Jahreslosung 2017 das neue Herz

Predigt Jahreslosung 2017 – Das neue Herz

Es war eine normale Erkältung. Nichts Schlimmes, es zog sich nur lange hin. Über zehn Wochen hatte Carola, damals 39 Jahre alt, mit der Grippe zu tun. Sie ging nach einigen Tagen auch wieder in ihre Umschulung zur Heilerziehungspflegerin, die sie gerade absolvierte. Doch irgendwann kamen Symptome hinzu, die nicht zu einer gewöhnlichen Grippe passten: Atemnot beim Laufen, Übelkeit, Schwindel, Druck auf den Magen. Sie lief von einem Arzt zum anderen, kam schließlich ins Krankenhaus. Erst nach Wochen erkannte man, dass eine Herzmuskelentzündung vorlag, das Herzecho ergab eine Leistung von nur noch 45 Prozent.
Es kam noch schlimmer. Nach einer Kur wurde sie als arbeitsfähig entlassen, trotz ihrer um mehr als die Hälfte verminderten Herzleistung. Das war 2002. Etwa zwei Jahre war ihr Zustand relativ stabil, dann ging es ihr immer schlechter. Eine neuerliche Untersuchung ergab nur noch 25 Prozent Herzleistung. Nun war klar: Ohne ein Spenderherz wird sie nicht mehr lange leben können. Die erste Vorstellung und viele Untersuchungen im Transplantationszentrum folgten. Als ihre Herzleistung auf dramatische 16 Prozent sank, wurde ihr ein Defibrillator unter die Haut operiert. Die Elektroden lösen im Notfall aus. „Vier Mal rettete mir das Teil mein Leben“, erzählt Carola. Das erste Mal passierte es zu Hause, die anderen Male, als sie schon in der Klinik in lag und auf ein Spenderherz wartete.

Doch was war das für ein Leben, wo schon allein das Zähneputzen eine unsägliche Anstrengung bedeutete. Laufen, sich bewegen, war nicht mehr möglich, ihre Nieren versagten den Dienst. Wochenlang hat sie kaum geschlafen, aus Angst, nicht mehr aufzuwachen. Ihren Lebensmut hatte sie fast verloren. „Mir ging es so schlecht, ich wollte einfach nicht mehr.“ Ihre Familie, ihr Mann, ihr Sohn und die Schwiegertochter, fingen sie auf, waren für sie da, schenkten ihr ein Fünkchen Mut.

Dann kam der erlösende Satz: „Wir haben ein Herz für Sie.“ Das war, als ob eine zentnerschwere Last von ihr abfiel, „jetzt kannst du weiterleben“, dachte sie. Der befreiende Satz bewirkte auch, dass die Schwerkranke die nächsten Stunden bis zur rettenden Operation in einen Tiefschlaf fiel, den sie seit Wochen nicht mehr kannte. Ihre erste Erinnerung beim Aufwachen nach der OP: Du lebst noch, du hast es geschafft! Dann ging alles sehr schnell, erzählt Carola. „Schon am 3. oder 4. Tag nach der OP bin ich die ersten Schritte gelaufen. Ich wollte es einfach wissen, ob das noch geht“. 14 Tage, nachdem sie das neue Herz in ihrer Brust hatte, war sie wieder zu Hause, Regelmäßige Untersuchungen sind weiter nötig, und täglich bis zu 16 Tabletten sorgen dafür, dass das Herz nicht abgestoßen wird. (Geschichte auf www.transplantation.de)

 

Gott spricht – Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Liebe Gemeinde meistens wird das Herz in der Bibel als Metapher verwendet, als Bild für irgendetwas anderes. Aber jeder von uns hat ein Herz – ganz buchstäblich – die Pumpe, die uns am Leben erhält. Ein Muskel, der schlagen muss, sonst sterben wir.
Weltweit wurden seit den 60er Jahren etwa 100.000 Herztransplantationen durchgeführt.
Und wir kommen der Dramatik unserer Jahreslosung 2017 nur auf die Spur, wenn wir uns das Geschehen als Transplantation vorstellen.
Das alte Herz wird entfernt, das neue eingesetzt – wie in den Schöpfungstagen tritt Gott als Chirurg auf – er öffnet unseren Körper und unseren Geist und legt etwas Neues hinein. Und genau wie bei einer Operation werden wir mit heftigen Reaktionen rechnen müssen. Aber am Ende passiert das alles, damit wir am Leben bleiben.

Den Verletzungen der Sünde nicht erliegen, sondern weiterleben können – nicht hartherzig werden und innerlich versteinern sondern buchstäblich lebendig bleiben.

