IN und OUT

[Vorbemerkung: Kleine rote und grüne Kärtchen/Zettel werden zuvor an die Konfis und andere Jugendliche im Gottesdienst verteilt, nicht zu viele, sonst zahlenmäßig schwer auswertbar.]

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde,

ich freue mich, dass wir heute an diesem besonderen Tag hier zusammen sein können, ich freue mich, dass ihr euch entschieden habt, euch konfirmieren zu lassen. Und mir war immer wichtig, euch zu sagen: Das ist EURE Entscheidung, nicht die Entscheidung eurer Eltern oder von Oma oder der Schule.

Denn darum geht es doch in dieser „wunderbaren und spannenden“ (ein Biolehrer) Zeit der Pubertät – einer Zeit der zumindest teilweisen Ablösung von den Eltern: Auf die eigenen Füße zu kommen, sich eine eigene Meinung zu bilden, Grenzen zu testen. Das kann andere ganz schön quälen, neulich sagte mir jemandt: Ich hoffe, dass meine Tochter nicht so wird wie ich früher ggü meinen Eltern war. Ohauehaueha. Aber da kommt ihr nicht drum rum, wenn ihr eigene Persönlichkeiten werden wollt, die nicht immer nur mit der Masse laufen und das reden, was alle reden. Ihr müsst EUREN Weg finden.

Ich weiß, das ist nicht leicht. Und oft bestimmen wir gar nicht selbst. Es gibt ungeschriebene Gesetze. Was ist richtig, was ist falsch? Oder sagt man das heute immer noch: Was ist in, was ist out/megaout?

Ich habe gedacht, ich mach mal eine kleine Umfrage hier in der Kirche, mit roten und grünen Karten: grün für das, was du „IN“ findest, rot für das, was du „OUT findest. Wenn du nix weißt, dann lässt du die Karten unten. Das Ganze ist natürlich völlig anonym. Einmal Karte heben kostet nur 0,99 Cent – (nicht ernst gemeint).

[Aktion: In und Out mit Farbkartonkarten oder Daumen, zwei Tafeln vorne: grün: IN + rot: OUT, Schilder da zuordnen/unterkleben.]

Ich habe mal ein paar Vorschläge mitgebracht: Lange Haare bei Jungen – Inliner – rauchen – fette Geländewagen – regelmäßiger Sport – Koteletten – Bibellesen – ABBA – Pünktlichkeit – Höflichkeit – Fahrradfahren – Pferde – Bravo – Beten – Urlaub mit der Familie – Gottesdienst – Treue – Heiraten – Spaghetti – Lernen – Herr der Ringe – Lindenstraße …

Danke, danke für die rege Beteiligung. Ich habe es gemerkt: Mit einigem stimme ich ja überein, bei vielem muss ich irgendwie noch wieder 10 Jahre warten, bis ich „IN“ bin.

IN und OUT, das ist gar nicht so einfach damit umzugehen. Denn hängt da nicht viel von ab? „IN sein“ bedeutet: Respekt und Anerkennung der Anderen, vielleicht auch Neid (die schönste Form der Anerkennung in Deutschland?), „Out sein“ heißt der Looser sein, verachtet oder im besten Falle bemitleidet zu werden. Wer will das schon? Also immer schön mitlaufen?

Viele tun das und sie merken ihr Leben lang nicht, dass sie Sklaven sind. Sogar bei den Friesen, die ja angeblich lieber tot sein wollen als Sklave: ein altes Motto von Paulus übrigens, „Zur Freiheit hat euch Christus befreit, lass euch nicht wieder das Joch des Gesetzes auflegen“ (Gal 5,1). Menschen, die immer nur anderen gefallen oder gehorchen, „IN“ sein wollen, sind keine Menschen einer freien Entscheidung. Wenn du sagst: Ich bin frei, weil ich meinen Eltern nicht mehr gehorche, und dann gehorchst du deinem Freund oder deiner Gruppe oder der Bravo oder sonstwas, dann bist du nicht frei. Und ob die anderen das ebenso gut mit dir meinen, kann ja auch mal bezweifelt werden.

Die Anderen, sogar die Riesenmehrheit, kann schrecklich falsche Wege gehen. Im 3. Reich ließ sich ein ganzes Volk dazu verführen, „Heil Hitler“ zu schreien, Juden zu vergasen und im 2. Weltkrieg andere Völker ins Elend zu stürzen und zuletzt sich selbst. Die Mehrheit kann schrecklich irren. Das ist nichts neues. Denn die Mehrheitsmeinung ist wetterwendisch.

