In Gottes Händen (Ps 73,23)

Ps 73,23
[23] Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.

Liebe N.N., lieber N.N., liebe Verwandte und Freunde der Familie N.N.,

“In Gottes Händen“ – so lautet der Titel dieses Bildes, das von Sieger Köder stammt. Das Bild verdeutlicht das, was Jesus sagte – wir hörten es eben: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, kommt ihr nicht in das Reich Gottes.“ Damit meint Jesus, wenn wir zu Gott kein radikales Vertrauen haben – so wie ein es Kind hat – sind wir weit weg von Gott. Das Kind hier auf dem Bild lebt aus diesem Vertrauen heraus, dass Gott da ist. Es ist ganz Aug und Ohr für ihn.

Eine große biblische Gestalt – Abraham – war ebenfalls ganz Aug und Ohr für Gott. Dabei ist Abraham keine Leuchtgestalt, der immer alles richtig gemacht hätte. Die Bibel berichtet auch von seinen Zweifeln und Fehlern. Und doch war das, was ihn im Leben hielt, die Erfahrung: Gott ist mit mir. Er lässt mich Wege gehen, deren Ziel ich nicht kenne, aber ich bin dabei nicht alleine unterwegs. Mein Leben steht in seiner Hand. Diese Erfahrung, dieses Vertrauen hat er weitergegeben – an seinen Sohn Isaak und der wiederum an seine Kinder und Kindeskinder, so berichtet es das erste Buch Mose. Und so ist es weitergegangen – letztendlich bis heute: Menschen haben ihr Leben Gott anvertraut, seit der Zeit des Neuen Testamentes auch seinem Sohn Jesus Christus. Und sie haben anderen davon erzählt, sie eingeladen, es ihnen gleich zu tun. Nicht zuletzt deswegen feiern wir heute die Taufe von N.N..

Was den Taufspruch von N.N. angeht, so stammt er aus dem 73. Psalm und lautet: „Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.“

Ein tolles Glaubensbekenntnis – so finde ich. Jedoch ist dieses Bekenntnis alles andere als IN. Angesagt ist: sein Leben und sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Die Werbung will uns weismachen, dass man mit bestimmten Produkten Schönheit, Jugend, Lebensqualität erreichen und erhalten könnte. Bei der Stammzellen- und Embryonenforschung geht es letztlich darum, das Geschick eines Menschen schon in die Hand zu nehmen, bevor er überhaupt geboren ist. Und doch steht dem gegenüber immer wieder die Erfahrung, dass manche Dinge im Leben eben nicht planbar, nicht machbar sind, nicht einmal mit Geld bezahlbar sind – etwa wirkliche innere Zufriedenheit, gelingende Beziehungen, Gesundheit usw. Und was dann?

Wie gut, wenn ich nicht erst in Krisensituationen nach einem Halt und einem Sinn in meinem Leben suchen muss, sondern einen tragfähigen Grund meines Lebens für gute und schwere Tage gefunden habe. Gott reicht uns die Hand. Wir sind nicht irgendeinem anonymen Schicksal ausgeliefert, es ist nicht egal, was aus uns wird. Unser Leben ist aber auch nicht nur dann lebenswert, wenn es jung, gesund, schön, unbeschwert und gut betucht ist. Nein, Gott gibt unserem Leben Wert und Sinn – einfach, weil er uns liebt und ihm alles daran liegt, dass wir seine Gemeinschaft suchen und finden. Gott reicht jedem und jeder von uns persönlich die Hand und leitet uns nach seinem Rat. Das hat er lange nach der Abrahamsgeschichte bestärkt durch seinen Sohn Jesus Christus. In ihm ist er selber Mensch geworden, hat unter den Menschen gelebt und die Grenze von Leid, Schuld und Tod überwunden: „Nichts und niemand kann uns jetzt mehr trennen von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist“, hat Paulus im Römerbrief geschrieben.

Sich in seinem Leben der Hand Gottes anzuvertrauen, bedeutet nicht, alle Verantwortung abzugeben und nur noch gegängelt zu werden. Nein, so wie Abraham aus seiner Heimat in ein unbekanntes Land gezogen ist, so ist auch unser Leben in vielerlei Hinsicht eine Reise in unbekannte Gefilde. Gott lässt uns dabei viel Freiraum, aber er reicht uns die Hand – er gibt uns Orientierung und Halt, Hilfen wie das eigene Leben und das Zusammenleben mit anderen gelingen kann. Wir können dem auf die Spur kommen, wenn wir uns auf die Beziehung zu ihm einlassen – in der Auseinandersetzung mit der Bibel und mit anderen Christen und Christinnen in der Gemeinde, im persönlichen Gebet und der Bitte um seine Nähe.

Gott reicht uns die Hand. Er tut den ersten Schritt. Egal ob wir jung sind oder alt, egal wie unser Leben bisher aussah: Er reicht uns die Hand und lädt uns ein, ihm zu vertrauen, mit ihm unterwegs zu sein.

Leider greift diese Hand bei vielen Menschen ins Leere – denn das Gegenüber schlägt nicht ein. Doch wer kein Vertrauen wagt, wer die angebotene Hand ausschlägt, kann gar nicht erahnen, wie ein Leben mit Gott aussieht, was er oder sie verpasst. Er oder sie bleibt letztlich einsam und verloren.

Wenn wir N.N. heute taufen, dann reicht Gott auch ihm in besonderer Weise die Hand. Noch kann N.N. nicht selber laufen. Aber schneller als gedacht wird die Zeit kommen, wo er sich aus eurer Hand, N.N. und N.N., losreißt und selber die Welt entdecken möchte. Ich denke, das wisst ihr nur umso gut mit Blick auf eure beiden anderen Kinder. Wie gut ist es dann für euch zu wissen: Auch da, wo wir selber unser Kind nicht festhalten, nicht behüten, nicht beschützen können, da ist es nicht allein, sondern in Gottes Hand. Das Bild zeigt es: Offen und angstfrei schaut das Kind auf den, den eigentlich keiner sehen kann. Es fühlt sich geborgen in den Händen des Unsichtbaren und ist sich sicher, niemals aus Gottes liebender Hand herausfallen zu können. Freude strahlt aus dem Gesicht des Kindes über den Regenbogen. Nicht nur, weil dieser farbenprächtig ist, sondern er ist Gottes Zeichen für seinen Bund, den er mit uns Menschen geschlossen hat. Das Kind im Regenbogen – es weiß: Gott ist unendlich gut. Von allen Seiten umgibt er uns. Unser Leben ist in seiner Hand. Seine Liebe durchdringt alles wie im Bild die Farben des Regenbogens.

Liebe Eltern, N.N. und N.N., liebe Patinnen, Frau N.N. und Frau N.N., gebt dieses Gottesvertrauen an N.N. weiter, damit er irgendwann selber in die dargereichte Hand Gottes einschlägt und sein Taufspruch zu seinem persönlichen Bekenntnis wird: „Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.“

Und, liebe N.N., lieber N.N., genießt die Zeit mit eurem Sohn bzw. genießen sie, liebe Patinnen, die Zeit mit ihrem Patenkind, denn die Zeit mit ihm ist ein Geschenk und Geschenke sind kostbar!

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