Jesus deckt die Mächte des Bösen auf und überwindet sie.

Lieber Gemeinde,

Jesus hat einen bösen Geist ausgetrieben, der stumm war. Das verstehe ich so, dass dieser Geist sich auf dem Geist eines Menschen gelegt hat und ihm die Sprache genommen hat. Der menschliche Geist, der Kopf dieses Menschen war krank, so würden wir heute sagen. Der Mensch war nicht seiner selbst, aber nicht darin, dass er voller Wut tobte, oder darin, dass er auf andere los ging. Sondern darin, dass er den Menschen sprachlos machte. Keine Worte zu haben, ist eine schlimme Sache. Das kann nur durch sehr schwere und starke Erfahrungen geschehen. Es gibt Menschen, die sind schwer traumatisiert, schwer geschockt. Sie wissen vielleicht gar nicht mehr so genau, was ihnen zugestoßen ist. Aber sie wissen, dass auf ihrem Leben ein Fluch liegt, der ihnen die Sprache nimmt. Für mich ist die Erfahrung der bösen Geister, so wie sie auch ganz unterschiedlich beschrieben werden, ganz deutlich die Erfahrung psychischer Krankheiten. Die Macht der Geister, die in diesem Fall ganz von einem Menschen Besitz ergreifen, ist beträchtlich. Da kommt ein Mensch im normalen Umgang nicht gegen an. Der Umgang mit einem solchen Menschen wird tatsächlich oft als Machtkampf erfahren, wohl wissend, dass der andere nicht Herr seiner selbst ist. Auch wenn die heutige Psychiatrie sicherlich nicht mehr in dieser Form von Krankheiten redet und sie als Besessenheit durch böse Geister deutet, so liegt es doch von der Beschreibung klar auf der Hand, was gemeint ist. Heute würde man sagen: Jeder kann und muss sich selbst heilen, und er wird durch bestimmte Methoden dazu in die Lage versetzt durch seine gesunden Anteile die machtvollen kranken Anteile zu integrieren und zu beherrschen.

Hier scheint es nun so, als könne dies von außerhalb geschehen, durch Jesu machtvolle Worte etwa. Bis weit in das vergangene Jahrhundert wurden psychisch Kranke in sogenannten Anstalten verwahrt. In vielen Fällen war eine Heilung nicht möglich. Das scheint auch heute noch in der sogenannten Forensik dem Maßregelvollzug für psychisch kranke Straftäter so zu sein, in der es manchmal heißt, Menschen seien nicht therapierbar. Immer jedoch muss heute die Heilung zunächst genauso von außen erfolgen, soweit sie denn gelingt, wie dies bei Jesus auch der Fall war. Die bösen Geister, von denen es schon damals sehr verschiedene gab, werden beim Namen genannt angesprochen und, so möchte man sagen, so gut es geht ausgetrieben. Es heißt dann, dass ein Mensch wieder zu seinem eigenen Selbst findet und eben nicht von einem bösen Geist beherrscht wird. Da wir heute weniger Wunder in der vorgestellten Art erleben und da wir auch nicht von Dämonen in diesem Zusammenhang reden, nimmt sich die Psychiatrie für die Heilungsprozesse sehr viel Zeit. Heute bleiben immer Reste dieser Krankheiten und es geht darum, trotzdem so gut es eben geht, das Leben selbst beherrschen zu können. Doch ich würde es im Grundsatz immer noch genauso sehen wie bei Jesus. Es ist doch unvorstellbar, dass ein böser Geist durch einen anderen ausgetrieben wird. Wirkliche Heilung geschieht nur durch die Befreiung von der Geisterwelt, dadurch dass Gottes Finger jemanden in die Freiheit führt, in der er wieder als Kind Gottes entsprechend seiner Bestimmung als Geschöpf Gottes leben, lieben und arbeiten kann.

Vorerst meine ich also, dass in der Rede von den bösen Geistern ein gute sinnhafte und symbolische Beschreibung von Tatsachen erfolgt, die heute eher mit dem Wort psychisch umschrieben werden.

Doch nun stehe ich vor einem Dilemma: Wenn ich mir jetzt darüber Gedanken mache, wie sich psychische Krankheiten durch Gottes Wort und den Glauben heilen lassen können, dann verlasse ich den Predigttext. Der Predigttext hat sich eindeutig mit der Frage beschäftigt, durch welche Macht böse Geister ausgetrieben werden, durch Beelzebub oder durch Gott. Es geht mit keiner Silbe darum, wer oder was böse Geister sind oder wie wir neuzeitliche Menschen uns diese vorzustellen haben. Ich vermute, dass Afrikaner weiter weniger Probleme mit der Erklärung von Besessenheit haben, als wir moderne Menschen.