Das musste schon einer erfahren, der heute in der Mitte dieses Gottesdienstes steht, nämlich Jesus. Als der vor 2000 Jahren in Jerusalem einzog, riefen alle „Hosianna!“, „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“. Und wenige Tage später, aufgehetzt von den Oberen: „Kreuzige ihn!“

Um diesen Jesus soll es heute gehen. Jesus hat immer gewusst und gesagt, dass bei der Frage nach dem Sinn und Ziel meines Lebens, bei der Frage: gehöre ich zu dem lebendigen Gott und bin ich sein Kind?, keine Abstimmungen und keine Mehrheitsmeinung zählt. Im Gegenteil, Jesus ist mal wieder recht direkt. In der Bergpredogt sagt er: Mt 7,13 „Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind’s, die auf ihm hineingehen.“ Punkt.

Jesus, möchte man an diesem Punkt sagen, das kann man doch so nicht sagen, die meisten bemühen sich doch, anständige Menschen zu sein und z.B. zufrieden mit der Familie zu leben oder ordentlich zu arbeiten. Ist das denn nicht richtig? Was würde Jesus dazu sagen: Ist ein anständiges Familienleben der Weg ins ewige Leben? Ist Arbeit und Pflichterfüllung der Weg ins ewige Leben? Jesus ist da ganz hart: Er sagt: Das ist ja alles ganz nett, aber diese breite Straße führt nicht ins ewige Leben, sondern in die Verdammnis! Wie nun das denn, nun hört aber die Gemütlichkeit auf, du verdirbst uns ja die ganze Feier!

„Nein“, würde Jesus sagen, „das tue ich nicht, ich feier auch ganz gerne. Du lebst vielleicht nach der Meinung der Mehrheit anständig, aber du bist nicht auf dem Weg ins ewige Leben.“
Nun, Jesus, fragen wir vielleicht, wo ist der Weg ewige Leben, bitteschön, und woher weiß ich eigentlich, ob das wahr ist?

Und da sagt Jesus: „Ich BIN der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Jesus sagt nicht: Ich kenne einen Weg, sondern ich BIN der Weg. Entscheidend ist also: Gehöre ich zu Jesus, zu dem, der Weg, Wahrheit und Leben ist? Spielt Jesus eine Rolle in meinem Leben, in meinem Beruf, in der Schule, bei meinen Freundschaften, bei meinen Problemen? Will ich ihm nachfolgen oder irgendjemandem oder irgendetwas?

Bei der Konfirmation geht es heute genau um die Frage: Wem vetraue ich mein Leben an? Der Mehrheit, die mir sagt, was gerade mal wieder „in“ und „out“ ist? Wem vetraue ich? Nur mir selbst oder meinem/r besten Freund/in? Oder will ich zu Jesus gehören, dem Sohn des lebendigen Gottes, der mein Leben in Wahrheit verändern und ihm einen Sinn geben kann. Das ist eine lebenswichtige Frage, es geht um unser Leben. „Wer den Sohn hat, der hat das Leben, sagt Johannes, wer den Sohn nicht hat der hat das Leben nicht.“ Der kann nett und anständig und freundlich leben, aber er hat das wahre Leben nicht. Die Bibel sagt: Du kannst bei den Menschen total IN und angesehen sein, ohne Jesus bist du bei Gott OUT.

Jesus vergleicht einmal in einem Bild sich selbst mit einem Weinstock als er sagt: (Joh 15,5)
„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Wie die Trauben Kraft für ihr Leben vom Zweig bekommen, so sollen wir mit Jesus verbunden sein. Wisst ihr, wie eine Weintraube aussieht, die nicht mehr am Zweig hängt? Nach kurzer Zeit verschrumpelt oder angefault. Unbrauchbar.

Das ist die Botschaft Jesu: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“, und diese Botschaft gilt für jeden einzelnen von uns, natürlich auch für unsere Kirche. Auch wir als Gemeinde können trotz aller wohlanständigen äußerlichen Christlichkeit geistlich verfaulen und unbrauchbar werden, wenn wir die Verbindung zu Christus verlieren. Dann sind wir wahrlich „out“. Deshalb sage ich auch heute wieder: Betet nicht nur in der Not und nicht für euch und eure Familien, sondern auch für unsere Kirche und unsere Gemeinden.

Ich wünsche euch. liebe Konfirmanden, und uns, liebe Gemeinde, dass wir durch Christus frei werden von der Sklaverei der Mehrheitsmeinung, egal, wie „out“ wir damit werden. Ich wünsche jedem von uns, dass er oder sie zu Jesus findet und ihm sein/ihr Herz gibt. Christus allein ist Weg, Wahrheit und der Weg ins ewige Leben.

Und euch, lieben Konfirmanden/innen, wünsche ich, dass ihr EUREN Weg geht und auch nach den heutigen Tag die Verbindung haltet, zu dem Herrn eures Lebens, aber auch zu seiner Gemeinde. Gott segne euch alle.

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