Nun bin ich doch wieder bei den Bildern und Metaphern angekommen – bleiben wir also kurz einmal hier.

Das Herz taucht im Alten Testament 858 mal auf und damit weitaus häufiger als alle anderen Organe. Jedes Organ steht dabei für einen bestimmten Aspekt unseres Menschseins. Die Kehle zum Beispiel ist der Sitz der Seele – die Lebensgier die buchstäblich den Hals nicht vollbekommt. Alles was wir zum Leben brauchen muss durch unsere Kehle und wir schlingen es gierig hinunter. Brot, Wasser und auch Luft zum Atmen. Die Kehle steht damit auch für Sehnsüchte und Bedürfnisse.
Das Ohr steht für das Verstehen, das Auge für das Erkennen und der Fuß für Kraft.

Wofür aber steht das Herz?
Es ist das Zentrum unseres Wesens. Es ist die Mitte unserer Existenz. Das Zentrum für Denken, Fühlen und Wollen.
Wir modernen Menschen haben uns daran gewöhnt vom Herz als Gefühlsorgan zu sprechen. Verliebte malen Herzen an Wände und verschicken sie per WhatsApp. Wir bekommen Herzklopfen wenn wir aufgeregt sind. Wir begrüßen uns herzlich oder schütten uns gegenseitig das Herz aus. Doch irgendwie misstrauen wir dem Herzen auch. Verliebte denken eben nicht mehr klar und emotionale Entscheidungen sind in Wirtschaft und Politik verpönt.
Wir haben uns daran gewöhnt zwischen Kopf und Herz zu unterscheiden, zwischen Vernunft und Emotion. Diese Unterscheidung liegt dem biblischen Denken fern.
Das Herz in der Bibel ist das Organ mit dem der Mensch denkt. Es ist ein wahrnehmendes Organ. Es reagiert auf seine Umwelt und nur so ist es in der Lage wichtige und richtige Entscheidungen im Leben zu treffen.
Jeder Verliebte wird das bestätigen können – kaum klingelt das Telefon und die Geliebte ist dran, schlägt das Herz schneller. Das Blut wird besser durchs Gehirn geleitet und der Muskeltonus steigt. Kraft, Lebensfreude und Energie – das alles können wir am Herzschlag ablesen.

Was heißt es also wenn wir hören: Gott schenkt uns ein neues Herz?

Es ist wie eine Transplantation – und doch hinkt der Vergleich. Denn bei einer Transplantation ist das Zweitherz immer die schlechtere Lösung als das Original.
Nicht so bei Gott. Er, der Schöpfer von uns Menschen hat das bessere, das lebendigere Herz für uns. Sein Ersatz, der das Zentrum unseres Daseins bestimmen will, ist keine Notlösung, sondern sowas wie ein Upgrade. Wie der Prozessor der neueren Generation, der schneller und besser schlägt, läuft damit die gesamte alte Hardware besser.
Nicht umsonst nennt man die Hauptrecheneinheit eines Computers Core – also Kern – auf lateinisch heißt cor: Herz.
Es ist der Kern unseres Daseins, den Gott neu machen will. Besser, lebendiger, stärker.

Auf den kleinen Kalendern, die ich ihnen mitgebracht habe ist ein Stück der Lutherrose zu sehen. Im Zentrum das Kreuz – das Luther noch schwarz gemalt hat. Denn das Kreuz im Zentrum ist und bleibt schmerzhaft. Aber, so erklärt Luther weiter – wenn man es im Herzen behält, so bleibt das Herz rot – es verderbet die Natur nicht, es tötet nicht, sondern es erhält lebendig.
Wie eine Art Herzschrittmacher erinnert der Glaube uns daran lebendig zu bleiben. Nicht zu versteinern oder hartherzig zu werden, sondern ein fühlendes, denkendes und wollendes Wesen zu bleiben und zwar mitten in unserem Zentrum.

Das Herz ist gleichzeitig das Organ, das die Verbindung zu Gott hält, wie kein zweites. Gott berührt uns in unserem Zentrum – oder gar nicht.
Von ganzem Herzen von ganzer Seele und mit ganzer Kraft.
Wo dieses Zentrum ausfällt, da steht es schlecht um uns Menschen.
Doch selbst, wo wir vielleicht nur noch 20% Herzleistung selbst bringen, hat die Gott die Kraft und den Willen uns weiterzuhelfen – das ist sein Versprechen in der Jahreslosung 2017 – Gott sagt: Ich hab ein Herz für dich – du sollst leben!

Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Das verleihe Gott uns allen. Amen

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