In der Nähe des Herrn bin ich geborgen

Das ist schon ein mächtig aufregender Tag heute. Für Euch, wie für Eure Eltern. Manche haben sich gewünscht, der Tag wäre längst vorbei, so aufregend war das. Da wurde noch renoviert und vorbereitet, da wurden Sachen gekauft, extra für heute, ihr habt euch eine besondere Frisur machen lassen, extra für heute – jedenfalls die Mädchen, Markus braucht die Haare nicht hochstecken. Was ist das nur für ein Tag. Und vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass manche sagen: da werden sie erwachsen. Natürlich stimmt das nicht. Ihr seid morgen genauso wie heute. Aber vielleicht ist es gut, einmal an einem Tag es festzumachen. Dass Ihr zwar heute nicht erwachsen seid, aber dass Ihr aufgehört habt, Kinder zu sein. Und dass Ihr schon manches an Euch habt, was uns deutlich macht: lange dauerts nicht mehr. Vor zwei Tagen traf ich eine ehemalige Konfirmandin, sie wird nun schon 19 und ich seh es noch vor mir, wie sie hier sitzt. So schnell geht’s. So ein Tag machts deutlich und ist wie ein Bildausschnitt. Eine Momentaufnahme. Und wir feiern so viel. Bis hierher sind sie gekommen, da sind wir froh und dankbar. Und nun sollen sie ja weiterkommen. Und da schleicht sich manches ein an Gedanken und Gefühlen. Wie wird’s denn gehen. Wie werden wir leben. Wonach richten wir uns, was macht uns stark im Leben, damit wir bestehen können in den vielen unsicheren Dingen. Werde ich einen Beruf bekommen und hierbleiben können oder muss ich die Heimat verlassen. Was vielleicht ganz gut klingt, aber viele ganz bitter ankommt. Und umgekehrt, was können wir für unsere Kinder tun, die schon so selbständig sind. Ganz anders als wir es waren. Aber das ist wohl immer so. Wie können wir sie schützen und bewahren. Wie können wir normal, lustig und fröhlich sein und trotzdem die Grenzen wissen? Denn nicht alles, was heute fun macht, ist auch funny.

Auch das geht uns durch den Kopf an diesem Tag und darum ist er so groß und bedeutungsvoll. Fast zu groß und wir sind fast erschöpft. Aber wir feiern noch aus einem anderen Grund. Wir sind in der Kirche und haben getauft und gesegnet. Nicht, weil das eben dazu gehört und weil wir in der Kirche sind. Sondern, weil das alles, was uns bewegt, zusammenfasst.

In der Nähe des Herrn bin ich geborgen. So steht es in der Bibel.

Und das hat einer geschrieben und dann auch gesungen, der eine unsichere Welt erlebt hat. Er hat gesagt: wenn alle Ordnungen zerbrechen, wenn nichts mehr gilt, wenn das Leben aus den Angeln gerät, was bleibt denn dann? Wie kann ich menschlich bleiben, wenn ringsum Gewalt ist? Wie habe ich die Kraft, ganz anders zu sein und nicht bloß mitzulaufen. Vor ein paar Tagen sagte ein Jugendlicher: Na und, das machen doch alle. Ist das nicht schlimm, wenn einer nicht mehr sich selber, sondern nur noch alle ist. Dazu sind wir nicht auf der Welt. Wir sollen ein Ich sein, ein fröhliches, freies, menschliches Ich.

Und dafür steht Gott ein. In seiner Nähe, dort, wo du immer wieder an ihn heran gehst, wirst du Gott erleben. Wörtlich heißt es übersetzt: kann du ihn sehen. Mit anderen Worten: so nahe kann dir Gott sein, dass er dir gegenüber ist, dass du ihn spüren kannst. Und deswegen wäre es der größte Fehler, wenn Ihr heute sagt: so, das wars dann. Das war eben unser Fest, das war der Bildausschnitt beim Erwachsen werden. Gott sagt: das wars noch gar nicht, Du hast heute hier gekniet, du hast dich herabgelassen, damit ich dir was geben kann. Meinen Segen. Und was da passiert ist, kann nicht mal ein Foto wiedergeben. Bleib doch bei mir sagt Gott und du wirst erleben, dass ich dir immer wieder einmal die Hand auf den Kopf lege, um dich zu trösten, um dich zu heilen, um dir gute Ideen zu geben, um dich zu halten.

Und ihr merkt schon, was heute passiert, ist mehr, als man beschreiben kann. Und ihr habt ein ganz großes Glück, dass ihr durch eure Eltern, oder weil ihr es selber wolltet, oder weil es euch einfach Spaß gemacht hat, dass ihr bis hierher gekommen seid. Manche sagen vielleicht: naja, die einen gehen eben zur Jugendweihe und die anderen zur Konfi. Manches ist ähnlich, das Erwachsenwerden, die schöne Kleidung, die Gäste, Geschenke. Und wenn das alles wäre, könnten wir alle zusammen ins Kulturhaus gehen. Eine gute Rede halten könnte ich sicherlich auch noch. Aber uns würde viel fehlen. Euch würde viel fehlen.

In der Nähe des Herrn bin ich geborgen. Das kriegst du nur als Christ mit. Das kriegst du nur mit, wenn du in der Nähe bleibst. Das wird ganz unterschiedlich aussehen. Und so wie früher – sonntags in die Kirche und die 10 Gebote halten – so einfach ist das nicht mehr. Ihr werdet suchen müssen, euren Weg suchen müssen. Und werdet vielleicht auch mal sagen: was soll ich mit Gott, andern gehts genauso gut. Die Frage ist, ob das stimmt. Aber es geht ja nicht darum, wie es andern geht und wie die es machen. Es geht um dein Leben. Und es geht um die Chance, die du hast. In der Nähe des Herrn bist du geborgen. Das ist dein Geschenk heute. Wenn du deinen Weg gehst, erwachsen und erwachsener wirst, einen Beruf wählen wirst, den Partner und die Partnerin, auch wenn du mal ganz allein bist oder tief am Boden, auch wenn du Gott mal nicht verstehst, weil Gott eben so ganz anders ist, wo du dich in seinen Kreis hineinbegibst, in seine Nähe, dort ist er dir nahe. Du wirst das spüren und es wird dir gut tun. Es wird dir so gut tun, dass du es hier drin spüren wirst. Dass es deiner Seele gut geht. Ich weiß nicht, wie es bei anderen geht. Den Erfolgreichen, denen, die Geld haben. Wenn ich mir die Liebesgeschichten von Schauspielern und Sportlern anschaue, dann liest sich das zwar ganz locker, aber es lässt auch ahnen, wie viele Schmerzen sie in ihrer Seele haben. Und das soll euch nicht passieren, auch wenn Ihr keine Promis werdet und ganz normale Menschen seid. Eure Seele soll geborgen sein. Und ich wünsche euch, dass Ihr das erfahrt, dass Ihr einfach sagt, ein Glück, dass ich damals weitergemacht habe mit Gott, dass ich damals in mein Leben gestartet bin und mich dabei nicht von Gott entfernt habe. Ein Glück, dass ich Christ bin, was Besseres konnte mir gar nicht passieren.

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