Andererseits geht es hier auch nicht um Satanismus oder ähnliche gesellschaftliche Strömungen, in denen der Glaube an böse Geister heute wieder auftaucht. Ich persönlich neige ansonsten eher dazu, auch bestimmte gesellschaftliche Strömungen zu diesem Themenfeld zu rechnen, die Menschen zu Gewalt, Krieg oder Vernichtung aufrufen, anstelle zu Frieden und Mitmenschlichkeit. Der Nationalsozialismus, der Millionen Menschen in den Tod getrieben hat, war sicherlich auch ein solcher Dämon. Doch worin zeigt sich darin Besessenheit, oder geht es dabei nur um die Gegenwart des Bösen in unserer Welt.

Ich gebe zu, dass mir die Rede Jesu hier selbst nicht gefällt, da er drei Beispiele aus der Welt der Kriege wählt, und dies sicherlich aus der eigenen Anschauung im Israel der damaligen Zeit. Das erste Beispiel ist der Bürgerkrieg. Fallen in einem Volk die verschiedenen Mächte übereinander her, so dass ein Reich mit sich selbst uneins ist, so wird dieses Reich dadurch schwach und angreifbar. Es geht entweder im Brüderkrieg unter oder wird die Beute einer anderen ausländischen Macht. Dieses Beispiel zeigt in Jesu Worten in der Form eine Vergleichs, dass sich ein böser Geist nicht durch Beelzebub austreiben lässt. Dieser Beelzebub wird von Jesus im übrigen Satan genannt. Ich vermute, dass in dieser simplen Umbenennung schon die Lösung des Problems liegt. Würde die Welt nur so wimmeln von bösen und guten Geistern, wie sie etwas im Film der Herr der Ringe dargestellt werden, dann wäre es ja möglich, das der eine Geist durch einen anderen besiegt oder ersetzt werden kann. So könnte der Geist der Sprachlosigkeit etwas durch den Geist der Aggression und Wut ersetzt werden. Damit wäre keinem geholfen. Doch der Satan ist mehr als ein Geist unter vielen, es ist der von Gott abgefallene Engel, der Herr der Unterwelt, das personifizierte Böse. Alle bösen Mächte werden durch dieses Wort vereinheitlicht. Dabei besteht natürlich Gefahr des Satanismus, dass also Menschen nur an diese böse Macht glauben.

Die Bibel ist von der ersten bis zu letzten Seite davon überzeugt, dass Gott als der Schöpfer der Welt immer auch der Herr des Bösen ist, das zu dieser Welt gehört. Das Böse, das unter den Menschen wütet, wird durch Gottes Geist überwunden. Der Gegensatz von gut und böse wird als die Spannung verschiedener Mächte in der Welt gedacht und nur Gott selbst wird als die Macht gedacht, welche die ganze Welt umfasst und daher das Böse sowohl auch enthält also im Sinne einer heilvollen Zukunft überwindet.

Im zweiten Beispiel besteht der Krieg in der passiven Gewalt durch Verteidigung oder Abschreckung wird der Palast einer Macht geschützt. Im dritten Beispiel wird diese Verteidigung durch eine Übermacht gesprengt. Für Jesus gibt es also letzten Endes keine verschiedenen Geister mehr, sondern nur noch eine Macht des Bösen. Er selbst ist natürlich kein Vertreter des Beelzebub, wie er genauso gut hier durch klare Argumente darlegt, dass von diesen Mächten her gedacht, eine Geistesaustreibung durch Beelzebub gar nicht geht. Daher verweigert er auch ein Zeichen das Himmels um seine Macht zu demonstrieren. Allein die Heilungen, die wirklich geschehen zeigen seine Macht.

Zum Schluss zieht Jesus eine harte Konsequenz: Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, zerstreut.

Das klingt zunächst ja sehr egoistisch und überheblich. Doch hier spricht Jesus Christus. Die ganze Kirche und die ganze Gemeinde ist hier im Blick. Wenn hierin eine Antwort auf die Umgangsmöglichkeit mit den bösen Mächten enthalten ist, dann doch die: Nur mit Jesus selbst ist es möglich, die Macht des Bösen zu beherrschen. Folglich scheiden sich an Jesus die Geister. Es gibt nur die Alternative: Zustimmung oder Ablehnung. Das heißt: Alles was in der Gemeinde nicht zur Überwindung des Bösen dient, was nicht dem Namen Christi dient, arbeitet letztlich dem Bösen in die Hand. Jesus sagt: Wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut, man könnte auch sagen, wer nicht mit mir integriert, der spaltet.

Jesus legt die Verantwortung für das Reich Gottes in unsere Hand. Durch sein Wort sind wir in der Lage und dafür verantwortlich, dass die Mächte des Bösen aufgedeckt und überwunden werden. Dabei können und wollen wir nur in seinem Namen reden und handeln und Christi Kirche sein. Der Umgang mit bösen Mächten ist immer gefährlich, weil auch die ganze Kirche dabei auf dem Spiel steht. Christus spricht auch heute: Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.

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