wow, was ein Schlag ins Genick.

Erschreckt müssen wir erkennen, unsere Kirche kann mit dem Leitwort: „Frieden – Gerechtigkeit – Bewahrung der Schöpfung“ kaum noch der Woge der ungebremsten Marktwirtschaft standhalten. Fast alle sind wir Nutzer der Aspekte die unsere Umwelt und Atmosphäre schädigen.

Tut es Not, immer das neueste Handy, Computer, Haushaltsmaschine, usw. haben zu müssen? Wenn die Geräte von „Gestern“ noch voll funktionsfähig sind? Heute ist vermehrt das Wort „Nachhaltigkeit“ zu hören. Wir müssen uns intensiv damit beschäftigen. Sonst wird sich uns am Ende die abwehrende Hand entgegenstellen: „Ihr nicht! Ihr bleibt in der Welt, die ihr euch geschaffen habt!“

Aber da ist noch eine andere Hand. Die, die sich dem geängstigten Johannes auf die Schulter legte und sagte: „Fürchte dich nicht!“ Das ist eine absolut andere Zukunftsvision. Tragisch ist, wir können uns der einen so wenig entziehen wie der anderen.

Es gibt ein schönes Gebet, des großen Theologen Karl Barth: „Vater im Himmel! Wir sind nicht die Leute, das zu tun, was Dir gefallen kann und für uns selbst heilsam ist. So bitten wir Dich herzlich und demütig: reinige Du unser Reden und Hören, unser Handeln und unser Unterlassen. Öffne und erleuchte Du unsere Herzen und unseren Verstand. Erwecke Du unseren Willen, Dich zu erkennen, und unsere Bereitschaft, Dir Recht zu geben und Deinem Willen zu folgen. Amen.“

Lasst uns zuversichtlich hoffen und bitten, dass Gott uns auch die Hand auf die Schulter legt. Und sein Wort hält, wie er einst durch Jesaja sagte: „Fürchte Dich nicht, ich bin mit Dir; weiche nicht, denn ich bin Dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“ (Jes 41,10)

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Arnd Morgenroth.)

print

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen